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Archiv für 29.9.2005

Harald Schmidt ist Deutschland

Harald Schmidt hat in der heutigen Sendung seinen Beitrag zu „Du bist Deutschland“ geleistet – abgesehen davon, dass er in einem der Spots zu sehen ist:

Mercedesstern und Schriftzug Du bist gefeuert

Flickr-Account-Besitzer dürfen das Bild gerne in den Pool hochladen.

An den Rollstuhl gefesselt

Das Magazin V.i.S.d.P. hat dpa, AFP, die Tagesschau, Blitz und taz nach Wörtern gefragt, die Journalisten lieber nicht benutzen sollten – und warum nicht. Und was lese ich da: „An den Rollstuhl gefesselt“. Dass ich das noch erleben darf! Ich hoffe, die Liste hält Einzug in Redaktionen. Zumindest dient sie hervorragend als Quelle, wenn wieder einer meint, sich dieser Floskel bedienen zu müssen.

Mit der Formulierung „an den Rollstuhl gefesselt“ wird die Bewertung nämlich gleich mitgelierfert: Ist alles ganz schlimm. Und das ist einfach nicht richtig. Ein Rollstuhl sichert mir und anderen meine Mobilität. Er gibt mir Freiheit und ermöglicht mir die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Niemand würde von sich behaupten, er sei an sein Auto gefesselt. Und trotzdem sind viele Leute darauf angewiesen. Die meisten finden das aber ganz normal – so wie ich es normal finde, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein.

Aber ein Wort habe ich in der Liste vermisst: Taubstumm. Ich werde es nachreichen.

Österreich in der Tagesschau

Wenn es eine Meldung zu Österreich in die Tagesschau schafft, ist leider meist etwas Tragisches passiert: Tunnelbrand oder irgendwas mit einer Seilbahn. Dass die Österreicher es mal mit dem Thema Gleichberechtigung in die Tagesschau schaffen, grenzt schon an ein Wunder. Immerhin heißen da manche Politikerinnen noch „Frau Landeshauptmann“.

Aber wenigstens sollen jetzt Österreichs Töchter in der Hymne angemessen gewürdigt werden und deshalb muss das Lied vom „Land der Berge“ neu gefasst werden. Jetzt sind die Österreicher also auch schon bei der Gleichberechtigung zumindest musikalisch weit vorne. Auch der „Stern“ titelte im Juni (zumindest in Österreich): „Warum Österreich Spitze ist“. Und da war von der Umdichtung der Hymne noch gar keine Rede! Wir müssen da dringend aufholen. Bei uns ist in der Hymne auch nur von Brüderlichkeit und Vaterland die Rede. Wir könnten damit anfangen, dass Angela Merkel demnächst nicht Bundeskanzlerin, sondern Frau Bundeskanzler ist – wenn sie es denn dann wird.

Du bist Deutschland

Logo Du bist Deutschland

Du bist Deutschland. Deutschland soll ich sein? Ich dachte, ich sei das Schaschlik.

Eines hat die Kampagne aber schon erreicht: Kreativen Protest. Auch aus den eigenen Reihen. Und dann auch noch zwei Mal.

Beule

Manchmal frage ich mich wirklich, warum es diese Typen immer auf mich abgesehen haben. Ein Mitglied der Gattung „Durchgeknallt“ (jaja, ich weiß, das ist nicht politisch korrekt) hat mir heute schön den Abend versaut. Ich war im Bus unterwegs als ein kleinwüchsiger Mann einstieg. Er konnte nicht so gut gehen und ich sagte A., dass er zum Fenster durchrutschen soll, damit sich der Mann hinsetzen kann. Ich stand auf dem Rollstuhlplatz mit dem Gesicht nach vorne in Fahrtrichtung. Hinter mir standen einige Leute. Ich las in einem Buch.

Der Mann war so groß wie ich im Sitzen ungefähr. Er setzte sich nicht, sondern stellte sich zwischen mich und den leeren Sitz. Dabei klemmte er mir die Hand ein, weil er sich an die Stange lehnte, an der ich mich festhielt. Ich wies ihn darauf hin, er reagierte nicht.

Stattdessen begann er vor sich hin zu faseln – immer lauter. Redete über die Linkspartei, regte sich auf, schimpfte rum. Ich beachtete ihn gar nicht mehr, sondern las in meinem Buch weiter. Irgendwann muss der Typ sich in Richtung Tür bewegt haben. Ich hatte nicht darauf geachtet. Plötzlich schlug mir jemand mit einem stumpfen Gegenstand auf den Hinterkopf. Mit voller Wucht. Ich war erst ganz benommen, reagierte dann aber erstaunlich wach und rief: „Der Mann hat mich geschlagen.“ Es war mir sofort klar, wer das gewesen sein musste. Und tatsächlich, der Typ, der vorhin noch vor sich hin laberte, stand jetzt hinter mir.

Ein Soziologe hätte an der Reaktion der Fahrgäste seine helle Freude gehabt. Alle starrten ihn und mich an. Keiner sagte was. Ich hielt mir den Hinterkopf, an dem sich eine schöne Beule bildete. Plötzlich sagte einer: „Das hat der Mann bestimmt nicht absichtlich getan.“ Klar, behinderte Menschen sind nicht böse. Der kleinwüchsige faselnde Mann natürlich auch nicht. Mir war angesichts der Wucht, mit der mich der Gegenstand traf, völlig klar, dass der nicht mal eben so und ganz aus Versehen berührt hat. Die Antwort auf die Frage Absicht – Ja oder Nein? gab der Typ dann selbst: Er lachte sich kaputt und stieg sofort aus dem Bus aus, der gerade an der Haltestelle hielt.

Liebe emotionale Geisterfahrer dieser Welt, haltet doch bitte Abstand von mir. Faselt so viel ihr wollt. Brabbelt vor Euch hin. Lauft auf den Händen. Malt Euch grün an. Ist mir alles egal, aber schlagt mich nicht und labert mich auch nicht an. Ich merke nämlich zunehmend, dass meine Toleranz bei Euch gegen 0 tendiert je mehr ich von Euch treffe. Ich weiß, viele sind psychisch krank. Kann ich alles verstehen. Und ich kann auch über vieles hinweg sehen. Aber irgendwann ist auch mal gut und ich bin bedient.

An allen Leuten laufen diese Menschen vorbei. Sie reden vor sich hin, verhalten sich vielleicht merkwürdig. Ich versuche, sie so gut es geht zu ignorieren. Sie ignorieren mich aber nicht. Sie fassen mich an und sie freuen sich, dass sie jemand gefunden haben, den sie in ihrer Hierarchie noch weiter unten als sich selbst sehen. Das zeigen sie mir dann auch. Das, was der Typ im Bus abgezogen hat, ist natürlich eine Ausnahme. Aber ich weiß genau, der nächste dieser Zeitgenossen wird es nicht leicht haben mit mir. Da hilft auch kein „Der kann nix dafür“-Denken. Grenzübertritt bleibt Grenzübertritt.

Einladung zum Mittagessen

Ich hatte die Einladung zum Presselunch schon zugesagt. Der Ort stehe noch nicht fest, sagte man mir. Man sei noch auf der Suche nach einem geeigneten Restaurant. „Achten Sie doch bitte darauf, dass das Restaurant stufenlos zu erreichen ist“, bat ich. „Ich bin Rollstuhlfahrerin.“ Stille auf der anderen Seite. Dann: „Ach, dann nennen Sie uns doch einfach ein Restaurant. Wir richten uns dann ganz nach Ihnen.“

Gut. Nett. Professionell reagiert. Da habe ich doch gerne eine Liste mit einigen barrierefreien Restaurants zusammen gestellt. Bin mal gespannt, wofür sie sich entscheiden. :-)

Exquisiter Rollstuhlplatz

Blick auf eine Säule
Blick vom Rollstuhlplatz der TriBühne Norderstedt. Gut, wenn man einen Freund hat, der blind ist und der gerne den Platz tauscht. :-)

Politiker-Gebärden

Der gehörlose Mediengestalter Lucas Kollien hat der ZEIT die Namensgebärden von Politikern gezeigt. Schade, dass er sie nicht auch gleich selbst gezeichnet hat. Kann Lucas nämlich auch perfekt.

(via Outsider in Strausberg)

Labrador Lounge

Foto zeigt Schriftzug Labrador Lounge
Labradour Lounge von Lycos.

Das Parken auf Behindertenparkplätzen

… ohne Ausweis kann teuer werden. Besonders dann, wenn man beim Ausparken das Auto auf dem Behindertenparkplatz daneben mitnimmt, die Polizei rufen muss, weil die Halterin nicht zu finden ist und jetzt für die Reparaturkosten aufkommen muss. Bussgeld folgt ebenfalls. Kleine Sünden werden eben manchmal sofort bestraft. Mir wäre es allerdings recht, wenn beim nächsten Mal nicht mein Auto dazu benutzt würde, Falschparker zu bestrafen. Jetzt muss mein Auto wieder in die Werkstatt.

Aber ich bin ziemlich sicher, dass die Falschparkerin das letzte Mal in ihrem Leben auf einem Behindertenparkplatz geparkt hat. Das schlechte Gewissen war am Telefon unüberhörbar…