Tag Archiv für Barrierefreiheit

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Die Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr eine Vereinbarung über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Das 40 Seiten starke Papier ist jetzt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vom Englischen ins Deutsche übersetzt worden –offensichtlich von Menschen, die das Fachvokabular nicht so richtig drauf hatten. Da wurde „Inclusion“ mit Integration übersetzt, „Living independently“ als „unabhängige Lebensführung“ statt als „Selbstbestimmt Leben“ und „accessibility“ mit „Zugänglichkeit“ statt mit „Barrierefreiheit“.

Jetzt gibt es einen Aufschrei und eine Anfrage im Deutschen Bundestag. Ja gut, man muss sich schon fragen, warum im Bundeministerium keine Leute sitzen, die die Fachbegriffe kennen. Der Begriff Barrierefreiheit hat sogar Einzug in die deutsche Gesetzgebung gefunden und ist eindeutig definiert. Auch Integration und Inklusion sind zwei verschiedene Dinge, aber trotzdem lässt mich das irgendwie kalt, weil ich nicht so richtig sehe, was eine korrekte Übersetzung ändern würde. Dennoch halte ich die Konvention für sehr wichtig, aber dass sie konkrete Veränderungen bringt, daran kann ich noch nicht so richtig glauben.

Die Gaffer von LH4758

Flughafenbus mit Gaffern

Das sind die Gaffer von Lufthansa-Flug 4758 München nach London-Heathrow am 22. Januar. Leider etwas unscharf. Aber mehr gab meine Handykamera auf dem wackeligen Bordrollstuhl nicht her. Aber es kommt ja auf die Geste an. Ich meine damit, sich nicht wehrlos begaffen lassen zu müssen, sondern zurück zu schießen. Miriam Meckel hat mich wahrscheinlich inspiriert.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich in dieser Situation wiederfinde: Unser Flugzeug hatte eine Außenposition, weil eine Maschine vor uns die Fluggastbrücke gerammt hatte. Während die anderen Passagiere mit dem Flughafenbus zur Maschine gebracht werden, fahre ich mit einem eigenen Wagen und den Assistenzleuten vorher ab. Wäre am Gate eine einigermaßen helle Mitarbeiterin gewesen und wären die Assistenzleute pünktlich gekommen und hätten dann noch einen Hublift benutzt, wäre mir diese Situation erspart geblieben.

Sie trugen mich aber die Treppe hoch, während der Bus mit den anderen Passagieren bereits wartete. Der Bus bekam vor lauter Gafferei fast Schlagseite. Meine Empörung nutzte nichts. Sie gafften weiter. Aber ich erinnerte mich an mein Handy in meiner Jackentasche. Und tatsächlich ist es mir auf den wackeligen Bordrollstuhl gelungen, ein Foto von den Gaffern zu schießen. Nicht scharf, aber es kam mir auf die Geste an. Das nächste Mal wird gezoomt…

I think you’re very brave

Ich bin vor kurzem gefragt worden, was die Ursache dafür sein könnte, dass viele Leute in England anders mit mir umgehen als in Deutschland. Ich habe geantwortet, ein Grud dafür könnte sein, dass viele Briten nicht meine Behinderung als die Ursache für Probleme ansehen, sondern die Umstände, also bauliche Gegebenheiten beispielsweise, die geändert werden müssen.

Jetzt habe ich einen Film entdeckt, der genau diese Einstellung propagiert, in dem er die Realtität einfach umdreht. Hier die Kurzversion:

Und hier der ganze Film in zwei Teilen:

Zurück in London

Ich bin zurück von meinem kurzen Tripp nach Good Old Germany und habe gestern abend noch ein paar schöne Abenteuer erlebt. Als ich endlich in London ankam, fand ich mich in einem Rollstuhl mit gebrochenem und verbogenen Hinterrad wieder. Ich kümmere mich gerade um die Ersatzbeschaffung und die Kostenübernahme.

Überhaupt waren die beiden Tage in Frankfurt ganz interessant und eine Herausforderung. Ich stand ständig vor defekten oder besetzten Fahrstühlen, diskutierte ständig mit irgendwem rum. Sehr bezeichnend war die Situation abends an der Hauptwache. Ich wollte zur Hauptwache, aber dort war der Fahrstuhl bei der S-Bahn defekt. Also musste ich weiter bis Konstablerwache fahren und dann über die Zeil zurück zur Hauptwache rollen. Es war schon nach 20 Uhr und wenig Autos unterwegs und ich hatte es ja eilig. Extratouren hatte ich nicht eingeplant. Also bin ich bei Rot über die Ampel. Da plärrt eine Frau hinter mir her: „Dass Sie in Ihrer Situation auch noch bei Rot über die Ampel müssen. Das muss doch wohl nicht sein.“

Im Supermarkt belehrten mich Kunden „Nicht, dass Ihnen das vom Schoss fällt“ und ein Bahnmitarbeiter antwortete auf meine Frage, warum man während der mehrmonatigen Schließung und Umbau des Regionalbahnhofs Frankfurt-Flughafen nicht auch gleich einen ebenerdigen Einstieg ermöglicht hat: „Das ist zu teuer.“ Als ich ihm sagte, dass es doch auch teuer ist, dass er mich jetzt zur S-Bahn bringen muss, sagte er: „Das stimmt. Und der Servicepoint ist währenddessen auch zu. So viele Menschen die wegen Ihnen keine Auskunft bekommen.“ Ich habe ihm dann versucht zu erklären, dass die nicht „wegen mir“ keine Auskunft bekommen, sondern weil die Bahn nicht in der Lage ist, Zug und Gleis auf eine Höhe zu bringen und genügend Personal zu stellen.

Und so führte ich eine Diskussion nach der anderen, rechtfertigte mich hier und dort für mein ansich normales Verhalten und als ich am Dienstag im Flieger saß, war ich sooooo müde. Und hatte ganz stark das Gefühl, ich fliege nach Hause. Als ich zu Hause ankam, sagte ich zu meinem Freund „Ich glaube, ich werde alt. Ich steck diese dummen Kommentare und nervigen Menschen nicht mehr so gut weg.“ Darauf meinte er: „Nee, Du bist die nur nicht mehr gewöhnt.“

Andere Länder, andere Bürokratie

Einige Dinge, die man als behinderter Bürger hier bekommt, sind von der Gemeinde finanziert. Das bedeutet, wenn man umzieht muss man sie neu beantragen. Den Freedom Pass zum Beispiel oder die Taxicard. Greenwich Council hat mir jetzt geschrieben, sie könnten meinen Antrag nicht bearbeiten. Auf meinem Nachweis, dass ich behindert bin, stehe noch die alte Adresse. Es handelt sich dabei um ein Schreiben des Department for Work and Pensions (DWP). Ich sollte einen Nachweis mit aktueller Anschrift einsenden.

Was habe ich mich geärgert am Wochenende und gedacht „Wie soll ich den nur beschaffen?“. In Deutschland habe ich teilweise den Bescheid von 1979 eingereicht, wenn er verlangt wurde. Natürlich mit falscher Adresse und unterdessen geänderten Gesetzen.

Ich habe heute beim DWP angerufen und gefragt, was man denn da tun kann und ob sie das Problem kennen. Da sagte die Frau am anderen Ende: „Wieso Problem? Wir schicken Ihnen den Bescheid noch einmal mit aktualisierter Adresse zu. Geht heute noch in die Post.“

Das ist hier wirklich ein anderes System. Keine Behörde in Deutschland würde einen Bescheid zwei Mal rausschicken. Auch die Bürokratie funktioniert hier definitiv anders.

Die taz klärt uns auf

Danke, liebe taz, für die Aufklärung! Wie hätten wir dummen Leser denn ohne Dich gewusst, dass „Behinderte keinen Deut besser als ’normale‘ Menschen“ sind? Und wie hätten wir ohne Dich wissen sollen, dass „auch Behinderte, Schwule, Schwarze und Frauen dopen.“ Da braucht es einen Kommentar, in dem wir das erfahren.

Besonders gut gefallen hat mir die Formulierung: „Behinderte sind – abgesehen von einem körperlichen Handicap – keinen Deut besser als „normale“ Menschen.“ Also das „körperliche Handicap“ macht sie schon besser als „normale Menschen“ oder wie soll ich diese Formulierung verstehen? Erst dachte ich, die taz hat ja wirklich eine interessante Sichtweise. Behinderung als Zusatzqualifikation oder so. Aber dann kam mir der Gedanke, dass vielleicht einfach die Stelle beim Redigieren übersehen wurde. taz-Redakteure sind eben auch nicht besser als „normale“ Redakteure. Und das ist auch gut so!

Arzt von Ashley nimmt sich das Leben

Der Arzt, der die operativen Eingriffe bei dem behinderten Mädchen Ashley in den USA zu verantworten hat und deshalb im Zentrum einer weltweiten ethischen Debatte stand, hat sich das Leben genommen, berichtet MSNBC.

50 Jahre Contergan

Am 1. Oktober 1957, kam Contergan in Deutschland auf den Markt, hergestellt von der Stollberger Firma Grünenthal. Es war ein Schlafmittel, das auch für Schwangere gut verträglich sein sollte. In der Folge kamen tausende Kinder mit Fehlbildungen und fehlenden Gließmaßen zur Welt.

Der Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer (BCG) in Köln hat aus diesem Anlass eine Mahnwache vor den Werkstoren von Grünenthal veranstaltet und zu einem Boykott von Produkten von Grünenthal und seiner Tochterunternehmem aufgerufen. Es geht unter anderem um zu geringe Entschädigungsleistungen. Grünenthal zahlte damals über 100 Millionen Mark plus 10 Millionen Zinsen in eine Stiftung ein. Der deutsche Staat zahlte weitere 100 Millionen DM ein. Streitpunkt ist seit Jahrzehnten die geringen Rentenleistungen. Knapp über 500 Euro bekommt ein Contergangeschädigter maximal im Monat. Das deckt weder Pflegekosten noch sonstige Aufwendungen.

In den Leserbriefen bei Kobinet liefern sich derzeit Contergangeschädigte und Mitarbeiter von Grünenthal einen Schlagabtausch. Die Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze, wenn Grünenthal noch einmal zur Kasse gebeten würde und kritisieren den Boykottaufruf. Die Contergangeschädigten wollen selbstbestimmt leben, dafür reicht aber das Geld nicht. Und um die Gerechtigkeit geht es natürlich auch. Unterdessen zahlt der deutsche Steuerzahler nämlich die Renten, weil das Geld von Grünenthal längst aufgebraucht ist.

Ich kann die Empörung der Contergangeschädigten verstehen, auch wenn ich finde, dass sie bereits in den vergangenen Jahren besser ein wenig lauter gewesen wären. Ich finde den Vergleich, der damals ausgehandelt wurde, völlig realitätsfern. Niemand hat darüber nachgedacht, wie man die Pflege von jemandem ohne Arme und Beine dauerhaft finanzieren soll. Vieles wurde auf die unterdessen betagten Eltern abgewälzt. Wer einen Schaden verursacht, muss ihn auch wieder gut machen. Warum das bei Grünenthal nicht gilt, verstehe ich nicht. Mit Schaden meine ich in erster Linie, dass behinderungsbedingte Kosten übernommen werden. Es geht nicht darum, Milionen an Schmerzensgeld auszuzahlen, sondern einen wirklichen Nachteil auszugleichen.

Ich bin selber durch einen ärztlichen Kunstfehler querschnittgelähmt und mein Lebensstandard ist nur deshalb ein normaler, weil nicht auch noch die behinderungsbedingten Mehrkosten auf meinen Schultern lasten. Die Berufshaftpflichtversicherung des verursachenden Arztes tritt dafür ein. Um mal ein Beispiel zu nennen: Der Umbau meines Autos auf Handgas und Handbedienbremse hat fast 4000 Euro gekostet. Wäre ich contergangeschädigt hätte ich dafür in Deutschland unter Umständen keinen Kostenträger. Die Krankenkassen sind für sowas nicht zuständig. Teilweise zahlen die Arbeitsämter den Umbau, aber nur wenn man eine Arbeitsstelle hat. Nun ist die Beschäftigungsquote von Leuten mit derartigen Behinderungen aber eher bescheiden. Die Mehrheit hat also keinen Kostenträger. Und es gäbe noch viele andere Beispiele. Eine 24-Stunden-Assistenz, die jemand, der keine Beine und Arme hat, unter Umständen braucht, deckt die Pflegeversicherung nicht ab. Das Sozialamt springt ein und ich kenne mehrere Leute, die auf Hartz IV-Niveau runtergekürzt wurden, um die Pflegekosten zu decken (die Angehörigen auch gleich mit). Und da verstehe ich die Wut so mancher Leute auch nach 50 Jahren schon, wenn sie erahnen, wie die Bilanzen der Firma Grünenthal aussehen.

Die wenigsten wollen sich bereichern, sondern ein einigermaßen normales Leben führen, was mit 500 Euro nicht zu machen ist. Behindert sein ist teuer.

Die Tagesthemen haben vor ein paar Tagen eine Bericht zu Contergan gezeigt und dabei einen Mann ohne Arme porträtiert. Er ist Stellvertreter des Landrats und Paralympicsteilnehmer. „Ganz beeindruckend“, „toll wie er sein Leben meistert“ und andere Floskeln kamen schon in der Anmoderation vor. Sie haben auch erwähnt, dass es die Mahnwache vor dem Werksgelände gab. So ganz stimmig war der Teil der Sendung nicht. Und ganz fair war auch der Interviewte nicht. Er hat eher abfällig über die Leute geredet, die sich immer noch an Grünenthal reiben. Die Lebenssituation von Contergangeschädigten ist eben nicht homogen. Wer einen Arbeitsplatz hat und nicht auf Pflege angewiesen ist, den interessiert Grünenthal vielleicht nicht mehr. Ich interessiere mich auch nicht mehr für den Arzt wegen dem ich querschnittgelähmt bin – jedenfalls so lange nicht wie seine Versicherung meine behinderungsbedingten Kosten begleicht. Ich kann aber Leute verstehen, die sich alles vom Mund absparen müssen, für jeden Mist mit den Behörden und Krankenkassen diskutieren müssen und die wissen, der eigentliche Verursacher würde Hilfsmittel xy aus der Portokasse zahlen. Das würde mich wahrscheinlich auch bis an mein Lebensende an Werkstore treiben.

Die Letzten werden die Ersten sein

Da mein Auto derzeit ja bei Freunden in South Harrow steht, so lange wir noch in dieser Wohnung ohne Parkplatz wohnen, fahre ich jetzt immer mit dem Bus dorthin und hole es ab. Ich habe ja keine Lust, dass es mir nochmal hier aufgebrochen wird.

Der Bus, der dort hinfährt, ist ein kleiner einstöckiger Bus, der alle 20 Minuten kommt oder dann, wann der Fahrer es will. Als gestern der Bus kam, sagte mir der Fahrer, ich könne nicht mit. Es seien bereits zwei Kinderwagen im Bus. Die Regeln sind hier so: So lange kein Rollstuhlfahrer mit will, können die Leute mit Kinderwagen den Stellplatz nutzen. Sobald einer kommt, müssen sie den Kinderwagen falten. Das ist auch überdeutlich in jedem Bus auf Schildern zu lesen.

Hinweisschild fuer Kinderwagen
Buggies can use this area if is not needed by a wheelchair user. Buggies may need to be folded at busy times.

Es gibt hier so viele Kinderwagen, dass ich nie in den Bus käme, wenn es anders wäre. Die Busse kommen sowieso nie, wenn sie kommen sollten, dann ist bei jedem Dritten die Rampe kaputt und wenn ich dann auch noch mit den Müttern um den Stellplatz kämpfen müsste, bräuchte ich das Haus gar nicht verlassen.

Hinzu kam in diesem Fall auch noch, trotz der beiden Kinderwagen, war (wenn auch ziemlich gequetscht) noch Platz für mich. Ich fing also an, mit dem Busfahrer zu diskutieren. Ich erklärte ihm, dass er mich mitnehmen müsse, dass Busunternehmen verpflichtet seien, Rollstuhlfahrern den gleichen Service anzubieten wie anderen Menschen etc. Keine der beiden Mütter wollte den Kinderwagen falten. Ich habe keine Ahnung, warum nicht. Die Kinder waren im lauffähigen Alter. Der Busfahrer hatte aber auch nicht den Mumm, ihnen zu sagen „Falten oder Ihr lauft“.

Ich habe also auf Mitnahme bestanden und dann wurde es ihm doch zu heiß. Er rief seine Leitstelle an und fragte, ob er mich wirklich mitnehmen müsse. Die Leitstelle wollte auch keine richtige Entscheidung treffen, tendierte aber zu „Nein“. Entscheidungen herbeizuführen, ist hier mitunter etwas schwierig. Dann habe ich die Leitstelle angerufen und gefragt, was das solle. Der Bus stand immer noch in der Haltestelle. Die Leitstelle sagte mir, sie reden nicht mit Passagieren. Großartig!

Das ganze Theater dauerte eine ganze Weile. Irgendwann fuhr der Bus doch weg und kurz danach kam der nächste. So lange hatte das gedauert! Also nahm ich den nächsten Bus und nach ein paar Kilometern hatten wir den anderen Bus eingeholt und wenig später überholt. Als ich in South Harrow ausgestiegen bin, kam der andere Bus erst an. Ich habe dem Fahrer dann noch freundlich zugewunken.

Tagesschau.de und Leben mit Behinderung

Die Volontäre von Tagesschau.de haben ein Dossier zum Leben mit Behinderung erstellt. Was hätte man alles machen können…

Leider ist es schon wieder das gleiche, wie immer: Eine Frau erzählt, wie schwer es war als sie ihr Bein verlor, Sexualbegleitung für behinderte Menschen und eine FAQ erläutert den Begriff „Behinderung“. *gähn* Kann man das Thema nicht mal irgendwie einfallsreicher behandeln? Und vor allem nicht so medizinisch und definzitorientiert.

Wo ist das Interview mit einem Vertreter der Behindertenbewegung? Das Behindertengleichstellungsgesetz kommt gar nicht vor. Immerhin haben die Volontäre Art. 3.3 des Grundgesetzes entdeckt. Wo ist die internationale Einordnung? Wo steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern? Und Menschen mit geistiger Behinderung kommen in dem ganzen Dossier überhaupt nicht vor. Auch nicht Familien mit behinderten Kindern. Ich finde das Dossier ziemlich weichgespühlt und nicht sehr fundiert. In dem Gebärdensprachartikel zu schreiben, es gebe keine einheitliche Deutsche Gebärdensprache, ist zu ungenau und missverständlich. Nur weil es in Bayern Radler heißt und in Hamburg Alster, sagt ja auch keiner, es gebe keine einheitliche deutsche Sprache. Die Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 als eigene Sprache anerkannt. Das muss man wissen und erwähnen, wenn man so einen Beitrag schreibt.

In den kommentierten Links „Hilfe zur Selbsthilfe“ als erstes auf die Bundesagentur für Arbeit zu verweisen, zeugt von ziemlicher Ahnungslosigkeit. Und warum haben die Volontäre nicht mal recherchiert, wie viele Leute durch die ebenfalls verlinkte Kampagne „Jobs ohne Barrieren“ wirklich dauerhaft in Lohn und Brot kamen?

Vielleicht würde es dem NDR ganz gut tun, mal mehr Volontäre und Journalisten mit Behinderung einzustellen. Dann ändert sich vielleicht auch ein wenig der Blickwinkel der Redaktion. Aber auch für nicht behinderte Journalisten ist es nicht schwer, sich mal in das Thema wirklich einzuarbeiten und nicht immer nur an der Oberfläche zu kratzen.