Archiv für 15.12.2006

Tiger Airways mehr Bettvorleger als Tiger

Die Fluggesellschaft Tiger Airways hat einer Familie mit einem behinderten Kind den Urlaub vermasselt. Sie hätten sich geweigert, die Familie mitzunehmen, obwohl die Familie vorher mit der Fluggesellschaft gesprochen habe und diese bestätigte, dass sie die Tochter mitnehmen, berichten australische Medien.

Singapore Airlines hält übrigens laut Wikipedia 49 Prozent Anteile an Tiger Airways. Dort war ich mit dem Service mehr als zufrieden und das Personal ging auch sehr freundlich mit mir um und war gut geschult. Aber auch Ryanair hält Anteile. Vielleicht kommt der schlechte Einfluss daher.

Update: Unterdessen hat sich noch ein weiterer Passagier gemeldet, dessen behinderte Mutter der Mitflug mit Tiger Airways untersagt wurde. Nach dem Medienecho hat die Fluggesellschaft nun angekündigt, in Zukunft auch Passagiere zu transportieren, die Assistenz benötigen – für den Schnäppchenpreis von 350$ kann man einen Bordrollstuhl nutzen. Es gibt Unternehmen, denen wünscht man einen übel gelaunten Steuerprüfer an den Hals – und zwar wöchentlich. Via Get Around Guide

Sendungsverfolgung

So eine Sendungsverfolgung ist ja eine feine Sache. Allerdings nur, wenn sie der Beruhigung dient. Als ich heute mal nachsah, was eigentlich aus dem Paket geworden ist, dass ich am 1.12. meiner Schwester in Frankreich schickte, hat mich fast der Schlag getroffen und ich bin gespannt, was mir morgen das Callcenter von GLS erzählen wird.

Am 1.12. habe ich das Paket aufgegeben, am 4.12 (!) kam es dann in einer Verteilstelle an und wurde falsch einsortiert. Einen Tag später hat man das bemerkt und es wurde nach Frankreich geschickt. Da kam es wiederum einen Tag später in einem Lager an. Am 6.12. hat dann ein Mitarbeiter vermerkt, die Adresse sei falsch. Seitdem ist nichts mehr passiert. Keine Rücksendung, nichts. Bei mir hat sich auch keiner gemeldet. Die Adresse ist übrigens richtig, aber meine Schwester wohnt in einem kleinen Ort in den Alpen. Da haben die Häuser keine Nummern, nur Namen. Ich hoffe, das Paket taucht irgendwann wieder auf.

Update: Eine, wie ich finde, wenig freundliche Mitarbeiterin hat sich die Adresse noch einmal notiert. Sie wollen die Zustellung noch einmal versuchen. Ich bin gespannt…

Die DDR lebt

Da ich immer noch keinen Telefonanschluss (geschweige denn Internet) in meiner Wohnung in London habe – man lernt die Telekom wirklich zu schätzen, wenn man mit British Telecom zu tun hat – fällt mir das Bloggen etwas schwer. Da ich aber wieder zurück in Hamburg bin, zumindest für ein paar Tage, genieße ich meinen Breitbandanschluss.

Ich bin mit der Eröffnung eines Bankkontos ein wenig weitergekommen. Da ich einen Brief mit meiner Adresse vorzuweisen habe, wurde nun immerhin ein Vorgang eröffnet. Dieser wird aber erst zum Abschluss gebracht, wenn ich nicht nur einen Brief, sondern auch eine Rechnung habe, die meine Identität bestätigt. Wahnsinn! Fast wäre die Eröffnung des Kontos aber an den mangelhaften Geschichtskenntnissen der Bearbeiterin sowie der Entwickler der Banksoftware gescheitert. Denn in dem seit zwei Tagen (!) neu installierten Bankprogramm muss man als Deutsche angeben, ob man Bürgerin der Deutschen Demokratischen Republik oder der Bundesrepublik Deutschland ist. Und wer jetzt meint, ein Hinweis auf den Mauerfall im Jahr 1989 reiche aus, um nachzuweisen, dass man einen BRD-Pass hat, der kennt die britischen Banker nicht. „Da ändert sich ja ständig etwas“, musste ich erstaunt zur Kenntnis nehmen. Und dann kam die Frage aller Fragen: „Können Sie beweisen, in welchem der beiden Staaten Sie Bürgerin sind?“.

Ich hatte meinen Pass noch nie daraufhin untersucht, ob man ablesen kann, dass ich nicht aus der DDR komme, die es sowieso nicht mehr gibt. Aber auf der letzten Seite wurde ich fündig: „This passport is the property of the Federal Republic of Germany„. Danke, liebe Menschen in der Bundesdruckerei. Ihr habt mich mit diesem Hinweis einem Bankkonto ein wenig näher gebracht. Die Bankerin war zufrieden und glaubte mir jetzt, dass ich nicht DDR-Bürgerin bin.

Noch etwas war interessant bei der Kontoeröffnung. Ich musste als behinderte Kundin unterschreiben, dass ich zur Kenntnis genommen habe, dass sich die Bank bemüht, mich nicht zu diskriminieren. Also jedenfalls nicht als behinderte Kundin. Von der Staatsangehörigkeit war ja nicht die Rede.

BBC Backstage Party

Schild am Eingang

Es ist voll und laut. Und es gibt seeehr süße Torte mit Sponsorenlogo.

Torte

Flüssigkeiten an Bord

Ich fliege ja derzeit sehr viel und die britischen Flughäfen gelten als besonders Terror gefährdet. Trotzdem ist es mir heute „gelungen“, eine volle Flasche Wasser mit an Bord zu nehmen. Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte, ich hatte die Flasche einfach hinten in der Tasche am Rollstuhl vergessen. Da lag sie gut sichtbar – wahrscheinlich zu gut. Ich habe es erst gemerkt als ich auf den Bordrollstuhl umgestiegen bin und sie dort liegen sah.

Überhaupt finde ich diese Flüssigkeitsregelung eine ziemliche Farce. Ich fühle mich jetzt nicht wirklich sicherer, weil alle Passagiere ihre Wasserflaschen abgeben müssen. Aber die Regelung bringt einiges ans Licht: Zum Beispiel wird Alkoholismus plötzlich sichtbar. Mehrfach standen ältere Frauen vor mir, denen ich niemals einen Hang zum Alkohol unterstellt hätte. Dann zücken die Damen aber ihre transparente Plastiktüte und darin befinden sich nicht etwa Cremes, Kosmetika und Puder, sondern kleine Schnapsflaschen.

Dann gibt es den Typ Frau, der sämtliche Faltencremes kauft, die auf dem Weltmarkt zu haben sind – jetzt in der Minitube. Und alle diese Tuben müssen mit auf Reisen. Nun passen diese Tübchen aber nicht alle in die Tüte, jedenfalls nicht so, dass die Tüte, wie vorgeschrieben, wieder zugeht. Und dann beginnt die Diskussion: Muss die Tüte zugehen? Muss man sich jetzt wirklich von 3 der 25 Tuben trennen? Reichen nicht 2 Tuben? Ein Drama spielt sich ab – auch für die Leute, die hinter der Kometikfanatikerin in der Reihe stehen.

Und dann gibts es noch den Typ „Wiiiiiiie, man darf keine Flüssigkeiten mit an Bord nehmen? Seit wann dass däääännnnn?“. Für die Kegelgruppe auf dem Weg nach Mallorca brechen Welten zusammen. Diese Regelung wurde, vermute ich, nicht nur wegen der Sicherheit erlassen. Es ermöglicht einmalige Studien über das Verhalten von Menschen.

Onlinejournalismus

Ich sitze bei einer Veranstaltung bei Gruner + Jahr in Hamburg, [Stammleser kombinieren jetzt ganz schnell, dass ich heute wieder von London nach Hamburg geflogen bin]. Es referiert unter anderem Paul Brannan, Deputy Editor BBC News website über Citizen Journalism. Die Veranstaltung ist überraschend schlecht besucht, finde ich. Es gibt es ironischerweise kein WLAN im Saal. Ich finde, wer wahrgenommen werden will, egal ob von Bloggern oder Journalisten, sollte seine Veranstalten barrierefrei für diese Zielgruppe machen und das heißt: WLAN. A propos Barrierefreiheit: Ich war noch nie im G+J Auditorium. Aber das ist so ein Saal, in dem Rollstuhlfahrer in der letzten Reihe sitzen müssen. Ich bin ja froh, dass die Zuschauer nicht der Aufforderung gefolgt sind, sich nach vorne zu setzen. Sonst säße ich jetzt alleine in der letzten Reihe. Ich hab schon an der Uni immer gehasst, wenn die Hörsäle nur von hinten zugänglich waren. Ich bin nämlich auch noch stark kurzsichtig und habe dann auf der Leinwand nichts mehr lesen können.

Es wird jemand aus Washington per Videokonferenz geschaltet und es klappt nicht. Die Tonqualität ist grottig, das Bild auch. Es hat etwas von Mondlandung. „Houston, können Sie mich hören?“ Jetzt soll eine Telefonschaltung aufgebaut werden. Auch das geht nicht – es ist besetzt. Loriot hätte seine wahre Freude daran. Die Aktion wird abgebrochen und der Vortrag von Paul Brannan wird vorgezogen – umso besser.

10 000 Mails gehen durchschnittlich am Tag in der Redaktion ein, am 7. Juli, dem Tag der Anschläge in London, waren es 20 000, berichtet Brannan. Zudem werden 200 Bilder von Zuschauern in der Woche eingeschickt, nach den Anschlägen waren es 1000. Zudem gingen 3000 SMS ein. Er zeigt ein Bild eines geköpften Menschen, von dem die Redakteure erst dachten, es sei einer der Täter. Das stellte sich aber als falsch heraus.

BBC zahlt nicht für das eingesandte Material. Das Urheberrecht bleibe bei den Fotografen, sagt Brannan. Jetzt geht es um eine Aktion des Bürgermeisters, der Ideen suchte, die Londoner U-Bahn zu kühlen. Im Sommer sind es dort teilweise 50 Grad. BBC rief dazu auf, Ideen einzuschicken und es kamen lustige Ideen. Er zeigt eine Fotomontage, von einer gefluteten Station, die mit Gondeln wie in Venedig befahren wird. Ein anderes Bild zeigt einen U-Bahn-Wagen mit riesigen Tiefkühlerbsenpackungen auf dem Dach.

So, jetzt habe ich einen Teil verpasst, weil ich gebloggt habe. Es geht jetzt darum, wie man die Echtheit der Bilder, die eingesandt werden, überprüfen kann. Zum Beispiel, danach zu fragen, wieso jemand da war, ob er noch andere Bilder hat etc. Er zeigt weitere Bilder von Helikoptern, die auf der Straße landen, von einem Brand, das man wohl aus einem Flugzeug fotografiert wurde. Nun zeigt er einen Amateurfilm, von einer Explosion von Öltanks. Der Typ im Film sagt „If there are any other explosions, we’re going to die.“. Dann verlassen sie die Szenerie. Es wirkt als hätten sie den Film schon so gefilmt als hätten sie vorgehabt, im Fernsehen zu landen. Die Faszination für das Filmen hätte die Angst überlagert, sagt die Stimme aus dem Off in dem Beitrag, der dann aus dem Amateurmaterial geworden ist. Die Leute im Saal raunen ein wenig.

Brannan zeigt Angebote der Konkurrenz, bei denen man auch seine Fotos, Filme etc. einsenden kann. CNN.com und Scoopt.com. Jetzt wird ein kurzer Film gezeigt. Es geht wieder um die persönlichen Erfahrungen von Leuten am 7. Juli und wie die Leute ihre Bilder eingeschickt haben und sich andere wiederum informieren konnten, was in der Stadt wirklich los ist. Die Frau, die das Bild eingesandt hat, wird per Videokonferenz und WLAN auf der Straße direkt interviewt und berichtet über ihre Erlebnisse. Später führt sie dann ein Videoblog für BBC über die Tage danach und wie sie wieder U-Bahn fährt.

Ein Teil dieses Beitrags wurde beim Speichern leider verschluckt (schlechte UMTS-Verbindung). Deshalb fehlt jetzt die Fragerunde. Sorry!

Der Einzug

So, es ist vollbracht. Ich bin heute in meine Londoner Wohnung gezogen. Also, ich habe zumindest die Schlüssel und werde auch gleich die erste Nacht im neuen Bett verbringen. Ich werde sicher gut schlafen, denn nach den gestrigen Abschiedsfestivitäten habe ich gerade mal zwei Stunden geschlafen, bevor es wieder zum Flughafen ging.

Aber, was erzähle ich: So wohne ich in London.

Wohnzimmer

Das Haus ist nagelneu, ich bin die erste Mieterin in der Wohnung.

Kueche mit Esstisch

Eine Küche gibts auch, aber ich habe heute stapelweise Delieveryservice-Werbung mit Essen aus aller Welt aus meinem Briefkasten gezogen, das Angebot reicht für weit länger als sechs Monate.

Schlafzimmer

Das habe ich erstmal umgebaut, sonst wäre ich nicht reingekommen. Aber so gehts jetzt.

Bad

Ein Bad gibts natürlich auch.

Kreis aus Gras

Was noch nicht fertig ist, ist die Außenanlage und die Geschäfte, die es wohl in naher Zukunft in meiner Nachbarschaft geben soll. Das Viertel ist eigentlich ein Industriegebiet: Meine Nachbarn heißen Carphone und NEC. Aber immerhin hat man sich einen Graskreis vor meinem Fenster geleistet.

Baustelle

Was nicht wirklich toll geklappt hat, ist das liebe Geld. Ich wollte meine Kaution und die erste Miete mit der Kreditkarte zahlen, weil ich hier ja noch kein Konto habe. VISA hat sich aber strikt geweigert, den Betrag abzubuchen und ich musste die Kartenhotline anrufen. Die sagten mir, diese Anmietung entspreche nicht meinem Kundenprofil, deshalb habe man die Buchung abgelehnt. Da war ich baff. Der nette Herr sagte dann noch, wenn ich ein Hotelzimmer zu dem Preis bezahlt hätte, wäre man nicht misstrauisch geworden, das kommt ja bei mir öfter vor. Da war ich wieder baff. Er schaltete meine Karte frei und so konnte ich doch meine Miete zahlen. Nur zwei Stunden später, verhielt ich mich offensichtlich wieder nicht profilgerecht: Ich habe für 6 Pfund in der Drogerie mit Karte gezahlt. Da war die Differenz zwischen der aktuellen und der vorherigen Buchung zu groß. Auch das passte nicht zu meinem Profil und wieder konnte ich erstmal nicht mit Karte zahlen, sondern musste wieder die Hotline anrufen. Die lachten schon. Ich fands dann langsam etwas nervig.

Achja, und dann wollte ich noch ein Konto eröffnen. Auch das ist mir nicht gelungen. Die Bank meines Vertrauens (ist gegenüber meiner Wohnung, bot sich halt an), möchte meinen Pass sehen, mein Personalausweis reiche nicht aus. Und ich muss einen Beweis anschleppen, dass ich da wohne, wo ich wohne. Es darf aber nicht der Mietvertrag sein, sondern muss ein Brief der Stadt, der British Telecom etc. sein. Das brachte mich dazu, mich erstmal bei der Stadt als Steuerzahlerin anzumelden, damit die mir einen Brief schicken und mich willkommen heißen (und Steuern eintreiben). Damit kriege ich dann ein Konto. Man muss das nicht verstehen…

Wo ist Fred? – Nicht erreichbar

Ganz toll, liebe Planer des Kinoriesen Cinemaxx. Was meint Ihr, wer den Film „Wo ist Fred?“ auch gerne sehen möchte. Richtig, Rollstuhlfahrer. Wenn man schon Filme zeigt, die das Rollstuhlfahrerleben auf den Arm nehmen (was absolut okay ist), sollte man uns aber auch erlauben, den Film selber zu sehen.

Ich wäre heute abend gerne ins Cinemaxx nach Wandsbek gegangen. Dort läuft der Film aber in einem nicht barrierefreien Saal, wie ich mich auf der Cinemaxx-Homepage informieren konnte. Genauso erging es dem Berliner Rollstuhlfahrer Raúl Aguayo-Krauthausen im Cinemaxx Potsdamer Platz. Ich habe dann ein paar Stichproben gemacht und bin auch in München auf ein Cinemaxx gestoßen, wo der Zugang für behinderte Menschen „nur mit Hilfestellung“ möglich ist.

Ich wende mich jetzt an die Firma Senator Film und die Firma Cinemaxx. Die interessiert vielleicht, dass sie durch mangelnde Barrierefreiheit Zuschauer verlieren.

Die Briten führen die Wertmarke ein

In UK gibt es ab Frühjahr so etwas wie die Wertmarke in Deutschland. Behinderte Menschen und Senioren können dann im ganzen Land kostenlos Bus fahren. Hab ich schon erwähnt, dass ich ja nicht so der Fan von Gießkannenalmosen bin? Deshalb sehe ich diese Aktion ein wenig kritisch, zumal Tony Blair die ganze Sache zum PR-Spektakel werden lässt.

Busse sind das einzige barrierefreie Verkehrsmittel in London, das ich umfassend nutzen kann. Es ist aber auch das einzige Verkehrsmittel, für das ich nicht zahlen muss. Das finde ich nicht logisch. Ich ärgere mich stattdessen, dass ich für die Tube voll zahlen muss, die lausig barrierefrei ist. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass ich eine Zahlzone weiterfahren muss, wenn ich vom Flughafen in mein künftiges Zuhause möchte. Nur dann komme ich an einer barrierefreien Station an und kann nicht den kürzeren Weg in der Zone davor nutzen. Eine Zone mehr kostet aber auch mehr Geld…

Ich wäre sofort für die Abschaffung der Wertmarke in Deutschland, wenn die Verkehrsmittel barrierefrei wären. Wenn man nämlich eine Dienstleistung gleichberechtigt nutzen kann, kann man auch den gleichen Preis dafür zahlen. Dazu gehört natürlich mehr als Rampen und Aufzüge, sondern auch das barrierefreie Kaufen von Tickets für blinde Menschen etc. So lange das nicht erreicht ist, bin ich für die Wertmarke, die aber sowieso nicht alle behinderten Menschen in Deutschland kriegen, sondern nur Leute, die beispielsweise im Rollstuhl unterwegs sind oder blind sind. Da diese aber vielfach nicht einmal ein Ticket am Automaten ziehen können, weil auch die Automaten nicht barrierefrei sind (das ist in UK definitiv anders!), ist die Wertmarke derzeit wirklich notwendig. Aber überall wo ich problemlos partizipieren kann, zahle ich auch gerne.