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Archiv für 11.4.2008

Entenhausen

Auch Journalisten machen Fehler, aber ich glaube, ich würde meinen Job an den Nagel hängen, wenn ich Autor dieser Ente wäre, die derzeit durch die Gazetten geistert. Die EU wolle das Synchronisieren von Filmen und Beiträgen untersagen, vermeldete AFP. Was die EU wirklich will ist, die Untertitelung in öffentlichen-rechtlichen Sendern sicherstellen, damit auch gehörlose und schwerhörige Zuschauer sich umfassend informieren können.

Und dann werden zu der AFP-Meldung Kommentare geschrieben, die FAZ bemüht gleich mal die Pressefreiheit, und niemand macht sich mal die Mühe, das Papier der EU, das wirklich idiotensicher verfasst ist, mal durchzulesen.

Wie diese Ente entstehen konnte, ist mir übrigens völlig klar: Aus purer Ahnungslosigkeit. Ich bin ziemlich sicher, dass es selbst unter den Medienredakteuren Leute gibt, die noch nicht einen Gedanken an das Thema Untertitelung verschwendet haben, dabei hätten sie eigentlich seit Jahren mal darüber schreiben können. Da hat jemand definitiv nicht gewusst, dass es überhaupt noch andere Untertitel gibt als die von fremdsprachigen Filmen, die nicht synchronisiert sind.

Und obwohl AFP die Meldung zurück gezogen hat, haben immer noch nicht alle Onlinemedien die Meldung gelöscht, es finden sich Blogeinträge mit wenig schmeichelhaften Kommentaren etc. . Und was mich am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass alle davon ausgehen, dass man „wegen den Behinderten“ Einschnitte in seinem persönlichen Umfeld (sprich beim Fernsehen) hinnehmen müsse. Was das für Ressentiments bei manchen Leuten schürt, kann man sich denken.

Aber ich hätte eine Idee für die Wiedergutmachung: Alle Zeitungen und Onlinemedien, die die Meldung falsch übernommen haben sowie AFP selbst natürlich, recherchieren mal einen schönen Beitrag darüber, wie die Situation von gehörlosen Mediennutzern in Deutschland wirklich ist und wie die Situation im Vergleich in anderen Ländern aussieht.

via Stefan Niggemeier

Danke, EU!

Nicht erst seit ich in Großbritannien lebe, weiß ich die Errungenschaften der Europäischen Union durchaus zu schätzen. Nun lese ich, dass die EU durchsetzen will, dass alle öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm komplett untertiteln müssen. Ja, was soll ich sagen, danke EU! Die BBC wird das völlig kalt lassen, die untertiteln teilweise sogar die Werbung und zeigen, dass es eine vollständige Untertitelung möglich ist. Aber ich fürchte, in Deutschland wird es wieder Heulerei geben. Ich habe auf einen Tipp eines Lesers hier im Blog hin mir mal die Untertitelung von Anne Will angesehen und empfehle das jedem einmal selbst auszuprobieren. Das ist der absolute Hammer. Die Sendung ist teilweise nicht zu verstehen. Aber es ist ja gar nicht selbstverständlich, dass überhaupt untertitelt wird.

Am Anfang als ich in Großbritannien lebte, habe ich mir einige Serien mit Untertitel angesehen, um mich in die Akzente reinzuhören und wirklich alles verstehen zu können. Seit dem weiß ich, was Untertitel für Ausländer für eine Bereicherung sein können. Insofern ist dieser Vorstoß nicht nur für gehörlose Menschen eine gute Sache.

Ich bin mal gespannt, wer als erstes gegen den Vorstoß aufjault…

An manchen Tagen

…hat man einfach nur Glück. Heute war so ein Tag. Es fing damit an, dass ich heute morgen einen Anruf bekam, dass ich das Office, um das ich mich beworben habe, bekomme. Es ist ein kleines Office zu einem ziemlich günstigen Preis in einem Gründerzentrum einer Uni. Ich habe unterdessen so viele Anfragen nach einem Praktikum, dass es schade wäre, die ganzen Leute einfach abzuwimmeln, weil ich keinen Platz habe, die Leute unterzubringen – zumal es den Praktikanten hier sicher nicht langweilig wird und ich jede Unterstützung gebrauchen kann. Also eventuell ziehe ich nächste Woche schon in das Büro. Juhu!

Nachmittags bekam ich dann einen Anruf, dass eine Gemeinde im Norden Londons gerne in allen ihren Bibliotheken meine Zeitung haben möchte – zehn Bibliotheken auf einen Streich…

Und dann bekam ich heute abend eine Mail von der London Development Agency, dass ich in ein Förderprogramm aufgenommen wurde, das Gründer unterstützt mit Kursen, Coaching etc. Londonweit wurden zehn förderungswürdige Unternehmen gesucht und mein Unternehmen ist jetzt eines davon. Ich freue mich natürlich sehr. Der Bewerbungsprozess war fast rein schriftlicher Art und ich bin nicht sehr selbstbewusst, was mein Schriftenglisch angeht, aber scheinbar ist es doch nicht so schlecht. Die Mehrzahl meiner Mitbewerber sind schließlich Muttersprachler und jetzt bin ich für ein Jahr in diesem Programm. Was das Programm alles beinhaltet, erfahre ich Ende April, aber ich freue mich jetzt schon wie verrückt.