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Kampagnen

Ich habe so meine Probleme mit diversen Aktionen, die so einige Behindertenverbände starten. Insbesondere dann, wenn sie auf Mitleid setzen. Mitleid und gleichberechtigte Teilhabe schließen sich nämlich aus.

Nun habe ich von einer weiteren Aktion zum Erhalt / Wiedereinführung des Blindengeldes gelesen, die ich grenzwertig finde. Schon der Titel „Blinde Schicksale“ lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

„Stellvertretend für die ca. 12000 blinden Bürger in ganz Niedersachsen werden fünf Schicksale von blinden Menschen (…) verlesen. (…) Nach dem Verlesen werden die Schicksale, die in Blindenschrift in entsprechenden Kartons verpackt sind, auf Schubkarren von schwarz gekleideten Männern mit Zylinder zum Sozialministerium gefahren. Begleitet wird dieser “Trauerzug” von drei Musikern, den Street Paraders.“

Aha, jetzt wird Blindheit schon in die Nähe des Todes gerückt – und das vom Blinden- und Sehbehindertenverband. Liebe Leute, ich bin auch gegen die Abschaffung des Blindengeldes – aber nicht um jeden Preis. Ich halte auch viel von öffentlichkeitswirksamen Aktionen, aber bitte ohne dieses mitleidsvolle Gehabe. Und Behinderung mit dem Tod gleichzusetzen, finde ich mehr als gewagt – auch ohne Blindengeld.

Die Niedersachsen werden ihr Blindengeld nicht wiederkriegen so lange sie auf diese Mitleidstour durchs Land ziehen. Man muss den Leuten viel mehr erklären, dass es um gleichberechtigte Teilhabe am Leben geht und dass das bei blinden Menschen nun einmal mehr Geld kostet als bei Sehenden. Mit Schicksal hat die Abschaffung des Blindengeldes nämlich nichts zu tun. Das war politischer Wille – nicht zuletzt einer bloggenden Ministerin.

3 Kommentare

  1. Ich finde den Titel der Veranstaltung auch extrem schlecht. Allerdings verstehe ich das Dilemma, in dem sich der BVN befindet ein wenig. Durch mich-an-die-Straße-stellen und erklären: „Es geht um gleichberechtigte Teilhabe“, wird man heutzutage, wo jeder auf sein Wohl bedacht ist, nicht weit kommen. Die Leute werden sagen: „tja, ich habe auch mein Päckchen zu tragen.“ Zieht da eine Truppe mit Musik und Kartons durch die Straßen, mit Herren mit Zylinder, dann werden manche denken: „Junge, die lassen sich was einfallen, worum geht es da eigentlich?“ An der Wegetrecke sollen Tische aufgebaut sein, wo man sich über das Volksbegehren informieren kann. Du musst zumindest ein Mittel finden, dass die Öffentlichkeit jenseits vom verkopften Rechnen erreicht. Was könnte das sein?

  2. […] h hierfür würde ich mich, wäre ich Niedersachse, wirklich engagieren. Aber heute habe ich zwei Artikel im Blog von Christiane Link gesehen, die mich wirklich wütend gemacht haben. Die B […]

  3. Ich will auch auf gar keinen Fall Mitleid, wie du in meinem Bericht lesen kannst. Dein Artikel hat mich dazu veranlasst, die Seiten des BVN mal zu lesen, und ich war tief geschockt und entsetzt. Öffentlichkeitswirksamkeit ja, aber nicht so!!!