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Archiv für 22.5.2009

Was siehst Du? Was hörst Du?

Ich bin seit langem der Meinung, dass behinderte Menschen oft genug in den Medien vorkommen. Das Problem ist nur wie sie darin vorkommen. DIE ZEIT hat jetzt eine blinde Frau und einen gehörlosen Mann gemeinsam interviewt und fand das offensichtlich sehr originell. Ich habe mich beim Lesen des Artikels dabei erwischt, wie ich die Augen verdreht habe. Über die Fragen und eigentlich die ganze Inszenierung. Auch wenn die ZEIT-Redaktion sich sicher auf die Schulter geklopft hat, dank der „genialen Idee“, eine Blinde und einen Gehörlosen an einen Tisch zu setzen – ich kann mir die Redaktionskonferenz gut vorstellen -, ich glaube, Applaus werden sie dafür nicht so sehr von behinderten Menschen bekommen.

Über die Rolle der Dolmetscherin hat schon Jule was geschrieben. Mich stören in erster Linie diese typischen Klischeefragen wie „Ist es besser blind oder gehörlos zu sein?“, „Wie träumen Sie?“, „Wären Sie gerne nicht behindert?“ „Wie schauen Sie Fernsehen?“ und „Was bedeutet Musik?“. Vielleicht kann das mal jemand in einer FAQ zusammen fassen, dann lesen sich das alle mal durch und dann ist das ein für alle Mal geklärt und muss nicht ständig neu abgehandelt werden. Ich dachte, wir wären weiter…

Es wird zudem der Eindruck vermittelt, Blinde und Gehörlose lebten nebeneinander her, könnten nie miteinander in Kontakt treten (Nur die ZEIT macht’s möglich!). Das ist totaler Unsinn. Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen könnte besser sein, aber es ist keineswegs so, dass man ahnungslos nebeneinader her lebt. Ich habe schon sehr sehr lustige Abende gemeinsam mit meinem Freund, der ja blind ist, und gehörlosen Freunden erlebt. Ich habe mehrfach erlebt, dass blinde und gehörlose Menschen gemeinsam Politik gemacht haben, in Gremien gemeinsam saßen und befreundet waren – sowohl in Deutschland als auch in England.

Letztendlich wird das Interview beiden nicht gerecht. Denn dieser ständige Vergleich „Blind oder gehörlos? Was ist besser? Was ist schlimmer?“ ist totaler Quatsch. Die Lebenssituation blinder Menschen ist völlig anders als die der gehörlosen Menschen. Man hätte genauso gut einen Rollstuhlfahrer und einen Gehörlosen an einen Tisch setzen können. Aber das hätte man sicher für nicht so originell gehalten. Wenn ich in der Redaktionssitzung gewesen wäre, hätte ich gefragt: „Was ist die Story?“ Die Welt hat sich verändert. Das nehmen auch gehörlose und blinde Menschen wahr. Jaaaa? Und weiter?

via Not quite like Beethoven

Zeichen der Ausgrenzung aus Stahl

Andreas Bemeleit beschreibt in seinem Weblog Zwischenzeit wie die Stadt Hamburg mit einer neuen Touristenattraktion behinderte Menschen ausgrenzt. Ein schönes Beispiel für Leute, die immer noch glauben, alle neuen Gebäude würden barrierefrei gebaut.

„Die Architekten von Bothe Richter Teherani haben in Allianz mit Hamburgs Senat und Bürgerschaft ein aus Beton und Stahl geschaffenes Zeichen der Ausgrenzung vollbracht. Sie schaden dem Image Hamburgs, indem sie Barrieren schaffen, die vermeidbar gewesen wären.“

Hier nachzulesen.