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Blindenmission wirbt neben Singer-Artikel

Singer-Artikel mit der Werbung der CBM

Mit dem Slogan «Blindheit ist heilbar» wirbt die Christoffel-Blindenmission (CBM) in der Netzeitung um Spenden – ausgerechnet neben einem Artikel über Peter Singer. Vor 15 Jahren wurde ihm ein Auftritt verboten, weil er das Lebensrecht behinderter Menschen in Frage stellt.

Allein der Slogan «Blindheit ist heilbar» löste bei Betroffenen bereits Verärgerung aus. Ist diese Aussage in ihrer Absolutheit schlicht falsch und damit Teil einer Reihe fragwürdiger Heilsversprechen, wie sie derzeit offenbar Hochkonjunktur haben.

Die Erfolge der CBM in allen Ehren, aber warum setzt eine moderne Hilfsorganisation immer noch auf Mitleid, um für Spenden zu werben? Blindheit ist nicht per se heilbar, auch wenn die Situation in Entwicklungsländern sicherlich eine andere ist als in Deutschland. Aber warum kann man das nicht genauso darstellen?

Völlig entgleist wirkt die Werbung neben einem Artikel über den Besuch von Peter Singer in Deutschland. Ist es Zufall, dass sie dort erschienen ist? Es wirkt geradezu makaber, in einem Artikel zu lesen, dass Singer das Lebensrecht behinderter Menschen in Frage stellt, während daneben eine Hilfsorganisation verkündet, dass eine Behinderungsform – nämlich Blindheit – heilbar ist. Der bittere Beigeschmack bleibt da nicht aus. Das Thema Verhütung von Behinderung findet sich damit nicht nur im Artikel wieder, sondern auch in der Werbung neben dem Artikel.

Die CBM sollte unabhängig von Singer ihre Werbung überdenken. Weder die blinden Menschen in Europa, noch die auf anderen Kontinenten, wollen als bemitleidenswerte Wesen dargestellt werden. Verkürzte Aussagen wie «Blindheit ist heilbar» schadet allen blinden Menschen, auf der ganzen Welt. Werden sie sich doch fragen lassen müssen, warum sie nicht längst wieder sehen können. Zudem sollte aus dem Besuch Peter Singers kein Profit geschlagen werden, in dem man mit solch einer missglückten Werbung neben der entsprechenden Berichterstattung wirbt.

Ein Kommentar

  1. Dominic sagt:

    Die Werbung der CBM neben dem Artikel halte ich einfach für einen unglücklichen Zufall.
    Solche Kombinationen gibt es manchmal auf Nachrichtenseiten, wenn Werbung automatisiert zu bestimmten Kategorien buchbar ist. Das ist sehr makaber, wenn Disney-Werbung neben einem Attentatsbericht erscheint, aber normalerweise ungewollt.
    Im Netz gibt es da dafür sehr schöne Beispiele.

    Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Medien der Allgemeinheit einen nahezu fantastischen Stand der Wissenschaft vermitteln. Da kommen Berichte über (experimentelle!) Gerätschaften, die sich Menschen einbauen lassen um ihre Lebensqualität etwas zu erhöhen und schon denkt der ein oder andere an komplette Heilung.
    Dass sich Träger (allgemein Krankenkassen) da quer stellen würden, wird meist nicht erwähnt, Nebenwirkungen oder etwaige Irreversibilität werden gerne unterschlagen – man will ja die unglaubliche Stimmung des „Berichtes“ nicht zerstören.