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Barrierefrei fliegen à la bmi

Ich habe schon sehr lange die Meinung, dass die Fluggesellschaften es sich und ihren Kunden unnötig schwer machen, was die Verbesserung von Barrierefreiheit für behinderte Passagiere angeht. bmi hat mir nun endgültig gezeigt, dass ich recht habe und es auch anders geht, wenn man nur will und ein bisschen mitdenkt.

A320 von bmi
Foto: bmi

Ich war letzte Woche in Berlin und bin mit bmi von London-Heathrow nach Tegel geflogen. Und ich glaube, ich habe einen kleinen Ausblick bekommen, wie Barrierefreiheit in Zukunft bei Airlines umgesetzt wird. Ich hoffe es jedenfalls!

Die Buchung

Es ist immer noch nicht selbstverständlich, dass die Buchung problemlos läuft, wenn man eine Behinderung hat. Die Beförderungsbedingungen mancher Airlines darf man sich eigentlich gar nicht durchlesen, sonst dürfte man gar kein Ticket kaufen, wenn man eine Behinderung hat. Als ich das letzte Mal mit Easyjet geflogen bin, habe ich ihnen schriftlich per Einschreiben mitgeteilt, dass ich ihre Beförderungsbedingungen nicht akzeptiere (sie verlangen eine Begleitperson, wenn man nicht laufen kann). Erstaunlicherweise haben sie mich tatsächlich transportiert und meine Ablehnung akzeptiert. Vielleicht weil ich gleichzeitig die Equality und Human Rights Commission eingeschaltet hatte.

Bei bmi war das alles kein Problem. bmi ist eine der wenigen Airlines in Europa, die mich bereits bei der Online-Buchung anmelden lässt, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und Assistenz benötige. Ich war so skeptisch, dass das wirklich klappt, dass ich nachgesehen habe, ob das IATA-Zeichen WCHC (für Rollstuhlfahrer) tatsächlich eingetragen wurde. Und siehe da: Es war eingetragen.

Der Check-In

Dann bekam ich 24 Stunden vor Abflug eine Mail, ich könne online vorab einchecken, auch mit Gepäck. Ich kenne bislang keine Airline, die mich online eincheckt. Wenn WCHC eingetragen ist, wird der Online-Checkin abgelehnt. Nicht so bmi. Ich konnte mich nicht nur selber einchecken, sondern mir auch noch einen Sitzplatz aussuchen. Ich wählte also einen Fensterplatz in der ersten Economy-Reihe. Übrigens ist die Webseite von bmi auch noch einigermaßen barrierefrei.

Gepäck

Dann kam ich am Flughafen an und sagte, dass ich nur Gepäck abzugeben habe. Ich sei bereits eingecheckt. Man brachte mich zu einem Schalter für Passagiere, die bereits eingecheckt waren, ich gab mein Gepäck ab, mein Rollstuhl bekam einen Anhänger (Tag) und ich konnte gehen. Endlich mal zeitsparend einchecken wie jeder andere Vielflieger auch! Das geht deshalb, weil es in Heathrow (wie auch an vielen anderen europäischen Flughäfen) ein „Special Assistance“-Desk gibt, wo man Assistenz anfordern kann. Ich ging also mit meiner selbst ausgedruckten Bordkarte da hin, sagte ich sei WCHC und bekam Assistenz.

Boarding

Am Gate angekommen, begrüßte mich die verantwortliche Mitarbeiterin und sagte mir, man habe meinen Sitzplatz geändert. Der Flieger sei sehr leer und man habe mir Sitzplatz 1C, also in der ersten Reihe gegeben. In dem Moment war mir klar, dass ich eigentlich gar keine Assistenz brauchte. Ich konnte mit meinem eigenen Rollstuhl zum Sitzplatz fahren und mich umsetzen. Es musste nur noch jemand den Rollstuhl wegnehmen und verladen.

Der Rückflug

Der Rückflug überraschte mich dann noch einmal. Es gibt in Tegel keinen Schalter, um Assistenz anzufordern, was sicherlich auch an der ungewöhnlichen Struktur des Flughafens liegt – Gepäck wird am Gate eingecheckt. Als ich die Bordkarte ziehen wollte (ich hatte wieder meinen Sitzplatz gewählt und eingecheckt), sagte mir der Automat, ich solle mich am Gate melden wegen der Assistenz. Das tat ich auch und es war wieder kein Problem. Die Assistenz kam und die beiden Männer waren genauso überrascht wie ich als wir das Flugzeug sahen.
Es war ein Flugzeug mit neuer Bestuhlung und zumindest der Gang in der Businessclass (wo ich abermals sitzen durfte) war so breit, dass mein eigener Rollstuhl hinein passte. Ich schätze, er war etwa 70 cm breit. Obwohl ich in Reihe 7 saß, konnte ich wieder mit dem eigenen Rollstuhl zum Sitz fahren. Mein Rollstuhl ist 63cm breit. Das ist für mich wirklich Luxus, nicht auf so einem doofen Bordrollstuhl festgeschnallt zu werden.

Die Zukunft

Ich glaube fest daran, dass die Zukunft des Fliegens genau so aussehen wird: Die Leute melden ihre Bedürfnisse online an, hinterlassen eine Telefonnummer für Rückfragen und bekommen am Flughafen Assistenz, wenn sie sie brauchen. Leute wie ich werden mit ihrem eigenen Rollstuhl zum Sitz fahren können. Das Kabinenlayout von bmi zeigt, wie das geht. Und dann kommt ein Packer oder Rampagent und nimmt den Rollstuhl weg. Das spart Kosten (Callcentre, Assistenz) und Zeit. Mit der ständig wachsenden Anzahl an behinderten Reisenden sind es genau solche Lösungen, die sich in Zukunft durchsetzen werden. Ich hoffe es jedenfalls!

Disclosure: bmi ist eine Tochter der Lufthansa, die wiederum ein Kunde von mir ist. Ich habe aber keine direkte Geschäftsbeziehung zu bmi.

14 Kommentare

  1. Jan sagt:

    […]mein Rollstuhl bekam einen Anhänger (Tag) und ich konnte gehen.[…]

    *Das* ist allerdings Service ;-)

    SCNR, Jan

  2. Kati sagt:

    Das klingt ja wirklich super. Es wäre schön, wenn sich andere ein Beispiel daran nehmen würden.

    Sehr interessant auch, was du über EasyJet schreibst. Bisher habe die nämlich wegen der Beförderungsbedingungen immer gemieden.

  3. Axel sagt:

    Das hört sich tatsächlich nicht schlecht an ! Ich kann es mir glücklicherweise erlauben und konnte für meine Mutter bislang immer einen Privatjet chartern. Sophitic Air (http://www.luxusfirmen.com/Privatjetcharter.html) bietet ebenfalls barrierefreie Flüge an. So konnte ich meiner Mutter trotz Rollstuhl nach Nordafrika bringen. Das Angebot von bmi fällt aber nicht so in die Kosten und macht somit für viele Menschen eine Reise möglich. Das finde ich super ! Also weiter so :-)

  4. Andreas sagt:

    Dieser Bericht hört sich wirklich super an! Gut, dass endlich etwas getan wird, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten. Es wurde schließlich lange genug versäumt.

  5. Alina sagt:

    Liegt der Preis für die Flugbuchung dann höher, als für die anderen Passagiere? Oder gilt der Rollstuhl nicht als Gepäck?

  6. Zazou sagt:

    „Die Leute melden ihre Bedürfnisse online an, hinterlassen eine Telefonnummer für Rückfragen und bekommen am Flughafen Assistenz, wenn sie sie brauchen.“
    Und hinterlassen eine Kontaktmöglichkeit jedweder Art für Rückfragen ;) Für die Schwerhörigen und Gehörlosen unter uns. Was ich nämlich ein bisschen nervig finde, ist, dass sich viele Dinge, die eigtl. kurz und knapp zu klären sind, nur am Telefon geklärt werden können. Kann ich aber nicht, weshalb das dann immer andere für mich erledigen müssen *hmpf*
    Aber ich finds toll, dass das bei dir so reibungslos geklappt hat. Wirklich schön!

  7. Kati sagt:

    @Alina: Ich habe noch bei keiner Airline Extra-Gebühren für den Rolli bezahlt, dann wird – gerade hier – sicher auch keine erhoben werden.

  8. Merli sagt:

    Ich will mal hoffen, dass das auch in Zukunft ohne Extra Gebühren sein wird. Ich befürchte allerdings, dass die Airlines in Zukunft auch hier einen Finanziellen Markt sehen werden. Ich hoffe nur, dass das nicht so kommen wird.

  9. Cora sagt:

    Finde ich super, dass sich da wenigstens bei einer Fluggesellschaft mal was tut. Die Beförderungsbedingungen klingen förderungswürdig :P Dann ziehen bestimmt andere Fluggesellschaften auch bald nach.

  10. Werner sagt:

    Deine Beschreibungen klingen wirklich gut. Die Frage ist nur, ob das nicht die Ausnahme ist. Meine Befürchtung ist, dass das nicht zur Regel wird, weil es schlicht nicht rentabel ist :-/

  11. Helga sagt:

    Wir fliegen oft auch mit Rollstuhl. Bisher hatten wir noch Probleme. Demnächst fliegen wir nach Gran Canaria. Bin mal gespannt, wie es abläuft. Das letzte mal waren wir vor 8 Jahren auf den Kanaren und der Rollstuhl von Manuela entsprechend kleiner als der jetzige.

    Übrigens hab ich mit Tegel nur gute Erfahrungen gemacht.

  12. Christina sagt:

    @Alina: Wenn das so wäre würde ich das ziemlich unverschämt von der Fluggesellschaft finden.

    Dass Barrierefreiheit in Flugzeugen 2010 noch kein Standard ist wundert mich wirklich. Es wird an allen erdenklichen technologischen Feinheiten gefeilt aber was relativ einfach umzusetzen wäre wird versäumt.

  13. Kay sagt:

    Danke für den ermunternden Bericht, Christiane.

    Lufthansa wird auch immer besser – sie bieten jetzt auch auf europäischen Flügen einen Bordrollstuhl an. Dies wird in der Buchung als WCOB (Wheelchair On Board) vermerkt.

  14. Sabrina sagt:

    Ich habe von dieser Airline noch nie was gehört. Ich glaube aber, nur die großen Flieger sind gut genug ausgestattet, um auch behindertengerechten Komfort zu leisten. Singapore Airlines war ganz gut.