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Datenschutz und amerikanische Fluggesellschaften – Teil 2

Nach den merkwürdigen Sicherheitsmassnahmen und einem originellen Beschwerdeschreiben hat sich American Airlines erstmals zu Wort gemeldet. Natürlich haben sich alle ihre Mitarbeiter ganz korrekt verhalten – nur der Fluggast selbstverständlich nicht.

Datenschutz und amerikanische Fluggesellschaften

Cory Doktorow hat einen Platin-Status bei American Airlines. Das rettete ihn auch nicht vor den vielen Fragen der Sicherheitsleute am Londoner Flughafen. Darüber hat er sich jetzt bei der Fluggesellschaft sehr lesenswert beschwert. Ich bin schon sehr auf die Antwort gespannt.

(via Lummaland)

Jahresendfragebogen 2018

Vorherrschendes Gefühl für 2018?

WTF

2018 zum ersten Mal getan?

„Airside“ an Flughäfen aufgehalten ohne zu fliegen.

Mit einem ehemaligen IRA-Mitglied gesprochen und mich überhaupt sehr viel mit dem Nordirland-Konflikt auseinandergesetzt.

2018 leider gar nicht getan?

Auf einem Konzert gewesen.

Wort des Jahres?

Brexit. Wie im letzten Jahr auch. Es bestimmt einfach alles derzeit in Großbritannien, beruflich und privat.

Getränk des Jahres?
Iced Latte.

Bestes Essen des Jahres?
Ich habe dieses Jahr angefangen, richtig zu kochen und bin selbst überrascht, wie gut das oft schmeckt und dass ich das kann.

Meistangerufene Person?
Ich bin dieses Jahr wirklich oft angerufen worden oder habe zurückgerufen. Es ging fast immer um Flughäfen.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Artur und Mercer. Außerdem mit vielen netten Menschen in Berlin.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Lesen und Podcasts hören, schreiben, reden und beraten. Sehr viel Zeit auf Flughäfen verbracht ohne zu fliegen.

Ich habe 2018 41 Bücher gelesen. Das sind ein paar weniger als im letzten Jahr, weil ich ein bisschen auf die Bremse treten wollte, was ich auch getan habe.

Song des Jahres?

I’ll tell me Ma (Belle of Belfast City)

Beeindruckendstes Buch des Jahres?

Rise: Life Lessons in Speaking Out, Standing Tall & Leading the Way von Gina Miller, die ich ganz großartig finde und vor der ich einen mega Respekt habe. Ein Vorbild für mich und das sage ich wirklich selten.

Erkenntnis des Jahres?
Es kochen mal wieder alle nur mit Wasser, aber man muss öfter sogar den Wasserkocher selbst anmachen, wenn man Tee haben möchte. Macht sonst manchmal keiner.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Ganz weit vorne: Eine Thrombose im linken Bein – aber mal wieder super vom NHS betreut worden.

Ein Autounfall, bei dem ich fast von einem LKW zerquetscht worden wäre, aber mir nichts passiert ist.

Auf das diskriminierende Verhalten der portugiesischen Fluggesellschaft TAP, die mir auf dem Weg zum Eurovision Songcontest ausrichten ließ, dass sie „Menschen wie mich“ nicht mitnehmen. Beschwerde bei zwei nationalen Luftfahrtbehörden und der EU-Kommission läuft noch.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Einen gut dotierten Job nicht anzunehmen, weil er mich mundtot gemacht hätte.

Schlimmstes Ereignis?
Ein schwerer Autounfall, der mich das Leben hätte kosten können, aber aus dem ich völlig unverletzt rauskam. Ein großer LKW ist in mein geparktes Auto gefahren – in meine Fahrertür als ich noch drin saß.

Schönstes Ereignis?

Der Irland-Nordirland-Schottland-Urlaub.

2018 war mit einem Wort?

Anstrengend.

Barrierefreie Kaffeesatzlesereien 2014

Inspiriert durch Thomas Knüwers Glaskugelige Kaffeesatzlesereien 2014 möchte ich mal ein paar Vorhersagen machen, was das Themen Barrierefreiheit und Behinderung 2014 angeht.

  • 1. Behinderung wird cool.

  • Ich beobachte schon seit einer ganzen Weile, dass Behinderung bei weitem nicht mehr das Negativ-Label hat, das es einmal hatte. Das zeigt sich in so nervigen Aussagen wie „Ansich ist ja jeder behindert.“ Manchmal habe ich das Gefühl, Leute fangen an, sich zu rechtfertigen, nicht behindert zu sein. Das ist natürlich völliger Quatsch, aber dennoch besser als dieser schamhafte Umgang aus den 80ern. Angesichts der Tatsache, dass Individualität ja auch gerade ziemlich hip ist, passt auch die Akzeptanz von Behinderung da gut rein. Wer will schon sein wie alle anderen?

  • 2. Die Cyborgs kommen. So what?

  • Dazu passt auch das Thema Cyborgs. Früher waren Prothesen etwas für Kriegsversehrte, jetzt sollen sie für alle da sein und angeblich will sie auch jeder. Ich hab da so meine Zweifel. Behinderte Menschen wird es immer geben, auch wenn sie sich jetzt Cyborgs nennen oder ein paar Nichtbehinderte meinen, ihr Handy mache sie schon zu einem Cyborg. So what? Ja, die Medien lieben das Thema, die Relevanz für behinderte Menschen ist allerdings ziemlich gering. Jedem die Schublade, in die er gerne passen möchte – zumindest so lange es nicht dazu führt, dass die Akzeptanz von behinderten Menschen darunter leidet. Wer glaubt, alle Behinderungen müssen und können mittels Technologie ausgerottet werden, ist alles andere als fortschrittlich, sondern allenfalls naiv.

  • 3. Für manche Airline wird es teuer, behinderte Menschen zu diskriminieren. Die anderen werden daraus lernen.

  • Oh, was freue ich mich auf dieses Urteil! Der Fluggesellschaft Easyjet droht 2014 in Frankreich eine Strafzahlung von 70.000 Euro, weil sie behinderte Kunden diskriminiert haben sollen. Ich prophezeie: Easyjet verliert auch in der letzten Instanz und muss zahlen.
    Es wird ein Ruck durch die Airlineindustrie gehen, die dann endlich merkt, dass auch behinderte Menschen Kunden sind und sie sich ihre Gäste nicht aussuchen können, jedenfalls nicht danach, ob die Kunden behindert sind oder nicht.

  • 4. Der Rollstuhlfahrer-Kinderwagen-Krieg in britischen Nahverkehrsbussen wird zugunsten der Rollstuhlfahrer entschieden.

  • Und auf noch ein Urteil freue ich mich. Ein britisches Gericht wird grundsätzlich entscheiden, ob Busgesellschaften die Rollstuhlplätze in Nahverkehrsbussen für Rollstuhlfahrer vorhalten müssen oder ob Busfahrer Rollstuhlfahrer abweisen können, wenn die Plätze durch nicht behinderte Fahrgäste, zum Beispiel Kinderwagen, genutzt werden. Ich prophezeie: Es wird zugunsten von Rollstuhlfahrern entschieden. Ein Urteil der Vorinstanz gibt es dazu schon. Das wird dazu führen, dass sich die britische Busindustrie endlich mal nach besseren Linienbussen umschaut und zwei Freiflächen einrichtet – eine für Rollstuhlfahrer und eine für Kinderwagen. Bis das passiert, werden Eltern ihren Buggy falten müssen oder aussteigen, wenn ein Rollstuhlfahrer kommt.

  • 5. Das soziale Modell von Behinderung kommt langsam immer mehr in Deutschland an.

  • Die Fortschritte bei der gleichberechtigten Teilhabe behinderter Menschen in Großbritannien sind vor allem auf das vorherrschende soziale Modell von Behinderung zurückzuführen. Behinderung wird als gesellschaftliche Aufgabe verstanden, nicht mehr als persönliches Schicksal, gegen das man wenig tun kann. Ich glaube, dass daran der Schlüssel liegt, Dinge in Deutschland für behinderte Menschen zu verändern und ich glaube, das soziale Modell von Behinderung wird immer mehr ins Bewusstsein der Menschen, auch der behinderten Menschen selbst, rücken.

  • 6. Auch behinderte Menschen, die Assistenz benötigen, dürfen künftig Geld verdienen.

  • Es gab eine sehr erfolgreiche Petition, es gab einen hervorragenden Beitrag von Panorama. Ich glaube, politisch ist der Status Quo, dass behinderte Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, nur wenig verdienen können und nichts ansparen dürfen, nicht zu halten. Ich glaube, dass 2014 zumindest ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht wird, der das ändert.

  • 7. ARD und ZDF teilen mit, bis wann ihr gesamtes Programm untertitelt wird.

  • Bei einem Überschuss von 500 Millionen Euro an Rundfunkabgaben, ist es nicht zu verstehen, warum ARD und ZDF ihr Programm nicht endlich vollständig untertiteln. Mit dem Geld könnte man nicht nur untertiteln, sondern auch noch die Bildbeschreibungen für blinde Menschen massiv ausbauen. Zumindest sollten die Sender 2014 in der Lage sein mitzuteilen, bis wann sie die 100% Untertitel erreicht haben.

  • 8. Es wird mehr behinderte Menschen in ganz normalen Fernsehrollen geben.

  • Der Münsteraner Tatort macht es seit längerem vor. Der Tatort mit Nora Tschirner und Christian Ulmen hat es auch gezeigt. Die Lindenstraße kann es auch, wenn sie will: Es wird immer mehr sichtbar behinderte Menschen in ganz normalen Rollen geben. Das ist im britischen Fernsehen längst üblich und sollte auch in Deutschland bald normal werden. Der Tatort „Die fette Hoppe“ hat schon gut vorgelegt, aber da geht noch mehr.

  • 9. Sibylle Brandt wird neue Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

  • Keine Jahresvorschau 2014 ohne einen Tipp, wer Behindertenbeauftragte/r wird. Ich tippe auf Sibylle Brandt. In erster Linie weil Rolling Planet schon rumposaunt hat, es würde eine Frau von der SPD, aber sie dürften nicht sagen, wer. Rolling Planet sitzt in Bayern. Sibylle Brandt kommt aus Bayern und ist vom Netzwerk „Selbst Aktiv“ der SPD. Außerdem passt ihr Profil irgendwie zu dieser Regierung, finde ich.
    Sie hat einen Blindenführhund. Ich hoffe sehr, dass es dann endlich mal ein Assistenzhundegesetz in Deutschland geben wird, das zum einen die Ausbildungsqualität der Hunde absichert, aber auch das Abweisen von Assistenz- und Blindenführhunden unter Strafe stellt.

  • 10. SMS-Notruf startet in Deutschland flächendeckend.

  • Wer in Deutschland gehörlos ist und die Polizei oder Feuerwehr erreichen will, muss ein Fax schicken. Derzeit ist es nur in drei Bundesländern möglich, eine SMS im Notfall zu schicken. Die Bundesregierung hat schon x Mal zugesagt, das zu ändern, passiert ist nix. Das kann doch jetzt nicht noch einmal ein Jahr dauern, oder? Also, 2014 kommt der flächendeckende Notruf per SMS für gehörlose und sprachbehinderte Menschen.

Barrierefrei fliegen à la bmi

Ich habe schon sehr lange die Meinung, dass die Fluggesellschaften es sich und ihren Kunden unnötig schwer machen, was die Verbesserung von Barrierefreiheit für behinderte Passagiere angeht. bmi hat mir nun endgültig gezeigt, dass ich recht habe und es auch anders geht, wenn man nur will und ein bisschen mitdenkt.

A320 von bmi
Foto: bmi

Ich war letzte Woche in Berlin und bin mit bmi von London-Heathrow nach Tegel geflogen. Und ich glaube, ich habe einen kleinen Ausblick bekommen, wie Barrierefreiheit in Zukunft bei Airlines umgesetzt wird. Ich hoffe es jedenfalls!

Die Buchung

Es ist immer noch nicht selbstverständlich, dass die Buchung problemlos läuft, wenn man eine Behinderung hat. Die Beförderungsbedingungen mancher Airlines darf man sich eigentlich gar nicht durchlesen, sonst dürfte man gar kein Ticket kaufen, wenn man eine Behinderung hat. Als ich das letzte Mal mit Easyjet geflogen bin, habe ich ihnen schriftlich per Einschreiben mitgeteilt, dass ich ihre Beförderungsbedingungen nicht akzeptiere (sie verlangen eine Begleitperson, wenn man nicht laufen kann). Erstaunlicherweise haben sie mich tatsächlich transportiert und meine Ablehnung akzeptiert. Vielleicht weil ich gleichzeitig die Equality und Human Rights Commission eingeschaltet hatte.

Bei bmi war das alles kein Problem. bmi ist eine der wenigen Airlines in Europa, die mich bereits bei der Online-Buchung anmelden lässt, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und Assistenz benötige. Ich war so skeptisch, dass das wirklich klappt, dass ich nachgesehen habe, ob das IATA-Zeichen WCHC (für Rollstuhlfahrer) tatsächlich eingetragen wurde. Und siehe da: Es war eingetragen.

Der Check-In

Dann bekam ich 24 Stunden vor Abflug eine Mail, ich könne online vorab einchecken, auch mit Gepäck. Ich kenne bislang keine Airline, die mich online eincheckt. Wenn WCHC eingetragen ist, wird der Online-Checkin abgelehnt. Nicht so bmi. Ich konnte mich nicht nur selber einchecken, sondern mir auch noch einen Sitzplatz aussuchen. Ich wählte also einen Fensterplatz in der ersten Economy-Reihe. Übrigens ist die Webseite von bmi auch noch einigermaßen barrierefrei.

Gepäck

Dann kam ich am Flughafen an und sagte, dass ich nur Gepäck abzugeben habe. Ich sei bereits eingecheckt. Man brachte mich zu einem Schalter für Passagiere, die bereits eingecheckt waren, ich gab mein Gepäck ab, mein Rollstuhl bekam einen Anhänger (Tag) und ich konnte gehen. Endlich mal zeitsparend einchecken wie jeder andere Vielflieger auch! Das geht deshalb, weil es in Heathrow (wie auch an vielen anderen europäischen Flughäfen) ein „Special Assistance“-Desk gibt, wo man Assistenz anfordern kann. Ich ging also mit meiner selbst ausgedruckten Bordkarte da hin, sagte ich sei WCHC und bekam Assistenz.

Boarding

Am Gate angekommen, begrüßte mich die verantwortliche Mitarbeiterin und sagte mir, man habe meinen Sitzplatz geändert. Der Flieger sei sehr leer und man habe mir Sitzplatz 1C, also in der ersten Reihe gegeben. In dem Moment war mir klar, dass ich eigentlich gar keine Assistenz brauchte. Ich konnte mit meinem eigenen Rollstuhl zum Sitzplatz fahren und mich umsetzen. Es musste nur noch jemand den Rollstuhl wegnehmen und verladen.

Der Rückflug

Der Rückflug überraschte mich dann noch einmal. Es gibt in Tegel keinen Schalter, um Assistenz anzufordern, was sicherlich auch an der ungewöhnlichen Struktur des Flughafens liegt – Gepäck wird am Gate eingecheckt. Als ich die Bordkarte ziehen wollte (ich hatte wieder meinen Sitzplatz gewählt und eingecheckt), sagte mir der Automat, ich solle mich am Gate melden wegen der Assistenz. Das tat ich auch und es war wieder kein Problem. Die Assistenz kam und die beiden Männer waren genauso überrascht wie ich als wir das Flugzeug sahen.
Es war ein Flugzeug mit neuer Bestuhlung und zumindest der Gang in der Businessclass (wo ich abermals sitzen durfte) war so breit, dass mein eigener Rollstuhl hinein passte. Ich schätze, er war etwa 70 cm breit. Obwohl ich in Reihe 7 saß, konnte ich wieder mit dem eigenen Rollstuhl zum Sitz fahren. Mein Rollstuhl ist 63cm breit. Das ist für mich wirklich Luxus, nicht auf so einem doofen Bordrollstuhl festgeschnallt zu werden.

Die Zukunft

Ich glaube fest daran, dass die Zukunft des Fliegens genau so aussehen wird: Die Leute melden ihre Bedürfnisse online an, hinterlassen eine Telefonnummer für Rückfragen und bekommen am Flughafen Assistenz, wenn sie sie brauchen. Leute wie ich werden mit ihrem eigenen Rollstuhl zum Sitz fahren können. Das Kabinenlayout von bmi zeigt, wie das geht. Und dann kommt ein Packer oder Rampagent und nimmt den Rollstuhl weg. Das spart Kosten (Callcentre, Assistenz) und Zeit. Mit der ständig wachsenden Anzahl an behinderten Reisenden sind es genau solche Lösungen, die sich in Zukunft durchsetzen werden. Ich hoffe es jedenfalls!

Disclosure: bmi ist eine Tochter der Lufthansa, die wiederum ein Kunde von mir ist. Ich habe aber keine direkte Geschäftsbeziehung zu bmi.

Live aus Berlin

Ich bin gestern morgen aufgewacht und dachte mir, es wäre doch im Sinne der Transparenz (und zu meinem eigenen Vergnügen) eine gute Idee, von der Fachkonferenz „All inclusive – ökonomische Chancen im Luftverkehr für alle“ in Berlin auf der ILA live zu bloggen. Es gibt so wenige behindertenpolitische Konferenzen, von denen jemand live bloggt, und ich ändere das jetzt mal. Die Schilderungen sind subjektiv, aber ich bemühe mich, die Fakten so gut wie möglich rüberzubringen.

[10:24] Es ist knallheiß im Raum. Die Mehrheit der Teilnehmer wird eh schon ziemlich k.o. hier ankommen – zumindest wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmittel angereist sind. Das Konferenzzentrum ist eine halbe Wanderung von Flughafen bzw. der S-Bahn entfernt. Dazwischen liegt eine ziemlich steile Rampe.

[10:26] Frau Waclawcyk vom Bundesverkehrsministerium erklärt die EU-Verordnung 1107/2006. Sie weist darauf hin, dass man sich bei Beschwerden erst an die Airline, nicht ans Luftfahrtbundesamt wenden soll. Es gibt dafür ein Standardformular.

[10:29] Ein Freier Journalist des Stern meldet sich und fragt, wieso man behauptet, die Fluggesellschaften würden das alle umsetzen. Manche hätten nicht einmal ihre AGB geändert und würden immer noch Geld für den Transport eines zweiten Rollstuhls verlangen. Zudem sagt er, es würde keinen Sinn machen, sich ans LBA zu wenden, wenn die bei der Umsetzung zivilrechtlicher Forderungen nicht behilflich sind.

[10:45] Unsäglich schlechter Auftritt durch das Bundesverkehrsministerium, die sich wie ein Industrievertreter aufführen und dabei bin ich mir sicher, die Luftfahrtindustrie tritt professioneller auf. Die Rednerin legt Statistiken vor über die bislang eingegangenen Beschwerden. Sechs Beschwerden gab es wegen Beförderungsverweigerung, vier wegen Buchunsgverweigerung, acht wegen Hilfe am Flughafen und achtzehn wegen Hilfe durch die Airline.
Leute im Publikum bezweifeln die Statistik. Vier Beschwerden wurden an andere EU-Behörden abgegeben. Neun wurden eingestellt, 16 ohne Sanktionen abgeschlossen.

[10:51] Die Vertreterin hat wegen Zeitmangel ihren Vortrag vorzeitig beendet. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der ISL, erzählt über die Realität beim Reisen. Benutzt dafür mein Bild vom Schuhe abgeben.

[10:54] Sigrid Arnade zweifelt an, dass die Leute, wie von der Dame vom Verkehrsministerium behauptet, nicht alle angemessen geschult sind.

[10:58] Tanya Stötzer von der Deutschen Bahn AG tritt auf. Was die Bahn auf einer Konferenz zum Luftverkehr zu suchen hat, ist mir überhaupt nicht klar. Die Bahn schätzt, dass durch die Herstellung von Barrierefreiheit in Deutschland im Tourismus ein Umsatzplus von 4,8 Mrd. Euro möglich wäre (ich hoffe, die Zahl stimmt, sie redet so schnell). Ja, dann macht es doch, Mann!

[11:01] Die Vortragenden hetzen wahnsinnig durch ihre Vorträge. Alles ist auf Folien geknallt und die Leute glauben, die Leute lesen das schon alles. Für blinde und sehbehinderte Kongressteilnehmer ist das gar nicht möglich.

[11:04] Die Bahn erläutert das Redesign des ICE1 mit einem zusätzlichen Rollstuhlstellplatz und vielem mehr. Auch ICE2 wird redesigned. Die Baureihe BR407 wird eine fahrzeuggebundene Einstieghilfe bekommen. Die ersten Züge kommen 2011. Der ICx (zukünftige Baureihen) wird Barrierefreiheit garantieren für die Zukunft.
69 Prozent aller Bahnhöfe (3745) sind barrierefrei. Der Rest ist nicht oder nur eingeschränkt zugänglich.

[11:09] Die Servicepoints sollen barrierefreier werden, damit man auch mit Rollstuhlfahrern auf gleicher Augenhöhe reden kann. Die Rednerin weist auf www.bahn.de/handicap hin. Ob der Bahn (und anderen deutschen Unternehmen) wohl mal jemand sagen kann, dass außerhalb von Deutschland das Wort Handicap nicht gern gesehen ist. Ich meine, die haben ja auch internationale Kunden.

[11:12] Die DB Servicewerkstatt hat bundesweit Mitarbeiter geschult, sie konnten mal blind über Bahnhof laufen etc. Das Feedback war sehr gut. Sie arbeiten europaweit mit anderen Bahnunternehmen zusammen. Die Bahn macht Imagekampagnen nach innen und außen in Bezug auf Barrierefreiheit. Sie bauen strategische Allianzen um Bereich Tourismus auf, um Reisepakete anbieten zu können.
Alles in allem ein guter Vortrag von der Bahn, leider völlig am Thema der Konferenz vorbei.

[11:15] Klaus-Dieter Kricke von Airbus spricht als nächstes. Es geht um die barrierefreie Kabinenausstattung. Er beginnt mit einer medizinischen Definition von Behinderung. Da hätte die PR-Abteilung aber mal besser briefen können. Motto von Airbus: Passenger at heart, airline in mind. Aha.
Spricht über neue Trends im Flugverkehr: Mehr Frauen, mehr Übergewichtige, mehr Behinderte – die Welt verändert sich. Jeder könne körperliche Behinderungen bekommen. Die meisten „körperlichen Gebrechen“ (uaaaaah!) treten im Laufe des Lebens ein.

[11:23] Der Vertreter von Airbus erklärt die Aufgaben der einzelnen Bereiche (Airline, Flughafen etc.). Airbus unterstützt die Kunden, um Anforderungen durch die Regulierungsbehörden umzusetzen z.B. Bordrollstuhl, Toiletten etc.
Er stellt die barrierefreie Toilette von Airbus vor. Empfehlungen gibt es von DPTAC, NCAT, NES, SAE-ARP 1315. Wer oder was das ist, dürft ihr in den Kommentaren hinterlassen.
Er zeigt die Treppe im Airbus A380. Sagt die Treppen wurden dafür optimiert, das sie auch von gehbehinderten Personen gut nutzbar sind (mit Bild eines Tragerollis auf der Treppe). Naja…
Es ist Airbus bewusst, dass behinderte Passagiere einen großen Teil der Reisenden ausmachen. Wollen Lösungen anbieten, die Regularien erfüllen und Zufriedenheit der Nutzer herstellen. Alle sind gefordert, internationale Standards zu fordern. Airbus will nicht nur Mindeststandards erfüllen. Es ist Teil der Philosophie, Kabine, die für behinderte Menschen gut ist, für alle gut ist (Universal Design).

[11:33] Mr. Robinson von Blue Sky, einem britischen Flugzeugsitzehersteller hält den nächsten Vortrag. Es geht um schlechten Komfort durch Sitze. Er zeigt ein Bild von Boxen für das Entertainmentsystem unter dem Sitz.
Der Sitz von Blue Sky heißt Stella. Er zeigt Bilder wie mehr Platz erzeugt werden kann, spricht von hochklappbaren Armlehnen. Bislang ist mir aber noch nicht klar, was das alles mit Barrierefreiheit zu tun hat – außer die klappbaren Armlehnen, aber die hat heute wohl so gut wie jeder Hersteller im Programm.

[11:43] Als nächstes spricht Mr. Mulholland von Thompson Aero Seating in Nord-Irland. Es geht wieder um bequeme Sitze. Ich hoffe, diesmal etwas mehr zum Thema.
Es geht wieder um Sitzkonzepte und Sitzbreiten etc. Er zeigt ein neues Kabinenkonzept wo die Leute schräg hintereinander sitzen. Ich habe keine Ahnung, wie man da mit dem Bordrollstuhl zum Fensterplatz kommen soll. Durchrutschen ist ja nicht mehr möglich. Ich versuche diese Frage zu stellen. Habe die Frage gestellt, bin aber sofort abgebrochen worden. Zudem hat der Sitzhersteller die Frage nicht verstanden. Er dachte, man könne jetzt auch nur am Gang sitzen. Hallo? Ich fliege immer am Fenster. Fragen war zudem nicht erwünscht aus Zeitgründen. Ich finde, eine Konferenz wo nicht wenigstens 2-3 Fragen nach jedem Vortrag zugelassen sind, ist eine Vorlesung, keine Konferenz. Ich verstehe das Zeitproblem, aber dann muss man sich ein paar Vortragende schenken. So spannend war das ja bislang nicht.

[12:05] Professor Granzeier spricht über Sanitärbereiche im Flugzeug. Zeigt den Eingangsbereich im Flugzeug. Jetzt zeigt er einen Sitz, der in diesem Jahr einen Preis gewonnen hat, wo der Sitz in einen Rollstuhl integriert werden kann. Ich habe die Pressematerialien zu dem Sitz gesehen und glaube, dass die Mehrheit der Leute, nicht schon am Flughafen auf einem Flugzeugsitz in einem fremden Rollstuhl sitzen möchten, sondern das allerallerwichtigste ist, den Leuten ihre eigenen Hilfsmittel so lange es geht zu lassen, idealerweise die Leute in ihren eigenen Rollstühlen reisen zu lassen. Ich weiß, das ist Zukunftsmusik.
Er zeigt verschiedene Behindertentoiletten, auch welche für kleine Flugzeuge. Kann man sich in der Halle 8 der ILA anschauen.

[12:16] Es spricht jetzt Rolf Schrader vom Deutschen Seminar für Tourismus. Spricht schon mal sehr erfrischend, was nach 2 1/2 Stunden in Bullenhitze echt ne Kunst ist. Er stellt eine Studie vor. Immer mehr deutschsprachigen Leute fahren ins Ausland. Okay, jetzt zum Thema: Wachtumstreiber beim Tourismus sind Senioren. Ältere nehmen zu, Jüngere werden immer weniger. Es geht um Reiseintensität. Nur die Gruppe 70+ zeigt geringere Reiseintensität. Ist ein Markt, auf dem man wachsen kann.
Hilfe, ich ertrinke in Zahlen über behinderte Reisende. Ich hoffe, die Präsentationen werden später unter www.behindertenbeauftragter.de veröffentlicht.
Behinderte Menschen unterscheiden sich kaum was Aktivitäten angeht von nicht behinderten Menschen. Die Gruppe ist genauso heterogen, sagt der Verteter des Seminar für Tourismus. Hauptgründe für das Nichtreisen sind Gesundheit und Alter.

[12:34] Vielleicht bin ich wirklich zu Web2.0 geprägt, aber irgendwie fehlt es dieser Konferenz total an Aktivität und Partizipation. Diese Frontalvorträge alleine sind irgendwie nicht angebracht, wenn es eigentlich um ein politisches Thema geht. Ich will nicht zu allem meinen Senf abgeben, aber mich interessiert auch, was die anderen Leute im Raum denken und was ihre Erfahrungen sind. Bis auf Sigrid Arnade waren alle Vortragenden nicht behindert (jedenfalls nicht sichtbar behindert). So wirklich gerecht wird das dem Thema nicht.

[12:37] Jetzt Podiumsdiskussion. Die Moderatorin freut sich, dass mit Air Berlin eine Airline an der Konferenz teilnimmt. Das hat schon fast was von Loriot. Es Konferenz über Airlines und man freut sich, dass eine (!) teilnimmt. Frage der Moderatorin, was sich bei Air Berlin seit der EU-Verordnung geändert hat. Herr Lindner (sorry, da stehen immer nur Nachnamen auf dem Programm) von Air Berlin sagt, es haben sich Dinge im Ablauf geändert. Aber auch vorher haben sie schon die soziale Verantwortung erkannt und sich um Barrierefreiheit bemüht.
Dierk Berlinghoff von Öger Tours sagt, die zunehmende Barrierefreiheit habe man nicht der Verordnung zu verdanken. Man habe aber jetzt eine Ansprechpartnerin, die für Barrierefreiheit bei Öger Tours zuständig ist. Sie haben Datenbanken mit Infos zu Barrierefreiheit. Sie haben aber noch Definzite bei Ausflügen, weil die Busse teilweise nicht barrierefrei sind.
Man habe positive Kundenzuschriften bekommen und ein wachsendes Klientel. Entwicklung gehe zwar nicht durch die Decke, aber es sei definitiv eine Zielgruppe.

[12:50] Annerose Hitzke vom Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität sagt, es gebe mehr Rollatoren-Nutzer als Rollstuhlfahrer und die würden auch noch zunehmen. Sie sagt, Flugzeug sei das behindertenfeindlichste Verkehrsmittel. Naja, ich finde die Mitarbeiter der Bahn auch nicht ohne. Aber die sind ja kein Verkehrsmittel, die sind ja nur für den Service da.
Dr. Peter Neumann vom Institut Design für alle fragt, ob es ein Sozial- oder ein Wirtschaftsthema ist.

[13:00] Der Vertreter von Air Berlin sagt, es sei unmöglich, weniger Sitze einzubauen oder eine halbe Reihe wegzulassen. Das würde pro Flugzeug pro Jahr rund 1 Million Euro kosten. Das könnten sich die Fluggesellschaften in Zeiten von Vulkanasche und Wirtschaftsflaute nicht leisten. Man fragt sich, wer die Zielgruppe sei.

[13:02] Der Vertreter von Öger Tours weist noch mal darauf hin, dass Investitionen bei neuen Reisebussen wichtig wäre. Man sei in Gesprächen mit den Ausflugsveranstalter. Die Moderatorin fragt nach dem Einfluss, den die Veranstalter haben. Der Vertreter von Öger sagt, die Flugzeuge seien halt schon gebaut. Es gebe keine barrierefreien Flugzeuge, deshalb könne man sie auch nicht anfordern.

[13:04] Der Behindertenbeauftragte Hupert Hüppe hat bislang noch gar nichts gesagt. Weist jetzt auf konkrete Probleme hin. Er meint, wenn Deutschland voran ginge, sei dann zwar alles barrierefrei, aber die Fluggesellschaften seien pleite. Er setzt auf eine EU-Lösung. Es gehe nicht immer über Bestrafung, sondern müsse im Rahmen des Nachteilsausgleich dafür sorgen, dass die Gesellschaft die Kosten trägt. Ohjeeeeee! Hat Deutschland nicht gerade ein Sparpaket beschlossen?

Air Berlin-Vertreter behauptet, die Kosten hätten sich für die Air Berlin hätten sich mehr als verdoppelt seit die EU-Verordnung in Kraft getreten ist. Der Luftverkehr trage sich komplett selber als eine der wenigen Verkehrsmittel.
Air Berlin-Verteter sagt, es gebe durch die EU-Verordnung einen Anreiz geben, sich mehr um behinderte Kunden zu bemühen und um sie zu werben.
Sigrid Arnade darf einen Kommentar abgeben. Weist auf die UN-Behindertenrechtskonvention hin. Sagt ein wenig ironisch, die Fluggesellschaften sollen doch die Toiletten wegnehmen, da behinderte Menschen eh nicht auf Toilette gehen können. Gleiches Recht für alle. Das würde Air Berlin 150 Millionen Euro mehr Umsatz bescheren. Sie schlägt vor, dass Air Berlin den Erlös zur Hälfte an Behindertenverbände spendet.
Es meldet sich jemand, der sagt, er würde von Fluggesellschaften abgelehnt, wenn er alleine fliegt, obwohl ihm die Begleitperson gar nichts nutzt.
Ein Mitarbeiter von MdB Ilja Seifert meldet sich. Er weist darauf hin, dass viele Fluggesellschaften nicht nur EU-weit fliegen. Man müsse international Druck machen.
So, jetzt Mittagspause!

[14:09] So, das Beste bislang war die Mittagspause. Buffet war lecker und ich hatte die Möglichkeit, der Vertreterin des Bundesverkehrsministerium zu erzählen, wieso die Zahlen, die sie vorgelegt hat, nicht die Realität widerspiegeln und warum sich so wenig Leute ans Luftfahrtbundesamt wenden. Das Verfahren ist viel zu bürokratisch, vor allem wenn man bedenkt, dass die Zielgruppe behinderte Menschen sind. Gehörlose Menschen haben manchmal Schwierigkeiten, Formulare auszufüllen, wenn Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, sondern die Deutsche Gebärdensprache. Von Menschen mit Lernschwierigkeiten ganz zu schweigen. Von ihr kam die Bitte, sich im Zweifelsfall ans Luftfahrtbundesamt zu wenden. Nur dann wüssten sie, wo die Probleme liegen. Jetzt Workshop zur barrierefreien Flugzeugkabine mit Professor Werner Granzeier.

[14:15] Es meldet sich jemand und sagt, es würden viele Menschen in der Diskussion vergessen. Es gibt Rollstuhlfahrer, die speziell gefertigte Sitzschalen haben und nicht fliegen können, weil sie auf normalen Sitzen nicht sitzen können. Der Professor meint, es gebe dafür in naher Zukunft keine Lösung.
Jemand von Pro Retina (Behindertenverband für Blinde und Sehbehinderte) sagt, sie hätte gerne Sicherheitskarten in Braille und zudem akustisch.
Jemand von Deutschen Verein der Blinden- und Sehbehinderten stimmt der Pro Retina zu. Er ergänzt, die Markierungen der Ruf- und anderer Knöpfe seien schlecht zu unterscheiden. Notausgänge sollten taktil erkennbar sein. Das sei ja auch bei Dunkelheit und Rauchentwicklung wichtig. Er erwähnt die Toiletten. Es müsste eine eindeutige Markierung erfolgen. Es könne nicht sein, dass man die ganzen Wände abtasten müsste, bevor man die Spülung findet und dann doch die Flugbegleiterin kommt, weil man den falschen Knopf gedrückt hat.
Es fordert jemand, dass es eine einheitliche Medical Card gibt, die den Fluggesellschaften Auskunft über den Grad der Behinderung gibt. Ich verstehe immer diesen Karten- und Ausweisfetischismus der Deutschen nicht. Ich sage denen, was los ist und erwarte, dass sie sich auf meine Bedürfnisse einstellen. UK hat keine Behindertenausweise und funktioniert dennoch. Es behauptet jemand, dass British Airways Begleitpersonen verlangt. Kann ich nicht bestätigen.

[14:28] Ralph Raule meldet sich und sagt, er spreche für gehörlose und schwerhörige Passagiere. Er fordert alle Informationen auch visuell anzubieten und Sicherheitshinweise auch in Gebärdensprache und mit Untertitel anzubieten.

[14:38] Sigrid Arnade kritisiert die Medical Card und sagt, die Airline muss die Bedürfnisse wissen, nicht die Behinderung. Es wird erwidert, die Diagnose stehe ja nicht auf der Karte. Ich sage, ich brauche keinen Arzt, um meine Bedürfnisse zu definieren.

[14:40] Es wird diskutiert, wie Rollstühle gebaut werden müssen, um sie mit in die Kabine nehmen zu können. Der Professor erläutert was physikalisches zu Kräften beim Fliegen. Es fragt jemand, wie man es schaffen kann, Rollstühle flugzeugtauglich zu machen. Es wird darauf verwiesen, dass im anderen Workshop jemand vom TÜV Rheinland sitzt, den man das fragen kann. Jetzt Thema leichte Sprache und das Reisen von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Jetzt Thema Beatmungsgeräte. Er hat kein Sauerstoffgerät, sondern ein Beatmungsgerät. Er durfte sein Gerät nicht benutzen, weil es nicht zertifiziert war. Der Professor sagt, er solle sich ans Luftfahrtbundesamt wenden.

[14:46] Ralph Raule kritisiert, was der Professor über die Wortmeldungen protokolliert. Ich hatte noch gar nicht mitbekommen, dass überhaupt protokolliert wird.

[14:48] Die ganze Konferenz hat ein Akustikproblem. Jetzt startet auch noch eine Flugshow nebenan. Es gibt auch nur ein Mikro. Sehr Schwerhörigenfreundlich! Ich höre jetzt aber auch als gut Hörende nix mehr.
Ein blinder Teilnehmer möchte etwas zum Boarding sagen. Er kritisiert, dass es an den Flughäfen immer weniger Ansagen gibt. Jemand kritisiert, dass das Preboarding nicht immer klappt.
Sigrid Arnade sagt, es soll vermieden werden, dass die Leute in Flughafenrollstühle umgesetzt werden.
Ich sage, dass die Flughäfen verpflichtet werden müssen, so genannt Highlifts anzuschaffen. Es könne nicht sein, dass im Jahr 2010 immer noch über Treppe geboarded wird und rollstuhlfahrende Passagiere über 30 Stufen getragen werden.
Ein blinder Teilnehmer sagt, er möchte nicht im Rollstuhl zum Gate gebracht werden. Er könne selber laufen.
Jemand vom Flughafen Hannover sagt, es sei ein Sicherheitsrisiko, Leute alleine die Flugzeugbrücke runterfahren zu lassen. Deshalb habe er verbieten lassen, dass Rollstuhlfahrer ihre eigenen Rollstühle mit zum Gate nehmen. Der Flughafen Tegel / Bundespolizei wurde vor nicht all zu langer Zeit verklagt, weil jemand seinen Rollstuhl nicht mitnehmen durfte. Hannover, aufpassen! Ich habe übrigens meinen Rollstuhl auch in Hannover schon mit ans Gate genommen.

[15:10] Ralph hat mir Gott sei Dank Strom besorgt. Jetzt kann ich noch Stunden weiterbloggen.

[15:12] Jemand fordert, dass Turbulenzen erklärt werden, auch für schwerhörige oder gehörlose Menschen.
Jemand bemängelt, dass die Flugbegleiter oft die Inhaltsstoffe der Nahrung an Bord nicht wissen, was für Allergiker problematisch ist. Jemand sagt, dass es immer sehr wohltuend war, wenn Flugbegleiter die Leute als Passagiere wahrnehmen und nicht als Problem. Es gebe Fluggesellschaften die könnten das prima und andere nicht.

[15:17] Jetzt geht es um Sanitäranlagen. Ich sage, dass die barrierefreien Toilette möglichst zentral und nicht nur hinten liegen sollten, idealerweise vorne und hinten. Der Professor erklärt die Toilettenlage in Flugzeugen. Blinde Teilnehmer fordern das Vermeiden von Piktogrammen. Ralph Raule protestiert, weil für Gehörlose Piktogramme gut sind.
Jemand sagt, der Bordrollstühl dürfe nicht Maßstab für alles sein. Der Professor sagt, der Bordrollstuhl sei unter 500mm breit. Das sei Vorgabe. Jetzt ist es wieder super laut durch die Flugshow.
Es geht ums Deboarden. Jemand kritisiert, dass behinderte Menschen immer als letztes raus müssen.
Ich sage, ich möchte, dass WCHC / WCHR / WCHS genauso gespeichert wird wie mein Essenswunsch oder meine Sitzplatzwunsch, wenn ich Vielflieger bin.
So, Workshop zu Ende. Kaffeepause.

[16:00] Zusammenfassung der Workshops kommt jetzt. Unseren schenke ich mir.

[16:15]Jetzt wird der andere Workshop vorgestellt. Es ging um ökonomische Impulse. Der Markt ist da, warum nutzen ihn so wenige? Unternehmen müssten mit Kunden ins Gespräch kommen. Bei Qualifizierung werde der Bereich Kunden mit Behinderungen oft ausgeblendet. Es wurde diskutiert, was die Politik tun kann. Handlungsempfehlungen: Design für alle als Marktvorteil, Design für alle als Unternehmensphilosophie, muss zur Chefsache erklärt werden. Es fehlt wissenschaftlich fundierte Datenbasis. Koordinator im Unternehmen einsetzen. Qualifizierung und Schulung sind wichtig, vor Ort in mindestens eintägigen besser zweitägigen Veranstaltungen, gutes Marketing zu dem Thema, Unterstützung durch Politik wichtig, Stärkung der kritischen Verbraucher.

[16:18] Der österreichische Zivilinvalidenverband (wenn ich mich durch die Flugshow nicht verhört habe) hat abgesagt, deshalb entfällt der Vortrag über die Zusammenarbeit mit der AUA.
Stefan Krusche referiert über Zielvereinbarungen als Instrument zur Herstellung von Barrierefreiheit. Er kritisiert Germanwings, die behinderte Kunden über eine 0900-Nummern anmelden liessen. Jetzt geht es wieder um Bordrollstühle auf innereuropäischen Strecken.
Er kritisiert die EU-Verordnung in Bezug auf die Begleitperson. Und wieder Germanwings: Im Callcentre werde überprüft, ob nicht zu viele behinderte Reisende an Bord sind. Sorry, er liest schnell vom Blatt ab. So schnell bin ich nun auch nicht.
Er kritisiert die EU-Verordnung, habe zu viele Schlupflöcher, die von der Industrie perfekt genutzt würden. Sagt, er habe sich beim Luftfahrtbundesamt beschwert, Beschwerde wurde nach Brüssel weitergeleitet, seitdem hat er nichts mehr gehört. Er hofft auf ein weiches Wettbewerbsmerkmal wie Barrierefreiheit (sorry, wieder schlecht zu verstehen wegen Flugshow). Nach dem Kongress brauche ich auch Gebärdensprachdolmetscher.

[16:33] So, jetzt Podiumsdiskussion zu Zielvereinbarungen mit Nils Braun von der Deutschen Lufthansa, Herr Lindner von Air Berlin (damit sind es jetzt immerhin zwei Airlines, die hier sind), Hans-Joachim Wöbbeking (1. Vorsitzender Bundesverband Polio), Stefan Krusche und Hubert Hüppe.

[16:37] Nils Braun sagt, für die Lufthansa habe sich durch die EU-Verordnung kaum etwas verändert, da man schon immer bemüht war, Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal umzusetzen. Die Lufthansa wäre auch für Zielvereinbarungen offen.
Hans-Joachim Wöbbeking bestätigt, dass es kaum Probleme mit der Lufthansa gebe. Im Zielvereinbarungsregister gebe es sehr wenig Vereinbarungen. Es gebe keine Sanktionen und der Aufwand sei sehr hoch. Es sei wichtig, sich mit den Verbänden zu verständigen. Es gehe darum, vernünftige Regelungen für alle zu finden.
Nun Air Berlin, Herr Lindner: Zielvereinbarungen gebe es nicht. Es gebe aber Zielvereinbarungen über Wartezeiten mit den Nutzerausschüssen der Flughäfen. Herr Lindner sagt, das Thema barrierefreie Toilette sei viel zu komplex als dass es in eine Zielvereinbarung passen könnte. Das müsste airlineübergreifend geregelt werden.
Hubert Hüppe sagt, er sei skeptisch in Bezug auf Zielvereinbarungen. Es gehe manchen Unternehmen mehr um ein Etikett als um eine Vereinbarung. Es gehe darum, damit zu werben.
Stefan Krusche regt sich über die „Horrorrechnung“ von Herrn Lindnern von heute morgen in Bezug auf das Herausnehmen von Sitzen auf. „Sie als Air Berlin würden doch nicht drei Sitze herausreissen, sondern würden zwei Sitze breiter machen und die Sitze teurer verkaufen und sie nur um Bedarfsfall an behinderte Menschen abgeben.“ Mit solchen Horrorvisionen würden viele Unternehmen in Deutschland argumentieren. Es müsse einfach einer großen Zahl von Menschen zu gute kommen. Dieses Denken müsse in alle Fluglinien hinein. Herr Lindner antwortet, es sei keine Horrorvision. Es sei nur eine Beispielrechnung gewesen, wenn man die Toilette vergrößern müsse. Es sei ein Gedanke Behindertensitze einzubauen. Notausgangsitze würden bereits heute mit Aufschlag verkauft. Das sei eine gute Anregung, in diese Richtung weiterzudenken.
Diskussion geht weiter, Name „Komfortplätze“ etc., technische Details.

Mir ist sauwarm übrigens. Wäre ich Amerikanerin, würde ich jetzt fragen: „Gibt es in Deutschland keine Klimaanlagen?“. Jedenfalls nicht in Schönefelder Kongresszentrum.

[17:00] Wenn ich die Diskussion so höre, könnte man echt meinen, die Leute fliegen, um auf die Toilette zu gehen. Ja, ich brauche auch eine barrierefreie Toilette im Flugzeug, aber muss man das jetzt wirklich stundenlang diskutieren? Ich möchte lieber über Strukturen sprechen.

Jetzt Fragen aus dem Publikum. Wieder Toiletten und UN-Konvention. Ich frage nach, wie weit Air Berlin und Lufthansa in der Umsetzung der EU-Richtlinie sind, was die Handbücher für das Personal sind und wie die Zukunftsvision der beiden Airlines sind, was sie für die Zukunft geplant haben, um das Reisen für behinderte Menschen noch bequemer zu machen.

Fragen werden gesammelt beantwortet. Wieder Toiletten und UN-Konvention. Jetzt fragt jemand, ob Air Berlin und Lufthansa Bereiche sehen, wo man mit ihnen Zielvereinbarungen abschließen kann.
Jemand meldet sich und fragt Air Berlin, warum sie ihm drei Mal den Mitflug verweigert haben und er mit einer anderen Airline, die teurer war, fliegen musste.

[17:15] So, jetzt zu den Antworten: Herr Lindner weiß nicht, warum ihm der Mitflug verweigert wurde. Air Berlin transportiert E-Rollis mit auslaufsicheren Batterien.
Jetzt wieder Toiletten. Die Fluggesellschaften sagen, es sei ein Zertifizierungsproblem.
Zielvereinbarungen: Air Berlin sagt, mehrere kleine Schritte seien effektiver als ein großer. Er werde die Diskussion in die Airlineverband mit hinein tragen. Lufthansa-Vertreter stimmt zu. Weist darauf hin, es mindestens auf europäischer Ebene zu machen, nicht auf nationaler. Man sei in Deutschland relativ weit, was die Umsetzung angeht. Manche Mitbewerber scherten sich nicht um die EU-Verordnung. Lufthansa wird eine spezielle Hotline einrichten. Ich bitte darum, auch eine Kontaktmöglichkeit für gehörlose Kunden einzurichten. Air Berlin hat meine Frage nach dem Umsetzungsstatus nicht beantwortet.

Jetzt Hubert Hüppe mit einem Schlusswort. Er verspricht, den politischen Forderungen nachzugehen. Spricht wieder von Gefahr von Wettbewerbsverzerrung. Möchte Leute belohnen, die sich gut verhalten.

ENDE

Ich geh jetzt schön was essen. Aber nicht ohne vorher darum zu bitten, dass mehr Leute über solche Konferenzen bloggen, damit diese Szene nicht immer nur tagt tagt tagt, aber sich nie etwas ändert.

Air New Zealand gebärdet mit Journalisten

Ich sage es lieber gleich, seit letztem Jahr bin ich Air New Zealand-Fan. Schuld daran ist ein Flug von Los Angeles nach London. Die hatten so eine nette Crew, einen top Service und sind auch noch echt barrierefrei. Aber ich schweife ab…

Heute morgen wurde ich durch ein paar Kommentare auf Twitter auf diese Webseite aufmerksam gemacht. Zu sehen ist ein Video in Neuseeländischer Gebärdensprache (die der britischen übrigens sehr ähnlich ist). Zu sehen ist eine Stellungnahme von Air New Zealand zu einem Artikel der Zeitschrift „The Listener“ (Der Zuhörer). Die Airline beklagt sich auf Gebärdensprache, die Zeitschrift habe ihnen wohl nicht richtig zugehört als man eine Partnerschaft mit der Billigfluggesellschaft Virgin Blue bekannt gab. Deshalb habe man sich entschieden, eine Sprache zu wählen, die die Journalisten vielleicht besser verstehen, wenn sie schon nicht richtig zuhören: Gebärdensprache.
Zudem haben sie eine Pressemitteilung mit gedrucktem Fingeralphabet verlinkt und den Artikel, über den sich die Airline so geärgert hat.

Das ist die originellste PR-Aktion, die ich seit langem gesehen habe.

Das Video gibt es auch auf YouTube (Bildbeschreibung steht unter dem Video):

Bildbeschreibung und Text für blinde Leser:

Einblendung: The Listener recently published an editorial about the proposed trans-Tasman alliance between Air New Zealand and Virgin Blue. This is Air NZ CEO Rob Fyfe’s response.

CEO: Dear Listener,
Dolmetscherin: Ironically it seems you haven’t been listening to us. We’ve got to say, you are hardly being true to your name. In your recent issue you asserted Air New Zealand intends going „determinendly downmarket“ in our service and quality. If you had bothered to give Rob a call, you would have heard loud and clear about our continued dedication to being the world’s best airline. (CEO grinst und nickt)

Dolmetscherin: As you appear to have turned a deaf ear to us, we thought it best to respond in a language you may be more familiar with. You reckon it is „inevitable Air New Zealand will downgrade“ its service if our proposed trans-Tasman alliance with Virgin gets approved.

CEO: Bollocks!

Dolmetscherin: It is in fact Virgin Blue who will be upgrading their service to align with us as we revealed in our media release announcing the proposal. Now we’re all guilty of selective hearing sometimes, Rob included, but we’ve got to say you did a fantastic job of not listening to the facts. And to answer the question you posed: Is Air New Zealand on its way to becoming a budget airline? No. You’re out of your tree! If you’d like to talk this through further, lend us your ear and give Rob a call.
P.S. He was tempted to respond with a far simpler, more direct form of sign language, but the lawyers advised against it.

Ich kann nicht für mich selber sorgen, meint Swiss Airlines

Ich wollte eigentlich nur schnell Swiss Airlines darüber informieren, dass ich Rollstuhlfahrerin bin, da ich mit Ihnen von London nach Genf fliege, aber auch im Jahr 2010 gibt es Unternehmen, die behinderte Menschen behandeln wie vor 100 Jahren. Nach dem Gespräch mit dem Call Centre habe ich folgende Mail in die Schweiz geschickt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fliege am Dienstag mit Swiss von London nach Genf. Da ich Rollstuhlfahrerin bin und in Großbritannien lebe, habe ich mich an ihr Callcentre unter 0845 601 0956 gewandt, um Ihnen mitzuteilen, dass ich Assistenz benötige (WCHC).
Ich reise sehr viel und melde mich daher auch bei sehr vielen Airlines vorab an. Was ich heute bei Ihrem Call Centre erlebt habe, ist mir bei noch keiner Airline bei keiner meiner Reisen passiert.

Das Gespräch mit Ihrem Call Centre Agent begann damit, dass ich ihm sagte, ich sei Rollstuhlfahrerin, WCHC. Ihr Agent kannte aber nur WCHR und meinte, ich könne ja dann alleine die Treppe hochlaufen. Ich sagte mehrfach, ich sei WCHC. Er kannte dieses IATA-Kürzel aber nicht. Er schaltete das Gespräch auf Musik, kam zu mir zurück und behauptete, ich sei ein medizinischer Notfall und müsste ein MEDA-Formular ausfüllen. Ich sagte ihm, dass ich Vielfliegerin sei (ich habe fast 1000 Flüge hinter mir) und dass ich seit 33 Jahren eine Querschnittlähmung habe, die kein medizinischer Notfall sei. Ich verlangte seinen Supervisor.

Ich bat den Supervisor, mich als WCHC anzumelden. Auch dieser behauptete, ich müsse ein Formular ausfüllen, denn ich könne an Bord ja nicht alleine für mich sorgen. Ich habe auf Ihrer Webseite nachgelesen, von wem Sie das Formular verlangen. Ich zähle sicher nicht dazu, da ich weder frisch verletzt bin, noch Sauerstoff brauche oder unter irgendein anderes Kriterium falle. Ich brauche einfach nur zwei Leute mit Bordrollstuhl, was – wie Sie sicher wissen – weder in London noch Genf ein Problem sein sollte. Ich denke, die neuen EU-Regularien zur Beförderung von Passagieren mit eingeschränkter Mobilität sind Ihnen bekannt. Diese haben auch für Airlines Gültigkeit, die in die EU fliegen oder von dort starten. Dieses Gespräch hätte es somit in dieser Weise gar nicht geben dürfen.

Das ganze Gespräch verlief in höchstem Masse diskriminierend. Ich kann natürlich an Bord für mich sorgen. Das bestritt Ihr Call Centre Agent aber. Ich kann nur nicht gehen. Er behauptete, ich könne meine Arme nicht bewegen etc. Ich versicherte ihm, ich könne nur nicht gehen. Er behauptete, wenn man querschnittgelähmt sei, könne man auch die Arme nicht bewegen. Ich muss Ihnen sagen, ich finde es schon erstaunlich, dass ein Swiss Call Centre Supervisor glaubt, besser zu wissen, was ich kann und was ich nicht kann als ich selbst.

Ich verstehe, dass Sie als Airline vorab wissen möchten, welche Passagiere Assistenz benötigen. Ich schule selbst Flugbegleiter im Umgang mit behinderten Passagieren. Ich bin aber geradezu schockiert darüber, wie wenig Ihre Mitarbeiter geschult sind, um diese Anmeldungen anzunehmen. Es dauerte zudem 45 Minuten bis überhaupt jemand den Anruf annahm.

Ich möchte Sie herzlich bitten sicherzustellen, dass ihre Mitarbeiter, auch in ausländischen Call Centren, wissen, wie sie mit Anmeldungen behinderter Passagiere umzugehen haben. Die Konversation mit den beiden Mitarbeitern entspricht mit Sicherheit nicht dem Serviceanspruch Ihrer Fluggesellschaft. Zudem erwarte ich, dass ich mit Respekt behandelt werde, wenn ich bei Ihnen anrufe. Davon kann bei keinem Ihrer beiden Mitarbeiter die Rede sein.

Ich weiß nach dem Telefonat noch immer nicht, ob in der Buchung vermerkt wurde, dass ich WCHC bin. Falls nicht, nehmen Sie dieses Schreiben bitte als Anmeldung und teilen Sie mir bitte mit, was Sie unternehmen werden, um die Servicequalität auch im Umgang mit behinderten Reisenden in Zukunft sicherzustellen.

Mit freundlichen Grüßen
Christiane Link

Update: Swiss hat sich gemeldet.

Update 2: Swiss hat mich angerufen.

Mit dem Fake-Blindenhund auf Reisen

Ich bin ja einiges gewöhnt, was Spam angeht, aber die Mail, die mich vorhin erreichte, die musste ich zwei Mal lesen, um zu glauben, was da steht. Sie war an meinen Freund gerichtet. Lest selbst:
Sehr geehrter Herr A.,

Sie werden sich sicher wundern, von mir (unbekannterweise) zu hören. Im Internet sind wir durch Zufall auf Sie gestoßen. Wir haben eine ganz ungewöhnliche Bitte und wenden uns deshalb vertrauensvoll an Sie.

Wir wollen ganz offen und ehrlich zu Ihnen sein. Mit unserer ganz lieben Golden Retriever Hündin planen wir eine
Übersiedlung nach Costa Rica. Unserer größtes Problem ist dabei der Transport unseres Tieres im Flugzeug. Da für uns der Transport im Frachtraum unmöglich erscheint, haben wir schon an den Transport per Schiff usw. gedacht. Doch alles war bisher
erfolglos. Bitte verstehen Sie uns jetzt nicht falsch. So haben wir auch bereits überlegt, einem sehbehinderten Menschen eine
Reise nach Costa Rica zu finanzieren, um es unserer Hündin zu ermöglichen, im Flieger oben im Flugzeug bei uns in einer Box
untergebracht zu sein. Dazu hatten wir uns auch bereits mit einem Blindenverein des Ortes in Verbindung gesetzt. Diese hatten Verständnis für unsere Situation und vermittelten auch einen Kontakt. Leider wurde aber trotzdem nichts daraus.

Da wir jedoch nichts unversucht lassen wollen, hier nun unsere Bitte. Wüssten Sie eventuell jemanden, der sich auf so ein Abenteuer einließe. Sie würden uns damit überaus behilflich sein. Jeder kleinste Hinweis würde uns helfen.

In der Hoffnung, von Ihnen zu hören, verbleibt
mit freundlichen Grüßen
(Name gelöscht)

Blindenführhunde und andere Assistenzhunde dürfen oben in der Kabine mitfliegen, weil sie speziell trainierte Hunde sind. Die Regelung heißt nicht „Jeder Blinde darf einen Hund mitbringen.“ Ich finde das ein ziemlich unmoralisches Angebot und verstehe nicht, warum dieser Hund nicht wie alle anderen auch unten im Gepäckraum mitfliegen kann. Die Ausnahme, dass Blindenhunde und andere Assistenzhunde oben mitfliegen dürfen, hat ihren Sinn und wird von den Fluggesellschaften akzeptiert. Sie zu missbrauchen gefährdet diese Regelungen. Und wer sagt mir, dass dieser Hund nicht vollgepumpt mit Drogen ist oder sonst irgendwas nicht mit ihm stimmt?

Aber ich bin sicher, gegen Geld werden sie jemanden finden, der das macht. Und die Fluggesellschaften werden, wenn sich die Geschichte rumspricht, künftig Papiere verlangen, die nachweisen, dass es sich um einen Blindenhund handelt.

Hell Airways again

Ich habe ja so meine eigenen Erfahrungen mit Jet Airways gemacht. Diese Airline gilt noch als eine der besseren in Indien und ist Kandidat, um Mitglied der Star Alliance zu werden, eine Allianz in der sich auch Lufthansa oder United befinden. Jet Airways fliegt unterdessen auch nach Europa, genauer gesagt, nach London und Brüssel.

Aber trotz dieser Bestrebungen hat Jet Airways überhaupt kein Konzept, behinderte Reisende zu transportieren. Das liegt schon daran, dass sie keine Bordrollstühle haben. Nun haben sie aber eine sehr reiche behinderte Passagierin diskriminiert und diese hat die Aufsichtsbehörden eingeschaltet. Man hatte ihr am Check-In ein Schreiben vorgelegt, auf dem Sie unterschreiben sollte, dass sie die Fluggesellschaft von Haftung jeglicher Art entbindet. Ihr Mann musste sie letztendlich ins Flugzeug tragen. Jet Airways hat sich jetzt entschuldigt, allerdings nur bezogen auf die reiche Businessclass-Reisende. Das Verhalten in diesem Fall (!) sei unangemessen gewesen. Und wer jetzt meint, das sei alles ein rein indisch, kulturell bedingtes Problem, der irrt. Das Geschäft dieser Airline leitet ein Österreicher.

Die ganze Geschichte kann man bei Rolling Rains nachlesen.

Hinweis: Ich bin Trainerin bei Lufthansa Flight Training.