Behindertenparkplatz

Blog von Christiane Link

Der Countdown läuft

Im Sommer 2012 finden in London die Olympischen und paralympischen Spiele statt. In der Stadt läuft der Countdown. Das Foreign Office, also das britische Außenministerium hat aus diesem Anlass gerade einen Image-Film mit Tanni Grey-Thompson produziert, der derzeit auf den Webseiten der britischen Botschaften zu sehen ist. Darin berichtet die rollstuhlfahrende Sportlerin über das Vereinigte Königreich und wie sich die Einstellung zu behinderten Menschen verändert hat – und natürlich über ihren Sport.

Anmerkung: Da der automatisch generierte Untertitel von YouTube offensichtlich kein britisches Englisch mag und völlig unverständlich ist, habe ich den Text transkribiert (unter dem Video) und das Außenministerium gebeten, ihn ins Video einzubinden.

Text des Videos:

Britain is a pretty good place to be if you are a disabled person in terms of sport where the envy of the world in terms of our support structures, our media coverage, the games that we’re going to be hosting, we’re using as a platform to show the world what we can achieve.

And actually, you know, in the outside world, away from sport, it’s still one of the best countries to be in. Racing is amazing because it’s speed, it’s fair, if you are on a road race you can be going downhill at 50mph, 2ft from the ground. And your breaks don’t really work. It’s exhaustion, it’s elation, so many different things all wrapped up together. And if you’re competing on the track that can happen in 20 seconds. It’s the most amazing thing. But the outside world is so different from that.

My family was so supportive of me during the thing I wanted to do. And they brought me up to believe if somebody had an issue with my impairment it was their problem not mine.

When I was young, literally I couldn’t go out because there weren’t accessible toilets.

Cinemas didn’t allow disabled people in on their own without adults with them. And you look back now and it’s actually quite scary: That was only 30, 35 years ago. And at the time when disability was thought about very differently, they encouraged me to explore and to leave home and to travel, believing that the world would have to change, that it wasn’t me. There was nothing wrong – me being in a wheelchair.

I never set out to try to change the world. I set out to become the best athlete I possibly could. Realisation that I can actually become Number 1 in the world I think took quite a long time to come to me because it was always looking at steps, it was about improve my world ranking, it was making about the next games. When I got older it was when I recognised I had certain strength and been able to trying encourage people to change their attitudes towards disability.

Britain has so much to be proud of in terms of its understanding disabled people. But also in terms of putting disability sport on the map, because it was in Britain that the Paralympic Games began. And sport has really led the way – underpinned by an awful lot of disabled people who’ve helped make it happen. It’s led the way in terms of showing what’s an inclusive world can look on.

The opportunity to host the Olympics and Paralympics in London was one that anybody involved in sport wanted to be part of, because it was about showing the world how good we are organising things. We’re are passionate about sport. We’re passionate about doing things properly, about building lovely venues. But it’s not just that. It’s about how we change the City of London, how we change the rest of the UK.

London – in fact any old city – is huge challenge to adapt and to modernise because there is this sort of amalgamation of different historical and architectural designs. And we have a lot of rules what you can adapt and how you can adapt it. That can be really difficult.

But there has been kind of stat changes either through acts of parliament or just people’s understanding that have made people’s lives easier.

I think if you ask people from outside Britain what we’re like as a nation there might be a thought that we’re resistant to change. But acutually as a country I think we are very dynamic, we are very forward thinking, we are very inclusive, we try to make decisions that are the best for the most number of people. And that’s actually a very exciting country to be part of because we have this huge amount of history and culture. But actually we’re all looking forward to see what we can do in the future to make life better for everybody.

Geparkt in , , , um 19:12 Uhr am Montag, 30. August 2010 |

Die Zeiten ändern sich

Manchmal hat man ja den Eindruck, es geht in Bezug auf Barrierefreiheit und der gleichberechtigten Teilhabe nichts voran. Wenn man manche Dinge aber mit etwas Abstand betrachtet, stimmt das so gar nicht. Gesetze ändern sich, Menschen ändern sich und manchmal auch Unternehmen. Ein Verlag, der mich 1997 noch als studentische Hilfskraft ablehnte, weil ich Rollstuhlfahrerin bin, gibt 2010 ein Buch zum Behindertengleichstellungsrecht in Deutschland heraus, Herausgeber ist ein Rollstuhlfahrer. Die Zeiten ändern sich. Es ist manchmal gut, sich das vor Augen zu führen.

Geparkt in , , , , um 12:18 Uhr am Dienstag, 3. August 2010 |

Live aus Berlin

Ich bin gestern morgen aufgewacht und dachte mir, es wäre doch im Sinne der Transparenz (und zu meinem eigenen Vergnügen) eine gute Idee, von der Fachkonferenz “All inclusive – ökonomische Chancen im Luftverkehr für alle” in Berlin auf der ILA live zu bloggen. Es gibt so wenige behindertenpolitische Konferenzen, von denen jemand live bloggt, und ich ändere das jetzt mal. Die Schilderungen sind subjektiv, aber ich bemühe mich, die Fakten so gut wie möglich rüberzubringen.

[10:24] Es ist knallheiß im Raum. Die Mehrheit der Teilnehmer wird eh schon ziemlich k.o. hier ankommen – zumindest wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmittel angereist sind. Das Konferenzzentrum ist eine halbe Wanderung von Flughafen bzw. der S-Bahn entfernt. Dazwischen liegt eine ziemlich steile Rampe.

[10:26] Frau Waclawcyk vom Bundesverkehrsministerium erklärt die EU-Verordnung 1107/2006. Sie weist darauf hin, dass man sich bei Beschwerden erst an die Airline, nicht ans Luftfahrtbundesamt wenden soll. Es gibt dafür ein Standardformular.

[10:29] Ein Freier Journalist des Stern meldet sich und fragt, wieso man behauptet, die Fluggesellschaften würden das alle umsetzen. Manche hätten nicht einmal ihre AGB geändert und würden immer noch Geld für den Transport eines zweiten Rollstuhls verlangen. Zudem sagt er, es würde keinen Sinn machen, sich ans LBA zu wenden, wenn die bei der Umsetzung zivilrechtlicher Forderungen nicht behilflich sind.

[10:45] Unsäglich schlechter Auftritt durch das Bundesverkehrsministerium, die sich wie ein Industrievertreter aufführen und dabei bin ich mir sicher, die Luftfahrtindustrie tritt professioneller auf. Die Rednerin legt Statistiken vor über die bislang eingegangenen Beschwerden. Sechs Beschwerden gab es wegen Beförderungsverweigerung, vier wegen Buchunsgverweigerung, acht wegen Hilfe am Flughafen und achtzehn wegen Hilfe durch die Airline.
Leute im Publikum bezweifeln die Statistik. Vier Beschwerden wurden an andere EU-Behörden abgegeben. Neun wurden eingestellt, 16 ohne Sanktionen abgeschlossen.

[10:51] Die Vertreterin hat wegen Zeitmangel ihren Vortrag vorzeitig beendet. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der ISL, erzählt über die Realität beim Reisen. Benutzt dafür mein Bild vom Schuhe abgeben.

[10:54] Sigrid Arnade zweifelt an, dass die Leute, wie von der Dame vom Verkehrsministerium behauptet, nicht alle angemessen geschult sind.

[10:58] Tanya Stötzer von der Deutschen Bahn AG tritt auf. Was die Bahn auf einer Konferenz zum Luftverkehr zu suchen hat, ist mir überhaupt nicht klar. Die Bahn schätzt, dass durch die Herstellung von Barrierefreiheit in Deutschland im Tourismus ein Umsatzplus von 4,8 Mrd. Euro möglich wäre (ich hoffe, die Zahl stimmt, sie redet so schnell). Ja, dann macht es doch, Mann!

[11:01] Die Vortragenden hetzen wahnsinnig durch ihre Vorträge. Alles ist auf Folien geknallt und die Leute glauben, die Leute lesen das schon alles. Für blinde und sehbehinderte Kongressteilnehmer ist das gar nicht möglich.

[11:04] Die Bahn erläutert das Redesign des ICE1 mit einem zusätzlichen Rollstuhlstellplatz und vielem mehr. Auch ICE2 wird redesigned. Die Baureihe BR407 wird eine fahrzeuggebundene Einstieghilfe bekommen. Die ersten Züge kommen 2011. Der ICx (zukünftige Baureihen) wird Barrierefreiheit garantieren für die Zukunft.
69 Prozent aller Bahnhöfe (3745) sind barrierefrei. Der Rest ist nicht oder nur eingeschränkt zugänglich.

[11:09] Die Servicepoints sollen barrierefreier werden, damit man auch mit Rollstuhlfahrern auf gleicher Augenhöhe reden kann. Die Rednerin weist auf www.bahn.de/handicap hin. Ob der Bahn (und anderen deutschen Unternehmen) wohl mal jemand sagen kann, dass außerhalb von Deutschland das Wort Handicap nicht gern gesehen ist. Ich meine, die haben ja auch internationale Kunden.

[11:12] Die DB Servicewerkstatt hat bundesweit Mitarbeiter geschult, sie konnten mal blind über Bahnhof laufen etc. Das Feedback war sehr gut. Sie arbeiten europaweit mit anderen Bahnunternehmen zusammen. Die Bahn macht Imagekampagnen nach innen und außen in Bezug auf Barrierefreiheit. Sie bauen strategische Allianzen um Bereich Tourismus auf, um Reisepakete anbieten zu können.
Alles in allem ein guter Vortrag von der Bahn, leider völlig am Thema der Konferenz vorbei.

[11:15] Klaus-Dieter Kricke von Airbus spricht als nächstes. Es geht um die barrierefreie Kabinenausstattung. Er beginnt mit einer medizinischen Definition von Behinderung. Da hätte die PR-Abteilung aber mal besser briefen können. Motto von Airbus: Passenger at heart, airline in mind. Aha.
Spricht über neue Trends im Flugverkehr: Mehr Frauen, mehr Übergewichtige, mehr Behinderte – die Welt verändert sich. Jeder könne körperliche Behinderungen bekommen. Die meisten “körperlichen Gebrechen” (uaaaaah!) treten im Laufe des Lebens ein.

[11:23] Der Vertreter von Airbus erklärt die Aufgaben der einzelnen Bereiche (Airline, Flughafen etc.). Airbus unterstützt die Kunden, um Anforderungen durch die Regulierungsbehörden umzusetzen z.B. Bordrollstuhl, Toiletten etc.
Er stellt die barrierefreie Toilette von Airbus vor. Empfehlungen gibt es von DPTAC, NCAT, NES, SAE-ARP 1315. Wer oder was das ist, dürft ihr in den Kommentaren hinterlassen.
Er zeigt die Treppe im Airbus A380. Sagt die Treppen wurden dafür optimiert, das sie auch von gehbehinderten Personen gut nutzbar sind (mit Bild eines Tragerollis auf der Treppe). Naja…
Es ist Airbus bewusst, dass behinderte Passagiere einen großen Teil der Reisenden ausmachen. Wollen Lösungen anbieten, die Regularien erfüllen und Zufriedenheit der Nutzer herstellen. Alle sind gefordert, internationale Standards zu fordern. Airbus will nicht nur Mindeststandards erfüllen. Es ist Teil der Philosophie, Kabine, die für behinderte Menschen gut ist, für alle gut ist (Universal Design).

[11:33] Mr. Robinson von Blue Sky, einem britischen Flugzeugsitzehersteller hält den nächsten Vortrag. Es geht um schlechten Komfort durch Sitze. Er zeigt ein Bild von Boxen für das Entertainmentsystem unter dem Sitz.
Der Sitz von Blue Sky heißt Stella. Er zeigt Bilder wie mehr Platz erzeugt werden kann, spricht von hochklappbaren Armlehnen. Bislang ist mir aber noch nicht klar, was das alles mit Barrierefreiheit zu tun hat – außer die klappbaren Armlehnen, aber die hat heute wohl so gut wie jeder Hersteller im Programm.

[11:43] Als nächstes spricht Mr. Mulholland von Thompson Aero Seating in Nord-Irland. Es geht wieder um bequeme Sitze. Ich hoffe, diesmal etwas mehr zum Thema.
Es geht wieder um Sitzkonzepte und Sitzbreiten etc. Er zeigt ein neues Kabinenkonzept wo die Leute schräg hintereinander sitzen. Ich habe keine Ahnung, wie man da mit dem Bordrollstuhl zum Fensterplatz kommen soll. Durchrutschen ist ja nicht mehr möglich. Ich versuche diese Frage zu stellen. Habe die Frage gestellt, bin aber sofort abgebrochen worden. Zudem hat der Sitzhersteller die Frage nicht verstanden. Er dachte, man könne jetzt auch nur am Gang sitzen. Hallo? Ich fliege immer am Fenster. Fragen war zudem nicht erwünscht aus Zeitgründen. Ich finde, eine Konferenz wo nicht wenigstens 2-3 Fragen nach jedem Vortrag zugelassen sind, ist eine Vorlesung, keine Konferenz. Ich verstehe das Zeitproblem, aber dann muss man sich ein paar Vortragende schenken. So spannend war das ja bislang nicht.

[12:05] Professor Granzeier spricht über Sanitärbereiche im Flugzeug. Zeigt den Eingangsbereich im Flugzeug. Jetzt zeigt er einen Sitz, der in diesem Jahr einen Preis gewonnen hat, wo der Sitz in einen Rollstuhl integriert werden kann. Ich habe die Pressematerialien zu dem Sitz gesehen und glaube, dass die Mehrheit der Leute, nicht schon am Flughafen auf einem Flugzeugsitz in einem fremden Rollstuhl sitzen möchten, sondern das allerallerwichtigste ist, den Leuten ihre eigenen Hilfsmittel so lange es geht zu lassen, idealerweise die Leute in ihren eigenen Rollstühlen reisen zu lassen. Ich weiß, das ist Zukunftsmusik.
Er zeigt verschiedene Behindertentoiletten, auch welche für kleine Flugzeuge. Kann man sich in der Halle 8 der ILA anschauen.

[12:16] Es spricht jetzt Rolf Schrader vom Deutschen Seminar für Tourismus. Spricht schon mal sehr erfrischend, was nach 2 1/2 Stunden in Bullenhitze echt ne Kunst ist. Er stellt eine Studie vor. Immer mehr deutschsprachigen Leute fahren ins Ausland. Okay, jetzt zum Thema: Wachtumstreiber beim Tourismus sind Senioren. Ältere nehmen zu, Jüngere werden immer weniger. Es geht um Reiseintensität. Nur die Gruppe 70+ zeigt geringere Reiseintensität. Ist ein Markt, auf dem man wachsen kann.
Hilfe, ich ertrinke in Zahlen über behinderte Reisende. Ich hoffe, die Präsentationen werden später unter www.behindertenbeauftragter.de veröffentlicht.
Behinderte Menschen unterscheiden sich kaum was Aktivitäten angeht von nicht behinderten Menschen. Die Gruppe ist genauso heterogen, sagt der Verteter des Seminar für Tourismus. Hauptgründe für das Nichtreisen sind Gesundheit und Alter.

[12:34] Vielleicht bin ich wirklich zu Web2.0 geprägt, aber irgendwie fehlt es dieser Konferenz total an Aktivität und Partizipation. Diese Frontalvorträge alleine sind irgendwie nicht angebracht, wenn es eigentlich um ein politisches Thema geht. Ich will nicht zu allem meinen Senf abgeben, aber mich interessiert auch, was die anderen Leute im Raum denken und was ihre Erfahrungen sind. Bis auf Sigrid Arnade waren alle Vortragenden nicht behindert (jedenfalls nicht sichtbar behindert). So wirklich gerecht wird das dem Thema nicht.

[12:37] Jetzt Podiumsdiskussion. Die Moderatorin freut sich, dass mit Air Berlin eine Airline an der Konferenz teilnimmt. Das hat schon fast was von Loriot. Es Konferenz über Airlines und man freut sich, dass eine (!) teilnimmt. Frage der Moderatorin, was sich bei Air Berlin seit der EU-Verordnung geändert hat. Herr Lindner (sorry, da stehen immer nur Nachnamen auf dem Programm) von Air Berlin sagt, es haben sich Dinge im Ablauf geändert. Aber auch vorher haben sie schon die soziale Verantwortung erkannt und sich um Barrierefreiheit bemüht.
Dierk Berlinghoff von Öger Tours sagt, die zunehmende Barrierefreiheit habe man nicht der Verordnung zu verdanken. Man habe aber jetzt eine Ansprechpartnerin, die für Barrierefreiheit bei Öger Tours zuständig ist. Sie haben Datenbanken mit Infos zu Barrierefreiheit. Sie haben aber noch Definzite bei Ausflügen, weil die Busse teilweise nicht barrierefrei sind.
Man habe positive Kundenzuschriften bekommen und ein wachsendes Klientel. Entwicklung gehe zwar nicht durch die Decke, aber es sei definitiv eine Zielgruppe.

[12:50] Annerose Hitzke vom Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität sagt, es gebe mehr Rollatoren-Nutzer als Rollstuhlfahrer und die würden auch noch zunehmen. Sie sagt, Flugzeug sei das behindertenfeindlichste Verkehrsmittel. Naja, ich finde die Mitarbeiter der Bahn auch nicht ohne. Aber die sind ja kein Verkehrsmittel, die sind ja nur für den Service da.
Dr. Peter Neumann vom Institut Design für alle fragt, ob es ein Sozial- oder ein Wirtschaftsthema ist.

[13:00] Der Vertreter von Air Berlin sagt, es sei unmöglich, weniger Sitze einzubauen oder eine halbe Reihe wegzulassen. Das würde pro Flugzeug pro Jahr rund 1 Million Euro kosten. Das könnten sich die Fluggesellschaften in Zeiten von Vulkanasche und Wirtschaftsflaute nicht leisten. Man fragt sich, wer die Zielgruppe sei.

[13:02] Der Vertreter von Öger Tours weist noch mal darauf hin, dass Investitionen bei neuen Reisebussen wichtig wäre. Man sei in Gesprächen mit den Ausflugsveranstalter. Die Moderatorin fragt nach dem Einfluss, den die Veranstalter haben. Der Vertreter von Öger sagt, die Flugzeuge seien halt schon gebaut. Es gebe keine barrierefreien Flugzeuge, deshalb könne man sie auch nicht anfordern.

[13:04] Der Behindertenbeauftragte Hupert Hüppe hat bislang noch gar nichts gesagt. Weist jetzt auf konkrete Probleme hin. Er meint, wenn Deutschland voran ginge, sei dann zwar alles barrierefrei, aber die Fluggesellschaften seien pleite. Er setzt auf eine EU-Lösung. Es gehe nicht immer über Bestrafung, sondern müsse im Rahmen des Nachteilsausgleich dafür sorgen, dass die Gesellschaft die Kosten trägt. Ohjeeeeee! Hat Deutschland nicht gerade ein Sparpaket beschlossen?

Air Berlin-Vertreter behauptet, die Kosten hätten sich für die Air Berlin hätten sich mehr als verdoppelt seit die EU-Verordnung in Kraft getreten ist. Der Luftverkehr trage sich komplett selber als eine der wenigen Verkehrsmittel.
Air Berlin-Verteter sagt, es gebe durch die EU-Verordnung einen Anreiz geben, sich mehr um behinderte Kunden zu bemühen und um sie zu werben.
Sigrid Arnade darf einen Kommentar abgeben. Weist auf die UN-Behindertenrechtskonvention hin. Sagt ein wenig ironisch, die Fluggesellschaften sollen doch die Toiletten wegnehmen, da behinderte Menschen eh nicht auf Toilette gehen können. Gleiches Recht für alle. Das würde Air Berlin 150 Millionen Euro mehr Umsatz bescheren. Sie schlägt vor, dass Air Berlin den Erlös zur Hälfte an Behindertenverbände spendet.
Es meldet sich jemand, der sagt, er würde von Fluggesellschaften abgelehnt, wenn er alleine fliegt, obwohl ihm die Begleitperson gar nichts nutzt.
Ein Mitarbeiter von MdB Ilja Seifert meldet sich. Er weist darauf hin, dass viele Fluggesellschaften nicht nur EU-weit fliegen. Man müsse international Druck machen.
So, jetzt Mittagspause!

[14:09] So, das Beste bislang war die Mittagspause. Buffet war lecker und ich hatte die Möglichkeit, der Vertreterin des Bundesverkehrsministerium zu erzählen, wieso die Zahlen, die sie vorgelegt hat, nicht die Realität widerspiegeln und warum sich so wenig Leute ans Luftfahrtbundesamt wenden. Das Verfahren ist viel zu bürokratisch, vor allem wenn man bedenkt, dass die Zielgruppe behinderte Menschen sind. Gehörlose Menschen haben manchmal Schwierigkeiten, Formulare auszufüllen, wenn Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, sondern die Deutsche Gebärdensprache. Von Menschen mit Lernschwierigkeiten ganz zu schweigen. Von ihr kam die Bitte, sich im Zweifelsfall ans Luftfahrtbundesamt zu wenden. Nur dann wüssten sie, wo die Probleme liegen. Jetzt Workshop zur barrierefreien Flugzeugkabine mit Professor Werner Granzeier.

[14:15] Es meldet sich jemand und sagt, es würden viele Menschen in der Diskussion vergessen. Es gibt Rollstuhlfahrer, die speziell gefertigte Sitzschalen haben und nicht fliegen können, weil sie auf normalen Sitzen nicht sitzen können. Der Professor meint, es gebe dafür in naher Zukunft keine Lösung.
Jemand von Pro Retina (Behindertenverband für Blinde und Sehbehinderte) sagt, sie hätte gerne Sicherheitskarten in Braille und zudem akustisch.
Jemand von Deutschen Verein der Blinden- und Sehbehinderten stimmt der Pro Retina zu. Er ergänzt, die Markierungen der Ruf- und anderer Knöpfe seien schlecht zu unterscheiden. Notausgänge sollten taktil erkennbar sein. Das sei ja auch bei Dunkelheit und Rauchentwicklung wichtig. Er erwähnt die Toiletten. Es müsste eine eindeutige Markierung erfolgen. Es könne nicht sein, dass man die ganzen Wände abtasten müsste, bevor man die Spülung findet und dann doch die Flugbegleiterin kommt, weil man den falschen Knopf gedrückt hat.
Es fordert jemand, dass es eine einheitliche Medical Card gibt, die den Fluggesellschaften Auskunft über den Grad der Behinderung gibt. Ich verstehe immer diesen Karten- und Ausweisfetischismus der Deutschen nicht. Ich sage denen, was los ist und erwarte, dass sie sich auf meine Bedürfnisse einstellen. UK hat keine Behindertenausweise und funktioniert dennoch. Es behauptet jemand, dass British Airways Begleitpersonen verlangt. Kann ich nicht bestätigen.

[14:28] Ralph Raule meldet sich und sagt, er spreche für gehörlose und schwerhörige Passagiere. Er fordert alle Informationen auch visuell anzubieten und Sicherheitshinweise auch in Gebärdensprache und mit Untertitel anzubieten.

[14:38] Sigrid Arnade kritisiert die Medical Card und sagt, die Airline muss die Bedürfnisse wissen, nicht die Behinderung. Es wird erwidert, die Diagnose stehe ja nicht auf der Karte. Ich sage, ich brauche keinen Arzt, um meine Bedürfnisse zu definieren.

[14:40] Es wird diskutiert, wie Rollstühle gebaut werden müssen, um sie mit in die Kabine nehmen zu können. Der Professor erläutert was physikalisches zu Kräften beim Fliegen. Es fragt jemand, wie man es schaffen kann, Rollstühle flugzeugtauglich zu machen. Es wird darauf verwiesen, dass im anderen Workshop jemand vom TÜV Rheinland sitzt, den man das fragen kann. Jetzt Thema leichte Sprache und das Reisen von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Jetzt Thema Beatmungsgeräte. Er hat kein Sauerstoffgerät, sondern ein Beatmungsgerät. Er durfte sein Gerät nicht benutzen, weil es nicht zertifiziert war. Der Professor sagt, er solle sich ans Luftfahrtbundesamt wenden.

[14:46] Ralph Raule kritisiert, was der Professor über die Wortmeldungen protokolliert. Ich hatte noch gar nicht mitbekommen, dass überhaupt protokolliert wird.

[14:48] Die ganze Konferenz hat ein Akustikproblem. Jetzt startet auch noch eine Flugshow nebenan. Es gibt auch nur ein Mikro. Sehr Schwerhörigenfreundlich! Ich höre jetzt aber auch als gut Hörende nix mehr.
Ein blinder Teilnehmer möchte etwas zum Boarding sagen. Er kritisiert, dass es an den Flughäfen immer weniger Ansagen gibt. Jemand kritisiert, dass das Preboarding nicht immer klappt.
Sigrid Arnade sagt, es soll vermieden werden, dass die Leute in Flughafenrollstühle umgesetzt werden.
Ich sage, dass die Flughäfen verpflichtet werden müssen, so genannt Highlifts anzuschaffen. Es könne nicht sein, dass im Jahr 2010 immer noch über Treppe geboarded wird und rollstuhlfahrende Passagiere über 30 Stufen getragen werden.
Ein blinder Teilnehmer sagt, er möchte nicht im Rollstuhl zum Gate gebracht werden. Er könne selber laufen.
Jemand vom Flughafen Hannover sagt, es sei ein Sicherheitsrisiko, Leute alleine die Flugzeugbrücke runterfahren zu lassen. Deshalb habe er verbieten lassen, dass Rollstuhlfahrer ihre eigenen Rollstühle mit zum Gate nehmen. Der Flughafen Tegel / Bundespolizei wurde vor nicht all zu langer Zeit verklagt, weil jemand seinen Rollstuhl nicht mitnehmen durfte. Hannover, aufpassen! Ich habe übrigens meinen Rollstuhl auch in Hannover schon mit ans Gate genommen.

[15:10] Ralph hat mir Gott sei Dank Strom besorgt. Jetzt kann ich noch Stunden weiterbloggen.

[15:12] Jemand fordert, dass Turbulenzen erklärt werden, auch für schwerhörige oder gehörlose Menschen.
Jemand bemängelt, dass die Flugbegleiter oft die Inhaltsstoffe der Nahrung an Bord nicht wissen, was für Allergiker problematisch ist. Jemand sagt, dass es immer sehr wohltuend war, wenn Flugbegleiter die Leute als Passagiere wahrnehmen und nicht als Problem. Es gebe Fluggesellschaften die könnten das prima und andere nicht.

[15:17] Jetzt geht es um Sanitäranlagen. Ich sage, dass die barrierefreien Toilette möglichst zentral und nicht nur hinten liegen sollten, idealerweise vorne und hinten. Der Professor erklärt die Toilettenlage in Flugzeugen. Blinde Teilnehmer fordern das Vermeiden von Piktogrammen. Ralph Raule protestiert, weil für Gehörlose Piktogramme gut sind.
Jemand sagt, der Bordrollstühl dürfe nicht Maßstab für alles sein. Der Professor sagt, der Bordrollstuhl sei unter 500mm breit. Das sei Vorgabe. Jetzt ist es wieder super laut durch die Flugshow.
Es geht ums Deboarden. Jemand kritisiert, dass behinderte Menschen immer als letztes raus müssen.
Ich sage, ich möchte, dass WCHC / WCHR / WCHS genauso gespeichert wird wie mein Essenswunsch oder meine Sitzplatzwunsch, wenn ich Vielflieger bin.
So, Workshop zu Ende. Kaffeepause.

[16:00] Zusammenfassung der Workshops kommt jetzt. Unseren schenke ich mir.

[16:15]Jetzt wird der andere Workshop vorgestellt. Es ging um ökonomische Impulse. Der Markt ist da, warum nutzen ihn so wenige? Unternehmen müssten mit Kunden ins Gespräch kommen. Bei Qualifizierung werde der Bereich Kunden mit Behinderungen oft ausgeblendet. Es wurde diskutiert, was die Politik tun kann. Handlungsempfehlungen: Design für alle als Marktvorteil, Design für alle als Unternehmensphilosophie, muss zur Chefsache erklärt werden. Es fehlt wissenschaftlich fundierte Datenbasis. Koordinator im Unternehmen einsetzen. Qualifizierung und Schulung sind wichtig, vor Ort in mindestens eintägigen besser zweitägigen Veranstaltungen, gutes Marketing zu dem Thema, Unterstützung durch Politik wichtig, Stärkung der kritischen Verbraucher.

[16:18] Der österreichische Zivilinvalidenverband (wenn ich mich durch die Flugshow nicht verhört habe) hat abgesagt, deshalb entfällt der Vortrag über die Zusammenarbeit mit der AUA.
Stefan Krusche referiert über Zielvereinbarungen als Instrument zur Herstellung von Barrierefreiheit. Er kritisiert Germanwings, die behinderte Kunden über eine 0900-Nummern anmelden liessen. Jetzt geht es wieder um Bordrollstühle auf innereuropäischen Strecken.
Er kritisiert die EU-Verordnung in Bezug auf die Begleitperson. Und wieder Germanwings: Im Callcentre werde überprüft, ob nicht zu viele behinderte Reisende an Bord sind. Sorry, er liest schnell vom Blatt ab. So schnell bin ich nun auch nicht.
Er kritisiert die EU-Verordnung, habe zu viele Schlupflöcher, die von der Industrie perfekt genutzt würden. Sagt, er habe sich beim Luftfahrtbundesamt beschwert, Beschwerde wurde nach Brüssel weitergeleitet, seitdem hat er nichts mehr gehört. Er hofft auf ein weiches Wettbewerbsmerkmal wie Barrierefreiheit (sorry, wieder schlecht zu verstehen wegen Flugshow). Nach dem Kongress brauche ich auch Gebärdensprachdolmetscher.

[16:33] So, jetzt Podiumsdiskussion zu Zielvereinbarungen mit Nils Braun von der Deutschen Lufthansa, Herr Lindner von Air Berlin (damit sind es jetzt immerhin zwei Airlines, die hier sind), Hans-Joachim Wöbbeking (1. Vorsitzender Bundesverband Polio), Stefan Krusche und Hubert Hüppe.

[16:37] Nils Braun sagt, für die Lufthansa habe sich durch die EU-Verordnung kaum etwas verändert, da man schon immer bemüht war, Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal umzusetzen. Die Lufthansa wäre auch für Zielvereinbarungen offen.
Hans-Joachim Wöbbeking bestätigt, dass es kaum Probleme mit der Lufthansa gebe. Im Zielvereinbarungsregister gebe es sehr wenig Vereinbarungen. Es gebe keine Sanktionen und der Aufwand sei sehr hoch. Es sei wichtig, sich mit den Verbänden zu verständigen. Es gehe darum, vernünftige Regelungen für alle zu finden.
Nun Air Berlin, Herr Lindner: Zielvereinbarungen gebe es nicht. Es gebe aber Zielvereinbarungen über Wartezeiten mit den Nutzerausschüssen der Flughäfen. Herr Lindner sagt, das Thema barrierefreie Toilette sei viel zu komplex als dass es in eine Zielvereinbarung passen könnte. Das müsste airlineübergreifend geregelt werden.
Hubert Hüppe sagt, er sei skeptisch in Bezug auf Zielvereinbarungen. Es gehe manchen Unternehmen mehr um ein Etikett als um eine Vereinbarung. Es gehe darum, damit zu werben.
Stefan Krusche regt sich über die “Horrorrechnung” von Herrn Lindnern von heute morgen in Bezug auf das Herausnehmen von Sitzen auf. “Sie als Air Berlin würden doch nicht drei Sitze herausreissen, sondern würden zwei Sitze breiter machen und die Sitze teurer verkaufen und sie nur um Bedarfsfall an behinderte Menschen abgeben.” Mit solchen Horrorvisionen würden viele Unternehmen in Deutschland argumentieren. Es müsse einfach einer großen Zahl von Menschen zu gute kommen. Dieses Denken müsse in alle Fluglinien hinein. Herr Lindner antwortet, es sei keine Horrorvision. Es sei nur eine Beispielrechnung gewesen, wenn man die Toilette vergrößern müsse. Es sei ein Gedanke Behindertensitze einzubauen. Notausgangsitze würden bereits heute mit Aufschlag verkauft. Das sei eine gute Anregung, in diese Richtung weiterzudenken.
Diskussion geht weiter, Name “Komfortplätze” etc., technische Details.

Mir ist sauwarm übrigens. Wäre ich Amerikanerin, würde ich jetzt fragen: “Gibt es in Deutschland keine Klimaanlagen?”. Jedenfalls nicht in Schönefelder Kongresszentrum.

[17:00] Wenn ich die Diskussion so höre, könnte man echt meinen, die Leute fliegen, um auf die Toilette zu gehen. Ja, ich brauche auch eine barrierefreie Toilette im Flugzeug, aber muss man das jetzt wirklich stundenlang diskutieren? Ich möchte lieber über Strukturen sprechen.

Jetzt Fragen aus dem Publikum. Wieder Toiletten und UN-Konvention. Ich frage nach, wie weit Air Berlin und Lufthansa in der Umsetzung der EU-Richtlinie sind, was die Handbücher für das Personal sind und wie die Zukunftsvision der beiden Airlines sind, was sie für die Zukunft geplant haben, um das Reisen für behinderte Menschen noch bequemer zu machen.

Fragen werden gesammelt beantwortet. Wieder Toiletten und UN-Konvention. Jetzt fragt jemand, ob Air Berlin und Lufthansa Bereiche sehen, wo man mit ihnen Zielvereinbarungen abschließen kann.
Jemand meldet sich und fragt Air Berlin, warum sie ihm drei Mal den Mitflug verweigert haben und er mit einer anderen Airline, die teurer war, fliegen musste.

[17:15] So, jetzt zu den Antworten: Herr Lindner weiß nicht, warum ihm der Mitflug verweigert wurde. Air Berlin transportiert E-Rollis mit auslaufsicheren Batterien.
Jetzt wieder Toiletten. Die Fluggesellschaften sagen, es sei ein Zertifizierungsproblem.
Zielvereinbarungen: Air Berlin sagt, mehrere kleine Schritte seien effektiver als ein großer. Er werde die Diskussion in die Airlineverband mit hinein tragen. Lufthansa-Vertreter stimmt zu. Weist darauf hin, es mindestens auf europäischer Ebene zu machen, nicht auf nationaler. Man sei in Deutschland relativ weit, was die Umsetzung angeht. Manche Mitbewerber scherten sich nicht um die EU-Verordnung. Lufthansa wird eine spezielle Hotline einrichten. Ich bitte darum, auch eine Kontaktmöglichkeit für gehörlose Kunden einzurichten. Air Berlin hat meine Frage nach dem Umsetzungsstatus nicht beantwortet.

Jetzt Hubert Hüppe mit einem Schlusswort. Er verspricht, den politischen Forderungen nachzugehen. Spricht wieder von Gefahr von Wettbewerbsverzerrung. Möchte Leute belohnen, die sich gut verhalten.

ENDE

Ich geh jetzt schön was essen. Aber nicht ohne vorher darum zu bitten, dass mehr Leute über solche Konferenzen bloggen, damit diese Szene nicht immer nur tagt tagt tagt, aber sich nie etwas ändert.

Geparkt in , , um 9:45 Uhr am Donnerstag, 10. Juni 2010 |

Fraport statt Tatort

Lieber Flughafen Frankfurt, lieber Fraport,

wie konntest Du nur wissen, dass ich am letzten Sonntag den Tatort verpasst habe? Ja, ich war mit Freunden türkisch essen und konnte daher nicht wie sonst meine Portion Spannung für die Woche genießen. Schön, dass Du mir heute dann doch ein wenig Spannung verschafft hast. Das Leben wäre ja sonst zu langweilig.

Ich kam mit der Lufthansa-Maschine aus London City bei Dir an und Deine Packer haben auch gleich den Rollstuhl ausgeladen. Er stand auf dem Flugfeld und wartet darauf, dass ich aus dem Flugzeug gebracht werde, aber das sollte noch eine Weile dauern. Du weißt ja selbst, Du kannst ganz schön hartnäckig sein, was Deinen Assistenzservice angeht, aber dazu später mehr.

Bei mir an Bord war ein älterer Herr, der schlecht gehen konnte (WCHR wie Du solche Leute nennst), aber mit dem normalen Passagierbus mitfuhr. Ich konnte von oben sehen wie Dein Busfahrer erst den Kinderwagen zur Familie mit dem dauerschreienden Kind brachte und dann versuchte, meinen Rollstuhl dem alten Herrn anzudrehen. Das gelang dann auch und mein Rollstuhl wanderte ruckzuck in den Passagierbus. Dass da ein Gepäcktag mit meinem (weiblichen!) Vornamen und Nachnamen dranhing, beeindruckte den Busfahrer natürlich nicht und hinderte ihn auch nicht daran, den Rollstuhl einem männlichen Mitreisenden zu geben, der sich darüber freute, nicht mehr laufen zu müssen. Das war schon Nervenkitzel angesagt. Ich sass ja auf meinem Sitz und konnte nichts tun, außer hysterisch nach der Flugbegleiterin schreien, die Gott sei Dank die Lage kapierte und in den Bus stürmte und dem älteren Herrn meinen Rollstuhl wieder wegnahm. 1:0 für mich, Fraport!

Dann warst Du sicher eingeschnappt und dachtest, die lass ich jetzt sitzen. Denn warum sonst dauerte es über 30 Minuten bis endlich der Hublift kam, um mich aus dem Flugzeug zu holen, obwohl der Pilot zwei Mal schon beim Anflug Dir eine Nachricht schickte, um den Hublift anzufordern? Du wolltest es eben spannend machen.

Weil das alles so lange dauerte und die Kommunikation ja nicht immer klappt, wurden auch schon die Passagiere für den nächsten Flug geschickt, die in den Bussen vor der Tür ausharren mussten. Ich saß ja immer noch im Flieger, der weiter nach Graz sollte. Da wollte ich aber nicht hin.

Irgendwann hast Du dann wenigstens schon mal den Bus geschickt, der mich zum Terminal fahren sollte. Da mein Rollstuhl die ganze Zeit im Regen stand, dachte sich Dein Busfahrer, es sei schlau, den Rollstuhl in den Bus zu holen. Irgendwann kam dann der Hublift. Man erklärte mir, man müsse jetzt aber erst einmal Platz machen für den anderen Passagierbus, damit die Maschine nicht noch später wegfliegt. Also wurden Bus und Hublift neben das Flugzeug gefahren. Bei diesem Umparkmanöver sah ich vom Hublift aus, dass mein Rollstuhl durch den Bus flog, weil er offensichtlich nicht gesichert wurde. Ich war schon etwas nervös, ich gebe es zu, als ich das sah. Mein Rollstuhl ist auf mich angepasst, kostet ein paar tausend Euro und ist so leicht nicht ersetzen. Da sieht man nicht gerne zu, wenn der durch einen Bus fliegt.

Als der Bus neben dem Hublift zum Stehen kam, sah ich, dass sich der Rollstuhl unterdessen zur Tür bewegt hatte. Und was machte der Busfahrer? Er öffnete die Bustür und der Rollstuhl fiel aus dem Bus aufs Flugfeld zwischen Hublift und Bus. Ja, da war Spannung angesagt.

So weit ich das bislang gesehen habe, ist der Rollstuhl aber heil geblieben. Der Busfahrer hat ihn wieder aufgesammelt und wunderte sich über meine empörte Reaktion. Erst da verstand ich, dass diese Spannung eine Serviceleistung Deinerseits sein muss. Denn, dass Du völlig überfordertes Personal beschäftigst und die Koordinierung des Hublifts überhaupt nicht klappt, das kann ich mir nicht vorstellen. Du bist doch Kontinentaleuropas größter Flughafen und sicherlich hoch professionell durchorganisiert. Der Pilot der Maschine wird Dir ebenfalls noch schreiben. Ich glaube, der dachte wirklich, Du bist zu chaotisch, um behinderte Passagiere angemessen abzufertigen.

Liebe Grüße
Deine Christiane

Geparkt in , , , um 13:36 Uhr am Mittwoch, 19. Mai 2010 |

Air New Zealand gebärdet mit Journalisten

Ich sage es lieber gleich, seit letztem Jahr bin ich Air New Zealand-Fan. Schuld daran ist ein Flug von Los Angeles nach London. Die hatten so eine nette Crew, einen top Service und sind auch noch echt barrierefrei. Aber ich schweife ab…

Heute morgen wurde ich durch ein paar Kommentare auf Twitter auf diese Webseite aufmerksam gemacht. Zu sehen ist ein Video in Neuseeländischer Gebärdensprache (die der britischen übrigens sehr ähnlich ist). Zu sehen ist eine Stellungnahme von Air New Zealand zu einem Artikel der Zeitschrift “The Listener” (Der Zuhörer). Die Airline beklagt sich auf Gebärdensprache, die Zeitschrift habe ihnen wohl nicht richtig zugehört als man eine Partnerschaft mit der Billigfluggesellschaft Virgin Blue bekannt gab. Deshalb habe man sich entschieden, eine Sprache zu wählen, die die Journalisten vielleicht besser verstehen, wenn sie schon nicht richtig zuhören: Gebärdensprache.
Zudem haben sie eine Pressemitteilung mit gedrucktem Fingeralphabet verlinkt und den Artikel, über den sich die Airline so geärgert hat.

Das ist die originellste PR-Aktion, die ich seit langem gesehen habe.

Das Video gibt es auch auf YouTube (Bildbeschreibung steht unter dem Video):

Bildbeschreibung und Text für blinde Leser:

Einblendung: The Listener recently published an editorial about the proposed trans-Tasman alliance between Air New Zealand and Virgin Blue. This is Air NZ CEO Rob Fyfe’s response.

CEO: Dear Listener,
Dolmetscherin: Ironically it seems you haven’t been listening to us. We’ve got to say, you are hardly being true to your name. In your recent issue you asserted Air New Zealand intends going “determinendly downmarket” in our service and quality. If you had bothered to give Rob a call, you would have heard loud and clear about our continued dedication to being the world’s best airline. (CEO grinst und nickt)

Dolmetscherin: As you appear to have turned a deaf ear to us, we thought it best to respond in a language you may be more familiar with. You reckon it is “inevitable Air New Zealand will downgrade” its service if our proposed trans-Tasman alliance with Virgin gets approved.

CEO: Bollocks!

Dolmetscherin: It is in fact Virgin Blue who will be upgrading their service to align with us as we revealed in our media release announcing the proposal. Now we’re all guilty of selective hearing sometimes, Rob included, but we’ve got to say you did a fantastic job of not listening to the facts. And to answer the question you posed: Is Air New Zealand on its way to becoming a budget airline? No. You’re out of your tree! If you’d like to talk this through further, lend us your ear and give Rob a call.
P.S. He was tempted to respond with a far simpler, more direct form of sign language, but the lawyers advised against it.

Geparkt in , , , , , um 13:41 Uhr am Freitag, 14. Mai 2010 |

Die Qual der Wahl

Am Donnerstag wird in Großbritannien gewählt. Und zum ersten (und hoffentlich letzten) Mal darf ich an einer Parlamentswahl nicht teilnehmen, obwohl ich in dem Land, in dem gewählt wird, Steuern zahlen. Naja, immerhin darf ich das Gemeindeparlament von Greenwich mitbestimmen. Meine Stimme kommt mir hier fast noch wichtiger vor als in Deutschland, weil die Wahlbeteiligung hier insbesondere bei Kommunalwahlen bedenklich schlecht ist. In unserem Wahlbezirk (Eltham South) lag die Wahlbeteiligung beim letzten Mal bei 40%.

Sehr interessant ist zu sehen, welche Rolle die Behindertenpolitik im Wahlkampf spielt. Das Magazin “Disability Now” hat die Parteien zu ihrer Behindertenpolitik befragt. Alles in allem ist das alles sehr mau, was dort genannt wird.

Das ist ziemlich unverständlich, denn in einer Umfrage im April unter behinderten Wahlberechtigten gaben zwei Drittel der Befragten an, dass die Behindertenpolitik der Parteien ihre Wahlentscheidung maßgeblich beeinflussen würde.

Sehr interessant diesbezüglich war eine Posse, die sich letzte Woche ereignete. Der Spitzenkandidat der Konservativen, David Cameron, war in London auf einem Wahltermin. In der Näher hielt sich ein Vater mit seinem rollstuhlfahrenden Sohn auf, die eigentlich nur einen Krankenhaustermin wahrnehmen wollten. Das Wahlkampfteam von Cameron dachte sich wohl, es mache ein tolles Pressebild, wenn ihr Kandidat den behinderten Jungen trifft und fragte den Vater, ob er gemeinsam mit seinem Sohn mit Cameron sprechen wolle. Der Vater wollte, denn er hatte sich über die Politik der Konservativen zur schulischen Integration geärgert. Der Vater hatte lange darum gekämpft, seinen Sohn in eine Regelschule schicken zu können und ärgerte sich über eine Passage aus dem Wahlprogramm.

Was die konservativen Wahlkämpfer bekamen, war also kein herziges Wahlkampfbild, sondern ein Debatte auf allen Kanälen und in Zeitungen über die schulische Integration behinderter Kinder und die Politik der Torries – gemeinsam mit einem Bild, das alles andere als herzig aussieht.

Der Vater des Kindes ist zudem Chef eines recht bekannten ThinkTanks und ließ sich freudig und wortgewandt in jede Sendung schalten und trat massiv für die schulische Integration behinderter Kinder ein. So schnell kann ein Wahlprogramm ganz schön altmodisch aussehen.

Ich weiß immer noch nicht, was ich am Donnerstag wähle. Gestern rief die Labour-Partei an und fragte mich, wie wahrscheinlich es sei, dass ich am Donnerstag Labour wähle. Abwarten und Tee trinken!

Für mich wird interessant zu sehen, ob sie die Barrierefreiheit meines Wahllokals verbessert haben. Ich habe mich nach der Europawahl beim Wahlleiter der Gemeinde beschwert, weil der barrierefreie Eingang nach 18 Uhr geschlossen war und ich erst an die Scheibe im Hochpaterre klopfen musste, damit mir jemand aufmacht. Das Wahllokal hatte aber bis 22 Uhr geöffnet. Den E-Mails und den überschwänglichen Entschuldigungen nach zu urteilen, müsste es diesmal klappen.

Geparkt in , , , , um 0:49 Uhr am Mittwoch, 5. Mai 2010 |

Stuckholm

Wir wollten eigentlich nur 2 Tage in Stockholm bleiben. Artur hat dort einen Vortrag gehalten und ich bin mitgefahren. Ich war noch nie in Stockholm und wollte mir die Stadt mal ansehen. Für 2 Tage ist das auch wirklich ein sehr schönes Reiseziel – es wurden dann aber 9 Tage.
Schon am Mittwoch scherzten wir, ob wir wohl ein Wochenende dran hängen müssen, weil in Island ein Vulkan ausgebrochen sei. Es wurde nicht nur ein Wochenende, es wurde eine ganze Woche.

Hotelzimmer wurden knapp

Ich gebe zu, es gibt schlimmere Orte, an denen man festsitzen kann als Schweden, zumindest wenn man in einem der besten Hotels der Stadt in einem barrierefreien Zimmer untergebracht ist. Ich hatte am Donnerstag schon Lufthansa angerufen, nachdem unser Flug gecancelt war. Der Mitarbeiter meinte zu mir, ich könne zum Flughafen rausfahren und mir einen Hotelvoucher geben lassen, aber sicher sei er sich nicht. Ich könne auch einfach in diesem Hotel bleiben. Eventuell zahle Lufthansa das Zimmer. Mein Bauchgefühl sagte mir, dieses Zimmer unter keinen Umständen herzugeben und es sollte richtig sein.

Am Freitag erzählte uns dann eine Mitarbeiterin eines anderen Hotels, dass sie bereits 80 Gäste wegschicken mussten – alle gestrandet in “Stuckholm” wie für uns die schwedische Hauptstadt künftig heißen wird.

Flug umbuchen und Wäsche waschen

Die Tage verbrachte ich damit, unseren Flug umzubuchen. Es dauerte Stunden bis man jemanden erreichte, aber wir wollten sofort auf einen neuen Flug, wenn der alte mal wieder gecancelt war bevor andere Leute die Maschine schon gefüllt hatten. Es gehen nicht wahnsinnig viel Maschinen von Stockholm Richtung Deutschland bzw. England. Wäsche waschen war auch eine beliebte Beschäftigung, denn wir hatten ja nur Wäsche für zwei Tage dabei.

Britisch-Belgische Bustour

Am Anfang der Woche fing ich an, nach alternativen Transportmöglichkeiten zu suchen – mit wenig Erfolg. Züge ausgebucht, aus Kopenhagen bekam ich die Information, dass die Deutsche Bahn nur noch mit Ticket einsteigen lässt, dieses aber schwer zu bekommen ist. Irgendwann surfte ich auf die Seite der britischen Botschaft in Stockholm und fand eine Sonderseite für gestrandete Briten in Stockholm mit einer schwedischen Telefonnummer, mit der man sich in Verbindung setzen konnte. Ich rief dort an in der Hoffnung, dass die eine Idee hatten, wie wir wieder nach London kommen. Und tatsächlich, die nette Frau am Telefon sagte mir, man habe gemeinsam mit der belgischen Botschaft einen Bus organisiert, der zumindest nach Brüssel fahre. Wenn wir Glück hätten, bekämen wir dort einen Anschluss mit dem Eurostar. Nun muss ich sagen, Busreisen gehören nicht gerade zu meiner bevorzugten Reiseart, aber ich hatte ja keine Wahl. Wir wollten nach einer Woche Stockholm in dreckigen Klamotten einfach nur nach Hause und der Luftraum war nach wie vor zu. Um 23.15 Uhr sollten wir zur belgischen Botschaft kommen, von dort sollte die britisch-belgische Evakuierungstour starten. Am Ende des Telefonats fragte mich die Botschaftsmitarbeiterin noch nach meinem Namen, meinem Geburtsdatum und meiner Passnummer. Da musste ich dann gestehen, dass ich zwar britische Steuerzahlerin bin, aber einen deutschen Pass habe und Artur einen portugiesischen. War aber kein Problem, sie wollten uns dennoch helfen. Wir haben dann noch einen ebenfalls gestrandeten Vortragenden aus den USA mitgenommen, auch das war kein Problem weder für die britische und belgische Botschaft.

Ich hasse Reisebusse

Nun muss man sagen, dass Reisebusse (zumindest kontinentaleuropäische, die in England haben oft Hublifte) mehrheitlich nicht barrierefrei sind. Im Gegenteil, die Treppen sind eng und steil und hinein ging es nur auf dem Po. Die Kanten waren scharf, die Sitze unbequem. Es war eine Tortur. Dass wir diese Reise nicht bis zum Ende mitmachen würden, war spätestens dann klar als der niederländische Busfahrer sagte, man werde noch ein Ziel in den Niederlande anlaufen und die Fahrt dauere etwa 24 Stunden. Man werde gegen Mitternacht in Brüssel ankommen. Aber was sollten wir gegen Mitternacht in Brüssel? Ein barrierefreies Hotelzimmer suchen. Pah! Aussichtslos bei den vielen Leuten, die versuchten mit dem Eurostar nach England zu kommen!

Hamburg-Stillhorn

Also beschlossen wir, an der Raststätte Hamburg-Stillhorn auszusteigen und von dort zum Hauptbahnhof zu fahren. Die Fahrt hatte langsam etwas von einem Road Movie.
In Dänemark mussten wir auf der Fähre raus aus dem Bus, was wieder Kletterkünste meinerseits bedeutete. Aber da konnte ich wenigstens zur Toilette gehen. Die Bustoilette war für mich unerreichbar.
In Hamburg-Stillhorn haben wir uns dann ein Taxi gerufen. Der Taxifahrer staunte nicht schlecht als er fragte “Wo kommen Sie denn her?” und wir sagten “Aus Stockholm und wir wollen nach London.” Aber erstmal wollten wir zum Bahnhof. Dort angekommen sagte uns der Bahnmitarbeiter, dass es keine Eurostar-Tickets mehr gebe und wir uns besser auf den Weg nach Süden machen sollten, denn die französischen Bahnen streikten sowieso. Gut, dass wir nicht nach Brüssel gefahren waren!

Frankfurt

Also beschlossen wir, kurzerhand mit unserem amerikanischen Anhang nach Frankfurt zu fahren. Dort standen sowohl unsere als auch seine Chancen besser, einen Flug nach Hause zu bekommen als in Hamburg. Ich kaufte schnell Tickets nach Frankfurt, der nächste Zug sollte in 30 Minuten gehen und ging zum Servicepoint, um Einstieghilfe zu bekommen. Der Mann schickte uns direkt zum Bahnsteig, wo ich eine Servicemitarbeiterin ansprach und ihr sagte, dass ich Einstieghilfe für den Zug nach Frankfurt bräuchte. “Sie haben sich aber nicht angemeldet”, blaffte sie mich an. Ich musste einfach laut lachen. Stimmt, ich hatte mich nicht an die Vorschrift gehalten, dass sich behinderte Reisende 24 Stunden vorher bei der Bahn anmelden müssen. Ich sass allein die letzten 12 Stunden in einem Reisebus. Wie dumm von mir! Ich erklärte ihr, dass wir froh seien, überhaupt den Weg raus aus Schweden gefunden zu haben, da die Züge überbucht seien und wir seit über einer Woche in Stockholm gestrandet waren bis die Botschaften einen Bus organisiert hatten und wir jetzt einfach nur nach Frankfurt kommen wollten, um von dort per Auto (meine Eltern leben in der Nähe) oder Flugzeug weiterzukommen. Sie begriff, dass ihr Kommentar uns etwas weltfremd vorgekommen sein musste und half mir in den Zug. Dort genossen wir erst einmal eine gute deutsche Currywurst und Bionade. Wir fuhren bis Frankfurt-Flughafen und dort holte uns meine Mutter ab. Unterdessen war zumindest der deutsche Flugraum wieder offen und wir buchten einen Flug nach London am nächsten Morgen. Die Flüge aus Stockholm gingen immer noch nicht. Und nach rund 36 Stunden Rückreise – davon 12 Stunden Bus -, kamen wir dann endlich in London an.

Mein Bedarf an Köttbullar und schwedischem Schokokuchen ist für die nächsten Jahre erst einmal gedeckt und auch IKEA kann ich derzeit nix abgewinnen. Aber eines muss ich sagen: Ich schaue der britischen Staatsangehörigkeit mit Freude entgegen. Auf deren Auslandsvertretungen scheint Verlass – und das Außenministerium twittert sogar.

Geparkt in , , , , , , um 11:09 Uhr am Sonntag, 25. April 2010 |

Das iPhone und die Barrierefreiheit

Ich bin seit ein paar Monaten Besitzerin eines iPhones und habe Zugriff auf Informationen, die für mich im Alltag hilfreich sind. Nicht zuletzt, über die vielen Applikationen lassen sich immer und jederzeit Informationen einholen, die mir helfen, meinen Alltag zu organisieren. Auch mein Freund hat ein iPhone und nutzt es mit einer Sprachausgabe, die Apple standardmässig mitliefert. Wer es mal ausprobieren will, einfach auf -Settings – General – Accessibility gehen und Voice Over einschalten. Eine Liste mit Apps, die mit der Sprachausgabe nutzbar sind, gibt es auch.
Wie die Sprachausgabe funktioniert, kann man hier in diesem Apple-Video sehen (sorry, ohne Untertitel):

Natürlich gehören zum iPhone auch die kleinen Programme, die man zusätzlich installieren kann, die so genannten Apps.
Ich will mal die auflisten, die ich nutze und die zu mehr Barrierefreiheit beitragen:

Qype Radar – Die App zum gleichnamigen Portal mit Bildern und Bewertungen und teilweise Einträgen, die darüber informieren, ob die bewertete Lokalität barrierefrei ist oder nicht. Zumindest der Eingang ist aber auf den Bildern oft zu sehen, auch wenn die Angabe fehlt. Und wenn nicht, bekommt man die Telefonnummer ja eh immer gleich mitgeliefert.

Toiluxe – Eine App, die die nächste öffentliche Toilette anzeigt, leider noch ohne Angabe, ob es eine barrierefreie Toilette ist, aber dennoch relativ hilfreich.

Starbucks – Wo ein Starbucks, da ist auch fast immer eine barrierefreie Toilette. Die App zeigt unter anderem an, wo der nächste Starbucks ist. Sehr praktisch!

Foursquare – Mein Freund nutzt Foursquare in unbekannter Umgebung, um zu schauen, welche Geschäfte um ihn rum sind, in dem er die Plätze bei Foursquare aufruft. Und wenn er mir mitteilen will, wo er gerade ist, loggt er sich einfach ein. Das geht schneller als mit dem iPhone eine SMS blind zu schreiben.

WhatsApp – Die ideale App für gehörlose Nutzer. Man kann kostenlos SMS hin- und herverschicken, auch wenn das Programm geschlossen ist (funktioniert seit dem Update nicht immer reibungslos).

Tube Deluxe – U-Bahn-Karte für London mit Angaben zur Barrierefreiheit der Stationen.

London Bus – Da die U-Bahn-Stationen ja nur zu einem Viertel zugänglich sind, geht manchmal nur der Bus. Alle 6000 Londoner Busse sind barrierefrei. Die App findet die nächste Bushaltestelle, kennt die Fahrpläne und Strecken.

Tesco Clubcard – Tesco ist eine große britische Supermarktkette, die natürlich ihre eigene Kundenkarte hat. Die muss man aber nicht mehr mit sich rumschleppen, wenn man ein iPhone hat, sondern die App generiert aus der Kundennummer einen Barcode, den man an der Kasse hinhalten kann. Gerade für Menschen, die motorische Behinderungen haben, finde ich das sehr bequem. Die müssen die Karte nicht raussuchen. Jetzt ist das bei so einer Kundenkarte nicht so tragisch, aber ich hoffe, dass so künftig alle Karten verschwinden werden und man mit einem Fingertipp die Karte abrufen kann.

Geparkt in , , um 1:57 Uhr am Montag, 1. März 2010 |

Ein Anruf von der Swiss

Meine Güte, Swiss überrascht mich seit gestern zunehmend. Heute hat mich der Teamleiter der Kundenbetreuung angerufen, um mir mitzuteilen, welche Massnahmen Swiss treffen wird, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Er sei heute morgen ” fast vom Stuhl gekippt” als er den Vorgang auf den Tisch bekam.
Folgende Massnahmen wird Swiss ergreifen:
Gegen die beiden Mitarbeiter, mit denen ich gesprochen habe, ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Viel wichtiger ist aber, dass er mir gesagt hat, dass alle Call Centre-Mitarbeiter umgehend nachgeschult werden und noch einmal darauf hingewiesen wird, wie behinderte Menschen anzumelden sind und was der Unterschied zwischen einem medizinischen Notfall und einem behinderten Reisenden ist. Die Teamleiter werden von Tisch zu Tisch gehen und mit jedem einzelnen Mitarbeiter darüber sprechen. Das ist weit mehr als ich erwartet hatte…
Ich schreibe diesen Eintrag übrigens vom Flughafen aus, nachdem ich problemlos einchecken konnte. Ende gut, alles gut.

Geparkt in , , , um 18:43 Uhr am Dienstag, 2. Februar 2010 |

Swiss Airlines hat sich gemeldet

Heute morgen meldete sich der “Social Media”-Verantwortliche der Swiss bei mir, um diese Geschichte aus der Welt zu schaffen und um vor allem sicherzustellen, dass ich morgen nicht am Flughafen stehen bleibe.
Er hatte über Twitter von der Geschichte erfahren und entschuldigte sich in aller Form. Gerade hat er mir noch einmal bestätigt, dass er dafür gesorgt hat, dass ich morgen problemlos fliegen kann, angemeldet bin und hat mir versprochen, mich auf dem Laufenden zu halten, was die Beschwerde intern bei Swiss gebracht hat.
Ich finde, das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen ihre Kommunikation und Service verbessern können, wenn sie zuhören – bei Twitter oder in Blogs oder auch sonst. Und es zeigt auch, dass man sich wehren muss, wenn man etwas verändern will.

Geparkt in , , , um 16:34 Uhr am Montag, 1. Februar 2010 |