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In Pantoffeln zum Gepäckband

Liebe Organisationstalente vom Flughafen Düsseldorf,

stellt Euch vor, ein Flughafen würde von seinen Fluggästen verlangen, die Schuhe beim Check-In abzugeben und die Passagiere müssten stattdessen in Pantoffeln zum Gate gehen. Stellt Euch zudem vor, dass sie den Fluggästen für dieses Prozedere nicht Pantoffeln in ihren Größen geben, sondern alle mit Pantoffeln der Schuhgröße 44 zum Flugzeug schlurfen müssen. Stellt Euch weiter vor, dass sie das nicht nur beim Abflug machen, sondern auch bei der Ankunft. Bei der Ankunft kriegen die Passagiere ihre Schuhe erst am Gepäckband wieder. „Unerhört“ werdet Ihr jetzt sagen. Und „sowas würden wir nie tun“.

Ja, unerhört finde ich das auch. Aber genau das macht Ihr. Nicht mit Passagieren, die Schuhe anhaben, aber mit Rollstuhlfahrern. Denen gebt Ihr den eigenen Rollstuhl nicht am Flugzeug. Nein, nein. Ihr setzt sie in einen flughafeneigenen Rollstuhl. Mit dem müssen sie dann zur Gepäckausgabe rollen bzw. sich schieben lassen. Denn der Rollstuhl ist so schlecht, dass nur wenige selbst mit dem Ding fahren können. Dass das an mehr als 40 Flughäfen, die ich weltweit kenne, ganz anders läuft, interessiert Euch nicht. Rollstuhl ist Rollstuhl, denkt Ihr. Ist aber nicht so.

Die Krankenkassen zahlen zwar immer weniger, aber eines zahlen sie: auf behinderte Menschen angepasste Rollstühle, wenn das denn nötig ist. Und warum? Weil die Krankenkassen, im Gegensatz zu Euch, begriffen haben, dass angepasste Rollstühle zum Beispiel Druckstellen verhindern und viele behinderte Menschen auch nur in ihren eigenen Rollstühlen sitzen können. Für viele Menschen ist es sogar schmerzhaft und äußerst unangenehm, in einem nicht angepassten Rollstuhl zu sitzen. Es ist einfach ein Unterschied, ob jemand einfach aus Altersgründen nicht so weit laufen kann oder querschnittgelähmt ist, MS oder sonst was hat.

Ihr aber erklärt mir, dass das alles Sicherheitsgründe habe. Sehr interessant. Worin liegt denn das Sicherheitsrisiko, wenn Ihr mir meinen Rollstuhl, der immerhin schon von Hamburg nach Düsseldorf im Flugzeug war, ans Gate bringt? Meint Ihr ernsthaft irgendwer kommt auf die Idee und fliegt von Hamburg nach Düsseldorf mit Sprengstoff im Rollstuhl und lässt das erst in Eurem schönen Flughafen hochgehen? Einen Eurer Mitarbeiter mit dieser Frage konfrontiert antwortete der: „Ja, aber dann müssen wir den die Treppe hochtragen.“ Richtig. Das müsst Ihr dann auch. So machen das tausende Flughäfen auf der Welt. Ich bin zuversichtlich, dass das auch Eure Mitarbeiter schaffen. Aber Ihr habt sogar noch etwas, was viele andere Flughäfen nicht haben: Fahrstühle zu den Gates in nächster Nähe. Da könnte man die Rollstühle sogar einfach hochfahren.

„Aber der Check-In?“ werdet Ihr jetzt sagen. Wisst Ihr, dass Eure Kollegen in Hamburg, München und anderswo so kleine lustige Staubsauger haben? Damit saugen sie den Rollstuhl ab, legen den Staub unter ein Mikroskop und sehen sofort, ob ich auf Sprengstoff sitze. Das ganze dauert 2 Minuten. Warum in aller Welt schafft Ihr das nicht? Warum laßt Ihr die behinderten Fluggäste in Pantoffeln zum Gate? In Schuhgröße 44?

Habt Ihr eigentlich schonmal vom Behindertengleichstellungsgesetz gehört? Und von der neuen EU-Verordnung, die behinderten Reisenden mehr Rechte einräumt? Nein? Na gut. Mein Anwalt wird Euch das jetzt in aller Ausführlichkeit erklären. Vielleicht versteht Ihr dann, warum es eine bodenlose Frechheit ist, Rollstuhlfahrern die eigenen Rollstühle wegzunehmen.

15 Kommentare

  1. Unglaublich, da fällt mir nur der Begriff „Pantoffelhelden“ für die Flughafenmitarbeiter ein. Vor allem der Satz „Ja, aber dann müssen wir den die Treppe hochtragen“ ist schon ein Grund, denen eins vor den Latz zu knallen.

  2. Christiane sagt:

    @Thomas
    Ich arbeite daran. Allerdings habe ich den Verdacht, dass die Bundespolizei hinter dem Schwachsinn steckt. Aber die Bundespolizei hat ja einen mehr als kompetenten Dienstherrn, der mein Problem sicher nachvollziehen kann. ;-)

  3. bp sagt:

    Nach Deiner „Flugbuchung“ habe ich schon die ‚Befürchtung‘ gehabt, daß die Talente am Flughafen Düsseldorf mal wieder irgendwas aus der Tasche zaubern. Als ich dann „Willkommen in Düsseldorf“ ohne besondere Anmerkung las dachte ich: Am Flughafen Düsseldorf war alles in Ordnung. Wie Naiv von mir!

    Vielflieger bin ich nicht, aber ein paar Flüge kommen im Jahr schon zusammen. Düsseldorf ist der nächstgelegene Flughafen für mich. Während das Angebot an Flügen in den letzten Jahren immer weiter zugenommen hat, hat die Qualität für WCHC-Reisende am Flughafen Düsseldorf immer weiter abgenommen. Aus meinem Gedächtnis einige Highlights aus den letzten Jahren:

    Frühjahr 2003: „Sie können hier nicht alleine durch.“ sagte die Dame vom BGS vor der Sicherheitskontrolle. „Sicherheitsbestimmungen!“ und erwähnte was von Rollstuhl und durchleuchten. Alle Diskussionen waren sinnlos. Die Lösung des ganzen: Beim Bordkartenkontrolleur, der mir 20 Meter vorher den Weg gewiesen hatte, konnte ich einen Sanitäter bestellen. Der hat mich an der BGS Dame vorbei begleitet. Mehr nicht, aber wahrscheinlich habe ich einfach nur nicht mitbekommen, wie der Sanitäter den Rollstuhl mit seinen Röntgenaugen durchleuchtet hat.

    Herbst 2003: Vor der Sicherheitskontrolle die gleiche Szene. Die Lösung war mittlerweile allerdings etwas verschärft worden: Der Sanitäter ging mit mir zurück bis zum Sperrgepäckschalter um dort meinen Rollstuhl durchleuchten zu lassen. Ich mußte mich auf einen wenig angemessenen Stuhl umsetzen und der Rollstuhl wurde dort durchleuchtet. Mit einem gelben Papier-Bändchen wurde der Rollstuhl als sicher markiert und endlich konnte ich mich in Richtung Gate begeben.

    Ich zog mein vorläufiges Fazit und nutzte ab jetzt den Flughafen Köln/Bonn. Ich fahre zwar einige Minuten länger bis dort und die Parkplätze sind auch nicht so bequem gelegen wie in Düsseldorf, aber trotzdem funktionierten meine Flugreisen ab jetzt bedeutend reibungsloser. Leider ist das Flugangebot in Köln/Bonn nicht so umfangreich wie in Düsseldorf und deswegen kann ich noch von einem weiteren Erlebnis am Flughafen Düsseldorf berichten:

    Herbst 2005: Der Service am Flughafen Düsseldorf hat zugenommen, denn immerhin sagte man mir schon am Check-In, daß ich keine Chance habe mit dem Rollstuhl durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. Ein Sanitäter war kurze Zeit später zur Stelle, am Sperrgepäck war jedoch weit und breit kein Stuhl vorhanden. Einige Meter weiter befand sich eine Bar und ich konnte einen der dortigen Stühle benutzen. Offenbar wird diese ganze Prozedur jedes mal neu improvisiert.

    Auch meine Erfahrung mit Flughäfen in der ganzen Welt zeigen nicht nur, daß es anders geht, sondern auch das ‚anders‘ wohl durchaus der Standard ist. Auch in Düsseldorf war vor 2002 vieles ‚anders‘. Trotz verschärfter Sicherheitskontrollen verlief ein Flug am 11. September 2002 in den USA reibungsloser als meine letzten Flüge von Düsseldorf.

  4. Christiane sagt:

    @bp
    Danke bp für Deine Schilderungen. Ich hatte vor ein paar Jahren einen intensiven Mailwechsel mit Flughafen Köln-Bonn, die sich nach meinem Protest und dem Protest anderer dazu durchgerungen haben, den Rollstuhlfahrern ihre Rollstühle zu lassen. Schön, wenn man liest, dass sich das Briefe schreiben gelohnt hat. Und den Flughafen Düsseldorf werde ich auch noch überzeugen. Die Düsseldorfer wollen sicherlich nicht hinter den Kölnern zurück bleiben…. ;-)

  5. Nadine sagt:

    Hallo Christiane,
    soweit ich mich an April 05 erinnere, durfte ich in Berlin-Tegel zwar im Rollstuhl bleiben, allerdings musste sich sogar der Sani, der mich begleitet hat sich immer wieder dem Sicherheitscheck unterziehen. Und mein Gepäck wird anscheinend immer vom BGS kontrolliert, allerdings ohne meine Anwesenheit.
    Und in Spanien wurde überhaupt nicht kontrolliert, dass fand ich noch befremdlicher.
    LG Nadine

  6. Claudia sagt:

    Deinen Eintrag kann ich nur mit einem ungläubigen Staunen lesen. ein flughafeneigener Rollstuhl. Das ist nicht zu glauben. Gut ist es, dass du dich so kompetent wehrst. Du hast viel Erfahrung wie es besser organisiert werden könnte und bist hartnäckig.
    Manchmal ändert sich ja dadurch dann doch noch etwas.

  7. Faulheit behindert

    Ich schimpfe ja durchaus manchmal auf den Flughafen Hamburg, aber so langsam glaube ich, Hamburg ist gar nicht so schlecht im Umgang mit behinderten Reisenden – zumindest bei der Sicherheitskontrolle haben sie mittlerweile mit mir Routine. Ich gebe zu…

  8. FG sagt:

    Ich kann mich nur noch aufregen, wie mit Behinderten umgegangen wird.
    Dies sind doch keine Menschen zweiter Klasse.
    Ich habe schon öfter gelesen, dass es Probleme mit dem Rollstruhl am Flughafen gibt. Aber dieser Artikel schlägt alles.

  9. elis sagt:

    Ich höre immer wieder von Schauergeschichten wie dieser hier. Vor allen meine Bekannte die im Rollstuhl sitzt, weiss einiges zu berichten. Kennt jemand von einer Anlaufstelle, wo man gegen ein solchen Umgang vorgehen kann?

  10. A. Böse sagt:

    ich arbeite am flughafen und ich finde es echt schade das ihr auf die mitarbeiter eindrescht. schonmahl selber überlegt warum das so ist ???

    ihr wisst noch nicht mal das mann deuch die torsonde gehen muss ,,, obwohl ihr in der schlange steht und alles beobachtet . 7hundertmal wir am tag durchgerufen das es verboten ist flüssigkeiten mitnehmen zu dürfen. aber neeeee mann bring wein und cola und wasser cremes in handgepäck mit und versucht noch zu erklären das diese sachen garnicht flüssig sind !! HALLO ich habe manchmal das gefühl das die menschen sobald sie den flughafen betreten ihre hirne vor der tür lassen!!!

    und was mir noch in letzter zeit aufgefallen ist — wie menschen nehmen nur ünnötige sachen mit, ich mein wenn ich in einem 5sterne hotrl gebucht habe , wozu brauche ich ein wasserkocher ??????

    und jetzt ZU den rollstühlen — die rollstuhlfahrer werden immer gut behandelt , besser als die ohne rollstühle ,denn wenn wir euch normal behandeln fühlt ihr euch überfordtert und wenn wir euch gerecht beahndeln seit ihr EINGESCHNAPPT UND BELEIDIGT . was wollt ihr ???? und wenn ein sicherheits mitarbeiter diese sachen 300 mal tag durchmacht dann muss mann das verstehen … oder nicht !!!

  11. Christiane sagt:

    @A. Böse
    Der Beitrag ist 1 1/2 Jahre alt. Ich kann Dir mitteilen, dass der Flughafen Düsseldorf und auch die verantwortliche Firma sich in aller Form bei mir entschuldigt hat. Die fanden nämlich gar nicht, dass ich gut behandelt wurde.

    Es geht hier auch nicht darum, dass ich Flüssigkeiten mitnehmen will oder nicht durch die Torsonde gehen will, sondern dass mir ein sehr wichtiges persönliches Hilfsmittel vorenthalten wird. Und dass Rollstuhlfahrer immer gut behandelt werden, kann ich nicht bestätigen. Ich weiß auch nicht, was Du mit „besser behandelt“, „überfordert“ und „eingeschnappt“ meinst. Ich möchte, dass jeder Mitarbeiter am Flughafen mich ANGEMESSEN behandelt. Und dazu gehört, mir meinen Rollstuhl zu lassen, wenn ich ihn brauche und dass er auf meine Bedürfnisse eingeht. Das ist nicht zu viel verlangt, denn immerhin zahle ich mit meinen Flughafengebühren und dem Ticketpreis dessen Gehalt mit.

    Wer mit so viel Frust über seine Kunden schreibt wie Du, sollte mal überlegen, sich nach einem anderen Job umzuschauen. Ich fliege wirklich viel und ich muss auch manchmal über meine Mitreisenden lachen, aber die meisten verhalten sich völlig normal. Und zum Job der Sicherheitsleute gehört halt auch, mit den weniger leicht zu handhabenden Kunden umzugehen und damit meine ich nicht nur behinderte Kunden.

  12. […] und wollten mich in einen Flughafenrollstuhl setzen. Genau das gleiche Problem, das ich schon in Düsseldorf, Köln und Martin in Berlin hatte (dort allerdings beim […]

  13. […] [9:51] Die Vertreterin hat wegen Zeitmangel ihren Vortrag vorzeitig beendet. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der ISL, erzählt über die Realität beim Reisen. Benutzt dafür mein Bild vom Schuhe abgeben. […]

  14. Wolfgang F. sagt:

    Der Artikel ist ja nun schon etwas älter und ich weiß nicht wie die Zustände an den Flughäfen sich für „Rollis“ verbessert oder verschlechtert haben aber meinereiner muß sich auch heute noch oben rum „Freimachen“ und die Myoelektrischen Arm- u. Hand-Prothesen ausziehen damit diese Durchleuchtet werden können und das alles nicht in einer Umkleidekabine oder so, nein, alles schön Öffentlich vor den Augen der Mitreisenden. Nicht das ich Schüchtern wär oder mich meines Körpers schämen würde, ich liege ja am Strand auch nur in Badehose rum aber muß das sein ? Was macht eine Frau mit gleicher oder ähnlicher Behinderung, Bahnfahren !?

  15. Helga sagt:

    Ich kann hier eigentlich nur gute Erfahrungen anführen. Unsere Tochter, sie fährt längere Strecken mit dem Rolli, hatte bis auf ein einziges Problem vor 10 Jahren in Hannover, niemals auf einem Airport Probleme bezüglich des Rollstuhls. Wir reisen eigentlich viel mit dem Flieger.