Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Britische vs. Deutsche Gebärdensprache

Erst einmal Entschuldigung, dass ich so lange nichts geschrieben habe, aber mein Freund und ich haben seit Weihnachten eine kleine Krankenhaus-Tournee unternommen und kennen bald jeden Gastroendrologen in dieser schönen Stadt. Mir geht es gut, aber mein Freund wird diese Woche operiert – endlich! Ich hoffe, 2010 wird besser als es angefangen hat und als 2009 endete.

Seit November lerne ich British Sign Language (Britische Gebärdensprache) an der Citylit in London. Ich habe in Deutschland schon Deutsche Gebärdensprache (DGS) gelernt (DGS1), kann mich aber jetzt davon überzeugen, dass es wirklich stimmt: Gebärdensprachen sind nicht international. Sie sind teilweise sogar grundverschieden.

Die Britische Gebärdensprache unterscheidet sich schon beim Fingeralphabet von vielen anderen Gebärdensprachen. Die Briten gebärden das Alphabet mit zwei Händen. Die Deutschen nur mit einer.

Der Kurs, den ich besuche, hat ziemlich hohe Anforderungen. De facto muss man jede Woche da sein und zu Hause wirklich lernen, sonst verpasst man den Anschluss. Die Prüfungen werden von einer landesweiten Zertifizierungsstelle abgenommen. Bei meiner ersten Prüfung habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe vor Aufregung das deutsche Fingeralphabet für ein Wort benutzt statt das britische. Und auch ansonsten muss ich aufpassen, nicht alles zu mischen. Am Anfang habe ich die Vokabeln auf Deutsch gelernt, aber britische Gebärden dazu gemacht. Das konnte nicht gut gehen: Wie soll das Hirn kapieren, dass Gemüse mit V auf dem Arm gebärdet wird (V für Vegetable) etc.
Das habe ich mir jetzt abgewöhnt und lerne die Vokabeln auf Englisch.

Heute hatte ich meine zweite von drei Prüfungen in diesem Semester. Es ging darum, zu verstehen, was die Prüferin gebärdet und das zu wiederholen und gleichzeitig selber möglichst viel zu gebärden. Je mehr Vokabeln man kann, umso besser. Man konnte sich das Thema unter drei Themen aussuchen. Ich habe „Meine Familie“ gewählt. Da konnte ich die meisten Vokabeln (Wie sehen die Familienmitglieder aus? Wo wohnen sie? Was sind ihre Hobbys?).

Ganz spannend sind auch die Kursteilnehmer. Rund die Hälfte der 18 Leute ist nicht britischer Herkunft, lernt also von einer Fremdsprache in die andere zu übersetzen – genauso wie ich. Wir haben halb Europa im Kurs (Deutschland, Niederlande, Frankreich, Italien) plus eine Iranerin, einen Iraker, jemand aus dem Sudan, eine Marokkanerin und eine Amerikanerin. Typisch London eben!

Ich hab noch keine Ahnung, was ich mit meiner neuen Sprache anfangen werde. Ich lerne das so schnell wie niemals eine Fremdsprache zuvor. Wäre also schade, es nicht zu nutzen. Ich habe mich jetzt für BSL2 angemeldet und habe auch die Aufnahmeprüfung bestanden. BSL3 führt schon zur Dolmetscherausbildung. Ich werde wohl immer irgendwie Journalistin bleiben, aber ich kenne auch Flugbegleiter, die nebenbei dolmetschen. Warum also nicht? Es gibt im ganzen Land derzeit nur rund 400 BSL-Dolmetscher.

6 Kommentare

  1. Oh, das klingt verwirrend aber auch spannend! 400 klingt nach arg wenig. Kennst Du zufällig DGS-Dolmetscherzahlen in Deutschland?

  2. Christiane sagt:

    Ich habe mal gegoogelt. Focus Online schreibt, es gebe 800 Dolmetscher in Deutschland. Die Zahl aus UK sind nur die, die ordentlich zertifiziert sind und dadurch im landesweiten Dolmetscherverzeichnis gelistet sind. Wer bei den 800 gezählt wird und woher die Zahl stammt, weiß ich nicht. Die Berufsbezeichnung Gebärdensprachdolmetscher ist nicht geschützt.
    Für UK heißt das, auf einen qualifizierten Dolmetscher kommen etwa 150 BSL-Nutzer, habe ich gelesen.

  3. Oh, Du hast gleich nachgeschaut. Danke für die Info!

  4. Jimmy74 sagt:

    Wenn ich das lese, bekomme ich ein schlechtes Gewissen, dass ich als Schwerhöriger noch immer nicht die Gebärdensprache beherrsche. Mit einem fast ausschließlich normal hörendem Freundes und Bekanntenkreis (die paar Senioren mit Altersschwerhörigkeit sind was anderes) habe ich halt nie die Notwendigkeit verspürt, mich in die Richtung fortzubilden.

    Ich denke, ich mache mich jetzt mal schlau, wie und wo ich am Besten lernen kann. Wobei es sicher schwierig wird, so multilingual zu werden wie Du! ;-)

  5. Ines sagt:

    Meine Kinder haben sich das Fingeralphabet selbst beigebracht und nutzen es als „Geheimsprache“.
    Sehr effektiv

  6. @Jimmy74
    habe vor längerem mal versucht, eine Liste von Gebärdensprachschulen in Deutschland zu erstellen, aber zu dem Zeitpunkt waren noch nicht so viele im Netz. Z. Zt. habe ich nur zwei Schulen in Berlin gelistet, die aber ganz interessante generelle Infos bieten. Um einen schnellen Einstig zu finden, gibt es hervorragende Lernsoftware. die auf meiner Webseite (s.o.) gelisteten Produkte haben jeweils sehr gutes Feedback bei Amazon bekommen.

    @Christiane
    erstmal Gruss aus HH, dann: die Links in Deiner Navigationsleiste funktionieren leider nicht (nur der über mich ist OK).

    „lerne die Vokabeln auf Englisch“ – ist auf jeden Fall einfacher, in der Zielsprache zu lernen, als ständig zu übersetzten. Das hirn muss doppelt arbeiten und man wird dadurch langsamer und macht auch leichter Fehler.