Archiv für Hamburg

Was ein Bordrollstuhl alles auslösen kann

Man fragt sich ja manches Mal, warum Flugzeuge verspätet sind. Vor allem dann, wenn es der erste Flug morgens ist und man davon ausgehen müsste, dass alles klar geht.
Heute hatte die Germanwingsmaschine aus London nach Hamburg Verspätung und ich schätze mal, das war nicht der letzte Flug, den die Maschine heute zu erledigen hat.

Und die Verspätung kam so:
Ich hatte mich gestern abend spontan entschlossen nach Hause zu fliegen. Ich habe einen Vorvertrag für eine Wohnung unterschrieben (einen anderen, als ich ursprünglich vorhatte – ich habe auf mein Bauchgefühl gehört) und mein Rückflug war eigentlich für Donnerstag geplant. Ich hatte aber keine Lust, noch zwei Tage umsonst alleine in London rumzuhängen, in die Wohnung kann ich erst nächste Woche frühstens und ich versuchte, meinen Rückflug umzubuchen. Das ging nicht, jedenfalls nicht für heute. Ich habe den Rückflug stattdessen nach hinten verschoben, um ihn später nutzen zu können und habe einen sehr preiswerten One-Way-Flug bei Germanwings gebucht. Bei Germanwings kann man sich neuerdings online als Rollstuhlfahrerin anmelden. Ging alles problemlos. Am Check-In wusste die Dame auch bescheid. Ich sagte, ich ginge alleine zum Gate. Die Assistenz solle dahin kommen.

Germanwingswerbung für die Strecke nach Hamburg

Da sie mir auch noch das Gate verriet – normalerweise wird das immer erst kurz vor Boarding bekannt gegeben – war ich schon vor allen anderen Passagieren da. Die Assistenz kam auch pünktlich und sie fragten mich, ob ich einen Bordrollstuhl benötigte. Ich sagte, das dem so sei und konnte schon mal in den Vorraum der Fluggastbrücke. Dort standen drei Bordrollstühle – alles unterschiedliche Modelle. Was ich auf den ersten Blick nicht sah, war, dass diese ankettet waren. Aber keiner hatte einen Schlüssel, stellte sich dann bald heraus. Einer der Assistenzleute ging los, um einen vierten Bordrollstuhl zu suchen. Ich plauderte mit dem Ramp Agent, der immer nervöser wurde. Ich fragte in meiner organisationstechnisch stark Deutschland geprägten Art, wieso die denn überhaupt angekettet seien. Wer denn Bordrollstühle klaue. Damit könne man ja zu Hause nichts anfangen. Und erfuhr folgendes: In Gatwick gebe es drei verschiedene Ground Handling Companies – die einen gut mit Bordrollstühlen ausgestattet, die anderen weniger gut. Welche meine war, war mir sofort klar. Und die gut Ausgestatteten wollten nicht, dass die schlecht Ausgestatteten ihre mitbenutzten. Es passte auch gut ins Bild, dass es sich bei den angeketteten Bordrollstühlen um amerikanische Modelle mit einem großen Aufkleber „Made in USA“ handelte. Die gut ausgestatteten Unternehmen fertigten wohl amerikanische Airlines ab. Meine Ground Handling Company halt eben Deutsche – offensichtlich ohne Bordrollstuhl.

Nach ewiger Zeit kam der Typ zurück – wieder ohne Bordrollstuhl. Der Ramp Agent rief seine Leitstelle an, die ihm mitteilte, unser Flieger müsse weg von der Position, weil auf dem Vorfeld eine Maschine stehe, in der ein Passagier einen Herzinfarkt erlitten hätte. Der Krankenwagen warte und alle anderen Positionen seien besetzt. Er wurde noch nervöser, aber war zu mir sehr freundlich und versprach mir, man werde mich auf alle Fälle mitnehmen und ich dürfe in jedem Fall preboarden. Alles andere verstoße gegen das DDA. Er kannte das britische Antidiskriminierungsgesetz! Allerdings hatte ich ab dem Zeitpunkt eher Sorge um den Mann in der Maschine auf dem Vorfeld als um meinen Heimflug. Nichts passierte. Irgendwann ließ der Druck der Zentrale aber nach, man hatte den Flieger wohl anderswo angedockt.

Die beiden Assistenzleute standen nur dumm rum, bis der Ramp Agent sie aufforderte, doch noch mal auf die Suche zu gehen. Zwischenzeitlich starteten sie den Versuch, mich zu überreden, es ohne Bordrollstuhl zu versuchen. Einer ging wieder los, um auf dem riesigen Flughafen einen nicht abgeschlossenen Bordrollstuhl zu finden. Währenddessen ging eine Durchsage an die Mitarbeiter per Funk, dass jemand, der einen Schlüssel für die Kette oder einen Bordrollstuhl hat, sich umgehend melden solle. Ich muss sicher nicht erwähnen, dass sich niemand meldete. Die Zeit verging, die Maschine war jetzt definitiv verspätet.

Als ich schon nicht mehr daran glaubte, kam einer der Assistenzleute mit einem total schrottigen Bordrollstuhl an. Besser als nix. Zum Borden reichte es allemal. Beim Abschied entschuldigten sich die beiden bei mir. Ich habe gelacht und gesagt: „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ihr Unternehmen sollte sich besser Bordrollstühle zulegen. Damit ist uns allen am meisten geholfen.“

Schnee

Diese Woche soll es den ersten Schnee geben. Nein, nicht in Sibirien. In Deutschland. Ich könnte jetzt jammern, dass Schnee mich so richtig behindert und ich jedesmal froh bin, wenn ich den Weg vom Haus zum Auto alleine schaffe. Mach ich aber nicht. Ich geh einfach mal davon aus, dass so viel Schnee fällt, dass so mancher Eingang plötzlich ebenerdig wird. Immer positiv denken…

Poweruserin

Hilfe, die reden über mich. :-) Oliver Gassner interviewt Stephan Uhrenbacher von Qype:

Oliver Gassner: Weißt du wer Christiane Link ist?
Stephan Uhrenbacher: Sicher. Das ist eine unserer Power-Userinnen.
Oliver Gassner: Setzt Du Dich mit solchen Power-Usern auch mal zusammen? Oder kriegt ihr auch so mit, wo es bei Qype vielleicht auch mal hapert?
Stephan Uhrenbacher: Klar, Christiane habe ich mehrfach getroffen, einmal auch konkret in ihrer Eigenschaft als Power-Userin. Grundsätzlich versuchen wir, mit unseren Power-Usern engen Kontakt zu halten, das ist der Hauptjob von Anne bei uns (reagiert auf „Feedbacks“) und Ute. Christiane ist ein Glücksfall für Qype, weil sie auch noch in Hamburg wohnt.

Ich bin eine Poweruserin? Ja, ich nutze Qype oft, meine realistischer Mitgliederrang müsste bei irgendwas um die 20 liegen. Als ich meine Platzierung bei Qype sah (derzeit Platz 2), habe ich den Support angemailt, weil irgendjemand meine Beiträge x Mal hochgewertet hat. Ich habe also einen Fan, der es irgendwie gut meinte. Pro positiver Bewertung bekomme ich einen Punkt. Wenn das jemand hundert Mal macht, kriege ich hundert Punkte. Und so habe ich, ohne wochenlang etwas zu schreiben, Platz 2 erreicht.

Der Grund, weswegen ich ein paar Wochen lang nichts geschrieben habe, wird übrigens indirekt auch in dem Interview erwähnt. Eine Firma hatte sich über einen Eintrag von mir beklagt. Ich hatte geschrieben, dass man im Café um die Ecke schöner sitzt und der Kaffee preiswerter ist. Das war zuviel Meinung für das Unternehmen und sie schrieben Qype an. Qype schrieb mich an und bat mich, das zu ändern. Ich habe das abgelehnt, weil das mit dem Kaffee überprüfbar ist und das mit dem Sitzen meine Meinung, hatte ihnen aber gesagt, sie können das ändern, wenn sie rechtliche Schwierigkeiten sehen. Ich war gespannt, ob der Eintrag so stehen bleibt. Sie haben ihn stehen lassen, seitdem schreibe ich wieder – damit ich irgendwann die echte Nummer 2 werde. :-)

Geisterfahrer

Eben auf dem Nachhauseweg kam mir ein Geisterfahrer entgegen. Ein Richtiger. Allerdings nicht auf der Autobahn, sondern auf der einer zweispurigen Einbahnstraße, aber 50 km/h hatte ich trotzdem und er fast auch, schätze ich mal. Links neben mir fuhr ein Taxi, das deutlich besser reagiert hat als ich. Während ich nur komische Laute rausbrachte, staunte und viel zu spät auf die Idee kam, vom Gas zu gehen, setzte der Taxifahrer auf die Methode Lichthupe. Klasse Idee, dachte ich und blendete mit. Wir haben es tatsächlich geschafft, den Geisterfahrer damit zum Umdrehen zu bewegen. Er ist dann erstmal rechts ran gefahren. Dem will ich nicht auf der Autobahn begegnen.

Wie sich die Umwelt verändert

Dass sich doch ein bisschen was in Richtung Barrierefreiheit bewegt, merkt man immer, wenn man öffentliche Verkehrsmittel in Hamburg benutzt. Als ich 1996 nach Hamburg gezogen bin, gab es ein paar Niederflurbusse. Die meist befahrenste Busstrecke (laut HVV), die 102 (heute 5) zur Uni, konnte ich dennoch nicht nutzen, weil da keine Niederflurbusse fuhren. Irgendwann war jeder zweite Bus auf der Linie ein Niederflurbus, was ich schon als enorme Verbesserung wahrnahm.

Die erste Generation der Busse hatte noch elektrische Rampen, die bei jedem zweiten Einsatz defekt waren. Es ist mir bis heute ein Rätsel wie Mercedes Benz so ein ausfallanfälliges System auf dem Markt bringen konnte. Der Vorteil der elektronischen Rampen liegen insbesondere darin, den Busfahrern das Aussteigen zu ersparen wie es bei den Klapprampen notwendig ist. Man hatte allerdings nicht bedacht, dass nicht nur das Aussteigen, sondern bereits das Drücken des Knopfes zum Ausfahren der Rampe für manche Fahrer eine besondere Herausforderung darstellt. Zudem gingen viele Busfahrer sowieso davon aus, dass die Rampe mal wieder defekt ist. Sie hatten leider viel zu oft recht.

Nun werden die neuen Busse alle mit Klapprampen ausgestattet. Ich war am Anfang skeptisch, ob die Busfahrer wirklich ihren Hintern hinter dem Steuer wegbewegen und rausgehen, um die Rampe auszuklappen. Und man glaubt es kaum, es gibt immer mehr, die es tatsächlich machen und gleichzeitig wird es immer weniger nötig. Denn die Fahrgäste um mich rum machen das unterdessen teilweise ohne Aufforderung. Heute bin ich zwei Mal Bus gefahren. Jedes Mal klappte ein Mann als er sah, dass ich ein- bzw. aussteige, die Rampe aus. Spätestens wenn ich jemanden frage, macht es jemand. Ist keiner da scheuche ich den Busfahrer hinter seinem Lenkrad hervor. Auch die machen das mittlerweile anstandslos, wenn auch meist mit Sondereinladung.

Zudem sind einige Haltestellen unterdessen so hochgepflastert, dass ich fast auf Einstiegsniveau in den Bus komme, wenn der Busfahrer halbwegs gut Bus fahren kann und nah genug an die Haltestelle ranfährt. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wie es war ohne Niederflurbusse und es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Welt in nur 10 Jahren verändern kann. Heute gibt es in Hamburg nur noch Niederflurbusse.

Schlauberger

„Ey, wir sind an der Endstation“, sagte der Herr (Typ: Staubsaugervertreter) zu mir, der in Hamburg als einer der Letzten das Flugzeug verließ, in ziemlich anmassendem Ton und machte sich über mich lustig, dass ich so doof bin und da immer noch sitze.

So lange noch Passagiere im Flugzeug sind, können die Leute vom Assistenzdienst ja nicht rein, um mir aus dem Flugzeug zu helfen, deshalb steig ich immer als Letzte aus. „Schlauberger“, habe ich ihm geantwortet. Da ich schneller war als das Gepäck, stand der Schlauberger auch prompt noch am Gepäckband und hat natürlich gesehen, dass ich Rollstuhlfahrerin bin. Er konnte anschließend vor Scham kaum noch seinen Koffer tragen, hoffe ich.

Lebenswert

Ich sitze gerade in der Businesslounge am Flughafen in Hamburg. Die Dame am Empfang begrüßte mich mit den Worten: „Sie kommen ja gut zurecht.“ Ich verstand erst gar nicht, was sie meinte, bis ich meinen „Es gibt Menschen, die denken, Du kommst vom Mars“-Modus im Gehirn eingeschaltet hatte. Ich war mit meinen Gedanken ganz woanderes und wollte nur schnell rein. Ich sagte zu ihr irgendwas wie „Jaja, kein Problem“. Und sie antwortete mir: „Ja, wenn man denn so leben muss.“ Ich war ein wenig sprachlos, muss ich sagen. Dann holte ich tief Luft und sagte im eisigen Ton: „Das sehe ich nicht so.“ „Das sehen Sie nicht so“, murmelte sie und merkte wohl, dass das nicht sehr nett war, was sie gesagt hatte.

Dann bin ich rein und kam nicht an die Gläser ran, weil die viel zu weit oben stehen. Da keine Mitarbeiter weit und breit zu sehen waren, bin ich wieder raus und habe die Dame am Empfang gebeten, mir ein Glas runterzugeben. „Wissen Sie, nicht dass ich im Rollstuhl sitze, behindert mich. Sondern dass Sie Ihre Gläser für mich unereichbar platzieren. Das ist das Problem.“ Ich bin mir nicht sicher, ob sie das verstanden hat.

Pfadfinder

Manchmal komme ich mir vor wie ein Pfadfinder: Jeden Tag eine gute Tat – in meinem Fall für Barrierefreiheit. :-) Heute abend war ich auf einer Veranstaltung im Side Hotel in Hamburg. Ich war dort schon auf vielen Veranstaltungen, aber noch nie in den Räumlichkeiten im 8. Stock. Dort gibt es vier Stufen zu der Terrasse, einem Konferenzraum und einem Raum davor. Genau da musste ich hin.

Die Pressekonferenz fand im Keller statt, aber die Produkte wurden anschließend oben präsentiert. Pressekonferenz ohne die Produkte gesehen zu haben macht wenig Sinn, also habe ich in den sauren Apfel gebissen und habe mich hochtragen lassen. Hat sich auch gelohnt und der Abend war dann doch ganz nett und informativ. Ich konnte sogar die Frage unterbringen, warum auch die neueste Version der Software nicht per Sprachausgabe zu bedienen ist. ;-)

Ich hatte ganz gute Laune und habe dann noch meine gute Tat für heute vollbracht: Ich bin an die Rezeption gefahren und habe freundlich aber bestimmt um die Entfernung der Barrieren im 8. Stock gebeten. Platz für eine Rampe gibt es nämlich und das Hotel ist gerade einmal fünf Jahre alt. Manche Architekten…

Die Rezeption war sehr freundlich und ich habe meine Visitenkarte hinterlassen, mit der Bitte, mir doch mitzuteilen, wann sie das Problem behoben haben.

Die Bahn schon wieder

Ich hasse Bahn fahren, ich hasse Bahn fahren, ich hasse Bahn fahren. Weil die „Das geht nicht“-Quote einfach zu hoch ist und die „Da ist uns ein Fehler unterlaufen“-Quote auch. Ich fahre morgen relativ spontan nach Berlin. Also wie gehabt die Mobilitätszentrale online darüber informiert, damit ich in Hamburg und Berlin Ein- und Ausstiegshilfe bekomme. Die Züge sind ja nicht barrierefrei, sonst bräuchte ich das ja nicht tun.

Wenig später nach der Anmeldung: Anruf der Mobilitätszentrale, die definitiv den Namen nicht verdient hat. Am Hamburger Hauptbahnhof würden die Fahrstühle repariert. Bis 17.9. Die Züge nach Berlin fahren auf Gleis 8, da ginge der Fahrstuhl nicht. Eine Alternative ab Hauptbahnhof gebe es nicht. Zug verlegen ginge auch nicht. Mein Vorschlag: Ich steige Hamburg-Dammtor ein. Was blieb mir auch anderes übrig?

Nächstes Problem: Es gibt im gewünschten Zug keinen Rollstuhlplatz mehr. Im Klartext: Da es in dem hochmodernen ICE sowieso nur einen Rollstuhlplatz gibt (außer er fährt mit zwei Zugteilen, dann gibt es zwei), kann ich nicht nur nicht da abfahren, wo ich gerne möchte, sondern auch nicht zu der Zeit, an der ich gerne fahren möchte. Ich muss sagen, die Bahn erwartet schon ziemlich viel Flexibilität von ihren behinderten Kunden.

Der Einzelhandel und die Barrierefreiheit

Es kommt wirklich selten vor, aber heute war ich richtig wütend. Auf die Strukturen in diesem Land und in Hamburg im besonderen. Ich wollte Passfotos machen lassen. Schon vor Indien war das ein Akt, weil ich keine mehr hatte und das indische Konsulat für das Visum aber mehrere haben wollte. Damals war ich schon auf der Suche nach einem barrierefreien Fotoladen – ohne Erfolg. Also hatte ich unter akrobatischen Anstrengungen mich in einen Fotoautomaten bemüht, konnte mich kaum auf dem winzigen Hocker halten und habe Fotos gemacht, die der indische Beamte gerade noch so als okay befand. Mein Gesicht war zwar schief, aber komplett drauf. Immerhin.

Jetzt wollte ich doch mal auf die Suche nach einem Fotostudio gehen und mir die Bilder digital speichern lassen fürs nächste Mal. Den ganzen Morgen habe ich rumtelefoniert, Qype befragt, ohne Ergebnis. Alle sagten, ihr Studio sei im Keller, unterm Dach oder sonst irgendwo. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, bei Saturn anzurufen. Nicht, dass ich „Geiz ist geil“ so super fände, aber barrierefrei sind sie nunmal. Und tatsächlich, sie hätten auch ein Fotostudio, sagte mir die Dame am Telefon. Direkt im Erdgeschoss.

Ich fuhr also extra zu Saturn, musste in der Fotoabteilung lange warten und kam dann endlich dran. „Wir machen Fotos nur bis 18 Uhr“, sagte mir der Mitarbeiter um 18:10 Uhr. Ich: „Entschuldigen Sie, ich habe extra vorher angerufen und gefragt. Von 18 Uhr hat mir niemand was gesagt.“ Er: „Das tut mir leid, aber wir können Sie jetzt nicht bedienen.“ Ich hatte Mühe, meine gutes Benehmen beizubehalten. Drehte mich um und ging zum Kundenservice, um mich zu beschweren. Nicht weil ich dachte, dass das irgendwas bringt, aber ich wäre sonst geplatzt. Die Dame sagte, ihr sei ebenfalls nicht bekannt, dass die Mitarbeiter nur bis 18 Uhr Fotos machen und sie hätte mit mir auch nicht gesprochen. Ich war noch gelandener als vorher und ging ziemlich sauer aus dem Laden.

Dann fiel mir ein, dass es ein großes Fotogeschäft Richtung Rathaus gibt. „Ältestes Fotofachgeschäft Hamburgs“ wirbt die Firma Wiesenhavern. Einen Fahrstuhl haben sie auch. Aber: „Nein, Passfotos machen sie schon seit drei Jahren nicht mehr“, belehrte mich die Frau an der Kasse. Klar, hat ja auch was mit Dienstleistung zu tun. Ist ja nicht mehr so angesagt heutzutage.

Einen letzten Versuch, unternahm ich noch: Karstadt Mönckebergstraße. Was ich vorher nicht wusste: Karstadt ist eine Großbaustelle derzeit. Man betritt den Laden über ziemliche wackelige und unebene Bretter, es funktioniert nur ein Fahrstuhl, in diesem aber die Taste „EG“ nicht geht und überhaupt wurden gewisse Erinnerungen an meine Indienreise wach – ich hatte den Eindruck, man wusste nicht so recht, ob man renovierte oder Kunden empfangen wollte. Ich wartete nur darauf, dass mir jemand einen Bauhelm reichte und Handschuhe, um mir dann zu sagen, dass die Fotoabteilung nur über das die Leiter am Baugerüst zu erreichen ist.

Offene Decken mit Baustelle bei Karstadt

Der freundliche Karstadt-Mitarbeiter empfahl mir stattdessen, den Automaten zu nutzen, sie hätten keinen Fotografen mehr. Aber genau das wollte ich ja gerade nicht. Als ich gerade beschlossen hatte, meine Suche nach einem barrierefreien Fotografen in der zweitgrößten Stadt Deutschlands zu beenden, bemerkte ich, dass ich mir auf den Brettern einen Holzsplitter ins Fingernagelbett gerammt hatte, der wohl am Rad hängen geblieben war. Ich war endgültig bedient.

Und wenn mir jetzt noch mal ein Vorstand eines Einzelhandelverbandes begegnet, der über die schlechte Lage der Branche weint, dem werde ich sagen, dass ich gerne mein Geld ausgegeben hätte: 1. In einem Fotoladen, der stufenlos zu erreichen ist, mit kompetentem Personal. Dafür zahle ich auch wirklich gerne mehr als am Automaten. Und 2., dass ein Kaufhaus durchaus während des laufenden Betriebes renoviert werden kann – aber nur ohne Leib und Leben der Kunden zu gefährden. Meine Abenteuer suche ich mir selbst, das muss nicht Karstadt für mich tun.

P.S.:
Barrierefreie Fotoläden dürfen sich gerne bei mir melden, hilfreiche Tipps diesbezüglich werden mit Kaffee trinken auf meine Kosten belohnt. Barrierefrei natürlich.