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Archiv für 21.1.2013

DLD13: Wer Behinderung ausrottet, tötet Innovation

„Fast könnte man meinen, der DLD habe sich die angebliche Heilung der Welt als roten Faden ausgesucht“, schrieb ich 2008 als ich vom DLD zurückkam. Der DLD ist eine Konferenz rund um Innovation, auf der ich diverse Male war. Damals bezog ich mich auf die Vorstellung des Unternehmens 23andme. Meinen kritischen Blogeintrag dazu, findet sich hier und ich könnte ihn heute noch unterschreiben.

Im gleichen Jahr musste ich mir dann auch noch anhören, dass ein Leben im Rollstuhl ein Leben zwischen Leben und Tod ist. Ich glaube, das war der Punkt, wo ich die Lust auf den DLD verloren habe.

Und tatsächlich, auch in diesem Jahr tauchte der rote Faden wieder auf. Mir entglitten alle Gesichtszüge als dieser Tweet in meiner Timeline auftauchte:

Das Ausrotten von Behinderung als Innovationsidee? Sind wir wieder soweit, ja? Die entsetzen Reaktionen behinderter Konferenzteilnehmer und Twitterleser ließen nicht lange auf sich warten und wurden erfreulicherweise oft retweetet.

Das ist auch das Positivste, was ich dem Ganzen abgewinnen kann. Behinderte Menschen halten nicht mehr die Klappe, wenn man ihre Abschaffung debattiert. Im Blogeintrag zur Konferenz steht sogar die wunderbare Vokabel „eliminate disability„.

Und abgesehen davon, dass man im Geschichtsunterricht schon ziemlich geschlafen haben muss, um das Thema Behinderung – auch noch in Deutschland – so zu behandeln, es ist auch noch falsch in Bezug auf Innovation.

Viele der Innovationen, die wir heute nutzen, sind nur da, weil es behinderte Menschen gibt. Es waren behinderte Menschen, die die Impulse zu Erfindungen wie der Tastatur, dem Transistor oder Teletext und vielem anderen gaben. Channel4 hat dazu einen hervorragenden Artikel recherchiert. Auch Artur Ortega hat vor drei Jahren für Yahoo! bei der UN einen Vortrag dazu gehalten.

Viele Entwicklungen entstehen, weil Menschen unterschiedlich sind, weil sie unterschiedliche Sichtweisen haben und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Die Diversität einer Gesellschaft führt zu Innovation, nicht deren Gleichmachung und das Ausrotten von Behinderung, was sowieso niemals funktionieren wird.

Wer Innovation will, sollte die Vielfalt, die mit Behinderung einhergeht, wertschätzen. Vokabel wie „eliminieren“ und „ausrotten“ spiegeln eine Einstellung wider, die ganz und gar nicht innovativ ist, sondern von vorgestern.

Update: Das Twitter-Team des DLD hat sich unterdessen entschuldigt. Im Blog wurde die Formulierung, die aus dem Programmtext stammt, geändert.