Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Archiv für 28.10.2005

Arbeitet Google an der Barrierefreiheit?

„Die Seite hat 20 Überschriften“, sagte JAWS, die Sprachausgabe, die die meisten Blinden weltweit nutzen, heute nachmittag als man bei Google eine Seite mit Suchergebnissen bekam. Das war das erste Mal, dass wir das beim Besuch der Google-Seite hörten. Und tatsächlich, im Quelltext befanden sich H3-Tags.

Bislang war die Seite nämlich recht unstrukturiert, wenn man mit Sprachausgabe darauf navigierte. Viermal „TAB“ musste man drücken, um zum nächsten Suchergebnis zu kommen. Mit der neuen Strukturierung war die Werbung problemlos zu überspringen und die Überschriften der Suchtreffer konnte man gezielt anspringen und vorlesen lassen, in dem man einfach „H“ drückte.

Die Freude hielt aber nicht lange an. Seit heute abend sind die Überschriften wieder verschwunden. Aber scheinbar macht sich jemand bei Google ernsthaft Gedanken über die Barrierefreiheit. Also bitte liebe Googler, baut die H-Tags wieder ein! Ist ne gute Idee.

Ich bin dabei

Logo Les Blogs 2.0

Danke für den Tipp, Jochen!

Fünf Fragen am 26. Oktober

Gimme5

1. Hast Du Angst vor der Vogelgrippe?
Nein, nicht richtig.

2. Meinst Du, sie kommt nach CH/D/AT?
Vielleicht.

3. Hast Du gefiederte Haustiere?
Nein.

4. Verfolgst Du das Thema in den Medien?
Man kommt ja nicht drum herum. Aber ich suche nicht gezielt Informationen danach. Als ich am Flughafen in Hamburg ankam, war ich schon überrascht, dass überall Warntafeln hingen. Man kriegt ja maches nicht so richtig mit, wenn man im Urlaub ist.

5. Wie könnte man Deiner Meinung nach die Vogelgrippe eindämmen?
Keine Ahnung. Ich hatte nur Bio-LK, um mich vor Mathe im Abi zu drücken. :-)

Barrierefreies Zimmer und ein Brief

Nach unserer 13-stündigen Zugfahrt von Toronto nach New York waren wir froh, endlich im Hotel zu sein. Wir hatten ein anderes Hotel gebucht als am Anfang unseres Urlaubs. Es lag in Jersey City, auf der anderen Seite des Hudson River. Wir konnten vom Hotel aus, die Skyline New Yorks sehen.

Ich hatte das Hotel online auf der Website der Kette Candlewood Suites gebucht. Zu meiner großen Freude waren sogar die barrierefreien Zimmer online buchbar. Ich wählte es aus, buchte und bekam sofort eine Mail mit der Buchungsbestättigung. Auch der Zimmertyp „Wheelchair“ wurde mir bestätigt. Alles perfekt, dachte ich.

Als wir also total müde im Hotel ankamen, stellte sich heraus, dass sie unser Zimmer aus Versehen an nicht behinderte Gäste vergeben hatten. Sie konnten uns nur ein nicht barrierefreies Zimmer geben. Ich schaute mir das Zimmer an und stellte fest, dass ich nicht einmal zur Toilette kam. Unakzeptabel für mich – nicht mal für eine Nacht! Sie zeigten uns ein anderes Zimmer. Das gleiche Problem. Und immer wieder die Anmerkung der Hotelangestellten: „Die barrierefreien Zimmer sind belegt. Ich kann Ihnen nicht helfen.“ Ich ließ mich aber gar nicht aus der Ruhe bringen und sagte ihr, dass ich bereit bin, Kompromisse einzugehen, aber sicherlich nicht auf eine Toilette verzichte. Wie sollte das auch gehen? Sie habe das Problem verursacht, nun solle sie es auch lösen.

Sie sagte mir, dass alle Hotels in der Umgebung ausgebucht seien. Habe ich alles geglaubt, interessierte mich nur nicht. Denn ich wollte ja nicht wissen, wo wir nicht schlafen, sondern wo doch. Wir blieben hartnäckig, setzten uns in die Lobby. Abgesehen davon wussten wir auch nicht, was wir sonst hätten tun sollen. Es war nach Mitternacht, wir waren spät angekommen und zudem bereits fast eine Stunde auf „Zimmer anschauen“-Tour gewesen.

Als sie merkten, dass wir es wirklich ernst meinen, kam Bewegung in die Sache. Ich war gespannt, was sie sich einfallen ließen. Ich tippte auf Umzug in ein anderes Hotel einer anderen Kette. Auf die eigentliche Lösung wäre ich allerdings nicht gekommen: Sie riefen den Gast im barrierefreien Zimmer an (es war 0.30 Uhr!) und baten sie, umzuziehen. Und die Frau erklärte sich dazu bereit. Was ein Glück für uns – wir waren echt froh!

Ich wunderte mich die ganze Zeit über das etwas „unamerikanische Verhalten“. Da brauchte man nicht mal das Amerikanische Antidiskriminierungsgesetz für bemühen – es war klar, dass ich ein Recht darauf hatte, ein barrierefreies Zimmer zu beziehen – bei dieser eindeutigen schriftlichen Buchungsbestätigung. Ich nahm mir vor, von zu Hause aus dem Management der Kette eine Mail zu schreiben, aber sie kamen mir zuvor.

Als wir abends zurück kamen, fand ich einen dicken Brief unter unserer Tür. In einem einseitigen Brief entschuldigte sich das Hotel bei uns in aller Form. Sie hatten ihren Fehler eingesehen und auch verstanden, dass ich nicht auf ein Fenster mit Meerblick bestehe, sondern darauf, meinen Grundbedürfnissen gerecht zu werden. Zusätzlich befanden sich in dem Brief fünf Gutscheine mit Punkten für das Kundenprogramm der Kette. Wir waren versöhnt!

Das Hotel kann ich übrigens empfehlen. Es liegt direkt an einer U-Bahnstation, die einen in 10 Minuten nach Manhattan bringt. Ein Einkaufszentrum mit Kino ist auch in der Nähe und die Zimmer sind groß mit eigener Küche. Die barrierefreien Zimmer sind übrigens wirklich barrierefrei.

Bye bye NYC

Skyline New York

Abenteuerreise

Bis jetzt verlief unsere Reise ja ohne größere Zwischenfälle, aber seit gestern abend ist irgendwie der Wurm drin. Gegen 22.30 Uhr ging der Feueralarm in unserem Hotel los. Unser Zimmer war im 11. Stock – definitiv ein paar Stockwerke zu viel, um auf dem Po die Treppe runter zu rutschen. Ich rief die Rezeption an, die mir sagte, ich solle runter rennen. Ich erklärte der Frau, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und nicht runterkomme. Sie sagte nur immer wieder, dass die Feuerwehr gleich da ist. Wir nahmen schnell unsere Pässe, füllten die Badewanne mit Wasseer. Aus den 30 oberen Stockwerken liefen die Leute halb nackt, im Bademantel und in Panik ins Treppenhaus. Wir wussten unterdessen, dass es im Keller brennen sollte und entschlossen uns, nicht ins Treppenhaus zu gehen. Wir fürchteten, dass das Feuer schneller oben ist als wir unten. Unser Zimmer war aber in der Nähe eines Feuerwehrfahrstuhls. Zusätzlich rief ich A.s Cousine an, die 10 Minuten vorher bei uns war und eigentlich nach Hause wollte. Die Rezeption war nicht mehr zu erreichen. Sie versprach umzukehren und der Feuerwehr zu sagen, dass wir oben sind.
Irgenwann wurde der Alarm aufgehoben. Keine Ahnung, ob es überhaupt ein Feuer gab. Die Szenen vor unserer Tür erinnerten mich aber stark an Szenen aus dem Titanic-Film…

Jetzt sitze ich gerade im Zug zwischen Toronto und New York und warte seit 45 Minuten auf die Putzkolonne. Der Zug steht im Bahnhof von Albany. Dort wird die Lok abgekoppelt und das Licht ist für eine Weile weg. Irgendjemand hat sich in der Dunkelheit nicht auf die Toilette getraut und hat in den Flur gemacht. In unseren Wagen. Wir gehen ein… Aber sonst ist alles in Ordnung. :-)

Toronto Harbour Front

Steg am Wasser

Blinde im Angebot

Schild 50% off All Blinds

Willkommen in Toronto

Wolkenkratzer in Toronto

Endlich Sonne nach dem sintflutartigen Regen in New York.
Das erste Mal Zug in den USA gefahren sind wir unterdessen auch. Amtrak taugt aber definitiv nicht als gutes Beispiel für Barrierefreiheit.

Kommentare deaktiviert

Sorry Leute, auch wenn ich Eure Diskussion damit unterbreche, aber es rollt eine Spamlawine über dieses Blog und ich möchte meinen Urlaub anders verbringen als mit Spam löschen. Deshalb bleibt die Kommentarfunktion bis zu meiner Rückkehr ausgeschaltet.