Archiv für 12.9.2006

Blogstipendium – die Gewinner stehen fest

jetzt.de hat ja vor ein paar Monaten ein Blogstipendium ausgelobt. Nun stehen die Gewinner fest. Behindertenparkplatz hat zwar keinen Preis bekommen, aber ist als „Empfehlung der Redaktion“ gelistet. Herzlichen Dank dafür!

Ich habe noch ein paar Vorschläge für die nächste Runde:
Die Abstimmung und die Seiten sind nicht sehr benutzerfreundlich, geschweige denn barrierefrei. Mich haben viele blinde Leser dieses Blogs angesprochen, dass sie nicht abstimmen konnten.

Aber auch sehende Leute hatten ihre Probleme, weil die Abstimmbuttons nicht sofort sichtbar sind (man musste scrollen) und man sich anmelden musste.

Vielleicht lässt sich das ja für die zweite Runde verbessern.

P.S.: Einer der Gewinner ist Nils Bokelberg. Er bloggt für den Welfrieden. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die Zeit als auf Viva noch nicht für Klingeltöne geworben wurde. Aus dieser Ära kommt er und ich bin mit ihm groß geworden (naja, jedenfalls volljährig).

Antidiskriminierungsstelle

Mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemäß §25 Abs. 1 AGG die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingerichtet.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist wie folgt erreichbar:

Hausadresse:
Alexanderstraße 3
10178 Berlin

Postadresse:
11018 Berlin

Telefon:
03018/ 555 – 1865

Telefax:
03018/ 555 – 41865

E-Mail:
ads@bmfsfj.bund.de

Das Grundgesetz – unvollständig

Das ist Artikel 3 des Grundgesetzes – ein Teil zumindest.

Glasscheibe mit Grundgesetz

Es ist eingraviert auf Glasscheiben am Jakob-Kaiser-Haus in Berlin. Das Jakob-Kaiser-Haus beherbergt verschiedene Büros des Bundestages. Auf der Spreeseite des Gebäudes stehen die Glasscheiben an prominenter Stelle mit dem Text des Grundgesetzes.

Als ich am Wochenende daran vorbei kam, musste ich zwei Mal hinsehen, denn da fehlt ein Satz. Seit 1994 steht im Grundgesetz:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Der letzte Satz fehlt aber auf der Tafel, während die anderen Artikel nach meinem Laiengedächtnis komplett abgebildet sind. Wenn man Wikipedia Glauben schenken darf, wurde das Jakob-Kaiser-Haus 1997, also drei Jahre nach der Grundgesetzergänzung des Artikel 3, geplant. 12 Jahre steht der Satz nun schon in der Verfassung, für den behinderte Menschen Jahrzehnte gekämpft haben. Und am Bundestagsverwaltungsgebäude wurde er einfach vergessen? Selbst wenn das so wäre, das muss doch seit 1997 jemandem ausser mir aufgefallen sein. Ich vermute sogar, dass die Scheiben dort noch gar nicht so lange stehen. Sie sehen nicht sehr alt aus. Oder bin ich wirklich die Erste, die merkt, dass der Satz fehlt? Darunter ist übrigens noch viel Platz zum den Fehler auszubügeln.

Update: Es ist die Fassung von 1949. Dass das nicht sichtbar ist, finde ich sehr bedauerlich. Mehr dazu in den Kommentaren.

Vor fünf Jahren

Jens fragt, was man am 11. September 2001 gemacht hat. Das weiß ich noch ziemlich genau. Ich war noch Studentin, habe aber bereits bei dpa gearbeitet. Eine Kollegin rief mich gegen Mittag auf dem Handy an (peinlich, ich weiß nicht mal mehr ihren Namen). Ich war gerade in der Stadt einkaufen. Die Kollegin sagte, ich solle nach Hause fahren und das Fernsehen anmachen. Flugzeuge seien ins World Trade Center geflogen. Ich fragte sie noch, ob ich in die Redaktion kommen solle und sie verneinte das.

Ich bin dann tatsächlich nach Hause gefahren und habe den Fernseher angemacht. Und ins Internet bin ich natürlich auch. Da ich ungefähr zwei Jahre vorher oben im World Trade Center war, war es für mich unvorstellbar, dass dieser riesige Komplex plötzlich weg sein sollte. Und diese Menschenmassen, die dort arbeiteten, hatte ich auch noch vor Augen.

Am 12.9. war ich wieder arbeiten und es ging tagelang nur um ein Thema: Den 11. September. Am Abend klingelte dann ein Nachbar von unten an der Haustür, der sich darüber beklagte, dass er hören könne, wenn A. durch die Wohnung läuft. Wir waren gerade in die Wohnung frisch eingezogen. Sie stand vorher monatelang leer. A. hat ihn gefragt, ob er nach dem gestrigen Tag keine anderen Sorgen habe. Er hat sich nie mehr beschwert.

Die Bahn schon wieder

Ich hasse Bahn fahren, ich hasse Bahn fahren, ich hasse Bahn fahren. Weil die „Das geht nicht“-Quote einfach zu hoch ist und die „Da ist uns ein Fehler unterlaufen“-Quote auch. Ich fahre morgen relativ spontan nach Berlin. Also wie gehabt die Mobilitätszentrale online darüber informiert, damit ich in Hamburg und Berlin Ein- und Ausstiegshilfe bekomme. Die Züge sind ja nicht barrierefrei, sonst bräuchte ich das ja nicht tun.

Wenig später nach der Anmeldung: Anruf der Mobilitätszentrale, die definitiv den Namen nicht verdient hat. Am Hamburger Hauptbahnhof würden die Fahrstühle repariert. Bis 17.9. Die Züge nach Berlin fahren auf Gleis 8, da ginge der Fahrstuhl nicht. Eine Alternative ab Hauptbahnhof gebe es nicht. Zug verlegen ginge auch nicht. Mein Vorschlag: Ich steige Hamburg-Dammtor ein. Was blieb mir auch anderes übrig?

Nächstes Problem: Es gibt im gewünschten Zug keinen Rollstuhlplatz mehr. Im Klartext: Da es in dem hochmodernen ICE sowieso nur einen Rollstuhlplatz gibt (außer er fährt mit zwei Zugteilen, dann gibt es zwei), kann ich nicht nur nicht da abfahren, wo ich gerne möchte, sondern auch nicht zu der Zeit, an der ich gerne fahren möchte. Ich muss sagen, die Bahn erwartet schon ziemlich viel Flexibilität von ihren behinderten Kunden.

Fotopool

Scott Rains vom Rolling Rains Report hat bei Flickr einen „Travel with a Disability Photo Pool“ eingerichtet. Sehr schöne Fotos gibt es da.

Harald Schmidt erklärt…

…den integrativen Kindergarten:

„Man unterscheidet nicht mehr zwischen so genannten behinderten und normalen Kindern. Bevor ich sage ‚Toll wie hier integriert wird‘, sage ich lieber, ‚ich habe Gammelfleisch an die Waffen-SS geliefert‘.“

Ich gebe zu, ich habe gelacht.

Persönliche Assistenz

Viele behinderte Menschen greifen zur Unterstützung auf persönliche Assistenz zurück. Ich habe auch jemanden, die mir einmal in der Woche gegen Geld zur Hand geht und all das macht, was ich nicht kann oder mir zu mühsam ist. Hin und wieder muss man sich auch neue Assistenten suchen. Wenn der Assistenznehmer allerdings Stephen Hawking heißt, ist das den Medien schon mal eine Meldung wert.

Und diese Meldung kann man dann auch nicht schreiben, ohne den Lesern mitzuteilen, dass „der Geistesgigant“ „von einer schweren Krankheit gezeichnet“ ist und „seit Jahrzehnten“ im Rollstuhl sitzt (danke, dass wenigstens die „an den Rollstuhl gefesselt“-Floskel weggelassen wurde). Weiter erfahren wir, dass er seit einem Luftröhrenschnitt nicht mehr sprechen kann und sich „über einen Sprachcomputer verständigen muss“. Kann man nicht einfach schreiben, dass er im Rollstuhl sitzt und einen Sprachcomputer nutzt? Diese Dramatisiererei nervt und hat nur einen Zweck: Mitleid erzeugen.

Die wichtigste Information fehlt übrigens in dem Text: Wer sich bewerben will, die Stellenanzeige ist online abrufbar. ;-)

Spiegel Online und die Barrierefreiheit

Spiegel Online hat einen neues Design. Im Gegensatz zum Auftritt von Stern.de, fand das Thema Barrierefreiheit bei Spiegel Online bislang wenig bis keine Beachtung. Der neue Onlineauftritt mit dem Namen Spiegel Online 7.0 ist nun auch nicht gerade das, was man als barrierefrei bezeichnen würde, aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Ich habe mal aufgeschrieben, was mir auf den ersten Blick aufgefallen ist (kein Anspruch auf Vollständigkeit! Habe mir nur das Offensichtlichste herausgegriffen).

Pro Barrierefreiheit

  • Man kann mit Sprachausgabe besser durch die Seite navigieren.
  • Die Strukturierung der Seite wurde verändert. Es gibt Überschriften, das Sprachausgabennutzer die Navigation erleichtert. Warum die Überschriften der Ebene 2 (H2) auf der Startseite nicht genutzt werden, ist nicht ersichtlich.
  • Es gibt Listen an Stellen, an denen es sinnvoll ist. Auch das erleichtert die Navigation.

Kontra Barrierefreiheit

  • Viele Bilder haben keinen Alternativtext.
  • Es gibt viele Links, die nicht eindeutig bezeichnet sind. Sie heißen mehrheitlich „mehr“. Diese Links sind nicht einmal nötig, weil auch die Überschriften verlinkt sind.
  • Labels wären auch nicht schlecht gewesen, zum Beispiel bei der Suche.
  • Sprachauszeichnung fehlt völlig.
  • Auf der Startseite gibt es mehrere hundert Validierungsfehler.
  • Schriftgröße im Internet Explorer ist nicht veränderbar.

Blinkeräder

Es kommt noch der Tag, da wird wegen mir Terroralarm ausgelöst. Nicht wegen blinkender Schuhe wie in diesem Fall, sondern wegen meiner blinkenden Vorderräder.