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Mit Hilfsbereitschaft zur Unfallversicherung

Das Verhältnis zu meiner Bank ist seit längerem nicht ganz ungetrübt. Zum einen schicken sie mir hin und wieder Werbebriefe für Versicherungen, die sie mit meiner Person dann doch nicht abschließen möchten (behinderte Menschen bekommen in Deutschland so gut wie keine Berufsunfähigkeitsversicherung).

Und auch meine Beschwerde, dass die einzigen barrierefreien Geldautomaten nach 22 Uhr nicht mehr erreichbar sind und sie auf einen für mich unerreichbaren Geldautomaten verweisen, hinderte die Bank nicht daran, den Kundenbereich seit einiger Zeit nach 22 Uhr zu schließen und auf einen viel zu hoch montierten Geldautomaten an der Hauswand zu verweisen. Der Filialleiter schrieb mir aber, ich solle meine Bankgeschäfte doch auf die Zeit vor 22 Uhr verlagern. Aha, nur die nichtbehinderten Kunden dürfen nach 22 Uhr noch Geld holen. Ganz toll. Die Filiale befindet sich übrigens in der Nähe von Kneipen, Restaurants und einem Kino. Da braucht man auch mal nach 22 Uhr Geld.

Das alles hindert die Hypovereinsbank aber nicht daran, mit dem Thema Behinderung zu werben, wie ich heute feststellen konnte.

Ich war in meiner Filiale, um einen Scheck einzulösen. Als ich fertig war, bemerkte ich, dass auf der Taschenablage des Schalters eine Krücke lag. Ich wies den Mitarbeiter darauf hin, dass wohl jemand seine Krücke vergessen hat und er begann zu stammeln. Die Bank hätte die Krücke dahin gelegt, um mit den Kunden über das Thema Unfallversicherung ins Gespräch zu kommen. Mit mir wollte er allerdings darüber nicht ins Gespräch kommen. Klar. Auch Unfallversicherungen kriegen behinderte Menschen eher selten.

Ich würde aber gerne mal mit der Werbeagentur oder der Abteilung ins Gespräch kommen, die sich das ausgedacht hat. Die Hilfsbereitschaft der Menschen („Da hat jemand seine Krücke vergessen“) auszunutzen, um Versicherungen zu verkaufen, das kann unter Umständen nämlich Kunden kosten.

21 Kommentare

  1. Katja sagt:

    Mit Erlaubnis, würde ich gerne gelegentlich Deine Eintrage für meine Leser übersetzen, mit Trackback natürlich. Wäre das in Ordnung?

  2. Wie scheiße ist das denn? 

    Wie bekloppt müssen Werbe- oder Marketingabteilungen eigentlich sein, um sich so was auszudenken? Ich weiß auch nicht genau, ob es Zivicourage oder Blödheit ist, dass die Mitarbeiter das dann auch noch an ihre Kunden weitersagen. Jedenfalls hat Chri…

  3. roxomatic sagt:

    Originelle Hypovereinsbank?

    Wohl kaum. Eigentlich dachte ich, die gibt es nicht mehr. Anscheinend doch noch.

    Ich war in meiner Filiale, um einen Scheck einzulösen. Als ich fertig war, bemerkte ich, dass auf der Taschenablage des Schalters eine Krücke lag. Ich wies…

  4. […] English Version of Mit Hilfsbereitschaft zur Unfallversicherung: Special Thanx toKatja for translation! […]

  5. ~/blog sagt:

    Dreiste Bank

    Das Banken sich nicht unbedingt immer um das Wohlergehen der Kunden scheren, ist ja nichts neues.
    Dass die HypoVereinsbank allerdings Menschen mit Behinderungen diskriminiert finde ich zum Kotzen.
    Welcher hirnverbrannte Marketing-Yuppie lässt sich ei…

  6. Eine Frage des Stils.

    Die Hypovereinsbank bietet Unfallversicherungen an und stellt sich ziemlich ungeschickt an beim Vermarkten ebendieser Versicherungen. Wie Christiane Link in ihrem Blog beschreibt, liegt in ihrer Filiale eine Kr

  7. […] Bei der Hypovereinsbank liegt schon mal eine Krcke auf dem Schalter, um den angeblichen Bedarf von Unfallversicherungen zu verdeutlichen. So lsst es sich jedenfalls bei Ortegalink oder Indiskretion Ehrensache nachlesen. Im serisen Versicherungsvertrieb ist es gar nicht neu, die Risiken des Lebens mglichst sozusagen erlebbar zu machen. Frher nannte man das “mit dem Sargdeckel klappern”. Mittlerweile sind wir aber natrlich noch visueller ausgerichtet. Fr die Vermittlung von Lebensversicherungen empfehle ich der Hypovereinbank fr den Schalterraum daher Accessoires wie diese, fr die Vermittlung von Krankversicherungen Accessoires wie diese. […]

  8. Die unlauteren Methoden beim Versicherungsverkauf

    Da platzt mir doch glatt die Hutschnur: In einer Filiale der Hypovereinsbank legt man Krücken aus. Spricht nun ein Kunde die MitarbeiterInnen der Bank darauf an („Da hat wohl jemand seine Krücke vergessen!“), gibt es ein Beratungsgespräch zum Them…

  9. Rainer sagt:

    Wieder ein sehr wichtiger Eintrag in Ihrem sehr interessanten Blog.

  10. Juebe sagt:

    Ich finde das dermaßen abartig und geschmacklos. Ob das noch zu toppen ist?

  11. Ich denke, dass die Banken mehr und mehr versuchen werden auf welche Art auch immer Versicherung zu verkaufen.

    Ich spreche hierbei ganz deutlich vom Verkauf, da man von einer Beratung hierbei sicherlich nicht sprechen kann.

    Aber keine Angst, in Kürze können Sie bei Lebensmittelläden o. ä. Ihre Versicherungen abschliessen, selbstverständlich mit super Fachberatung ;-)

    Erich

  12. Jeannine sagt:

    Tja durch zufall bin ich auf diese seite geraten. Zu meiner Person ich heiße Jeannine und bin 35 Jahre alt.
    1986 hatte ich ein Virus im Zentralen Nervensystem der auch einige Behinderugen mit sich gebracht hat.Damals konnte ich noch eine Unfallversicherung abschliesen.
    Nun ist inzwischen sehr viel Zeit vergangen und ich hatte vor mehr als einen Jahr mehere Schlaganfälle und auch meine Spastik die ich seit 1986 habe ist durch einige Schübe schlimmer geworden.
    Ich hatte nun vor meine Unfallversicherung zu wechseln weil ich mit meinen alten Vertrag unterversichert bin aber es nimmt ein keiner so leicht auf und wenn dann mit Mehrkosten. Haben denn Behinderte kein Recht darauf sich gegen schlimmeres zu versichern? Wer kann mir sagen was ich noch machen kann? VIele Grüße Jeannine

  13. Deutschland ist und bleibt ein Land in dem man nicht ungehindert behindert sein kann, sondern wird.

    Das desolate und in meinen Augen Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen benachteiligende Gesundheitssystem stimmt mich beschämend traurig.

    Daher zitiere ich mich selbst:

    In einem der reichsten Länder auf Erden,
    chronisch krank zu werden,
    heißt Tod auf Raten – wo bleiben die Taten?

    In diesem Sinne, ein schönes Leben.

    … leider nur ohne Behinderung?

    Andreas Herrmann

  14. jeannine sagt:

    Also diese Antwort gibt doch sehr zu denken.Sie haben zwar in einigen Sachen recht,aber man kann mit einer Behinderung ein sinnvolles Leben leben.Sie dürfen nicht alles so negativ sehen.Ich sag mir immer Lebe noch .Ihr müßt erst mal das durch machen was ich durch gemacht habe.

  15. Angelika sagt:

    ich bin einfach schockiert und sprachlos aber gleichzeitig sehr erfreut über diesen sehr informativen Beitrag

  16. SamKWC sagt:

    Leider haben manche Unternehmen wirklich wenig Gefühl bei ihrer Werbung. Die Werbung mit der Krücke ist eigentlich ziemlich plump und ich würde schon allein deswegen nie eine Unfallversicherung bei dieser Bank abschließen. Da finde ich sicher eine bessere: [Werbung gelöscht] Da kann man aus mehreren Anbietern auswählen, obwohl es natürlich richtig ist, dass man als behinderter Mensch nur schwer einen guten Vertrag bekommt.

  17. Andreas sagt:

    ich denke es regt zumindest zum Nachdenken an

  18. Yoga sagt:

    Traurig aber Wahr! Ich hoffe, dass sich hier bald mal was ändert…!

  19. Dr. Prepaid sagt:

    Die Werbung ist meines Erachtens wirklich nicht sehr gut gewählt. Da fehlt es ein bisschen an emotionaler Inteligenz. Allerdings kann man festhalten, dass zumindest über sie geredet wir, wie dieser Blog zeigt und dann ist vielleicht das Zeil des Unternehmens auch schon erreicht ;-)