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	<description>Blog von Christiane Link</description>
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		<title>re:publica 2012</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 16:50:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[So, jetzt ist sie vorbei, die re:publica. Ich sitze im Flugzeug zurück nach London und versuche, die Eindrücke auf mich einwirken zu lassen. Mein Brainstorming: Es war viel barrierefreier als in den letzten Jahren. Man kam auch als Rollstuhlfahrerin in jede Session – ja, es gab auch einen Lift nach oben (das haben mich ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, jetzt ist sie vorbei, die re:publica. Ich sitze im Flugzeug zurück nach London und versuche, die Eindrücke auf mich einwirken zu lassen. Mein Brainstorming:</p>
<ul>
<li>Es war viel barrierefreier als in den letzten Jahren. Man kam auch als Rollstuhlfahrerin in jede Session – ja, es gab auch einen Lift nach oben (das haben mich ganz viele Leute gefragt). Und eine barrierefreie Toilette gab es auch. Man hätte sie vielleicht ausschildern sollen, aber es gab sie.</li>
<li>Dass sich Barrierefreiheit bemerkbar macht, wenn man sie herstellt, zeigte die Anzahl der Leute, die eine Behinderung hatten. Es gab mal Zeiten, da war ich die einzige Teilnehmerin mit einer (sichtbaren) Behinderung. Das ist definitiv nicht mehr so. Und das ist toll. So sieht Inklusion aus, wenn man sie möchte.</li>
<li>Während die Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer gut war, hatten die gehörlosen Teilnehmer mehr zu kämpfen. Ich fand gut, dass es Schriftdolmetscher gab. Die Qualität des Outputs lies aber zu Wünschen übrig, was sicher auch daran liegt, dass es diesen Beruf in Deutschland noch gar nicht so lange gibt und Übung natürlich auch dort den Meister macht.</li>
<li>Es gab aber nicht immer Schriftdolmetscher und viel zu wenig wurde in Gebärdensprache übersetzt. Eine Induktionsanlage für Schwerhörige und CI-Träger ist nicht nur richtig geekig, sondern sollte eigentlich bei jeder Konferenz Standard sein.</li>
<li>Klasse fand ich, dass es draußen am Grill einen Tisch zum Hinsetzen gab und keine Stehtische. Es gab sehr viele Sitzgelegenheiten. Das ist Barrierefreiheit XXL. Ich konnte mich so gut wie immer auf einer Augenhöhe mit Leuten unterhalten.</li>
<li>Ich fände toll, wenn das Thema Barrierefreiheit in Zukunft in Sessions behandelt wird, auf denen nicht das Label „Aktion Mensch“ klebt und nicht nur auf der hinterletzten Bühne. Dass ausgerechnet in der Session mit dem Regierungssprecher das Thema so prominent behandelt wurde, fand ich wiederum klasse.</li>
<li>Die Sessions selber fand ich mehrheitlich sehr gut. Ich nehme viele Anregungen mit. Zum Beispiel von der Session über die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,830749,00.html">Blogger der EU</a>, die sich mit EU-Politik befassen. </li>
<li>Den Vortrag von Sascha Lobo fand ich großes Kino wie immer. Weil der Vortrag sehr schlecht bzw. am Ende gar nicht geschriftdolmetscht wurde, habe ich für gehörlose Freunde auf meinem Laptop mitgeschrieben. Ich habe das noch nie gemacht. Ich kann sehr schnell tippen – Nachrichtenagentur lässt grüßen – und es hat besser geklappt als ich dachte. Ich bin sicher, es gibt noch mehr Leute, die das können. Vielleicht wäre das eine Anregung, um Konferenzen und Barcamps, die nicht so ein großes Budget haben, barrierefreier zu machen: Crowdsourcing zum Schriftdolmetschen. </li>
<li>Ich fand es zum Totlachen, dass ein Teilnehmer, der kleinwüchsig ist und im Rollstuhl sitzt, ständig für Raul Krauthausen gehalten wurde. Das war wirklich Realsatire. Ich frage mich, wie viele Rollstuhlfahrer täglich für Wolfgang Schäuble gehalten werden, weil sie den aus dem Fernsehen kennen. Ja, es gibt mehr von uns als man so glaubt.</li>
<p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Photo-04-05-2012-11-15-43-e1336322367918.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Photo-04-05-2012-11-15-43-e1336322367918-300x225.jpg" alt="Raul Krauthausen und Martin Habacher" title="Raul Krauthausen und Martin Habacher" width="300" height="225" class="aligncenter size-medium wp-image-1457" /></a></p>
<li>Gelacht habe ich auch beim PoetrySpam. Laut. Und geweint vor Lachen habe ich auch. Danke sehr dafür! Das war großartig.</li>
<li>Ich möchte mich bei den Fernsehsendern bedanken, die nicht auf dem Gehweg zur re:publica geparkt haben und mich und andere nicht behinderten. Den anderen möchte ich sagen: Ich habe Euch durchschaut. Ihr wolltet testen, ob man auch mit einem Rollstuhl über ein Auto springen kann. Aber darauf falle ich nicht rein. Für solche Experimente habt Ihr ja jetzt Samuel Koch.</li>
</ul>
<p>Was ich mir für die nächste re:publica sonst noch wünsche:</p>
<ul>
<li>Mehr Internationalität. Ich glaube, dass es der deutschen Internetszene gut tun würde, sich mehr Impulse von außen zu holen.</li>
<li>Einen Geldautomat, an den ich auch ran komme.  Das war der Geldautomat auf der re:publica:<br />
<a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Photo-03-05-2012-09-15-32-e1336322540869.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Photo-03-05-2012-09-15-32-e1336322540869-225x300.jpg" alt="Geldautomat mit Treppe" title="Geldautomat" width="225" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-1458" /></a></p>
<p>Sowas ist in Deutschland immer noch ein strukturelles Problem. Denn der nächste Automat am Anhalter Bahnhof war kaum besser zu erreichen:<br />
<a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Photo-04-05-2012-09-35-08-e1336322713565.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Photo-04-05-2012-09-35-08-e1336322713565-225x300.jpg" alt="Geldautomat von unten, Display nicht erreichbar" title="Geldautomat" width="225" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-1459" /></a></p>
<p>Das Display war vom Rollstuhl aus nicht zu sehen.</li>
<li><del datetime="2012-05-06T15:37:30+00:00">WLAN</del> (okay, das wäre jetzt doch zu viel verlangt)</li>
</ul>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1454&amp;md5=0aba732eb0043b69fe3b97d9b17089db" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Liebe inklusive</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 21:12:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich wollte die Sendung erst ignorieren. Als ich das erste Mal von &#8220;The Undateables&#8221; las, dachte ich, einfach totschweigen, dann erledigt sich das Problem schon von alleine. Da hatte ich die Rechnung ohne die Marketingabteilung des Senders Channel 4 gemacht, die das ganze Land mit Plakaten zupflastern lies auf denen mehrere behinderte Menschen zu sehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wollte die Sendung erst ignorieren. Als ich das erste Mal von &#8220;The Undateables&#8221; las, dachte ich, einfach totschweigen, dann erledigt sich das Problem schon von alleine. Da hatte ich die Rechnung ohne die Marketingabteilung des Senders Channel 4 gemacht, die das ganze Land mit Plakaten zupflastern lies auf denen mehrere behinderte Menschen zu sehen sind. &#8220;The Undateables&#8221; steht darunter.</p>
<p>Keine U-Bahnfahrt, bei der man nicht an einem der Plakate vorbei kam. Am Tag als die Sendung startete, wusste ich, dass Ignorieren nicht die richtige Strategie ist. Eine Mutter eines behinderten Kindes im Teeanageralter schrieb auf Twitter, ihr Kind sei auf der Straße gerade als &#8220;undateable&#8221; beschimpft worden &#8211; und das im fast immer politisch korrekten England.</p>
<p>Als die ersten empörten Stimmen laut wurden, sogar das European Disability Forum in Brüssel meldete sich zu Wort, habe ich dann doch für epd darüber geschrieben, anstatt die Sendung zu ignorieren. </p>
<p>Das Ergebnis steht heute <a href="http://www.taz.de/Diskriminierung-im-britischen-TV/!91568/">unter anderem in der taz</a>, aber auch in anderen deutschen Tageszeitungen. </p>
<p>&#8220;The Undateables&#8221; ist eine Reality-Dating-Show mit behinderten Menschen. Mit Nachahmung deutscher Sender ist schwer zu rechnen. Das Programm sucht für die behinderten Kandidaten einen potenziellen Partner, schickt sie auf Dates und filmt sie dabei natürlich. </p>
<p>Das Programm geht grundsätzlich davon aus, dass behinderte Menschen als Partner nicht vermittelbar sind. Daher auch der Titel. Und jetzt kommt Channel 4 und rettet diese Menschen aus der Einsamkeit. Der Sender belegt das mit einer Studie, aus der angeblich hervorgeht, dass sich 70 Prozent der Briten nicht vorstellen können, mit einer behinderten Person Sex zu haben. Meine &#8211; durchaus durch den britischen Humor beeinflusste &#8211; Reaktion war: Also ich möchte auch mit 70 Prozent der Briten auch keinen Sex haben.</p>
<p>Aber ich habe mit der Sendung ein ganz anderes Problem. Sie tut so als biete sie eine Lösung eines Problems, das sie selbst mitverursacht. Sie hämmert den Leuten in die Köpfe ein, behinderte Menschen seien keine potenziellen Partner. Jedenfalls nicht, so lange Channel 4 nicht auftaucht. Und selbst dann werden einige der Kandidaten immer noch so präsentiert als wäre es abwägig, dass jemand mit dieser oder jenen Behinderung einen Partner finden.</p>
<p>Es ist statistisch wirklich so, auch in Großbritannien, dass Menschen mit Behinderungen, vor allem Frauen, öfter Single sind als nicht behinderte Menschen. </p>
<p>Aber woher kommt das?</p>
<p>Es wird offensichtlich insgesamt nicht gerade einfacher, gute Beziehungen zu führen. Die Scheidungsrate spricht Bände und jeder kann sich ja mal seinen eigenen Freundeskreis anschauen, wie da Beziehungen plötzlich auseinander gehen. Da kann man jetzt viel diskutieren, warum das so ist. Tatsache ist, es gibt allgemein eine Tendenz dazu, sich schneller wieder zu trennen oder sich gar nicht aufeinander einzulassen.</p>
<p>Dann muss man sich mal überlegen, wo man einen potenziellen Partner kennenlernt: Bei der Arbeit (oder über die Arbeit entstandene Zusammenhänge), in der Freizeit, beim Sport, an der Uni etc. Das sind nachwievor Lebensbereiche, zu denen Menschen mit Behinderungen weniger und schwieriger Zugang haben als nicht behinderte Menschen. Die Beschäftigungsquote behinderter Menschen ist verheerend, Freizeiteinrichtungen sind vielfach nicht barrierefrei, die Bildungschancen behinderter Menschen sind schlechter als die nicht behinderter Menschen. Das wirkt sich indirekt auch auf die Lebensgestaltung von behinderten Menschen aus &#8211; und auf deren Sozialisation.</p>
<p>Das Beste, was mir im Leben passieren konnte, war, dass ich immer auf einer Regelschule war. Das hat nämlich meine eigene Wahrnehmung massiv geprägt, glaube ich. Ich hatte immer sehr ähnliche Ziele und Träume wie meine nicht behinderten Klassenkameraden und habe auch immer das gemacht, was sie gemacht haben. Ich habe früh gelernt, meine Bedürfnisse zu artikulieren und diese durchzusetzen. </p>
<p>Andererseits habe ich gelernt, dass das nicht zu viel verlangt ist. Alle netten Menschen gehen darauf ein und der Rest ist es eh nicht wert, das habe ich schnell gelernt, und das ist auch bei Beziehungen so. </p>
<p>Womit wir bei den Männern wären: Die Spreu trennt sich sehr früh vom Weizen, wenn man eine Behinderung hat. Oder anders ausgedrückt: Die Arschlöcher interessieren sich schon mal von vorneherein eher selten für einen. Und das mag zwar als Teenager nicht immer einfach zu verstehen sein, mit heute 35 aber denke ich, das war schon ganz gut so. Ich hatte nur nette Freunde, es war kein einziges Arschloch dabei. Und ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.</p>
<p>Ich glaube auch, dass das Umfeld, gerade bei Teenagern, eine wichtige Rolle spielt. Vor ein paar Wochen habe ich erst wieder erlebt, wie eine Mutter ihrer etwa 17 Jahre alten behinderten Tochter ins Wort fiel, die sich ansich sehr eloquent für Barrierefreiheit gegenüber einem Politiker einsetzte. So erzieht man seine Kinder nicht zu selbstbewussten Menschen, liebe Gluckeneltern. Auch Eltern von behinderten Kindern müssen irgendwann mal loslassen können und sollten ihre Kinder zur Selbstständigkeit ermutigen.</p>
<p>Und noch etwas halte für sehr wichtig: Man kann nur von anderen Menschen verlangen, dass sie die Behinderung akzeptieren, wenn man sie selbst akzeptiert hat. Kein Mensch möchte sich ständig anhören, wie schwer man es hat. Höchstens irgendwelche Leute mit Helfersyndrom, aber das ist ja nun auch keine Basis.</p>
<p>Letztendlich gilt, was immer gilt: Rausgehen und Leute kennenlernen &#8211; anstatt seine Seele an Channel 4 zu verkaufen. Das führt nicht nur dazu, dass man mehr Leute kennenlernt und damit mehr Leute als Partner in Frage kommen, sondern das führt auch dazu, dass die Gesellschaft insgesamt den Umgang mit behinderten Menschen als normal empfindet. Denn selbst wenn die Statistik stimmt, dass die Mehrheit der Leute sich keine Sex mit behinderten Menschen vorstellen kann, heißt das nur eines: Sie kennen zu wenige.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1447&amp;md5=08fbaf8ddd48f0ea8112ece6f9c00995" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Unhöflich aber nützlich</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 02:19:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sitze ja unterdessen hier in England in dem ein oder anderen Gremium. Manchmal hadere ich sehr mit der britischen Diskussionskultur. Während wir Deutschen ja oft und gerne auch mal ungefragt unsere Meinung kund tun und auch auf die Frage „Wie geht’s?“ in epischer Länge antworten, reden viele Briten tendenziell gerne erst einmal um den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sitze ja unterdessen hier in England in dem ein oder anderen Gremium. Manchmal hadere ich sehr mit der britischen Diskussionskultur. Während wir Deutschen ja oft und gerne auch mal ungefragt unsere Meinung kund tun und auch auf die Frage „Wie geht’s?“ in epischer Länge antworten, reden viele Briten tendenziell gerne erst einmal um den heißen Brei herum. </p>
<p>Ich gebe es offen zu: Ich glaube nicht, dass ich mich diesbezüglich jemals assimilieren werde. Mich macht es wahnsinnig, wenn es darum geht, irgendein verpfuschtes Bauprojekt schön zu reden, während der x-te Rollstuhlfahrer nicht ins Gebäude kommt, blinde Menschen sich den Kopf an der falsch geplanten Treppe stoßen oder gehörlose Menschen nicht an Informationen kommen. Ich sag das dann auch genauso und verlange Änderung. Am besten vorgestern. Das Gesetz habe ich sowieso fast immer auf meiner Seite.</p>
<p>Vor kurzem war ich wieder in solch einer Situation und bemerkte aus dem Augenwinkel, dass sich zwei der Anwesenden über mich in Gebärdensprache austauschten während ich sprach. Das ist zwar nicht besonders höflich, aber immerhin konnte ich verstehen, was sie gebärdeten &#8211; ich habe gerade meinen Pre-Level 3-Kurs in Britischer Gebärdensprache beendet. Das heißt, ich bin zwar noch nicht perfekt, kann aber einfacher Konversation folgen und teilnehmen.</p>
<p>Als ich fertig war mit Sprechen, mischte ich mich in die Diskussion in Gebärdensprache ein und wir konnten uns super absprechen, während die eigentliche Sitzung weiter lief. Ja, das war wieder nicht besonders höflich, aber irre effizient. Nur eine Person von uns Dreien war übrigens gehörlos. </p>
<p>Vor kurzem gab es am Oxford Circus Demonstrationen gegen die Sozialkürzungen der britischen Regierung. Einige Rollstuhlfahrer hatten sich aneinander gekettet und blockierten so die Zufahrt zur Regent Street &#8211; was zu einem ziemlich Chaos am Einkaufssamstag führte. Natürlich kam früher oder später die Polizei und versuchte, mit den Demonstranten zu verhandeln. Ich konnte im Fernsehen sehen, wie sich die (hörenden) Demonstranten in Gebärdensprache verständigten, wie sie weiter verfahren. Die Polizei verstand natürlich kein Wort.</p>
<p>Bei meiner Sitzung, auf der so hart gerungen wurde, waren alle Leute, die Gebärdensprache konnten, auf der Seite der Menschen mit Behinderungen. Es war die klassische Situation, in der behinderte Menschen auf der einen Seite versuchten, nicht behinderte Menschen auf der anderen Seite von ihren Forderungen zu überzeugen und sie zum Umsetzen zu bewegen. Klassische Lobbyarbeit also. Behindertenpolitischer Alltag. Und zumindest einen Teil der „einen Seite“ konnte sich noch während die Beratungen liefen abstimmen, ohne dass „die andere Seite“ es verstehen konnte oder der Ablauf gestört wurde. Das habe ich so noch nie erlebt, wird aber sicher nicht das letzte Mal sein. Es ist zwar irre unhöflich (aber hey, es geht um Politik!), aber es ist auch sehr nützlich und macht vor allem irre Spaß. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis &#8220;die andere Seite&#8221; Gebärdensprache lernt.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1445&amp;md5=781f3cf05096f8c0253c70fa6baa1909" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was ich mir 2012 von den Medien wünsche &#8211; das Echo</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 01:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mein letzter Blogeintrag &#8220;Was ich mir 2012 von den Medien wünsche&#8221; hat ein riesen Echo hervor gerufen, worüber ich mich sehr freue. Ich habe zu dem Thema dem Dortmunder Radiosender eldoradio ein Interview gegeben, das man hier nachhören kann. Dafür, dass ich etwa zwei Stunden vor dem Interview eingeschlafen bin und erst mit Klingeln des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein letzter Blogeintrag &#8220;<a href="http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2012/01/02/1430/" title="Was ich mir für 2012 von den Medien wünsche">Was ich mir 2012 von den Medien wünsche</a>&#8221; hat ein riesen Echo hervor gerufen, worüber ich mich sehr freue. Ich habe zu dem Thema dem Dortmunder Radiosender eldoradio <a href="http://www.eldoradio.de/podcast/item.php?idx=3098&#038;sel=all">ein Interview gegeben, das man hier nachhören kann.</a> Dafür, dass ich etwa zwei Stunden vor dem Interview eingeschlafen bin und erst mit Klingeln des Telefons wieder aufwachte, klinge ich relativ ausgeschlafen, finde ich. :-)</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1441&amp;md5=b129ead9eedb6ebc2a1e13cfc37bcfff" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was ich mir für 2012 von den Medien wünsche</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 19:10:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Wissenschaftler sucht einen Assistenten. Das ist normalerweise keine Nachricht, die es bis in die Medien schaffen würde &#8211; wenn der Wissenschaftler nicht Stephen Hawking heißen würde und zwischen Weihnachten und Neujahr nicht sowieso schon journalistisch Saure-Gurken-Zeit wäre. Nun dauerte es nicht lang bis die Meldung kommentiert wurde. Raul Krauthausen zum Beispiel schrieb mit Hinweis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Wissenschaftler sucht einen Assistenten. Das ist normalerweise keine Nachricht, die es bis in die Medien schaffen würde &#8211; wenn der Wissenschaftler nicht <a href="http://www.hawking.org.uk/index.php/about-stephen/stephenatcambridge/graduateassistant">Stephen Hawking heißen würde</a> und zwischen Weihnachten und Neujahr nicht sowieso schon journalistisch Saure-Gurken-Zeit wäre.</p>
<p>Nun dauerte es nicht lang bis die Meldung kommentiert wurde.<a href="http://www.raul.de"> Raul Krauthausen</a> zum Beispiel schrieb mit <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,806546,00.html">Hinweis auf Spiegel Online</a>, er hasse es, wenn Journalisten über Rollstuhlfahrer schreiben, sie seien &#8220;an den Rollstuhl gefesselt&#8221; und &#8220;leiden an&#8221; etwas. </p>
<p>Bei der Meldung handelt es sich in großen Teilen um eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wer weiß, wie Nachrichtenagenturen arbeiten, den wundert es nicht, dass die Meldung sofort auf Hunderten Nachrichtenseiten zu lesen war &#8211; mit der Formulierung, dass Hawking &#8220;an den Rollstuhl gefesselt&#8221; ist und &#8220;leidet&#8221;.</p>
<p>Konkurrent dapd hatte <a href="http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/PANORAMA/Stephen-Hawking-sucht-einen-Assistenten-artikel7862528.php">eine kürzere Meldung</a> dazu im Dienst. Auch bei dapd &#8220;leidet&#8221; Stephen Hawking, ist aber nicht gefesselt, sondern nur &#8220;fast vollständig gelähmt&#8221;.</p>
<p>Ich könnte noch ein paare andere Beispiele aufzählen, die mir in den vergangen Wochen aufgefallen sind, was den Umgang mit behinderten Menschen in den Medien angeht:</p>
<p>- In der Tagesschau wird berichtet, dass ein Mann jetzt ein &#8220;Krüppel&#8221; sei, nachdem er von einem Rechtsradikalen zusammen geschlagen wurde. Der Mann hat eine halbseitige Lähmung.</p>
<p>- In der Berichterstattung über die Verleihung des Literaturnobelpreises berichtet dpa zwar in epischer Breite über die Behinderung des Nobelpreisträgers  Tomas Tranströmer (dieser ist wie Hawking &#8220;an den Rollstuhl gefesselt&#8221; und &#8220;er hob leicht die intakte linke Hand und zeigte ein frohes Lächeln&#8221;), seine Werke werden aber in der gesamten Berichterstattung kaum erwähnt.</p>
<p>- Das &#8220;Nachtmagazin&#8221; zeigt einen Beitrag über die gehörlose Twitterin Julia Probst, lässt sie aber de facto gar nicht zu Wort kommen, sondern aus dem Off wird behauptet, sie könne nicht sprechen. Man macht sie im wahrsten Sinne des Wortes zur Taubstummen. Dabei sieht man wie Julia redet, nur was sie sagt, hören wir nicht. Selbst wenn es unverständlich gewesen wäre, was Julia gesagt hat, hätte man es einfach neu vertonen können oder die ARD hätte einen Gebärdensprachdolmetscher zum Dreh buchen sollen. Ein TV-Porträt, über jemanden, die zwar anwesend ist, aber selbst nicht zu Wort kommt &#8211; undenkbar, wenn es um eine hörende Person gegangen wäre. </p>
<p>- Und die <a href="http://www.wz-newsline.de/home/panorama/taubstumme-zum-betteln-gezwungen-1.855523">Westdeutsche Zeitung</a> weiß immer noch nicht, dass gehörlose Menschen nicht &#8220;taubstumm&#8221; sind. </p>
<p>Ich will gar nicht so sehr über die Begriffe diskutieren. Wer da Klärungsbedarf hat, kann sich gerne das <a href="http://info.tuwien.ac.at/uniability/documents/Buch_der_Begriffe.pdf">&#8220;Buch der Begriffe&#8221;</a> herunterladen, wo vieles erklärt wird.</p>
<p>Ich möchte einen Wunsch für 2012 äußern: Ich wünsche mir, dass Journalisten ihr Bild von Menschen mit Behinderungen mal in Frage stellen, bevor sie über sie schreiben. Die Formulierungen, Texte und Reportagen, über die ich mich ärgere, sind eigentlich nur ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass Journalisten ihre eigenen Vorurteile in die Texte und Beiträge übertragen, die sie selber haben, und sie damit zur allgemein gültigen Wahrheit erklären.</p>
<p>Wenn aber behinderte Menschen irgendwann wirklich in der Mitte der Gesellschaft ankommen sollen, dann spielen die Medien eine nicht zu unterschätzende Rolle. So lange den Leuten immer wieder vermittelt wird, das Leben mit Behinderung sei in erster Linie ein tragisches Schicksal eines Einzelnen, das die Lebens- und Leistungsqualität so massiv einschränkt, dass nichts anderes wichtiger wäre, wird es schwierig, behinderte Menschen als Bürger, Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Menschen mit gleichen Rechten anzusehen. Als normaler Teil der Gesellschaft eben. Stattdessen findet eine Herabsetzung statt.  Das führt zur Ausgrenzung.</p>
<p>Und wer für diese Argumente nicht empfänglich ist, der wird vielleicht dieses verstehen: Es geht hier auch um journalistische Qualität. Faktentreue zum Beispiel und um eine angemessene Sprache in dem jeweiligen Beitrag. Und es geht um Inhalte: Es ist einfach schlechter Journalismus, Absatz über Absatz mit der Behinderung der Person zu füllen, nur weil man seine Theorie / sein Werk / seine Arbeit nicht verstanden oder gelesen hat. Das fällt mir insbesondere bei Hawking immer wieder auf, aber wenn ich nichts von Physik verstehe (und dafür habe ich größtes Verständnis), dann bin ich vielleicht auch die falsche Person für die Berichterstattung über seine Theorien.</p>
<p>Ich glaube, dass deutsche Redaktionen, <a href="http://ncdj.org/styleguide/">so wie es im angelsächsischen Bereich bereits üblich ist</a>, dringend einen Styleguide bräuchten, in dem der Umgang mit dem Thema Behinderung dargelegt wird. Ich halte nichts davon, die Behinderung von jemandem totzuschweigen. Die Frage ist, wie man darüber berichtet und welchen Stellenwert man dem Thema einräumt.</p>
<p>P.S.: dpa hat mir übrigens schon zugesagt, sich zu bemühen, &#8220;an den Rollstuhl gefesselt&#8221; 2012 nicht mehr zu verwenden. 2011 hatten sie es 14 Mal im Dienst.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1430&amp;md5=28ddbb1881e337e042d7f2b880adab00" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Von Spreu und Weizen</title>
		<link>http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2011/11/06/1421/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 00:31:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gab einen Fahrerwechsel auf dem Weg zu meinem Schneider, der mir nur schnell einen Knopf an meinem Mantel wieder annähen wollte. Ich war zuvor problemlos in den Bus eingestiegen und dachte, ich käme auch problemlos wieder raus. Die Rampe funktionierte, der Bus war ein eher neueres Modell und es war kein Doppeldeckerbus. Die Rampen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gab einen Fahrerwechsel auf dem Weg zu meinem Schneider, der mir nur schnell einen Knopf an meinem Mantel wieder annähen wollte. Ich war zuvor problemlos in den Bus eingestiegen und dachte, ich käme auch problemlos wieder raus. Die Rampe funktionierte, der Bus war ein eher neueres Modell und es war kein Doppeldeckerbus. Die Rampen an den kleinen Bussen funktionieren oft besser als bei den Doppeldeckerbussen. Keine Ahnung warum.</p>
<p>Ich drückte den Knopf mit dem Rollstuhlsymbol, aber der Fahrer reagierte nicht. Ich rief nach vorne, dass er mir doch bitte die Rampe ausfahren solle. &#8220;Ich kann Sie nicht hören&#8221;, antwortete er. Erst dachte ich, er hört mich wirklich nicht, was angesichts der Größe des Busses schon etwas ungewöhnlich war. Ich bat ihn weitere zwei Mal die Rampe auszufahren, aber die Antwort war immer wieder die Gleiche: &#8220;Ich kann Sie nicht hören.&#8221; Nach dem dritten Mal fügte er hinzu: &#8220;Sie müssen bis zur nächsten Haltestelle warten.&#8221; Er hatte mich also sehr wohl verstanden.</p>
<p>An der nächsten Haltestelle, die sehr weit von meinem Schneider entfernt war, sagte mir der Busfahrer in sehr barschem Ton, die Rampe sei defekt. Er hatte nicht einmal versucht, sie auszufahren. Das wusste ich, weil es einen Warnton gibt, wenn die Rampe ausfährt. Da wurde mir klar, dass er mich vorher gehört hatte und mich einfach schikanieren wollte.</p>
<p>Ich blieb ganz ruhig und sagte: &#8220;Okay, und was schlagen Sie vor, wie ich jetzt den Bus verlassen soll?&#8221;. Plötzlich sprang er auf, knallte mit der Tür seiner Fahrerkabine, vielleicht trat er auch gegen sie, und schrie mich an. Schimpfte auf den Bus, auf mich, auf das Leben, fluchte und baute sich vor mir auf und beschimpfte mich. &#8220;Sie brauchen mich nicht anzuschreien&#8221;, sagte ich. &#8220;Ich werde Sie so oder so Ihrem Arbeitgeber melden. Lassen Sie mich bitte aus dem Bus.&#8221; Daraufhin zog er mich ohne Rampe aus dem Bus und rauschte davon. </p>
<p>Ich nahm sofort mein Handy und rief die Verkehrsbetriebe an, um ihnen mitzuteilen, dass einer ihrer Fahrer wohl ein kleines Aggressionsproblem hat, das er offensichtlich an Rollstuhlfahrern auslässt. Die Frau der Beschwerdehotline war deutlich hörbar betroffen, entschuldigte sich in aller Form, versprach mir, ein Disziplinarverfahren einzuleiten, aber mein Tag war eigentlich gelaufen.</p>
<p>Situationen wie diese passieren nicht ständig, aber sie kommen leider viel zu oft vor. Ich bejammere das nicht, aber es ist so. Häufig denken Menschen, die mich (und andere Menschen mit einer sichtbaren Behinderung) so behandeln, dass wir uns nicht wehren. Deshalb trauen sie sich überhaupt, sich so aufzuführen. Spätestens wenn ihn sein Manager zum Gespräch bittet, wird er eines Besseren belehrt werden. Das ist das, was mich in solchen Situationen beruhigt. In dem Moment, in dem ich mich beschwere, habe ich wieder ein Stück Kontrolle zurück. </p>
<p>Als ich twitterte und auf Facebook schrieb, dass ich gerade einen Busfahrer gemeldet habe, weil er mich angeschrien hat und mir die Rampe ohne Grund nicht ausfuhr, dauerte es nicht einmal 30 Sekunden bis sich die ersten Freunde bei mir meldeten und mir Mut zusprachen und einfach nett waren. Das sind so Momente, wo mir mal wieder bewusst wird, wie viele unglaublich nette Menschen ich um mich herum habe, die verstehen, was Diskriminierung bedeutet, auch wenn sie selber vielleicht nie wirklich diskriminiert wurden.</p>
<p>Vergangene Woche war ich auf einem Geburtstag eingeladen. Ich kannte das Geburtstagskind nicht gut. Ich hatte ihn in meinem Leben drei Mal getroffen, davon zwei Mal auf einer sehr lauten Party. Wir haben getanzt, aber nicht sehr viel geredet. Es war einfach zu laut. Ich war, ehrlich gesagt, ein bisschen überrascht, dass er mich überhaupt zu seinem Geburtstag einlädt, aber ich habe mich gefreut. In der Einladung stand auch, dass er extra eine barrierefreie Location ausgesucht habe. Da musste ich an <a href="http://raul.de/leben-mit-behinderung/zwischen-sorgenkind-und-superkruppel/">Rauls Blogeintrag</a> denken, in dem er schreibt:</p>
<p><em>&#8220;Zu Geburtstagen werde ich oft nicht eingeladen, bei Partys nicht gefragt und bei Urlaubsplänen außen vor gelassen, weil die peinliche Situation vermieden werden soll, in der gemeinsam erkannt wird, dass die entsprechende Aktivität nicht barrierefrei möglich ist.&#8221;</em></p>
<p>Die Einladung des mir fast fremden Geburtstagskindes war für mich ein schönes Beispiel dafür, dass das nicht so sein muss, wenn die Leute einfach nur ein bisschen mitdenken. Und ich muss sagen, ich habe so gut wie nur noch Leute um mich herum, die genau das tun, mitdenken eben &#8211; offensichtlich selbst dann, wenn sie mich kaum kennen: Freunde reservieren in barrierefreien Restaurants Tische, buchen selbstverständlich einen Rollstuhlplatz für Konzerte ohne dass ich darum bitten muss, checken vorher, ob etwas barrierefrei ist und sagen mir, ohne dass ich überhaupt frage, wie die bauliche Situation ist, damit ich entscheiden kann, ob ich mit möchte. All das ohne peinliche Diskussion, sondern es ist einfach normal.</p>
<p>Es ist kein Zufall, dass das so ist. Wer, wie ich, ein Leben mit ein paar mehr Herausforderungen als man normalerweise so hat, führt, der tut sich keinen Gefallen daran, sich mit Menschen aufzuhalten, die die Behinderung nicht akzeptieren. Mit &#8220;nicht akzeptieren&#8221; meine ich zum Beispiel Menschen, die mich nicht zum Geburtstag einladen, wie Raul es erwähnt, sich keine Gedanken machen und peinlich berührt sind, wenn es nicht klappt. Ich finde das sehr anstrengend. Diese Anstrengung kann und mag ich mir aber nicht leisten, weil ich ja sonst keine Kraft mehr habe, mich mit den Leuten auseinander zu setzen, die ich mir nicht aussuchen kann: Aggressive Busfahrer zum Beispiel. Ich brauche dafür ein Netzwerk, das mich unterstützt und nicht nur bedauert, das mir auf die Schulter klopft und sich mit mir über den Busfahrer empört. Ich brauche ein Umfeld, das mir nicht noch mehr Herausforderungen schafft als ich sowieso schon habe. Und so trennt sich Spreu und Weizen sehr schnell bei mir. Ich merke ziemlich schnell, wer meine Behinderung akzeptiert und wer nicht. Die zweite Gruppe wird es nie leicht haben mit mir. Ich kann mir das nicht leisten, aber das ist auch in Ordnung so. Die erste Gruppe ist mehr als groß genug.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1421&amp;md5=a22eee87341178f23b073c2ff2cd9e45" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Komiker des Deutschen Bundestages</title>
		<link>http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2011/10/12/1417/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 17:51:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich muss gestehen, so viel Sinn für Humor hätte ich den Damen und Herren des Deutschen Bundestages gar nicht zugetraut. Ich habe schallend gelacht als ich die Nachricht las: Der Deutsche Bundestag sagt die Veranstaltung zum Welttag der Menschen mit Behinderungen ab, weil sich zu viele behinderte Menschen angemeldet haben &#8211; genauer gesagt zu viele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss gestehen, so viel Sinn für Humor hätte ich den Damen und Herren des Deutschen Bundestages gar nicht zugetraut. Ich habe schallend gelacht als ich die Nachricht las: Der Deutsche Bundestag <a href="http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,27799/ticket,g_a_s_t">sagt die Veranstaltung zum Welttag der Menschen mit Behinderungen ab</a>, weil sich zu viele behinderte Menschen angemeldet haben &#8211; genauer gesagt zu viele Rollstuhlfahrer.<br />
Ja, wer rechnet denn mit sowas? Da macht man eine Veranstaltung zum Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und die Leute, die teilhaben sollen, kommen auch noch? Loriot hätte seine Freude daran gehabt. Ich auch, aber ich habe ja auch leicht lachen. Ich lebe ja nicht mehr in Deutschland, sondern genieße &#8220;den deutschen Humor&#8221; und seine Blüten nur noch etwa einmal im Monat und in kleinen Dosen, wenn ich geschäftlich in Deutschland bin.<br />
Die Komiker des Deutschen Bundestages haben sich offensichtlich nicht überlegt, welches Signal sie mit der Absage der Veranstaltung aussenden: Wenn Ihr über Eure eigenen Belange mitreden wollt, sagen wir die Veranstaltung eben ab &#8211; aus Sicherheitsgründen natürlich. Ist für die Politik vielleicht wirklich sicherer, nicht mit den Betroffenen selbst zu reden. Da kann man dann schön weitermachen wie bisher, was im Falle des Deutschen Bundestages bedeutet, wenig bis nichts zu tun, was das Leben von Menschen mit Behinderungen wirklich ernsthaft verbessern würde.<br />
Und selbst wenn es keine politischen Bezug zur Absage gibt, muss sich der Deutsche Bundestag zumindest den Vorwurf gefallen lassen, zu doof zu sein, solch eine Veranstaltung zu organisieren. Ich weiß nicht, was besser ist.<br />
Und wer jetzt meint, das Ganze betreffe ihn nicht, der sollte auf der Hut sein. Ich bin sicher, den Komikern vom Deutschen Bundestag fallen noch mehr Gelegenheiten ein, uns zum Lachen zu bringen: Man könnte den autofreien Sonntag abschaffen &#8211; zu viele Fahrradfahrer. Oder die Familienfeste der Parteien &#8211; zu viele Kinder. Oder den Karneval der Kulturen &#8211; zu viele Ausländer. Und wenn sie nicht aufpassen, wird bald auch der Deutsche Bundestag zum Sicherheitsrisiko &#8211; zu viele Politiker.<br />
Nach und nach trudeln die Stellungsnahmen der behindertenpolitischen Sprecher ein. Man bedauert die Absage, es soll für nächstes Jahr eine Lösung gefunden werden. Aber keiner sagt, was alle denken: Wie peinlich!<br />
Und bevor jetzt wieder alle schreien, wie gefährlich es wäre, 100 Rollstuhlfahrer zur gleichen Veranstaltung zu lassen: Genau das passiert im sicherheitsverrückten London nächste Woche. Der Bürgermeister hat, wie in jedem Jahr, zur <a href="http://www.london.gov.uk/event-meeting/2011/oct/disability-capital-conference" lang="en">Disability Capital Conference</a> geladen. Ich war da schon mehrmals und schätze, da sind auch mindestens 100 Rollstuhlfahrer. Und beim <a href="http://legacy.london.gov.uk/mayor/equalities/liberty/background.jsp">Liberty Festival</a> in London sind es sogar noch mehr. Ich bin sicher, die Briten erzählen Euch gerne, lieber Bundestag, wie man mit 100 Rollstuhlfahrern sicherheitstechnisch fertig wird. Nur Mut, Ihr schafft das!</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1417&amp;md5=a2cc0a8da35ce8bde0c59e3942dd2f5c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vorsicht Geek!</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 22:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Leute, die mich kennen, wissen, ich bin ein Geek. Ich liebe alles, was mit Internet, Gadgets, Handys und Apps zu tun hat und kann mich auch stundenlang darüber unterhalten. Ich mag Geeks, ich gehe sogar regelmäßig zum &#8220;London Girl Geek Dinner&#8220;, einem Treffen von weiblichen Geeks. Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen als mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leute, die mich kennen, wissen, ich bin ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geek">Geek</a>. Ich liebe alles, was mit Internet, Gadgets, Handys und Apps zu tun hat und kann mich auch stundenlang darüber unterhalten. Ich mag Geeks, ich gehe sogar regelmäßig zum &#8220;<a href="http://londongirlgeekdinners.co.uk">London Girl Geek Dinner</a>&#8220;, einem Treffen von weiblichen Geeks.</p>
<p>Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen als mich <a href="http://www.indiskretionehrensache.de">Thomas Knüwer</a> fragte, ob ich Lust hätte, für die erste deutsche Ausgabe der Zeitschrift &#8220;<a href="http://www.wired.de">Wired</a>&#8221; einen Artikel über einen Geek zu schreiben, um in Deutschland diese Bezeichnung bekannter zu machen. Der Geek, über den ich geschrieben habe, ist <a href="http://economicsintelligence.com">Olaf Storbeck</a>, der &#8211; im Gegensatz zu mir &#8211; Zahlen liebt. </p>
<p>Seit heute liegt die erste Ausgabe der &#8220;Wired&#8221; in Deutschland, Österreich und Schweiz in den Regalen &#8211; sie wird im Bundle mit &#8220;GQ&#8221; verkauft. Im Oktober gibt es sie auch im Einzelverkauf. Zudem gibt es eine <a href="http://itunes.apple.com/de/app/wired-deutschland/id459506371?mt=8">App mit zahlreichen Zusatzinformationen</a>.</p>
<p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Wired.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Wired-300x225.jpg" alt="Wired-Ausgaben" title="Wired" width="400" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-1408" /></a></p>
<p>Ich lese die amerikanische Ausgabe der &#8220;Wired&#8221; schon länger auf dem iPad und die britische &#8220;Wired&#8221; kaufe ich mir manchmal auf Papier. Was gibt es also Schöneres als für eine Zeitschrift zu schreiben, die man selber liest? Meine eigene <a href="http://www.germanlink.co.uk">Zeitung</a> basiert sogar auf dem simplen Prinzip, dass das in die Zeitung kommt, was ich selber lesen würde. </p>
<p>Und so bin ich heute voller Vorfreude in Hamburg in einen Zeitschriftenladen und habe alle &#8220;Wired&#8221;-Ausgaben gekauft, die sie hatten. Die &#8220;Wired&#8221; hat mich dann auch darüber hinweg getröstet, dass mein neuer Rollstuhl nicht so ist, wie ich ihn mir vorgestellt und bestellt habe und ich nun ohne ihn zurück nach London fliegen werde. Es ist ja nicht so, dass ich nicht bereits vier Monate darauf warte und mein alter Rollstuhl bereits drei Mal geschweißt wurde, weil die Original-Schweißnähte reißen. Aber als Geek fahre ich natürlich keinen Nokia 6310-Rollstuhl, sondern eher ein iPhone 5 (wann kommt das denn endlich?) unter den Rollstühlen.</p>
<p>Ich habe ein paar Freicodes für die &#8220;Wired&#8221;-App, die ich gerne an meine Blogleser abgebe. Aber nur, wenn Ihr mir eine Frage in den Kommentaren beantwortet: Wenn Du eine Sache ändern könntest, um das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, was wäre das? Ich suche mir (ganz subjektiv) die besten Antworten aus und schicke Euch den Code zu (bitte korrekte E-Mailadresse angeben).</p>
<p>Update: So, die Codes sind vergeben. Ihr dürft natürlich dennoch weiter kommentieren.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1407&amp;md5=6380d91ff6fb97eec3c66d9c911738ed" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Das deutsche Problem mit Oscar Pistorius</title>
		<link>http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2011/08/29/1395/</link>
		<comments>http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2011/08/29/1395/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 23:37:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Unversehrt&#8221;, sagte Tom Buhrow in den &#8220;Tagesthemen&#8221;. Nein, das war keineswegs vor 20 Jahren, sondern heute abend. Er bezeichnete damit die Konkurrenten des behinderten Sportlers Oscar Pistorius. Für alle, die ähnlich sportinteressiert sind wie ich &#8211; nämlich gar nicht: Oscar Pistorius ist Sprinter und Weltrekordhalter, der mit zwei Unterschenkelprothesen läuft. Bild: Elvar Freyr Lizenz: Creative [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Unversehrt&#8221;, sagte Tom Buhrow in den &#8220;Tagesthemen&#8221;. Nein, das war keineswegs vor 20 Jahren, sondern heute abend. Er bezeichnete damit die Konkurrenten des behinderten Sportlers <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Pistorius">Oscar Pistorius</a>. Für alle, die ähnlich sportinteressiert sind wie ich &#8211; nämlich gar nicht: Oscar Pistorius ist Sprinter und Weltrekordhalter, der mit zwei Unterschenkelprothesen läuft.</p>
<p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Pistorius.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/Pistorius-204x300.jpg" alt="Oscar Pistorius" title="Oscar Pistorius" width="300" height="400" class="aligncenter size-medium wp-image-1398" /></a><br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/erlendurkafari/964337292/sizes/o/in/photostream/">Elvar Freyr</a> Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">Creative Commons  Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)</a></p>
<p>Ich musste mich versichern, nicht eine historische Version der &#8220;Tagesthemen&#8221; zu sehen, denn ich glaube, die Begriffe &#8220;versehrt&#8221; / &#8220;unversehrt&#8221; habe ich zuletzt vor 20 Jahren gehört. Ich habe als Kind mal Leistungssport gemacht und der noch aus Nachkriegszeiten stammende Verein hieß damals &#8220;Versehrtensportgemeinschaft&#8221;. Da hörte ich das Wort zum letzten Mal.</p>
<p>Ich reite auf den Begriffen so herum, weil ich glaube, dass sie ein Symptom sind, ein Symptom dafür, wie Behinderung in Deutschland gedacht und seit Jahrzehnten kaum neu definiert wird. Da nutzen auch die schönsten Papiere nichts, die von irgendwem herausgegeben werden. Die Gesellschaft hält in großen Teilen an dem Bild eines nicht leistungsfähigen, &#8220;versehrten&#8221; Behinderten fest. Und da passt es auch ganz gut, dass Tom Buhrow im weiteren Verlauf der Sendung von &#8220;gesunden&#8221; Sportlern spricht. Oscar Pistorious ist aber nicht krank. Dementsprechend sind seine nicht behinderten Kollegen auch nicht &#8220;gesund&#8221;, sondern eben &#8220;nicht behindert&#8221;. Ein behinderter Mensch kann genauso gesund und krank sein wie ein nicht behinderter Mensch. Das will aber irgendwie nicht in die Köpfe der Leute hinein. Behinderung wird immer noch als in erster Linie medizinisches Problem angesehen, nicht als gesellschaftliches.</p>
<p>So lange das so ist, wird man sich auch weiterhin bestenfalls über die Leistungsfähigkeit behinderter Menschen wundern, schlechtestenfalls in Frage stellen, womit wir wieder bei Oscar Pistorius wären. Ich halte es für keinen Zufall, dass die Hauptzweifel an Pistorius&#8217; Leistungsfähigkeit aus Deutschland kommen. Es war die Sporthochschule in Köln, die Pistorius attestierte, er habe Vorteile durch seine Prothesen. <a href="http://www.tolmein.de/kultur,21,Pistorius_Olympiade.html">Der Internationalen Sportgerichtshof CAS und andere Gutachter sahen das anders.</a> Deshalb darf Pistorius bei den Olympischen Spielen starten, wenn Südafrika ihn nominiert.<br />
Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), <a href="http://www.stern.de/sport/behinderter-400-meter-laeufer-pistorius-der-blade-runner-geht-an-den-start-1721096.html">wird von Stern.de wie folgt zitiert</a>: &#8220;Bei aller Wertschätzung für Pistorius, aber durch seinen Start verliert die Leichtathletik ihre Identität. Leistung ist nicht mehr die Summe aus Talent und Training.&#8221;</p>
<p>Weil ein behinderter Mensch mit Prothesen startet, glaubt der Deutsche Leichtathletik-Verband, der Sport verliere seine Identität. Im Großbritannien sieht man das übrigens ganz anders. Da ist Pistorius ein &#8220;sportlicher Held&#8221;, wie der Telegraph schreibt, den die Leute mögen und der großartige Leistungen zeigt. Die Leute freuen sich auf Pistorius und dass er wahrscheinlich starten wird. Aber in Großbritannien bezeichnet auch kein Nachrichtensprecher nicht behinderte Sportler als &#8220;gesund&#8221; und Behinderung gilt in erster Linie als gesellschaftliches Problem, nicht als medizinisches.</p>
<p>Ich glaube, es gibt ein Tabuthema in Deutschland. Das heißt &#8220;Leistungsfähige Menschen mit Behinderungen&#8221;. Das schlägt sich nicht zuletzt in der Beschäftigungsquote behinderter Menschen nieder. Es wird behinderten Menschen oft nichts zugetraut. Und wenn sie dann das Gegenteil beweisen, also zum Beispiel schnell genug laufen wie Pistorius, wird alles getan, die Leistung herabzusetzen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. </p>
<p>Solche Beispiele gibt es auch im Alltag. Ich wurde mehr als einmal gefragt, als ich sagte, dass ich für dpa arbeite, wer mich denn eingestellt habe. Oder man sagte mir: &#8220;Sie hatten den Job doch sicher schon vor dem Unfall.&#8221; Welcher Unfall? Hä? Ich hatte keinen Unfall.</p>
<p>Und die Steigerung dessen sind Menschen, die glauben, man nehme als behinderter Mensch nicht behinderten die Arbeitsplätze weg, da ja für uns &#8220;sowieso gesorgt&#8221; sei. Auch das habe ich schon erlebt.</p>
<p>Es nutzt nichts, sich darüber aufzuregen. Es nutzt nur, das Gegenteil zu beweisen und die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Diese Bemühungen würden allerdings schneller voran kommen, wenn gestandene Journalisten, die sonst jedes Wort drei Mal überlegen, wenn sie ihre Moderation schreiben, auch mal ihre Sichtweise überdenken. Die Medien spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Umdenken. Mit der Berichterstattung über Oscar Pistorius könnte man mal zeigen, wie weit man damit schon ist.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1395&amp;md5=9248a9f16c0252f8153f7aed909929e0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Krawalle in London</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 00:02:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane</dc:creator>
				<category><![CDATA[London]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Dinge im Leben von denen wird man völlig überrumpelt. Wir hatten das Thema ja schon ein paar Mal in diesem Blog. Und ich muss wirklich sagen, das Jahr 2011 lässt wirklich nichts aus. Diese Woche: Krawalle in London und im Rest des Landes mit bislang fünf Toten, Dutzenden Verletzten (vor allem Polizisten), brennenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Dinge im Leben von denen wird man völlig überrumpelt. <a href="http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2011/07/02/1377/" title="C’est la vie">Wir hatten das Thema ja schon ein paar Mal in diesem Blog.</a> Und ich muss wirklich sagen, das Jahr 2011 lässt wirklich nichts aus. Diese Woche: Krawalle in London und im Rest des Landes mit bislang fünf Toten, Dutzenden Verletzten (vor allem Polizisten), brennenden Straßenzügen und geplünderten Geschäften.</p>
<p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/stillopen-e1313279681722.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/stillopen-e1313279681722-225x300.jpg" alt="Schild an Holzwand" title="Still Open" width="225" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-1387" /></a></p>
<p>Bis Montagnachmittag dachte ich noch, das alles ist erschreckend, aber findet weit genug von mir statt. Ich hatte mich geirrt. Das alles kam plötzlich sehr nahe. Ich fuhr nachmittags nach Lewisham, um ein paar Briefe auf die Post zu bringen. Da waren schon riesen Schlangen und man sagte mir, man würde die Post gleich schließen. Da war es etwa 16.30 Uhr und noch zu früh eigentlich. Man erklärte mir, man erwarte Ausschreitungen in Lewisham. Man schloss die Post dann, ich wurde noch bedient, aber als ich das Einkaufszentrum verließ, kamen mir schon etwa 30 Jugendliche mit Hoodies und Tüchern vorm Gesicht entgegen. Die vier Polizisten, an denen sie vorbeizogen, schauten nur unbeteiligt zu als sie vom Bahnhof in Richtung Einkaufszentrum zogen.</p>
<p>Ich bin dann einfach nur in die Bahn gehüpft, um schnell aus Lewisham rauszukommen, was sich im Nachhinein auch als gut erwies. Die Tage danach habe ich London in vielen Stadtteilen nicht mehr wieder erkannt: Es waren sehr wenig Leute auf der Straße, viele Geschäftsstraßen waren wie ausgestorben. Entweder die Geschäfte waren geplündert oder sie haben als Vorsichtsmaßnahme zugemacht. Andere haben ihre Schaufenster vernagelt. Das ansonsten völlig überfüllte London wirkt gerade ziemlich leer.</p>
<p>Und jetzt fragen sich alle: Warum machen Leute so etwas und woher kommt diese Aggression? Evangelisch.de hatte mich gebeten, <a href="http://www.evangelisch.de/themen/politik/englands-brennende-st%C3%A4dte-das-wird-krawall-geben46309" title="Englands brennende Städte">einen Artikel dazu zu schreiben</a>. Die Antworten auf diese Frage sind sicher komplex und nicht mit einfachen Plattitüden zu beantworten. Das gilt auch für die Frage, was denn jetzt zu tun sei. </p>
<p>Ich denke, eine Debatte über gemeinsame Werte in der Gesellschaft ist überfällig. Vielleicht würde es dem Land auch gut tun, wenn es endlich mal eine niedergeschriebene Verfassung hätte &#8211; mit Grundrechten und so und für jeden verständlich &#8211; verbunden mit einer ausführlichen Debatte über eine eben solche. Da dürfte auch gerne die Meinungsfreiheit (Freedom of Speech), die hier eigentlich ziemlich hochgehalten wird, weit oben stehen. Und auch die Pressefreiheit. Dann könnte man die Debatte, ob man Twitter und Facebook abschalten soll (ja, kein Witz, das wird hier diskutiert!) schon im Keim ersticken. Es wäre einfach verfassungswidrig. </p>
<p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/stillopen2-e1313279653485.jpg"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/images/stillopen2-e1313279653485-225x300.jpg" alt="Wand auf der steht "Open please come in"" title="Open please come in" width="225" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-1388" /></a></p>
<p>Und die Polizei hat einiges zu tun, um das Vertrauen in der Bevölkerung wieder herzustellen. Die ersten Tage schritten sie kaum ein, waren völlig überfordert, hatten zu wenig Leute auf der Straße, was dazu führte, dass die Randalierer munter weitermachen konnten.</p>
<p>Insgesamt finde ich die ganze Sache sehr bedrückend. Dennoch bin ich Optimistin, dass sich man die Ausschreitungen zum Anlass nimmt, der Ursache auf den Grund zu gehen und dann Änderungen vorzunehmen. Mir fiele da einiges ein.</p>
 <p><a href="http://www.behindertenparkplatz.de/?flattrss_redirect&amp;id=1386&amp;md5=4c79307c1289c922854388d02422c1b5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.behindertenparkplatz.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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