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Die Briten führen die Wertmarke ein

In UK gibt es ab Frühjahr so etwas wie die Wertmarke in Deutschland. Behinderte Menschen und Senioren können dann im ganzen Land kostenlos Bus fahren. Hab ich schon erwähnt, dass ich ja nicht so der Fan von Gießkannenalmosen bin? Deshalb sehe ich diese Aktion ein wenig kritisch, zumal Tony Blair die ganze Sache zum PR-Spektakel werden lässt.

Busse sind das einzige barrierefreie Verkehrsmittel in London, das ich umfassend nutzen kann. Es ist aber auch das einzige Verkehrsmittel, für das ich nicht zahlen muss. Das finde ich nicht logisch. Ich ärgere mich stattdessen, dass ich für die Tube voll zahlen muss, die lausig barrierefrei ist. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass ich eine Zahlzone weiterfahren muss, wenn ich vom Flughafen in mein künftiges Zuhause möchte. Nur dann komme ich an einer barrierefreien Station an und kann nicht den kürzeren Weg in der Zone davor nutzen. Eine Zone mehr kostet aber auch mehr Geld…

Ich wäre sofort für die Abschaffung der Wertmarke in Deutschland, wenn die Verkehrsmittel barrierefrei wären. Wenn man nämlich eine Dienstleistung gleichberechtigt nutzen kann, kann man auch den gleichen Preis dafür zahlen. Dazu gehört natürlich mehr als Rampen und Aufzüge, sondern auch das barrierefreie Kaufen von Tickets für blinde Menschen etc. So lange das nicht erreicht ist, bin ich für die Wertmarke, die aber sowieso nicht alle behinderten Menschen in Deutschland kriegen, sondern nur Leute, die beispielsweise im Rollstuhl unterwegs sind oder blind sind. Da diese aber vielfach nicht einmal ein Ticket am Automaten ziehen können, weil auch die Automaten nicht barrierefrei sind (das ist in UK definitiv anders!), ist die Wertmarke derzeit wirklich notwendig. Aber überall wo ich problemlos partizipieren kann, zahle ich auch gerne.

2 Kommentare

  1. Die Vergünstigungen bei der ÖPNV-Benutzung für Behinderte in Deutschland zielt aber eben nicht darauf ab, einen Ausgleich dafür zu schaffen, daß der ÖPNV nicht barrierefrei ist.

    Vielmehr geht es darum, Behinderten annähernd vergleichbare Mobilität wie Nichtbehinderten zu ermöglichen. Die Wertmarken-Nutzer, die ich kenne, können sich eben nicht mal kurz aufs Fahrrad schwingen, um in die Innenstadt zu kommen. Sie können dorthin auch nicht laufen und es ist ihnen nicht möglich, einfach einen beliebigen Mietwagen zu nutzen.

    Selbst wenn der ÖPNV also völlig barrierefrei wäre, blieben immer noch gewichtige Nachteile, die durch erleichterte oder verbilligte ÖPNV-Benutzung halbwegs ausgeglichen werden sollen. Ich sehe nicht so ganz, wieso das ein Almosen sein soll.

  2. lachgas sagt:

    Naja, die Wertmarke gibts auch nur mit G im Ausweis, dann kostet sie 60 Euro/Jahr was immer noch sehr günstig ist.