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Archiv für Frau und Mann

Behinderte Frauen und häusliche Gewalt

Warnung: Dieser Blogeintrag behandelt das Thema Gewalt gegen Frauen. Wer sich damit lieber nicht beschäftigen möchte, sollte nicht weiterlesen. Da ich auch nicht weiß, was es zu dem Thema groß zu diskutieren gibt, habe ich die Kommentare geschlossen.

Jemand postete den Buchtipp auf Facebook und ich kannte zufällig eine der Autorinnen. „Disabled Women and Domestic Violence“ heißt das Buch. Es war eigentlich nicht das, was ich gerade lesen wollte, aber da ich, wie gesagt, eine der Autorinnen persönlich kenne, war ich neugierig.

Es ist ein Sachbuch, das eine neue britische Studie zu eben diesem Thema auswertet und auf alte Studien zurückgreift. Ich gehe zu Amazon, lade mir das Buch auf mein iPad und fange an, zu lesen und kann gar nicht mehr aufhören. So unfassbar sind die Erkenntnisse aus den Befragungen von behinderten Frauen, die Gewalt durch ihre Partner und Partnerinnen erfahren haben. Es geht um behinderte Frauen, die eine Mobilitätseinschränkung oder eine sensorische Behinderung haben. Auch wenn es sich um eine britische Studie handelt, ich bin mir sehr sicher, die Erfahrungen lassen sich sehr gut auf andere Länder wie Deutschland übertragen.

Den ersten Hammer finde ich gleich auf den ersten Seiten: „Es gibt Forschungsindizien, die dafür sprechen, dass behinderte Frauen in UK, unabhängig vom Alter, der sexuellen Orientierung, der Ethnie oder Klasse, doppelt so häufig misshandelt oder vergewaltigt werden wie nicht behinderte Frauen.“

Die Studie untersuchte auch, wieso diese Frauen so häufig in Partnerschaften bleiben, wenn der Partner gewalttätig ist. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Untersuchung: Sie haben oft kaum eine andere Wahl, vor allem wenn der Partner / die Partnerin gleichzeitig Assistenzleistungen übernimmt und wenn sie sich Hilfe holen, hat kaum jemand Verständnis für ihre Bedürfnisse.

In dem Buch ist ein Fall dokumentiert von einer Frau, die in ihrer Not die Polizei anrief. Die Polizei kam, wollte den gewalttätigen Mann eigentlich mitnehmen, dann fragte man sie, ob ihr Partner sie denn pflegen würde. Als sie das bejahte, sagte der Polizist zu ihr, dass man ihn dann ja wohl schlecht mitnehmen könne. Die Polizei zog wieder ab und die Frau blieb mit dem gewalttätigen Mann alleine.

Manche Hilfseinrichtungen signalisierten den behinderten Opfern häuslicher Gewalt, dass ihre Hilfsangebote nicht für sie sind, sondern eigentlich nur für nicht behinderte Frauen. Umgekehrt waren kontaktierte Behindertenorganisationen auch oft überfordert.

Ein weiteres Problem sind Frauenhäuser, die gar nicht barrierefrei sind. Und selbst wenn sie es sind, reicht das vielen behinderten Frauen nicht. Sie brauchen nicht nur eine barrierefreie Umgebung, sie brauchen auch Assistenz. Welches Frauenhaus hat aber einen angeschlossenen Assistenzdienst, der sie ins Bett hebt oder zur Toilette bringt?

In dem Buch kommt auch zur Sprache, dass die Gewalt an Frauen häufig zunimmt, wenn die Behinderung fortschreitend ist. Je stärker der Hilfebedarf der Frauen wurde, desto gewalttätiger wurden teilweise ihre Partner und Partnerinnen. Vor allem wenn der Partner oder die Partnerin auch gleichzeitig für die Pflege / Assistenz zuständig war, wurde das gegen die Frauen benutzt, in dem man eben diese Leistungen verweigerte oder die Behinderung ausnutzte, um die Frau zu demütigen. So beschreibt eine Frau wie ihr Partner den Stecker zur Batterie ihres E-Rollstuhls abzog und sie so stundenlang festsaß, ohne sich wegbewegen zu können.

Das größte Hindernis, den / die gewalttätige Partner / Partnerin zu verlassen sind organisatorische Barrieren wie barrierefreier Wohnraum, Organisation von Assistenz, Verfügbarkeit von Hilfsmitteln aber auch finanzielle Barrieren, die dadurch entstehen, wenn man den Wohnort wechseln will und deshalb ein anderer Kostenträger zuständig wird.

Ein weiteres Hindernis ist vielfach die Einstellung der Umgebung, also dass den Frauen signalisiert wird, sie sollen doch dankbar sein, überhaupt einen Partner zu haben – „in ihrer Situation“. Sie werden oft als asexuell angesehen, was es nicht einfacher macht, beispielsweise eine Vergewaltigung anzuzeigen, und sie werden vielfach nicht als vollwertige erwachsene Persönlichkeiten wahrgenommen. Bei der Einrichtung von Hilfsangeboten werden sie daher teilweise völlig übersehen.

In dem Buch wird sehr gut beschrieben, wie Hilfsangebote aussehen müssen, um für behinderte Frauen zugänglich zu sein. Dabei geht es gar nicht so sehr um bauliche Barrieren (die gibt es natürlich auch), sondern um ein ganzheitliches Konzept. Das Buch endet mit den Worten: „Dieses Buch war sicherlich sehr erschütternd zu lesen, aber es schließt mit einer hoffnungsfrohen Botschaft ab – es gibt klare und optimistische Wege, um endlich den Bedürfnissen behinderter Frauen gerecht zu werden, die Missbrauch erfahren haben. Wir wissen, was hilfreich ist und wir wissen, was getan werden kann. Alles, was wir tun müssen, ist folgendes zu beachten: – Es darf keine Angebote zu häuslicher Gewalt geben, die nicht das Thema Behinderung beachten. – Es darf keine Angebote für behinderte Menschen geben, die nicht auch geschlechtsspezifische Belange berücksichtigen und Missbrauch beachten.

P.S.: Wer in Deutschland Hilfe benötigt, kann sich an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen wenden. Für gehörlose Menschen gibt es dort ebenfalls ein Angebot.“

Baggerführerschein

Neben uns im Lokal sitzt ein Mann mit einer Frau und baggert sie seit einer Stunde an – ununterbrochen. Mit einem Redefluss, der nicht zuläßt, dass die Frau widerspricht. Wir wissen schon alles aus seinem Leben (er redet nicht gerade leise): Drogen, Frauen, Gewalt… Alles dabei gewesen. Aber er hat auch „viele sehr liebenswerte Eigenschaften“. Ahja.

Das „schwache Geschlecht“

„Das Antidiskriminierungs-Gesetz ist ein Diskriminierungsgesetz“, sagt Regina Seidel, Präsidentin des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VDU), dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Der Entwurf sei nicht mehr zeitgemäß.

Dass nach wie vor die Quote der selbstständigen Frauen (28 Prozent) oder Frauen in Führungspositionen (zehn Prozent) niedrig ist, liegt Seidel zufolge nicht nur an den Umständen: „Es sind in erster Linie die Frauen selbst, die nicht die Energie haben, sich in die erste Reihe vorzukämpfen.“

Da bin ich aber froh, dass angesichts der kampfschwachen Frauen in diesem Land, wenigstens Frau Seidel mit 23 die Firma ihres Vaters geerbt hat und sich nicht in die erste Reihe vorkämpfen musste. Sonst wäre die Quote ja noch schlechter…

Frauenmagazin

Frauenzeichen mit Faust

Ich hasse Frauenmagazine. Aber Frida ist anders. Sie ist online und verzichtet auf ein minderwertigkeitsvermittelndes Bild von Frauen. Einen Mangel hat Frida allerdings: Die Schriftgröße ist nicht lesefreundlich, jedenfalls nicht mit -11 Dioptrin. Alice Schwarzer hat -9 Dioptrin, wie sie gerade im ZDF sagte.

Wenn man die Emanzipationsrate einer Person an der Dioptrinzahl abmessen könnte, wäre ich schon ziemlich weit vorne. Bin ich aber sowieso… :-)

120 Ohrfeigen

Weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat, bekam eine Schülerin in Indien zur Strafe 120 Ohrfeigen. Ihre Lehrerin hatte 24 Mitschüler der 10-Jährigen angewiesen, das Mädchen zu schlagen. Nach 120 Ohrfeigen sei das Kind zusammengebrochen und musste zum Arzt gebracht werden. Fassungslos war ich als ich die Meldung gelesen habe. Jetzt könnte man meinen, Indien sei weit weg und bei uns ist das mit der Gewalt nicht so schlimm. Denkste!

Von 10 000 befragten Frauen einer Studie des Bundesfamilienministeriums gaben 37 Prozent der Frauen an, Opfer körperlicher Misshandlung geworden zu sein, berichtet der „Focus“. Der Studie zufolge findet Gewalt gegen Frauen in allen sozialen Schichten statt.

Was ich vermisse, ist der Aufschrei der durchs Land geht. Gibt es ihn noch, den gesellschaftlichen Konsens, dass niemandem Gewalt angetan werden darf? Keiner Frau, keinem Mann und erst recht keinem Kind. Sehr gut finde ich die Kampagne „Mein Kind ist unschlagbar“ vom Bündnis für Kinder.

Lieber Mailer

„Lieber Mailer“ – so schreibt mich die ARD an, nachdem ich ihnen meine Kritik an der Berichterstattung zum Straßenradrennen geschrieben habe. :-(
Gut, ich sehe es ein, die Mail hätte ich mir sparen können

Mit Stinkefinger zur Medaille

Während der Zieleinfaht beim Straßen-Radrennenn zeigte Judith Arndt den Radsport-Funktionären den Stinkefinger. 200 Schweizer Franken kostet sie das jetzt. Sie demonstrierte damit gegen die Entscheidung, ihre Lebensgefährtin Petra Roßner nicht zu nominieren. Ob es etwas damit zu tun hat, dass die beiden Frauen lesbisch sind? Der Radsport-Verband jedenfalls trägt nur fadenscheinige Begründungen vor, beschwerte sich Petra Roßner im Interview mit der ARD.

A propos ARD: Die Kommentatoren des Radrennens waren eine Zumutung. Die Radfahrerinnen bezeichneten sie als „die Mädchen“ – nicht einmal, mehrfach. Und dann behelligten sie die Zuschauer noch mit Äußerungen über das Aussehen einiger Sportlerinnen. Unterste Schublade, liebe ARD! Wie wäre es, wenn das nächste Mal da einfach Frauen erzählen, was Sache ist. Die Männer können es scheinbar nicht.