Behindertenparkplatz

Blog von Christiane Link

Sister Act barrierefrei

Wir haben Freunden von uns Karten zum MusicalSister Act” geschenkt und uns für den gleichen Abend auch gleich welche gekauft.

Ich habe extra einen Termin ausgesucht, bei dem die Vorführung mit Audiodiskription läuft. Fast jedes Theaterstück oder Musical, das eine Saison lang in London läuft, wird pro Saison ein- bis zwei Mal mit Audiodiskription, also Beschreibung für blinde Zuschauer, mit Gebärdensprachdolmetscher oder Untertitel aufgeführt. Ein Newsletter und eine Webseite der Londoner Theater informiert regelmäßig, wann es diese Vorstellungen gibt.

Ich habe also im Theater angerufen, ihnen gesagt, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und mein Freund blind und ich gerne vier Tickets kaufen möchte. Wir haben ziemlich gute Plätze bekommen. Ein paar Tage vor der Vorstellung bekamen wir einen Brief mit einer CD. Dort war die Beschreibung drauf – zum Vorhören. Im Theater selbst bekam mein Freund, sowie die etwa 15 anderen blinden Besucher einen kabellosen Kopfhörer über den während der Vorstellung die Beschreibungen übertragen wurden. Die Sprecherin beschrieb alles live – wer auf die Bühne kommt, wie das Bühnenbild aussieht etc. Sie kam später auch noch zu den blinden Besuchern und stellte sich vor.

Das Musical war übrigens erstklassig. Wer den Film “Sister Act” mag, dem wird auch die Theaterversion gefallen. Außerdem ist das Theater, in dem das Musical aufgeführt wird, sehr hübsch.

Geparkt in , , , , um 21:35 Uhr am Freitag, 18. Dezember 2009 |

Abnormally accessible

Am Freitag waren wir im Soho Theatre bei den Abnormally Funny People. Das Soho Theatre hatte mich im Vorfeld schon mit ihren Informationen zur Barrierefreiheit beeindruckt. So kann man zum Beispiel Karten per SMS bestellen, was nicht nur für gehörlose Theaterbesucher ziemlich praktisch ist.

Als wir ankamen, war der Saal noch nicht geöffnet und wir warteten vor der Tür. Der Produzent kam zu Artur (er hatte seinen Blindenstock gesehen) und fragte ihn, ob er schon mal reinkommen wolle, dann könnten sich die Comedians vorstellen und beschreiben, wie sie aussehen. Das fand ich schon sehr nett und aufmerksam. Wir gingen also gemeinsam rein und jeder stellte sich vor und beschrieb sich. Dann kam ein Beauftragter für Barrierefreiheit zu uns und fragte Artur, ob er einen MP3-Player haben möchte, auf dem beschrieben ist was gerade passiert. Er könne von Sketch zu Sketch vorspulen.

Ich fand das richtig klasse, dachte mir aber “Okay, das ist ein Kabarett von behinderten Comedians, ist klar, dass die auf Barrierefreiheit achten”. Wir wurden dann aber eines besseren belehrt. Am Ende kam die Frau zu uns, die die Audiodiskription produziert hatte, und fragte, ob alles okay gewesen sei. War es natürlich. Und dann sagte sie uns, dass jedes Stück, das im Soho Theatre aufgeführt wird, mindestens einmal mit Gebärdensprachdolmetscher und mit Audiodiskription aufgeführt wird. Im großen Saal mache man die Beschreibung live über eine Kopfhöreranlage, im kleinen Saal ginge das aber nicht und so teste man gerade die MP3-Player.

Die Aufführung war übrigens spitzenmäßig. Ich liebe britische Comedy, aber das war einfach großartig. Einer der Comedians war Paul Betney, den man unter anderem in dieser Werbekampagne sehen kann:

Mehr Videos mit Abnormally Funny Comedians gibt es hier.

Geparkt in , , , , , , um 23:12 Uhr am Sonntag, 3. Februar 2008 |

Theaterferien

Anruf beim Thalia Theater in Hamburg.
Ich: “Guten Tag. Können Sie mir sagen, ob das Nachtasyl (Lokal im Theater) barrierefrei ist?”
Schweigen am anderen Ende.
Ich: “Ich würde gerne wissen, ob man mit dem Rollstuhl in das Nachtasyl kommt.”
Thalia Theater: “Wir haben Theaterferien.”
Ich: “Das war nicht meine Frage. Ich möchte gerne wissen, ob man grundsätzlich mit dem Rollstuhl in das Nachtasyl kommt.”
Thalia Theater: “Wenn Sie starke Leute mitbringen.”

Geparkt in , , , , um 14:44 Uhr am Freitag, 13. Juli 2007 |

Ich komme – wenn es barrierefrei ist

Anruf einer PR-Agentur. Termin, blabla, Ort: Theater. Einladung kommt per Mail.

Ich maile zurück: “Herzlichen Dank für die Einladung. Können Sie für mich in Erfahrung bringen, ob das Theater rollstuhlgerecht ist. Ich bin Rollstuhlfahrerin. Herzlichen Dank!”

Wieder Anruf PR-Agentur: “Meine Kollegin, die Sie kennt, hat mich schon darauf hingewiesen, dass es da ein Problem geben könnte. Das Theater sagt, die Theatertechniker tragen Rollstuhlfahrer immer die Treppe hoch.”
Ich: “Das ist für mich keine Option. Dann kann ich leider nicht an Ihrer Veranstaltung teilnehmen.”
Schweigen. Dann: “Das Theater sagte, mit etwas Aufwand könnten sie auch eine Rampe hinlegen.”
Ich: “Ja bitte, das wäre gut. Bitte besorgen Sie die Rampe. Wenn eine daliegt, komme ich gerne. Wenn nicht, geh ich wieder.” Erstaunen am anderen Ende der Leitung.

Wenig später wieder eine Mail: “Das Thetaer hat mir gerade fest zugesagt, dass es eine Rampe geben wird.” Na bitte, geht doch. Aber so ganz glaub ich noch nicht dran. Aber macht nix, ich fahr vorbei, schau mir das an und sonst geh ich wieder. Ich liebe diese semi-barrierefreien Kann-man-Hingehen-Muss-man-nicht-Termine. Da wird Barrierefreiheit plötzlich zum PR-Element. Da müssen sich dann PR-Agenturen überlegen, ob sie eigentlich nicht eine klitzekleine Anforderung an die Location bei der Planung vergessen haben. Huch, sowas Lebensnahes plötzlich!

Geparkt in , , , , , um 15:09 Uhr am Donnerstag, 12. Oktober 2006 |