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Christopher Reeve ist tot

Christopher Reeve ist tot. „Nach einem tragischen Reitunfall querschnittgelähmt, kämpfte der Star fortan für die Rechte von Behinderten – und wurde zum Helden sozialen Engagements“, schreibt Spiegel Online. Was in Deutschland, mit Ausnahme von Oliver Tolmein, niemand schreibt ist, dass Reeve zumindest in der Behindertenbewegung hoch umstritten war.

Er bediente die Vorstellung von einem Leben mit Behinderung von nicht behinderten Menschen. Sein größtes Ziel war, wieder nicht behindert zu sein. Das verurteile ich nicht, aber das ist nicht mein Ziel. Weil er sich für die Stammzellenforschung eingesetzt hat, glauben die nicht behinderten Journalisten, dass er sich für Behinderte eingesetzt hat. Dabei lassen sie völlig außer acht, dass nicht zuletzt viele Behindertenverbände gegen die Stammzellenforschung sind.

Viele selbstbewusste, politisch engagierte behinderte Menschen gehen von einem sozialen Modell von Behinderung aus: Nicht die Behinderung ist das Problem, sondern die Umwelt, die Gesellschaft. Warum sollte man dann die Behinderung bekämpfen anstatt die Umwelt für alle zu gestalten? Hinzu kommt, dass die Heilungschancen bei einer Querschnittlähmung immer noch sehr schlecht sind. Warum soll man sich also mit einer Therapie auseinandersetzen, von der man selbst nicht mehr profitiert. „Um anderen ein solches Leben zu ersparen“, antworten jetzt viele Unwissende. Ich finde mein Leben aber gar nicht schlimm und möchte keine meiner Erfahrungen missen, die ich teilweise auch durch meine Behinderung gemacht habe.

Ich habe Christopher Reeve im vergangenen Jahr in Hamburg getroffen als ich die Berichterstattung zu den World Awards gemacht habe. Er wollte sich nur von seiner „weniger behinderten“ Seite fotografieren lassen und ein Manager bestimmte genau, was vom Rollstuhl fotografiert werden durfte. Das hat nichts mit einem normalen Umgang mit der Behinderung zu tun. Mir hat Christopher Reeve keinen Mut gemacht, wie viele Journalisten schrieben. Ich hatte Respekt vor ihm, weil er mit Beatmungsgerät und viel Aufwand die Reise nach Hamburg auf sich genommen hat. Dennoch lag ein solcher Mitleidsduft in der Luft der Musikhalle und im Pressezentrum, dass ich fast daran erstickt bin.

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