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Archiv für 31.10.2006

Katjas Reisegeschichten

Jedesmal, wenn ich Katjas Blog lese, wenn sie über das Reisen als Rollstuhlfahrerin schreibt, denke ich, ich lese mein eigenes Blog, das jemand ins Englische übersetzt hat. Diesmal geht es um die Behandlung durch die Sicherheitsleute am Flughafen und über Sinn und Unsinn Fluggesellschaften über die eigenen Bedürfnisse zu informieren. Es scheint auf der ganzen Welt, die gleichen Probleme zu geben…

Schnee

Diese Woche soll es den ersten Schnee geben. Nein, nicht in Sibirien. In Deutschland. Ich könnte jetzt jammern, dass Schnee mich so richtig behindert und ich jedesmal froh bin, wenn ich den Weg vom Haus zum Auto alleine schaffe. Mach ich aber nicht. Ich geh einfach mal davon aus, dass so viel Schnee fällt, dass so mancher Eingang plötzlich ebenerdig wird. Immer positiv denken…

Poweruserin

Hilfe, die reden über mich. :-) Oliver Gassner interviewt Stephan Uhrenbacher von Qype:

Oliver Gassner: Weißt du wer Christiane Link ist?
Stephan Uhrenbacher: Sicher. Das ist eine unserer Power-Userinnen.
Oliver Gassner: Setzt Du Dich mit solchen Power-Usern auch mal zusammen? Oder kriegt ihr auch so mit, wo es bei Qype vielleicht auch mal hapert?
Stephan Uhrenbacher: Klar, Christiane habe ich mehrfach getroffen, einmal auch konkret in ihrer Eigenschaft als Power-Userin. Grundsätzlich versuchen wir, mit unseren Power-Usern engen Kontakt zu halten, das ist der Hauptjob von Anne bei uns (reagiert auf „Feedbacks“) und Ute. Christiane ist ein Glücksfall für Qype, weil sie auch noch in Hamburg wohnt.

Ich bin eine Poweruserin? Ja, ich nutze Qype oft, meine realistischer Mitgliederrang müsste bei irgendwas um die 20 liegen. Als ich meine Platzierung bei Qype sah (derzeit Platz 2), habe ich den Support angemailt, weil irgendjemand meine Beiträge x Mal hochgewertet hat. Ich habe also einen Fan, der es irgendwie gut meinte. Pro positiver Bewertung bekomme ich einen Punkt. Wenn das jemand hundert Mal macht, kriege ich hundert Punkte. Und so habe ich, ohne wochenlang etwas zu schreiben, Platz 2 erreicht.

Der Grund, weswegen ich ein paar Wochen lang nichts geschrieben habe, wird übrigens indirekt auch in dem Interview erwähnt. Eine Firma hatte sich über einen Eintrag von mir beklagt. Ich hatte geschrieben, dass man im Café um die Ecke schöner sitzt und der Kaffee preiswerter ist. Das war zuviel Meinung für das Unternehmen und sie schrieben Qype an. Qype schrieb mich an und bat mich, das zu ändern. Ich habe das abgelehnt, weil das mit dem Kaffee überprüfbar ist und das mit dem Sitzen meine Meinung, hatte ihnen aber gesagt, sie können das ändern, wenn sie rechtliche Schwierigkeiten sehen. Ich war gespannt, ob der Eintrag so stehen bleibt. Sie haben ihn stehen lassen, seitdem schreibe ich wieder – damit ich irgendwann die echte Nummer 2 werde. :-)

Medienkritik mal anders

Als ich mir den gestrigen Kommentar von Peter White im Guardian zu David Blunkett und seine Kritik am pseudo-psychologischen Gefasel der Medien zu Blunketts Behinderung durchlesen habe, musste ich sehr schmunzeln. Das ist Medienkritik wie ich sie hier vermisse: Ironisch, humorvoll, kompetent und direkt. Und dann noch von jemandem, der wirklich was von der Materie versteht, über die er schreibt: Peter White ist selbst blind. Ich habe ihn mal in Wien getroffen und dachte, als ich das las, er schreibt wie er redet und das ist echt. Das Gefühl hätte ich gerne öfter beim Zeitung lesen.

Alles eine Frage der Definition

Es gibt Ärger um die Bundesgartenschau (BUGA) in Thüringen. Der selbst behinderte PDS-Abgeordnete Maik Nothnagel kritisiert, dass die Anlage nicht barrierefrei sei. Auch der Behindertenbeauftragte des Landes kritisiert die Anlage und schlägt ein unabhängiges Gutachten vor.

Das kann die BUGA natürlich nicht auf sich sitzen lassen und lehnt das Gutachten ab. Denn es sei gar nicht nötig. „Der Kletterturm hat zwar keinen Aufzug, ist aber auch von taubstummen oder blinden Menschen zu besteigen», wird der BUGA-Geschäftsführer Ernst-Hermann Kubitz in der Presse zitiert. Es ist halt alles eine Frage der Definition.

Kann es vielleicht sein, dass blinde und gehörlose Menschen gar keine Probleme mit Stufen haben und deshalb den Turm besteigen können? Und dass das gar nicht die einzige Hürde ist, die auf dem Gelände eingebaut wurde. Schon am Eingang soll es Stufen geben und nicht einmal das Informationszentrum soll zugänglich sein.

Ich kann mir das eigentlich auch nicht vorstellen, steht doch auf der BUGA-Webseite: „Die Bundesgartenschau Gera und Ronneburg 2007 wird vom Freistaat Thüringen und der Europäischen Union gefördert und umfassend unterstützt.“ Im Mai habe ich noch gejubelt, dass die EU die Förderung von Projekten und Vorhaben von der Barrierefreiheit abhängig machen will. Und ich nehme doch mal an, dass damit nicht gemeint war, dass blinde und gehörlose Menschen die Treppe hochkommen.

Geisterfahrer

Eben auf dem Nachhauseweg kam mir ein Geisterfahrer entgegen. Ein Richtiger. Allerdings nicht auf der Autobahn, sondern auf der einer zweispurigen Einbahnstraße, aber 50 km/h hatte ich trotzdem und er fast auch, schätze ich mal. Links neben mir fuhr ein Taxi, das deutlich besser reagiert hat als ich. Während ich nur komische Laute rausbrachte, staunte und viel zu spät auf die Idee kam, vom Gas zu gehen, setzte der Taxifahrer auf die Methode Lichthupe. Klasse Idee, dachte ich und blendete mit. Wir haben es tatsächlich geschafft, den Geisterfahrer damit zum Umdrehen zu bewegen. Er ist dann erstmal rechts ran gefahren. Dem will ich nicht auf der Autobahn begegnen.

Michael J. Fox und die Stammzellenforschung

Es ist heute eines der meist gesehenen Videos auf YouTube: Michael J. Fox setzt sich in einem Video für Stammzellenforschung ein. Er hat Parkinson und das sieht man in dem Video sehr deutlich.

Entdeckt habe ich das Video bei Thomas Knüwer, der ihn „Held aus der Vergangenheit“ nennt. So sehe ich ihn auch. Er war mal ein Held. Ich habe ihn auch als Teenie super gefunden. Jetzt ist er aber kein Held mehr für mich.

In den Kommentaren dort stoßen Kritiker der Stammzellenforschung mit Befürwortern aufeinander. Das lässt mich relativ kalt. Es wird immer Menschen geben, die die Realität kaum aushalten und dann sagen „Da muss es doch was geben“. Was mich viel mehr ärgert ist, dass mit Mitleid versucht wird, ein politisches Ziel zu erreichen. Wie sollen behinderte Menschen ernst genommen werden, wenn sich ein Schauspieler hinsetzt und signalisiert, sein Leben sei bemitleidenswert und deshalb müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, das zu ändern?

Mehr als eine Million Menschen haben das Video unterdessen gesehen. Ganz gleich, was man von Stammzellenforschung hält, dieses Video schadet Menschen mit Behinderungen. Weil es auf Mitleid setzt, nicht auf Argumente. Michael J. Fox ist seit seiner Erkrankung völlig von der Bildfläche verschwunden und taucht jetzt wieder auf und nutzt den Effekt, um sich für eine angeblich gute Sache einzusetzen.

Aber noch etwas finde ich ganz spannend: Ein Kommentator kritisiert die Stammzellenforschung und prompt antwortet jemand „Ich glaube, man denkt automatisch anders darüber, wenn man selbst betroffen ist.“ Tsja, so einfach ist die Sache halt nicht. Es gibt viele behinderte Menschen, die gegen die Stammzellenforschung sind und es gibt natürlich auch viele, die dafür sind. Wer ist in der Mehrheit? Keine Ahnung. Ich kann mich aber gut daran erinnern als Christopher Reeve starb und die deutschen Medien schrieben, er sei ein Held für behinderte Menschen gewesen und das stimmte so einfach nicht. Ich habe das in den USA ganz anders wahrgenommen: Die Behindertenbewegung dort hat sich zunehmend gegen Reeve und seine Therapiefantasien gestellt, weil sie unrealistisch waren und auch er teilweise mit Mitleid spielte.

Ich habe Reeve einmal live erlebt als er in Hamburg einen Preis bekam. Das war niemand, mit dem ich mich identifizieren konnte. Er sprach immer von Heilung. Ich fand das völlig abgedreht. Er war zwar wie ich auch querschnittgelähmt, konnte sich aber bei weitem weniger bewegen, wurde beatmet und hing an x Maschinen. „Wenn schon für mich eine Heilung so weit weg und unrealistisch ist, wie kann er mit einer noch viel komplexeren Behinderung dann davon reden, dass er wieder geheilt wird?“, habe ich mich gefragt. Und ich muss sagen, deshalb sind Christopher Reeve und Michael J. Fox für mich keine Helden. Ich habe bei beiden das Gefühl, sie kämpf(t)en gegen ihre Behinderung. Damit kann ich nichts anfangen. Helden wären sie vielleicht, wenn sie sich wirklich für die Verbesserung der Lebensbedingungen behinderter Menschen weltweit einsetzen würden. Die Stammzellenforschung hilft, wenn überhaupt, nur einer kleinen previligierten Gruppe in was weiß ich wie viel Jahren und das auch noch zu einem hohen Preis. Und Menschen, die auf Mitleid setzen, sind für mich keine Helden, egal für was sie sich einsetzen.

Update: Unterdessen hat irgend so ein Trottel in den USA behauptet, Michael J. Fox schauspielere nur oder habe seine Medikamente nicht genommen. Da kann man mal sehen wie wenig die Menschen über Behinderungen wissen.

AOL entdeckt Menschen mit Behinderungen

Zusammen mit einer Beratungsfirma für Barrierefreiheit hat AOL in den USA das Ability Blog gestartet, ein Blog, das sich mit Barrierefreiheit, Behindertenpolitik etc. befasst. Ich glaube, das dürfte weltweit das erste Corporate Blog zum Thema Behinderung sein. Ich nehme mal an, es wird nicht das Letzte sein.

Ich bin gespannt, ob sie es wirklich schaffen, Teil der Disability Blogger-Gemeinschaft in den USA zu werden. Dafür sollten sie als allererstes noch ein wenig an der Barrierefreiheit der Seite schrauben – Stichwort Glaubwürdigkeit – und transparent machen, wer die Leute sind, die da schreiben. Bislang wirkt es eher wie ein anonymes Nachrichtenportal zur Behindertenpolitik. Trotzdem finde ich das ein ganz spannendes Projekt, weil behinderte Menschen offensichtlich als Zielgruppe wahrgenommen werden.

Wie sich die Umwelt verändert

Dass sich doch ein bisschen was in Richtung Barrierefreiheit bewegt, merkt man immer, wenn man öffentliche Verkehrsmittel in Hamburg benutzt. Als ich 1996 nach Hamburg gezogen bin, gab es ein paar Niederflurbusse. Die meist befahrenste Busstrecke (laut HVV), die 102 (heute 5) zur Uni, konnte ich dennoch nicht nutzen, weil da keine Niederflurbusse fuhren. Irgendwann war jeder zweite Bus auf der Linie ein Niederflurbus, was ich schon als enorme Verbesserung wahrnahm.

Die erste Generation der Busse hatte noch elektrische Rampen, die bei jedem zweiten Einsatz defekt waren. Es ist mir bis heute ein Rätsel wie Mercedes Benz so ein ausfallanfälliges System auf dem Markt bringen konnte. Der Vorteil der elektronischen Rampen liegen insbesondere darin, den Busfahrern das Aussteigen zu ersparen wie es bei den Klapprampen notwendig ist. Man hatte allerdings nicht bedacht, dass nicht nur das Aussteigen, sondern bereits das Drücken des Knopfes zum Ausfahren der Rampe für manche Fahrer eine besondere Herausforderung darstellt. Zudem gingen viele Busfahrer sowieso davon aus, dass die Rampe mal wieder defekt ist. Sie hatten leider viel zu oft recht.

Nun werden die neuen Busse alle mit Klapprampen ausgestattet. Ich war am Anfang skeptisch, ob die Busfahrer wirklich ihren Hintern hinter dem Steuer wegbewegen und rausgehen, um die Rampe auszuklappen. Und man glaubt es kaum, es gibt immer mehr, die es tatsächlich machen und gleichzeitig wird es immer weniger nötig. Denn die Fahrgäste um mich rum machen das unterdessen teilweise ohne Aufforderung. Heute bin ich zwei Mal Bus gefahren. Jedes Mal klappte ein Mann als er sah, dass ich ein- bzw. aussteige, die Rampe aus. Spätestens wenn ich jemanden frage, macht es jemand. Ist keiner da scheuche ich den Busfahrer hinter seinem Lenkrad hervor. Auch die machen das mittlerweile anstandslos, wenn auch meist mit Sondereinladung.

Zudem sind einige Haltestellen unterdessen so hochgepflastert, dass ich fast auf Einstiegsniveau in den Bus komme, wenn der Busfahrer halbwegs gut Bus fahren kann und nah genug an die Haltestelle ranfährt. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wie es war ohne Niederflurbusse und es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Welt in nur 10 Jahren verändern kann. Heute gibt es in Hamburg nur noch Niederflurbusse.

Wer bremst, verliert

Ist eigentlich ein blöder Spruch, hat aber dennoch ein bisschen was mit meiner Lebenseinstellung zu tun. Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen, Neues wagen. Ich mag keine Bremser, Bedenkenträger, Pessimisten, Madig-Macher und schon gar keine, die mich bremsen. Dann werde ich echt sauer und fahr ihnen über den Fuß. Nur mal so fürs Protokoll. Nein, mir ist keine Laus über die Leber gelaufen. Nur ein Bremser.