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Tag Archiv für Pass

Die DDR lebt

Da ich immer noch keinen Telefonanschluss (geschweige denn Internet) in meiner Wohnung in London habe – man lernt die Telekom wirklich zu schätzen, wenn man mit British Telecom zu tun hat – fällt mir das Bloggen etwas schwer. Da ich aber wieder zurück in Hamburg bin, zumindest für ein paar Tage, genieße ich meinen Breitbandanschluss.

Ich bin mit der Eröffnung eines Bankkontos ein wenig weitergekommen. Da ich einen Brief mit meiner Adresse vorzuweisen habe, wurde nun immerhin ein Vorgang eröffnet. Dieser wird aber erst zum Abschluss gebracht, wenn ich nicht nur einen Brief, sondern auch eine Rechnung habe, die meine Identität bestätigt. Wahnsinn! Fast wäre die Eröffnung des Kontos aber an den mangelhaften Geschichtskenntnissen der Bearbeiterin sowie der Entwickler der Banksoftware gescheitert. Denn in dem seit zwei Tagen (!) neu installierten Bankprogramm muss man als Deutsche angeben, ob man Bürgerin der Deutschen Demokratischen Republik oder der Bundesrepublik Deutschland ist. Und wer jetzt meint, ein Hinweis auf den Mauerfall im Jahr 1989 reiche aus, um nachzuweisen, dass man einen BRD-Pass hat, der kennt die britischen Banker nicht. „Da ändert sich ja ständig etwas“, musste ich erstaunt zur Kenntnis nehmen. Und dann kam die Frage aller Fragen: „Können Sie beweisen, in welchem der beiden Staaten Sie Bürgerin sind?“.

Ich hatte meinen Pass noch nie daraufhin untersucht, ob man ablesen kann, dass ich nicht aus der DDR komme, die es sowieso nicht mehr gibt. Aber auf der letzten Seite wurde ich fündig: „This passport is the property of the Federal Republic of Germany„. Danke, liebe Menschen in der Bundesdruckerei. Ihr habt mich mit diesem Hinweis einem Bankkonto ein wenig näher gebracht. Die Bankerin war zufrieden und glaubte mir jetzt, dass ich nicht DDR-Bürgerin bin.

Noch etwas war interessant bei der Kontoeröffnung. Ich musste als behinderte Kundin unterschreiben, dass ich zur Kenntnis genommen habe, dass sich die Bank bemüht, mich nicht zu diskriminieren. Also jedenfalls nicht als behinderte Kundin. Von der Staatsangehörigkeit war ja nicht die Rede.