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Archiv für 30.7.2006

WordPress-Update

Ich habe heute Behindertenparkplatz von WordPress 1.5 auf WordPress 2.0.4 geupdatet – allerdings nicht ohne Probleme. Die neue Version soll 60 (!!!) Sicherheitslücken schließen, hat aber ein paar Kinderkrankheiten, finde ich. Auch das Plugin Ultimate Tag Warrior macht mit der neuen WordPress-Version Probleme. Ich musste es ausschalten, daher gibt es derzeit keine Tags.

Aufgefallen ist mir bislang dies:

  • Es ist mir schleierhaft, warum der WYSIWYG-Editor standardmässig eingeschaltet ist. Man muss auch erstmal darauf kommen, dass man das bei „Benutzer“ umstellen muss.
  • Die Rechte zum Hochladen der Bilder stimmen nicht. Es fehlen Leserechte für „Group“ und „Other“. Ohne eine Änderung wird kein neu hochgeladenes Bild angezeigt.
  • Das Plugin Ultimate Tag Warrior 3.1.4 für WordPress 2.0 verträgt sich offensichtlich nicht mit der neuen Version. Es blockiert das Löschen eines Beitrags und das Laden des Admin-Menüs nach dem Anlegen eines neuen Textes. Ohne UTW funktioniert das alles tadellos. Die Tagcloud habe ich daher auch entfernen müssen, ebenso die Empfehlungen für ähnliche Beiträge.
  • Bilder werden grundsätzlich als Thumbnail eingebunden, außer man ändert das jedesmal beim Hochladen (war wohl schon bei 2.0.3 so?). Wenn jemand weiß, wie ich das umstellen kann, bitte melden.
  • Will man einen Alt-Text schon beim Hochladen eines Bildes einfügen, muss man das Feld „Title“ ausfüllen. Das hat nichts mit dem Attribut „Title“ zu tun und ist daher unglücklich gewählt. Ich hatte den Alt-Text zuerst in „Beschreibung“ eingetragen.

Accessible UK

Karte von London

Die britische Regierung hat einen Dienst im Internet gestartet, der wohl weltweit einmalig ist: Touristen und Einheimische können sich online auf die Suche nach dem nächsten Behindertenparkplatz in 64 Städten des Königreichs begeben. Über die Postleitzahl oder den Orts- und Stadtteilnamen wird man fündig. Der Kartendienst zeigt zudem barrierefreie Tankstellen an (sogar, ob es dort eine barrierefreie Toilette gibt!), wie lange man auf dem welchem Behindertenparkplatz parken darf und wo sich die nächste öffentliche Toilette befindet. Deutschland, bitte nachmachen!

Call a Pizza Komiker

22.00 Uhr: Wir beschließen, etwas zu essen. Die Wahl fällt auch den Bestelldienst Call a Pizza.

22.06 Uhr: Ich bestelle im Internet und erhalte umgehend eine Bestätigungsmail, die Bestellung sei erfolgreich übermittelt.

22.45 Uhr: Von Call a Pizza weit und breit keine Spur.

23.03 Uhr: Ich versuche, den Laden zu erreichen. Der Anrufbeantworter geht ran. Noch bevor die Ansage mit den Öffnungszeiten beendet ist, schmeißt er mich aus der Leitung.

23.04 Uhr: Ich versuche es nochmal, ich kann die Ansage bis zum Ende hören. Danach spreche ich auf den AB und frage, wo unser Essen bleibt. Anschließend drucke ich die Mail aus und will sie faxen mit dem Vermerk „Wo bleibt die Bestellung?“

23.09 Uhr: Zum Faxen komme ich gar nicht. Das Telefon klingelt. Call a Pizza ist dran. Sie hätten „Personalengpässe“. Unsere Bestellung sei „schon auf dem Weg“. Ich erwidere „Schon?“. Der Mensch fragt, wann wir bestellt haben. Ich sage „22.06 Uhr“. Ich weiß das so genau, weil das genau so in der Mail steht. „War das nicht ein bisschen später?“ versucht er zu pokern. Ich sage ihm, dass das genauso in der Mail steht. Man habe „Personalengpässe“, deshalb könne man auch nicht ans Telefon gehen. Ahja.

23.17 Uhr: Das Telefon klingelt. Eine Handynummer erscheint auf dem Display. Ein Mann am anderen Ende fragt, wo denn die Hausnummer 46 sei. Nein, wir wohnen nicht in einer Straße, die irgendwie komisch nummeriert wäre. Ich frage ihn, wo er sich denn befindet und weise ihm den Weg. Er steht fast genau gegenüber. Er versteht meine Beschreibung nicht. Ich nenne ihm die Richtung einer S-Bahnstation. Er kennt die Station nicht. Ich versuche es anders. Er sieht das Haus.

23.20 Uhr: Der Lieferant müsste längst da sein. Niemand klingelt.

23.21 Uhr: Das Telefon klingelt. Der Lieferant fragt, ob es denn wirklich die 46 sei. Mein Name stehe nicht an der Klingel. Ich muss mir das Lachen verkneifen und sage ihm, er soll mal auf das erste Klingelschild schauen. „Achjaaaaaa“, vernehme ich am anderen Ende. Nein, wir wohnen nicht in einem Haus mit 50 Wohnungen und die Klingelschilder sind kontrastreich und taktil erfassbar. Sogar ein blinder Pizzabote könnte bei uns problemlos ausliefern. Über die Gegensprechanlage nennen wir ihm das 5. Stockwerk und weisen ihn darauf hin, dass es einen Fahrstuhl gibt.

Ein paar Minuten später: „5. Stock“ hören wir die Sprachausgabe im Fahrstuhl sagen. Niemand steigt aus. Wir können von unserer Wohnungstür den Fahrstuhl nicht einsehen. Wir warten. „3. Stock“ sagt der Fahrstuhl jetzt und wir hören den Mann laut fragen: „Wo ist das denn jetzt?“ Wir rufen ihm noch einmal „5. Stock“ zu. „Erdgeschoss“ hören wir die Stimme aus dem gleichnamigen Stockwerk ertönen und müssen lachen. Wir warten weiter auf das Essen. Ich begebe mich in Richtung Fahrstuhl, um den verirrten Lieferanten zu suchen.

Endlich erscheint der Fahrstuhl samt Lieferant in unserem Stockwerk. Der Fahrstuhl habe sich selbstständig gemacht und sei einfach so wieder runter gefahren, empört sich der Lieferant. Wir fragen ihn, ob er sicher sei, dass er sich nicht mit dem Po auf das Bedientableau für Rollstuhlfahrer, das weiter unten eingelassen ist, gesetzt hat. An seinem Gesicht erkennen wir, dass es so gewesen sein muss.

Wir bezahlen, kriegen das Essen. Er steigt wieder in den Fahrstuhl. Ich schaue auf die Rechnung. Alles korrekt. Unter der Summe entdecke ich einen Satz, der definitiv beweist, dass das Unternehmen Call a Pizza Humor hat: „Kommt schnell, kommt gut.“

Nicht kommunizieren ist keine Lösung

Ich bekomme ja diverse Einladungen zu mehr oder weniger interessanten Veranstaltungen, Pressekonferenzen und zu anderen, von gut bezahlten Agenturen erdachten Events. Geschätzte 90 Prozent der Veranstaltungen finden bereits in einigermaßen barrierefreien Räumlichkeiten statt – für mich ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich ein bisschen was tut in diesem Land und dass man nicht mehr Wahnwitziges fordert, wenn man erwartet, dass Veranstaltungen barrierefrei sind. Manchmal kommt es vor, dass die erdachten Events an Orten stattfinden, die ich nicht erreichen kann. Im Planetarium in Hamburg zum Beispiel oder auch in Restaurants im Keller etc.

Ich sage diese Einladungen immer ganz nett ab, nicht ohne Begründung. Ich erkläre, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und dass der Ort für mich nicht zugänglich ist, warum das so ist und dass ich deshalb nicht kommen kann. Meistens antworten mir die Einladenden sehr freundlich, entschuldigen sich, lassen sich noch was einfallen, bieten mir einen Redaktionsbesuch an und/oder versprechen, beim nächsten Mal darauf zu achten. Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, ist das sicher alles in Ordnung und ich registriere sehr wohl, dass sich da jemand bemüht.

Ein kleiner Teil reagiert allerdings gar nicht. Ich denke mir dann immer, wie kann man nur glauben, dass Sich-nicht-Mucken, Ducken, Schweigen, Nicht-Kommunizieren die Lösung sein kann? Und das sollen Kommunikationsprofis sein?

Politik und Alltag

Dass die Politik durchaus Einfluss auf den Alltag der Menschen haben kann, ist nicht neu. Die Grünen in Hamburg versuchen gerade mit einem Antrag in der Bürgerschaft meinen Alltag zu ändern. Und den von anderen rollstuhlfahrenden Hamburgern natürlich auch.

Mein Alltag besteht nämlich unter anderem darin, mir genau zu überlegen, wie ich meinen Tag um Toilettengänge herum strukturiere. Der Grund ist ganz einfach: Weil es in Hamburg (und anderswo) so wenig Behindertentoiletten gibt, muss ich mir gut überlegen, wann ich wie lange wohin gehe, damit ich in angemessenen Abständen ein Klo finde. Ich weiß, für die meisten Menschen, die sich zu Fuss fortbewegen, ist das undenkbar. Wer es mal ausprobieren will, kann sich ja mal einen Tag vornehmen, nur dann zur Toilette zu gehen, wenn eine Behindertentoilette in der Nähe ist.

Jedesmal, wenn ich aus den USA zurück komme und ein paar Wochen von dieser Planerei Urlaub hatte, weil es in den USA erheblich mehr Behindertentoiletten gibt als hier, merke ich, wie sehr mich das in Deutschland nervt und Plattenplatz meines Gehirns kostet.

Aber zurück zur Politik: Die GAL-Bürgerschaftsabgeordnete Martina Gregersen hat jetzt einen Antrag in der Bürgerschaft gestellt, bei der Neuausschreibung der Stadtmöblierung (Haltestellen, Mülleimer etc.) doch bitte auch 40 Behindertentoiletten auszuschreiben. Dann wäre das so wie in Berlin: In vielen Gegenden gibt es dort vollautomatische öffentliche Toiletten, die auch noch barrierefrei sind und optisch ins Stadtbild passen. In Hamburg gibt es auch vollautomatische Toiletten (z.B. am Jungfernstieg und an den Landungsbrücken, aber die sind nicht barrierefrei angeschafft worden). Wenn schon die öffentlichen Gebäude nicht immer und Restaurants selten eine Behindertentoilette haben, wäre es hilfreich, wenigstens in der Nähe eine öffentliche Toilettenanlage benutzen zu können. Wenn ich das Konzept der Stadtmöblierer richtig verstehe, kostet die Städte das wenig bis nichts, weil sie mit Werbung auf den Anlagen Geld verdienen.

Wenn Hamburg 40 dieser Toiletten bekäme, würde sich mein Alltag teilweise ändern: Ich könnte länger als drei Stunden in einem Restaurant sitzen und müsste weit weniger planen. Mir fallen auf Anhieb diverse Standorte ein, wo diese Toiletten wirklich nützlich wären – nicht nur für Rollstuhlfahrer.

Aber die Politik entscheidet selten nach Kategorien wie „nützlich“ oder „nicht nützlich“. Insofern rechne ich nicht damit, dass sich mein Festplattenplatz im Kopf demnächst weniger belegt sein wird.

Via hh-heute

Sehr originell, AirAsia

Die Fluggesellschaft AirAsia hat angekündigt, allein reisende blinde, gehörlose und andere behinderte Passagiere nicht mehr zu transportieren. Man habe nicht genug Bodenpersonal, um behinderten Passagieren zu helfen.

Es würde mich nicht wundern, wenn ich demnächst lese:

„Die Fluggesellschaft AirAsia hat angekündigt, Passagiere mit Gepäck nicht mehr zu transportieren. Man habe nicht genug Bodenpersonal, um das Gepäck ein- und auszuladen.“

Und was soll ich bitte von einer Airline halten, die von sich selbst sagt, zu wenig Bodenpersonal zu haben? Klasse Ansage, AirAsia. So verliert man ganz schnell nicht nur die lästigen behinderten Kunden, sondern vielleicht auch ein paar nicht behinderte. Aber wahrscheinlich fliegt ihr sowieso am liebsten ganz ohne Passagiere – da kann man dann auch gleich die Flugbegleiter einsparen.

Die USA in Zahlen

  • 51,2 Millionen Amerikaner leben mit einer Behinderung. Das entspricht 18 Prozent der Bevölkerung.
  • 32,5 Millionen Amerikaner haben eine schwere Behinderung. Das sind 12 Prozent der Bevölkerung.
  • 11 Prozent der Kinder in den USA zwischen 6 und 14 Jahren haben eine Behinderung. Das sind rund 4 Millionen Kinder.
  • 72 Prozent aller Menschen über 80 in den USA haben eine Behinderung, das ist der höchste Anteil verglichen mit anderen Altersgruppen.
  • 20 Prozent aller Frauen in den USA haben eine Behinderung. 17 Prozent der Männer haben behindert. Bei Kindern unter 15 sieht das anders aus: 11 Prozent der Jungen sind behindert, aber nur 6 Prozent der Mädchen.
  • 10,7 Millionen Amerikaner im Alter von 6 Jahren oder älter benötigen persönliche Assistenz bei einer oder mehr Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. beim Baden oder Duschen) oder bei anderen Tätigkeiten (z.B. Telefonieren). Das entspricht 4 Prozent dieser Altersgruppe.
  • 2,7 Millionen Amerikaner, die 15 Jahre oder älter sind, nutzen einen Rollstuhl. Weitere 9,1 Millionen Menschen nutzen ein anderes Hilfsmittel wie einen Stock, Krücken oder einen Gehwagen.
  • 1,8 Millionen Menschen in den USA, die 15 Jahre oder älter sind, können nicht sehen.
  • Eine Million Menschen in den USA, die 15 Jahre oder älter sind, können nicht hören.
  • 2,6 Millionen Amerikaner, die 15 Jahre oder älter sind, haben Schwierigkeiten, weil ihre Aussprache für andere schwer verständlich ist. 610 000 Amerikaner können gar nicht verstanden werden.
  • 14,3 Millionen Amerikaner haben eingeschränkte kognitive Fähigkeiten oder haben eine Lernbehinderung oder eine psychische Behinderung, die ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt. Dies schließt Menschen mit Alzheimer, Depression und geistiger Retadierung ein. Das betrifft 6 Prozent der amerikanischen Bevölkerung.
  • 11,8 Millionen Amerikaner im Alter zwischen 16 und 64 Jahren haben einen medizinischen Grund, der es ihnen erschwert einen Arbeitsplatz zu finden oder weiterhin zu arbeiten. Dies betrifft 6 Prozent der Bevölkerung.
  • 56 Prozent der Menschen in den USA zwischen 21 und 64 haben eine Behinderung und waren im vergangenen Jahr berufstätig. Dabei waren 82 Prozent der Menschen mit einer weniger schweren Behinderung berufstätig, aber nur 43 Prozent mit einer schweren Behinderung. 88 Prozent der nicht behinderten Amerikaner in dieser Altersgruppe hatten im vergangenen Jahr einen Arbeitsplatz.
  • 44 Prozent aller Menschen mit leichteren Behinderungen arbeiten Vollzeit während des ganzen Jahres. Bei nicht behinderten Menschen sind es 53 Prozent, bei Menschen mit schweren Behinderungen sind es 13 Prozent.
  • 33 Prozent der Amerikaner im Alter zwischen 25 und 64 mit leichteren Behinderungen gaben an, ihr Gesundheitszustand sei „sehr gut“ oder „hervorragend“. Nur 13 Prozent der Menschen mit schwer Behinderungen schätzten ihren Gesundheitszustand derart ein. Bei nicht behinderten Menschen waren es 73 Prozent.
  • 22 000 Dollar verdient jemand mit einer leichten Behinderung durchschnittlich im Jahr in den USA. Nicht behinderte Amerikaner verdienen durchschnittlich 25 000 Dollar. Menschen mit schweren Behinderungen verdienen gerade einmal 12 800 Dollar im Jahr.
  • 18 Prozent aller Amerikaner mit leichten Behinderungen haben ein jährliches Haushaltseinkommen von 80 000 Dollar und mehr. 26 Prozent der Menschen ohne Behinderung hat dieses Haushaltseinkommen. Bei Menschen mit schwerer Behinderung sind es noch 9 Prozent.
  • 26 Prozent aller Menschen mit einer schweren Behinderung zwischen 25 und 64 Jahren leben in den USA unter der Armutsgrenze. Bei Menschen mit leichter Behinderung sind es noch 11 Prozent. Bei nicht behinderten Amerikanern sind es 8 Prozent.
  • 60 Prozent der Menschen in den USA zwischen 25 und 64 mit einer leichten Behinderung leben in einer Partnerschaft. Bei nicht behinderten Menschen sind es 68 Prozent. Nur die Hälfte der Menschen mit einer schweren Behinderung leben mit einem Partner.
  • 23 Prozent der Menschen mit einer leichten Behinderung leben allein oder ohne Verwandte. Bei Menschen mit schweren Behinderungen sind es 28 Prozent, bei nicht behinderten Amerikanern nur 19 Prozent.
  • 22 Prozent der Menschen zwischen 25 und 64 mit einer schweren Behinderung haben einen Collegeabschluß. Bei Menschen mit leichten Behinderungen sind es 33 Prozent. Bei Menschen ohne Behinderung 43 Prozent.
  • 36 Prozent der Amerikaner zwischen 15 und 64 Jahren mit einer schweren Behinderung nutzen einen Computer. 29 Prozent nutzen auch das Internet zu Hause. 61 Prozent der nicht behinderten Amerikaner nutzen einen Computer, 51 Prozent auch das Internet.

Quelle: US Census Bureau, Stand: 2002

Via The DisabilityNation Podcast

Körperliche Arbeitsanforderungen

Was man bei der Suche nach seinem Impfpass so alles in alten Ordnern findet… Ich hatte es schon längst vergessen. Unangenehme Dinge vergisst man ja gerne und damals kam ich mir ziemlich machtlos vor. Heute kann ich darüber lachen und darüber bloggen.

Beim Suchen fiel mir ein gelber Zettel ins Auge. „Studentische Hilfskraft gesucht“ steht darauf. Ich hatte ihn fein säuberlich abgeheftet. Die „Zeitschrift für Politikwissenschaft“ suchte 1997 eine studentische Hilfskraft. Zur Tätigkeit steht auf dem Zettel: „Mitarbeit bei verschiedenen redaktionellen Tätigkeiten, z.B. Korrekturlesen, formale Bearbeitung von Rezensionen, Arbeiten mit einer Bücherdatenbank, Erfassen und Bearbeitung von Büchern, allgemeine Bürotätigkeiten, sukzessive Einbindung in alle zur Herausgabe und Koordination der Bibliographie erforderlichen Arbeitsschritte.“

Ich war damals Studentin der Politikwissenschaft und bewarb mich um die Stelle. Hinter dem gelben Blatt mit der Stellenausschreibung entdeckte ich ein Schreiben, über das ich heute laut lachen kann. „Zeitschrift für Politikwissenschaft“ steht auf dem Briefkopf. „Herausgegeben von Klaus Dicke, Eberhard Schütt-Wetschky und Gesine Schwan.“ Gesine Schwan kannte ich damals noch nicht. Ich war selbst überrascht als ich den Namen dort heute entdeckte. Ich nehme aber zur Ehrenrettung der Herausgeber an, dass sie den Brief nicht kannten und nur das Briefpapier dafür herhalten musste.

Unterhalb des Briefkopfs schreibt mir eine promovierte Mitarbeiterin:

„Sehr geehrte Frau Link, wir danken Ihnen für Ihre Bewerbung. Es tut uns sehr leid, Ihnen mitteilen zu müssen, daß wir die ausgeschriebene Stelle aufgrund der körperlichen Arbeitsanforderungen nicht mit einer Rollstuhlfahrerin besetzen können. Wie telefonisch besprochen, senden wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen zu unserer Entlastung zurück. Wir wünschen Ihnen für ihre private und berufliche Zukunft alles Gute.“

Das Schreiben ist jetzt neun Jahre alt und wenn ich meinen Lebenslauf heute rückwirkend betrachte, muss ich einfach ganz unbescheiden lachen. Und noch etwas freut mich: So ein Schreiben schickt heute niemand mehr ungestraft raus. Seit 2001 ist das Ablehnen von behinderten Bewerbern wegen ihrer Behinderung schadensersatzpflichtig. Das (kommende) Gleichbehandlungsgesetz verbietet es ebenfalls. Es gibt natürlich Ausnahmen! Aber dieses Schreiben ist aus heutiger Sicht ein gefundenes Fressen für jeden Juristen und das freut mich sehr! Damals konnte ich juristisch nichts dagegen tun. Ich musste das einfach hinnehmen.

Ich wünsche der „Zeitschrift für Politikwissenschaft“, dass sie unterdessen wenigestens einen behinderten Mitarbeiter hat. Nicht als Wiedergutmachung, sondern aus Einsicht.

Baggerführerschein

Neben uns im Lokal sitzt ein Mann mit einer Frau und baggert sie seit einer Stunde an – ununterbrochen. Mit einem Redefluss, der nicht zuläßt, dass die Frau widerspricht. Wir wissen schon alles aus seinem Leben (er redet nicht gerade leise): Drogen, Frauen, Gewalt… Alles dabei gewesen. Aber er hat auch „viele sehr liebenswerte Eigenschaften“. Ahja.

Tankstellen-Sender-Test

Vor Ewigkeiten hat mir die Deutsche Tamoil ja einen Sender zu ihrem Handi-Bip-System geschickt, mit dem Rollstuhlfahrer Hilfe beim Tanken anfordern können. Heute bin ich endlich mal dazu gekommen, das System zu testen: Mein Tank war leer und ich war im Westen der Stadt. Leider gibt es in Hamburg nur wenige Tankstellen (oder sogar nur eine?), die einen Empfänger zu meinem Sender haben. Ich fuhr zur HEM-Tankstelle in der Kollaustraße und drückte aufs Knöpfchen meines Senders – keiner kam. Ich musste also wohl oder übel den Rolli ausladen und selber tanken.

Ich nahm den Sender mit in den Verkaufsraum und fragte die Angestellte, ob ihr Empfänger defekt sei. Im Laden reagierte der Empfänger. Wenn jemand Hilfe anfordert, blinkt ein gelbes Licht im ganzen Laden. Echt gut gemacht, muss ich sagen. Nur draußen wollte der Empfänger einfach nicht reagieren. Damit ist das System natürlich sinnlos. Die Frau an der Kasse entschuldigte sich vielmals und wir testeten das System noch ein bisschen. Wenn ich im Laden stand, ging es, wenn ich an den Zapfsäulen war, nicht. Sie versprach, ihren Chef zu informieren, damit das repariert wird. Ich probier es in ein paar Wochen wieder. Das System ist sehr praktisch für mich, zudem war die Verkäuferin wirklich nett und preiswert ist die Tankstelle außerdem.