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Behinderte Iranerin soll hingerichtet werden

Leyla M., eine 19-jährige Iranerin mit einer so genannten geistigen Behinderung, ist in unmittelbarer Gefahr, wegen «Moralvergehen» hingerichtet zu werden, weil man sie seit ihrer Kindheit zur Prostitution gezwungen hat. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai).

Laut der Meldung einer Teheraner Zeitung wurde sie von einem Gericht in der zentraliranischen Stadt Arak zum Tode verurteilt als sie 18 Jahre alt war. Das Todesurteil sei nun dem Obersten Gerichtshof zur Bestätigung vorgelegt worden.

Leyla M. sei wegen «Handlungen, die der Keuschheit zuwiderlaufen» zum Tode verurteilt worden. Die Anklage bezog sich darauf, dass sie ein Bordell betrieben, Geschlechtsverkehr mit Blutsverwandten gehabt und uneheliche Kinder zur Welt gebracht haben soll, berichtet ai. Vor der Hinrichtung soll sie zudem ausgepeitscht werden. In dem Artikel hieß es weiter, dass sie die Anschuldigungen gestanden habe und es ein Berufungsverfahren geben werde.

Ein Zeitungsbericht vom 28. November 2004 deutete laut ai darauf hin, dass der Berufungsprozess nun abgeschlossen ist. Sozialarbeiter sollen demnach wiederholt die geistigen Fähigkeiten der jungen Frau untersucht haben und jedes Mal zu dem Ergebnis gekommen sei, dass sie über die geistigen Fähigkeiten einer Achtjährigen verfüge. Leyla M. ist jedoch offenbar zu keiner Zeit von gerichtlich bestellten Fachärzten untersucht worden. Das Todesurteil gründete sich allein auf ihr «Geständnis», ohne dass mildernde Umstände ihrer Biografie und ihrer Behinderung berücksichtigt worden wären.

Gemäß des Zeitungsartikels wurde Leyla M. von ihrer Mutter im Alter von acht Jahren zur Prostitution gezwungen und soll dabei wiederholt vergewaltigt worden sein. Ihr erstes Kind habe sie mit neun Jahren. Ungefähr in diesem Alter habe man sie wegen Prostitution zu 100 Peitschenhieben verurteilt.

Als sie zwölf Jahre alt war, sei sie als «zeitlich befristete Ehefrau» an einen Afghanen verkauft worden. Ihr Mutter zwang sie aber auch weiterhin zur Prostitution. Mit 14 wurde Leyla M. erneut schwanger und ein zweites Mal zu 100 Peitschenhieben verurteilt. Nach Vollstreckung der Prügelstrafe brachte sie Zwillinge zur Welt.

Sie wurde erneut verkauft, diesmal an einen 55-jährigen verheirateten Mann und Vater zweier Kinder. Sie musste in seinem Haus weiter als Prostituierte arbeiten, so ai. Obwohl im Fall von «Geschlechtsverkehr mit einem Blutsverwandten» beide Beteiligte nach iranischem Recht die Schuld tragen, ist nach Kenntnis von ai in den vorliegenden Zeitungsberichten nur von ihrer Verurteilung die Rede.

Unterdessen hat die österreichische Außenministerin, Ursula Plassnik, angekündigt, Österreich werde bei der zuständigen Arbeitsgruppe des EU-Rates einen diplomatischen Protest einfordern, um den internationalen Druck in dieser Angelegenheit zu erhöhen. Der Fall werde von Österreich genauestens verfolgt, versicherte Plassnik.

ai hat auf seiner deutschen Internetseite zu Protestschreiben aufgerufen.

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