Archiv für 6.12.2007

Deutsche Liftfirmen

Am Info-Schalter vom Einkaufszentrum in Canary Wharf.
Ich: „Entschuldigung, können Sie mir sagen, ob der Lift zur DLR-Station repariert ist. Der ist seit Tagen defekt. Dann spar ich mir den Weg.“
Infoschalter-Mensch: „Nein, der geht immer noch nicht. Wir warten auf ein Ersatzteil. Ist eine deutsche Liftfirma, wenn Sie verstehen was ich meine. Das dauert immer lange.“
Ich: „Ja, ich verstehe sehr gut, was sie meinen.“

So ruinieren die deutschen Liftfirmen unseren guten Ruf im Ausland. Von wegen „German efficiency“…

Ein Jahr London

Heute vor einem Jahr bin ich nach London gezogen und ich habe nicht damit gerechnet, nach einem Jahr immer noch hier zu sein. In diesem einen Jahr ist so wahnsinnig viel passiert. Ich habe in zwei Wohnungen gewohnt, habe für zwei BBC-Redaktionen gearbeitet, eine Firma gegründet und einen Preis für dieses Blog gewonnen. Ich habe wohl noch nie in meinem Leben so viele Menschen in so kurzer Zeit kennen gelernt und dabei bin ich bei dpa schon viel rumgekommen. Ich stand in den vergangenen 12 Monaten vor so vielen Entscheidungen und habe jetzt rückwirkend den Eindruck, schlussendlich alles richtig gemacht zu haben.

Und mein erster Jahrestag in London hätte schöner nicht sein können. Gestern abend war ich bei der Liveaufzeichnung des BBC-Podcasts Ouch im Radiotheatre der BBC. Ein einmaliges Erlebnis. Ich habe selten so gelacht. BBC Ouch ist eine Community für behinderte Menschen, die ich richtig klasse finde. Die Aufzeichnung gestern war einfach genial. Liz Carr und Mat Fraser sind einfach klasse Comedians. Der Ouch Podcast ist wirklich hörenswert, aber man sollte britischen Humor mögen.

Dann war ich heute bei einem Seminar von Businesslink, in dem Gründer erzählt bekommen, auf was sie rechtlich in Bezug auf Barrierefreiheit zu achten haben und was Gleichstellung behinderter Menschen wirklich bedeutet. Ich war da nicht, weil ich dachte, dass ich viel lerne, sondern weil ich neugierig war, was man in solchen Seminaren beigebracht bekommt und wie sowas hier abläuft. Die Referentin war gehörlos und selbst Geschäftsfrau. Ich habe nette Leute kennen gelernt und Kontakte geknüpft. Abends war ich noch auf einer Party und fühle mich hier wirklich zu Hause. Damit ist auch die Frage beantwortet, wann ich wieder nach Deutschland gehe. Erstmal nicht.

Das Busfahrer-Problem

Am Freitag bin ich mal wieder an einen Problem-Busfahrer geraten. Problem deswegen, weil er ein Problem damit hatte, mich mitzunehmen. Beim ersten Bus fuhr die Rampe nicht mehr ein nachdem ich eingestiegen war und so warteten alle Fahrgäste auf den nächsten Bus. Man muss sagen, dass die Abstände, in denen die Busse vor unserer Haustür kommen, nicht mit denen in Acton, wo ich vorher gewohnt habe, zu vergleichen sind. Da kommt immer sofort ein anderer Bus.

Der zweite Bus kam also und der Busfahrer fuhr die Rampe nicht aus. Ich bin zu ihm nach vorne und fragte ihn, ob die Rampe kaputt sei. Er sagte nur „Take the next one“. Ich wiederholte wieder meine Frage, ob denn die Rampe kaputt sei. Er meinte, es sei kein Platz für mich im Bus. Der Bus war halb leer. Ich empörte mich über sein Verhalten und dann kam auch schon der nächste Bus, der mich mitnahm. Aber ich habe mich natürlich total geärgert. In solchen Momenten danke ich den schlauen Leuten, die das Handy erfunden haben. Ich habe sofort bei Transport for London angerufen und mich beschwert. Das Gute ist, so oft mir das auch passiert, ich habe den Eindruck, die nehmen das wirklich ernst. Ich muss den Fahrer beschreiben, meine Daten werden aufgenommen und sie fragen mich, ob sie mich anrufen dürfen, falls sie noch weitere Fragen zu dem Vorfall haben.

Ich denke viel darüber nach, warum sich manche Busfahrer so verhalten, weil ich das so überhaupt nicht verstehen und auch nicht akzeptieren kann. Ist es ein kulturelles Problem? Sind die schlecht geschult? Oder einfach nur total bescheuert? Egal wie die Antwort ausfällt, alles kein Grund, mich nicht mitzunehmen.