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Das Geheimnis britischer Ampelanlagen

Ich habe mich in London schon länger gewundert, warum es nur so wenige akustische Ampeln gibt. Auf der einen Seite, sind überall Noppen auf dem Boden, damit sich blinde Menschen orientieren können. Nur über die Straße kommen sie nicht. Es passte irgendwie nicht ganz zusammen. Nun bin ich dahinter gekommen. Es gibt eine nicht hörbare Möglichkeit für blinde Menschen mitzukriegen, ob die Ampel rot oder grün ist.

Das hier ist ein normales Tableau, wie es an jeder Ampel in London zu finden ist. Fußgänger müssen das Signal so gut wie immer anfordern.

Ampel

Unter dem Tableau gibt es allerdings einen kleinen Kegel. Wenn es grün ist, dreht der sich. Blinde Menschen können also ertasten, ob es rot oder grün ist. Ich habe in den vergangenen Tagen Stichproben gemacht, den Kegel gibt es an jeder Ampel, wenn ihn nicht irgendwer abgerissen hat.

Kegel unter der Ampelschaltung

3 Kommentare

  1. Marco Krings sagt:

    Hallo,
    diese Technik wir mitlerweile auch hier in Deutschland eingesetzt. Unterhalb des Anforderungsschalters befindet sich an der Unterseite eine eingelassene Metalplatte, die bei grün vibriert.

    Viele Grüße
    Marco Krings

  2. Otti sagt:

    Hallo Marco,

    leider wird in Deutschland dnicht durchgängig der Vibrationsknopf eingebaut. So gibt es blindengerechte Ampeln, wo es nur einen akustischen Signalgeber gibt, was für Menschen mit einer zusätzlichen Hörbehinderung nicht zu gebrauchen ist.

    Dann gibt es wieder Ampeln die nur den Vibrationsknopf besitzen und kein akustisches Signal abgeben und andere die das volle Programm bieten. Bei allen Ampeln, die ich kenne gibt es aber das Problem, dass die nonvisuelle Anzeige nur funktioniert, wenn man während der Rotphase den Signalknopf gedrückt hat. Das führt meist dazu, dass man an Kreuzungen, an denen man über zwei Straßen gehen muss, nicht schnell genug den Knopf an der zweiten Ampel drücken kann. Wenn man z.B. lediglich ein paar Sekunden zu spät den Signalknopf drückt, bekommt man kein Feedback. :-( Das führt dann meist dazu, dass Fußgänger einem zurufen, dass Grün sei und man ihnen einfach glauben muss, weil man ja keine Möglichkeit hat, dies zu überprüfen. Was ich gefährlicher finde, als wenn blinde Fußgänger auf dem letzten Drücker bei Grün die Straße überqueren.

    Die drehenden kleinen Kegel an den britischen Ampeln hingegen drehen sich immer parallel zum Grünsignal . das hervorstehende Drehteil ist sehr schnell zu finden und besser zu fühlen, als der eingelassene Vibrationsknopf in Deutschland.

    Was ich an den Deutschen Knöpfen aber sehr gut finde, ist das fühlbare Dreieck, dass die Überquerungsrichtung angibt. Das gibt einem an Kreuzungen, wo die Ampelmäste nah beiananderstehen, die Sicherheit, dass man an der richtigen Ampel steht und dass das Vibrationssignal auch für die Richtung brummt, bei der man die Kreuzung überqueren möchte.

    In Deutschland hat man sich auch noch nicht darauf geeinigt , ob man nun lieber einen Pilot-Ton oder eher den Boden eindeutig mit den Füßen fühlbar macht, um den Überweg und die Blindenampel anzuzeigen. Zum Teil gibt es auch einen Mischbetrieb von Pilot-Tönen und fühlbarer Bodenmarkierungen an einer Kreuzung, weil man an einigen Kreuzungsecken den Pilot-Ton den Anwohnern nicht zumuten möchte oder die Proteste der Anwohner zu stark ist. (Kann man in Hamburg an der Kreuzung Mittelweg/Milchstraße bewundern.)

    Das hat man in London durchgängig mit extrem fühlbaren Noppenbodenplatten besser gelöst. (Auch wenn ich die Metallnoppen für etwas übertrieben halte.) Diese Lösung ist am Eindeutigsten und stört noch nicht einmal die Anwhoner – wie auch der Drehkegel auch nicht….

    Was mich aber in London wirklich erstaunt hat, dass man diese Drehkegel flächendeckend eingebaut hat. Aber das liegt wahrscheinlich an den vermutlichgeringeren Kosten. Ein kleiner Drehmotor mit einem kleinen Kegel ist bestimmt billiger als ein Vibrationsknopf. Man benötigt keine besondere Steuerung, da der Drehknopf parallel zum Grünlicht geschaltet wird. Man benötigt keine ausgefeilte Akustiksteuerung, die auf die Umgebungslautstärke reagiert. Man benötigt keine Pilot-Töne, die auch ständig Strom fressen, weil die Noppenbodenplatten einfach nur einmal verlegt werden müssen. Und der Verzicht auf die akustische Signale zu Gunsten eines fühlbaren Drehsignals veruursacht keine Wiederstände der Anwohner…

    Viele Grüße

    Otti

  3. STM sagt:

    Ich komme gerade aus China zurück und muss sagen, dass ich sehr erstaunt war. Überall in der Stadt (Gunagzhou), selbst in den baufälligsten Gegenden waren entlang der Gehwege in ca. 1m Abstand zur Fahrbahn Hartgummi-Gehwegplatten mit deutlich spürbaren Längserhebnungen in Gehrichtung eingelassen. Und das vollständig entlang aller Strassen, in Einkaufzentren und U-Bahnhöfen. An Kreuzungen gab es eine Platte mit runden „Noppen“ von der aus dann die Längsplatten in die verschiedenen Richtungen führten. An Straßenrändern, Einfahrten etc. lag eine Platte mit den Erhebungen quer zur Laufrichtung.
    Alle Ampeln hatten akustische Signale (die einen Höllenlärm machten, was notwendig war wegen Verkehrslärm).
    Hatte ich wirklich nicht mit gerechnet, erst recht nicht in den eher ähm „älteren“ Gegenden.