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Babypanik

Um mich rum hat seit einiger Zeit sowohl der Babyboom als auch die Babypanik eingesetzt. Babyboom, weil gerade um mich rum alle Babys kriegen. Schön! Aber ein Teil der Frauen, die ich kenne, hat die Babypanik. Mit Babypanik meine ich das Phänomen, dass man unbedingt meint, jetzt und sofort schwanger werden zu müssen, weil sonst isses zu spät. Und das sagen mir längst nicht nur von Frauen, die kurz vor den Wechseljahren stehen. Fragt man dann, woher die Panik, bekommt man folgendes zu hören: „Meinst Du ich will ein behindertes Kind?“. Dahinter steckt die Befürchtung, ein Kind mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) zu bekommen.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Frau im Alter von 25 Jahren, mit einem Kind mit Down-Syndrom schwanger zu werden, liegt laut Wikipedia bei weniger als 0,1 %, im Alter von 35 Jahren bei 0,3 %, im Alter von 40 Jahren bei 1 % und im Alter von 48 Jahren bei 9 %. In etwa 97 Prozent aller Fälle liegt keine Chromosomenveränderung vor. Und dennoch herrscht bei Frauen meines Alters bereits eine Panik, die teilweise fast die Freude auf das Schwangersein und das Kind überlagert. Und ich bin gerade einmal 30! Ich kenne nicht viele Menschen mit Trisomie 21, aber die, die ich kenne, sind Kinder von jungen Eltern. Das muss nicht unbedingt ein Zufall sein. Denn erst bei Frauen ab 35 wird in Deutschland verstärkt nach Auffälligkeiten gefahndet. Die jungen Mütter wissen teilweise bis zur Geburt gar nicht, dass sie ein Kind mit Down-Syndrom bekommen. Die Frauen, die es wissen (also vor allem die Älteren), treiben in rund 90 Prozent der Fälle ab. Die Zahl scheint in Deutschland und England identisch zu sein.

Nun will ich keine Debatte über Abtreibung vom Zaun brechen, aber ich habe irgendwie den Eindruck, dass die kommenden Eltern ziemlich unentspannt sind. Dabei ist Kinder kriegen ja eigentlich etwas Schönes. Und ein Kind kann man ja auch nicht so einfach im Internet bestellen. Da heißt es flexibel sein, was die Zeitplanung angeht. Und ich kann mir nicht helfen, aber ich finde Kinder kriegen ähnelt in diesen Zeiten etwas dem Leistungsdruck beim Eiskunstlaufen. Alles muss ganz perfekt sein, der Zeitpunkt und eben auch das Kind. Machen sich die Eltern diesen Druck selbst oder woher kommt der? Ich verspüre den Druck überhaupt nicht, aber ich bin ja sowieso ein eher gelassener Mensch. Vielleicht gibt es auch zu wenige Menschen mit Down Syndrom. Die Menschen haben vor etwas Angst, was sie eigentlich gar nicht kennen. Und je mehr Angst die Leute haben, desto weniger Babys mit Trisomie 21 kommen auf die Welt. Nur so ein Gedanke. Und ich glaube, die wenigsten Frauen kennen die Statistik wirklich. Ich würde gerne mal eine Umfrage lesen, was die Frauen in meinem Alter schätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, mit 35 ein Baby mit Down-Syndrom zu bekommen. Ich bin sicher, die Panik ließe sich aus den Antworten ablesen.

19 Kommentare

  1. „Die Menschen haben vor etwas Angst, was sie eigentlich gar nicht kennen.“ – Genau so ist es. Bravo! Ich bin mit einem DownSyndrom Jungen in unmittelbarer Nachbarschaft aufgewachsen. Und der Gute war einer der herzenswärmendsten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Natürlich war er schwierig, kaum zu bremsen in seiner Kraft und sehr sehr oft sehr sehr krank. Aber er war alles in allem ein toller Kerl. Natürlich brauchten seine Eltern viel Kraft. Und ob ich das könnte, weiß ich nicht. Insofern bin ich froh, daß mein Sohnemann zumindest das nicht mitbekommen hat. Der Rest reicht auch so. Im Grunde gilt aber doch folgendes: Menschen bekommen Kinder. Solche und andere. Aber alle von denen sind auch Menschen. Und nein, auch ich möchte keine Debatte über Abtreibungen. Das entscheide bitte jeder für sich selbst und ich verurteile weder das eine noch das andere. Nur, wenn man Kinder haben möchte, dann sollte man es einfach tun. Genau in dem Moment. Ohne einen Blick auf mögliche Karrieredellen, schlechte Finanzen oder miese Umwelt zu werfen. Sonst wird das nie was!

  2. latita sagt:

    Huhu :)
    Also ich bin jetzt 23 Jahre alt und habe einen drei Monate alten Sohn. Vor knapp einem Jahr hatte ich diesen Hormonshock :) dass ich unbedingt ein Kind will.
    Zum einen lag es daran, dass wirklich jeder mit einem Kind oder Kugelbauch rumrennt und viele davon auch noch jünger sind als ich.
    Ich hatte auch Torschlusspanik, weil ich Angst hatte, ich könne vielleicht gar keine Kinder bekommen (Pille war einfach zu gut, auch bei schlampigem Einnehmen). Man liest ja auch, dass manche Jahre warten. Dazu kam die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt (den gibts irgendwie nie) und mein Alter, wenn das Kind in die Pupertät kommt bzgl. der Nervenstärke :D
    Und: mein Limit war immer, dass ich mit 30 nicht mein erstes Kind bekommen wollte. Eben die Angst, dass ich es dann nicht mehr so gut verstehe mit seinen Problemen. Und mit dem jetzigen Lebensablauf wäre mit 30 die nächste geeignetere Chance.

    Die Überlegungen gingen die ganze Zeit hin und her :)
    Zum Thema Behinderung: Ich hätte mein Kind in jedem Falle ausgetragen und daher auch keine dieser Untersuchungen lassen machen. Trisomie 21 ist bei weitem noch die erträglichste Behinderung.
    Und meist sind das doch liebe Menschen. oder?

  3. Papa in spe sagt:

    Bei uns wurde im Frühjahr entschieden: Jups, die Zeit ist reif. Der Plan sah dann so aus: Juni Pille absetzen und dann noch ne zeitlang NFP (Natürliche Familien Planung -> Temperatur messen etc) betreiben und dann schauen wir mal.

    Naja, nach dem Absetzen der Pille hat sich meine Frau dann etwas verändert :-) Und trotz eindeutiger Warnungen des NFP-Computerleins wollte sie und nun sind wir in der 7. Woche. Druck hatten wir bis jetzt nicht. Abtreibung, bei Behinderung… hmmm, diesem Thema haben wir uns noch nicht gewidmet, werden wir aber dieses Wochenende angehen. Von meiner Seite aus auf keinen Fall!

  4. Ina sagt:

    Am 8.3. habe ich zum Beitrag „(Nicht behinderte) Kinder sind Zukunft“ einen Kommentar zum Druck geschrieben, dem Schwangere in unserem Gesundheitssystem ausgesetzt sind.

    Als wir erfuhren, dass bei unserem Kind eine Wahrscheinlichkeit von 1:11 besteht, dass es eine Trisomie haben könnte, dachten wir, es würde genügen, sich gegen eine Untersuchung zu entscheiden und bis zum Ende der Schwangerschaft mit der Ungewissheit zu leben.
    Nein: Der Druck geht noch weiter. Zahlen haben eine ungeahnte Auswirkung auf Doktoren und Klinikpersonal (Angst vor Regressansprüchen?) und ich bin nicht sicher, ob alle ihre Scheine in Wahrscheinlichkeitsrechnung verdient haben. Die Tatsache, dass eine Wahrscheinlichkeit von 1:11 bedeutet, dass unser Kind zu 90 % keine Trisomie hat, und scheint jedenfalls niemanden zu interessieren und unsere Entscheidung wird immer wieder in Frage gestellt. (Aber auch wenn es eine Wahrscheinlichkeit von 1:5 wäre, sähe ich keine Notwendigkeit für eine Fruchtwasseruntersuchung, höchstens für eine genauere Untersuchung der Organe, damit u.U. direkt nach der Geburt eine OP stattfinden kann).

    Zum Beispiel habe ich bei der Besichtigung der ersten Geburtsklinik gefragt, ob wir als Eltern und Kind genauso behandelt werden wie andere Eltern, obwohl in meinem Mutterpass diese Trisomie-Wahrscheinlichkeit eingetragen ist. Ich wollte einfach ausschließen, dass das Kind routinemäßig erstmal weggebracht und endlos untersucht wird. Die Reaktion des Arztes war keine Antwort auf meine Frage sondern ein eher entsetztes „Haben Sie keine Absicherung vornehmen lassen?“ – „Nein.“ – „Lassen Sie sich unbedingt direkt einen Termin bei mir geben. Da lässt sich noch was machen.“

    Natürlich haben wir eine andere – menschlichere – Klinik ausgewählt.

    Das war nicht die einzige derartige Situation in den letzten Monaten.
    Wenn ich bei Ärzten aufbrausend werde und nicht ruhig bleiben kann, liegt das in deren Augen auch immer an meiner (nicht zugegebenen) Angst vor dem behinderten Kind, und nicht an dem Druck, den mir das System (oder sind es doch die Einzelpersonen?) macht.

    Klar – eine Abtreibung wurde uns nie direkt nahegelegt, sondern „zunächst mal“ nur eine Absicherung der Diagnose. Aber wie Christiane schon geschrieben hat: Ergibt die Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie, wird zu 90% abgetrieben und das müssen die Mediziner doch auch wissen.

    @ Latita: Ich glaube Menschen mit Trisomie 21 sind genauso liebe oder unliebe Menschen wie alle.

  5. Ein Text, der mir aus der Seele spricht.

    Einen guten Anteil an der Panik sehe ich bei den Geburtsmedizinern: Oft legen sie den ohnehin verunsicherten werdenden Eltern nahe, dass es bei einem zu erwartenden Gendefekt kaum eine Alternative zur Abtreibung gäbe.
    Wichtig wäre stattdessen, Kontakte zu Familien herzustellen, in denen jemand Down Syndrom hat!
    Da könnte sich dann schnell zeigen, dass es nicht an der Chromosomenanzahl liegt, ob ein Leben lebenswert und glücklich ist oder nicht.

    Werdende Eltern oder Leute mit Kinderwunsch, die nicht wissen, ob sie das könnten: ein Kind mit Behinderung haben, sollten sich klarmachen, dass die meisten Behinderungen während oder nach der Geburt entstehen.
    So betrachtet sind Fruchtwasseruntersuchung m. E. nicht besonders aussagefähig und gefährden trotzdem das Leben des ungeborenen.

    Hat man Angst vor ungeahnten Herausforderungen und Vorkommnissen ausserhalb der erhofften Normalität, dann darf man entweder garkeine Kinder bekommen oder besser: Muss sich bewusst werden, dass das Leben immer allerhand an Überraschungen parat haben wird!

  6. Kirsten sagt:

    @Latita:
    „erträglichste Behinderung“, „meist liebe Menschen“ – bei solchen Kommentaren schüttelt’s mich.

    @Ina:
    Vielen Dank für deine Schilderung, die gut deutlich macht, wie Statistiken teilweise ausgelegt werden und welchem Druck schwangere Frauen ausgesetzt sind, wenn sie sich bewusst gegen eine Vereinnahmung durch die Maschinerie (und es _ist_ eine Maschinerie, die sich in Gang setzt und zum Selbstläufer wird) der Pränataldiagnostik entscheiden.

  7. bibi sagt:

    Als Mutter eine Tochter mit Down Syndrom von sechs Jahren und einer nichtbehinderten Tochter von drei Jahren kann ich den Artikel mit der Babypanik nur unterschreiben. Ich war 30 Jahre alt, als meine Große zur Welt kam und war völlig überrascht von der Behinderung. Als ich dann zum zweiten Mal Mutter wurde, wurde mir auch nahegelegt, eine Fruchtwasseruntersuchung zu machen. Allerdings wurde auch schnell akzeptiert, dass ich das nicht machen wollte. Meine zweite Tochter wuchs sehr langsam und aufgrund „meiner Erfahrung“ wurde ständig nachgeschaut, ob alles in Ordnung ist. Das war sehr nervig. Ich weiß nicht, ob das auch unter anderen Umständen der Fall gewesen wäre.
    Viele Menschen mit Down Syndrom – ich will es nicht verallgemeinern, aber ich habe es schon oft gehört – haben ein tolles Einfühlungsvermögen und wollen sich kümmern. Deshalb werden sie als liebenswert angesehen. Allerdings: Habt Ihr schon mal ein trotziges Mädchen mit Down Syndrom erlebt? Das dann vielleicht nicht richtig oder überhaupt nicht kapiert, warum das, was es will, nicht geht? UIUIUIUI!
    @frater aloisius: Ich finde die Idee gut, dass man Kontakte zu betroffenen Familien herstellt: Es sieht zunächst wie eine zu grosse Aufgabe aus, die man nicht bewältige kann. Aber man wächst in diese Aufgabe, ein behindertes Kind groß zu ziehen, hinein und stellt sich jeder Herausforderung am besten erst dann, wenn sie kommt und macht sich vorher keinen Kopf darüber, was wäre wenn…
    Ich liebe meine Tochter und möchte allen Mut machen, sich für ein Kind mit Down Syndrom zu entscheiden. Es lohnt sich, trotz aller Widrigkeiten, die ich nicht leugnen möchte.

  8. latita sagt:

    @Kirsten Warum schüttelts Dich da?

    Ich habe es bewusst als Frage formuliert, weil ich bis jetzt ein kind persönlich kennen gelernt hab. Und die war zum Abknutschen.

    Bzgl. erträglich: von einer Freundin der Schwager ist schwerst körperlich und geistig behindert. Das stell ich mir schlimmer vor. Trisomie-Kinder sind ja noch lernfähig.

  9. cabronsito sagt:

    Ich wollte in meinem obigen Beitrag ein Foto darstellen, was leider irgendwie nicht geklappt hat.
    Ein einziges Foto als meinen Beitrag zum bis dahin Gesagten. Und zwar das untere dieser 4 Bilder.
    Eine Ablichtung meines Sohnes Maximilian mit Trisomie 21 Mosaik. Neben meinem zweiten Sohn Niklas das Groesste, was mir in meinem humilden Leben passieren konnte. So schwierig die ersten Momente auch gewesen sein moegen, so gross der erste Schock auch gewesen sein mag, so ungeheuerlich manch andere „Begleiterscheinungen“ auch erscheinen moegen …. aber mir vorzustellen, dass wir diesem kleinen Wesen sein Leben verwehrt haetten – egal zu welchem Zeitpunkt, und sei es mit 23 Wochen – ist mir unvorstellbar.

    Technologie und medizinische Versorgung haben es einerseits moeglich gemacht, dass Kinder mit z. Bsp. dem nach Herrn Down benannten Syndrom heutzutage eine ganz andere Lebenserwartung – nicht nur in Hinsicht auf Laenge – haben; andererseits haben sie uns aber auch das „Phaenomen“ Praenatale Diagnostik beschert.
    Es ist schwierig fuer mich, Stellung zum Thema zu beziehen. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen moechte ich nicht nur den Kopf schuetteln, nein, ich moechte laut schreien, wenn ich von diesem ganzen Abtreibungswahnsinn hoere oder lese. Genausogut kann ich mich aber nicht den Faellen verschliessen, in denen die werdenden Eltern der Situation psychologisch nicht standhalten. Und ich muss definitiv dazusagen, dass auf uns mit Max kein wirklich erwaehnenswerter Fall von Behinderung zukam.

    Ich halte es fuer unmoeglich, dass diese globale Diskussion jemals zu einem befriedigenden Ende gefuehrt werden kann (in Mexiko ist sie gerade wieder aufgeflammt, da man in bestimmten Faellen Abtreibungen erlauben will.)

    Fuer mein Teil kaempfe meinen kleinen Kampf anhand meines persoenlichen Beispiels, um Leuten Mut zu machen. Sowohl vor als auch nach einer PD. Information ueber die Realitaet hilft dabei in allererster Linie. Gerade auch in Deutschland, welches man nicht unbedingt zu den Vorreitern in Sachen DS zaehlen kann.

    Gestatte mir noch eine Erwaehnung, Christiane, falls es jemanden interessiert … alles im Zusammenhang mit Maximilian und dem Down Syndrom findet sich bei mir in der Kategorie Lebenswandel.
    Und vielen Dank, Christiane, fuers Aufgreifen des Themas.

  10. Kirsten sagt:

    @latita:
    Ich stoße mich an der Äußerung, dass Kinder mit Trisomie 21 doch „meist […] liebe Menschen“ seien. Wie Ina oben schon geschrieben hat sind sie genauso lieb und unlieb wie andere Kinder auch.

    Und den Satz, dass Trisomie 21 noch bei weitem „die erträglichste Behinderung“ sei, finde ich erschreckend. Er impliziert nämlich, dass andere Behinderungen schwerer oder gar nicht erträglich sind.

    Noch etwas:
    „Trisomie-Kinder sind ja noch lernfähig.“ -> _Jedes_ Kind ist lernfähig. Zeiten, in denen Kindern mit Lernschwierigkeiten (aka geistiger Behinderung) als lern- und bildungsunfähig bezeichnet wurden, sind dank des Einsatzes vieler Menschen vorbei.

  11. Melody sagt:

    Es geht auch anders – wir haben, obwohl ich fast 41 war, als ich Frühjahr schwanger wurde, vom ersten Tag an erklärt, dass wir keine Untersuchungen durchführen lassen, die über einen Organschall (eventuelle Herzfehler früherkennen) durchführen lassen und alle haben es sofort akzeptiert, auch die Ärzte. Auch, als sich die Schwangerschaft als problematisch entpuppte.
    In der Klinik, die den Organschall durchgeführt hat und auch noch eine weitere Untersuchung (eine Durchblutungsstörung, die dann später doch keine war, musste nochmals geschallt werden), saßen so viele angstbleiche Paare oder so kamen sie mir vor … und ich hatte den Eindruck, dass sich da eine Maschinerie in Gang setzt mit der ersten „richtigen“ Untersuchung, der man nicht mehr so leicht entkommt. Vor allem, wenn man nicht gemeinsam von Anfang an bis zum Ende durchdacht hat, wie man mit eventuellen Problemen oder Risiken tatsächlich umgeht. Dann laufen Dinge einfach ab, die man vielleicht anders entschieden hätte mit mehr Zeit oder weniger Schock. Später muss man dann damit klarkommen.
    Schwangerschaft ist immer ein Risiko, wie das Leben an sich. Ich freue mich, dass wir die richtigen Ärzte haben. Belastend waren einzig die Menschen, die mir leider bis ins letzte öde Detail erklären mussten, warum sie sich kein „behindertes“ Kind antun wollen würden oder könnten, allesamt nichtschwangere ‚Theoretiker‘, versteht sich, die verstört waren, weil ich das Fruchtwasser nicht untersuchen ließ etc.

    Unser bald kommendes Kind ist kein „Hauptsache gesund“-Risiko, sondern in jedem Fall ein überaus kostbares Geschenk. Das größte.

  12. Dorothea sagt:

    Cabronsito,

    kann es sein, dass du unglaublich stolz darauf bist, dein „behindertes“ Kind zu lieben?

  13. Ina sagt:

    @ Dorothea
    Ich kann jetzt nicht für Cabronsito sprechen, aber scheinbar glauben eine ganze Menge Menschen nicht, dass ein Leben mit Trisomie gelebt werden sollte und es möglich ist ein „solches“ Kind zu lieben.
    Da halte ich es nicht für verwunderlich, dass man überschwänglich seine Liebe, die da ist, zum Ausdruck bringt, um ein Gegenbeispiel zu setzen und zu zeigen „Ihr irrt euch“.

    Selbstgefälligkeit kann ich in Cabronsitos Äußerungen nicht erkennen.

  14. cabronsito sagt:

    Ina, Du scheinst wenigstens verstanden zu haben, wovon Dorothea spricht.
    Ich nicht. Nicht diesmal.
    Stolz darauf, jemanden zu lieben? Hmmm…
    Irgendwie passt da etwas nicht zusammen.
    Aber … letztendlich stolz auf mich?
    Was zu Selbstgefaelligkeit fuehrt, wie Ina erkannt hat?

    Nee, ich komme nicht dahinter, was Du meinst.
    Oder wolltest Du einfach nur etwas Gift in die Gegend spritzen?
    Vielleicht kannst Du nochmal klar sagen, woran Du etwas auszusetzen hast. Damit auch ich´s kapiere. Wenn´s Dir wichtig genug ist.

  15. latita sagt:

    @Kirsten schade, dass du meine Worte so auf die Waagschale legst.
    Ein Kind, dem eine Gehinrhälfte fehlt ist sicher sehr viel schwerer zu pflegen. Daher das erträglich. Erträglich auch deshalb, weil sich einige Menschen schon bei einer solchen Behinderung gegen das Kind entscheiden. Für mich nicht nachvollziehbar, weil es psychisch und körperlich beslastenderes gibt.
    Zeitgleich schrieb ich auch, dass ich bisher nur einen Menschen persönlich kennengelernt habe, der Trisomie 21 hat. Darum auch das Fragezeichen hinterher.

  16. hajo sagt:

    Christiane

    Ich hoffe nicht,dass ich wirklich bei Ihnen in Ungnade gefallen bin, obwohl ich Ihrer Auffassung der Einstellung von „Normalos“ zu „Behinderten“ (man beachte unbedingt die „“) nicht teile.

    Ich will mich hier melden, obwohl (oder besser WEIL) ich 3 liebe Kinder (allerdings in einer Patchwork-Familie) und 2 ebenso liebe Enkel (auch patchwork) habe.

    Ich kenne jedoch eine Familie, die ein Kind mit Down-Syndrom hat.
    Mit „diesen“ Kindern lebt es sich sicherlich im Rahmen von Vor-Urteilen schwerer, auch werden durch politische/behördliche Einflüsse materielle/psychische Nachteile alles andere als aussgeglichen , zumindest die Liebe (mir fällt kein anderes Wort ein), die von diesem „Beeinträchtigten“ ausgeht(ich will bewusst nicht das Wort „Behinderte“ vermeiden, um Ihren Zorn nicht noch einmal – unberechtigt – auf mich zu laden), gibt Momente, die entschädigen.

    Bitte betrachten Sie dies nicht wieder mal als provozierend. Vielleicht bin ich nur etwas ungeschickt im Ausdrücken meiner Gefühle.

  17. Aci sagt:

    Ich bin froh, dass meine Mutter nicht auf all die Ärzte gehört haben, die ihr weißmachen wollten, mein Bruder wäre so behindert, dass sie ihn doch bitte abtreiben lassen solle. Sie musste hart dafür kämpfen: Gegen das Unverständnis der Ärzte und des Pflegepersonals und letztendlich auch gegen ihre Familie, die kein „behindertes Kind“ haben wollte.
    Nunja, ich bin dankbar für meinen Bruder. Und -surprise surprise- er ist doch gesund gewesen.
    Gut, das ist jetzt auch schon 16 Jahre her und die Untersuchungsmethoden sind heute bestimmt genauer, aber erschreckend finde ich diese „Aussortierung“ doch.

    Immerhin gibt es bei uns in der Familie einen „Fall“ von Trisomie und Dieter ist 50 geworden. Und er hatte ein tolles Leben und viel Freude. Ganz gleich, ob er nun „behindert“ war oder nicht. Er war nicht immer ganz einfach, aber hey, wer ist das schon?

  18. Nana sagt:

    Ich habe mit 39 mein erstes Kind bekommen. Wir haben ausser einem grossen Ultraschall nichts weiter unternommen, auf Fruchtwasseruntersuchungen und dergleichen von vorneherein verzichtet. Ich hatte eine großartige Unterstützung durch meine eigene Frauenärztin, die mit 41 gerade ihr letztes Kind bekommen hatte.
    Ich empfinde das Problem liegt vorangig in der Gesellschaft. Menschen, die besondere Kinder haben, werden doch schneller ausgegrenzt. Davor hat jeder Angst.
    Wäre es wirklich akzeptiert, daß es unterschiedliche Menschen gibt, würde auf Wertungen verzichtet und sich einfach gegenseitig geholfen (und gerade Eltern benötigen oft Hilfe von außen, sei es zum Babysitten oder anderes), dann wäre die Situation vielleicht anders und die Babypanik hilte sich in Grenzen.
    Übrigens kann man sein ganzes Leben lang behindert werden. Davon aber spricht kaum einer.