Archiv für 20.6.2005

Wieder versöhnt

Ich bin wieder versöhnt mit Vodafone, auch wenn ich wieder eine SMS bekam, dass man den alten Tarif gebucht habe. Aber diesmal war ein sehr fähiger Mitarbeiter an der Hotline, der sich den Vorgang ansah und sich erst einmal entschuldigte. Ich merkte gleich, der hat kapiert, worum es geht: Kundin will Geld loswerden und Vertrag verlängern, aber keiner fühlt sich dafür zuständig und ständig bucht jemand etwas falsches ohne das Handy zu verschicken.

Eben rief er mich zurück. Er habe mit der Abteilung, die es verbockt hat gesprochen. Das Handy werde heute verschickt, der UMTS 200-Tarif sei gebucht und wegen des Stresses schreibt er mir 50 Euro gut. Da hat wirklich jemand kapiert, was es heißt, Beschwerden zu nutzen und Kunden zu binden.

Behinderter Tarifwechsel

Ich bin seit Ewigkeiten eine ansich zufriedene Vodafone-Kundin. Schon während meines Studiums wechselte ich zu Vodafone und angesichts meines schmalen Studentenbudgets entschied ich mich für den „Aktion 80“-Tarif. Das ist ein Sondertarif für behinderte Kunden. Eigentlich mag ich keine Behindertenermässigungen, aber meine Haushaltskasse siegte über meine Prinzipien.

Nachdem Vodafone nun endlich mein Wunschhandy im Angebot hat, habe ich mich entschlossen, mir ein UMTS-Handy zu kaufen und einen UMTS200-Tarif abzuschließen. Das ist eine Flatrate mit 200 Inklusivminuten. Ich hatte mir vorher an der Kundenhotline anhand meiner Rechnung ausrechnen lassen, dass das für mich billiger ist als beim „Aktion 80“-Tarif zu bleiben, da ich viel im Ausland bin. Außerdem wollte ich, angesichts verbesserter Haushaltslage, den Behindertentarif endlich loswerden.

Ich bestellte vor zwei Wochen das gewünschte Handy im Internet und wechselte den Tarif. Zwei Tage später erhielt ich eine Mail, dass der Auftrag storniert wurde. Ich hätte „Sonderkonditionen“. Eine Bestellung über das Internet sei nicht möglich.

Ich rief also die Hotline an und man erklärte mir, dass es an dem „Aktion 80“-Tarif liege. Ich müsse erklären, dass ich trotz Anspruch darauf verzichte. Dass die Vergünstigung bei meiner Art von Umsätzen gar keine ist, spielte keine Rolle. Man werde mir ein Formular zufaxen, aber es passierte nichts. Man rief mich auf dem Handy an und bedauerte, dass dieser Fall nicht vorgesehen sei. Dementsprechend habe man dafür auch kein Formular. Ich solle einen Brief schreiben und erklären, dass ich auch den Sondertarif verzichte, welchen Tarif ich stattdessen möchte und welches Handy man mir zuschicken soll. Ich war zwar nicht begeistert, aber auch das tat ich und faxte es in die zuständige Abteilung. Daraufhin passierte nichts. Ich rief also wieder an. Man bat mich, den Brief abermals zu faxen. Zur Kontrolle rief ich einen Tag später an und fragte, ob jetzt alles in die Wege geleitet ist. Das wurde mir zugesichert und ich erwartete heute das Handy per Post. Aber da hatte ich die Rechnung ohne Vodafone gemacht.

Heute bekam ich eine SMS. Man habe meinen Vertrag verlängert. Ich erhalte nun den Classic-Tarif. Den hatte ich aber gar nicht bestellt. Ich rief wieder bei Vodafone an und erklärte, dass ich seit fast zwei Wochen versuche, ein Handy der oberen Preiskategorie und eine Flatrate bei ihnen zu buchen, ich aber den Eindruck hätte, dass sie mein Geld nicht möchten. Die Mitarbeiterin schaute in meinen Datensatz. Dort war vermerkt, dass ich den UMTS-Tarif nicht buchen könne, da ich kein Handy bestellt hätte. Natürlich hatte ich ein Handy bestellt – zwei Mal per Fax in dem gleichen Schreiben, in dem ich den Tarif bestellt hatte. Ich bat die Mitarbeiterin inständig, mir jetzt endlich das Handy zuzuschicken und den Tarif zu buchen. Doch ich wurde wieder enttäuscht. Die zuständige Abteilung habe bereits Feierabend. Es war nicht einmal 17 Uhr, glaube ich. Sie könne sich frühstens am Montag um meine Angelegenheit kümmern. Aber immerhin hatte sie das Fax vorliegen, aus dem hervorgeht, dass ich das Handy bereits zwei Mal bestellt habe.

Ich harre nun der Dinge die da kommen. Wenn ich Pech habe, bekomme ich nächste Woche drei Handys geschickt. Wer einmal bei Vodafone als behindert registriert ist, kommt aus der Nummer so leicht nicht mehr raus. Wie das wohl mit anderen Randgruppen ist? Schließlich gibt es auch Journalistentarife. :-)

Selbsthilfegruppen und die Pharmaindustrie

Wer sich mal aufmerksam bei den verschiedenen Selbsthilfegruppen umsieht, wird auf einige stossen, deren Freundschaft zu Pharmaunternehmen fast schon peinlich ist. Jetzt hat „Die Zeit“ das Thema entdeckt und ganz gut beschrieben, wie das Geschäft läuft.

Den meisten Pharmaunternehmen passt das soziale Modell von Behinderung übrigens auch nicht ins Konzept und dementsprechend tun sich auch die Selbsthilfegruppen schwer damit.

Bloggernachwuchs

Herzlich willkommen Lyn Elisabeth!

Die besten Wünsche für die ganze Familie… :-)

Blindenverbände entdecken Blogs

Ich habe den Blindenverbänden Unrecht getan, denn heute lese ich im Newsletter des Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) einen Hinweis auf das Blog von Ministerin von der Leyen:

„Im Internet gibt es seit einiger Zeit sogenannte „Weblogs“ (Logbücher im Netz), in denen Privatpersonen mit Politikern über bestimmte Themen diskutieren können. Seit kurzem ist auch ein Blog-Forum von Frau von der Leyen vertreten.“

In Blogs diskutieren Privatpersonen mit Politikern?!

Davon muss ich mich distanzieren:
Kein Politikerblog

Verrückte Tage bei Renault

Bestimmt fanden es die Leute in der Werbeagentur extrem lustig, als sie die „verrückten Tage bei Renault“ mit dem wenig lustigen Spot erfanden. Der Spot mache sich massiv über psychisch kranke Menschen lustig und stelle psychische Krankheiten in völlig inadäquater Weise dar, lese ich heute in einer Mailingliste. Tsja, werben will gelernt sein.

Sehen, Hören, Gehen, Fliegen

Ich habe den Barrierekompass früher gerne gelesen. Aber in letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl, dass es besser wäre, die Seite nicht mehr zu besuchen. Ich ärgere mich zu sehr. Nämlich über das defizitorientierte Bild behinderter Menschen, das da verbreitet wird.

Erst wird das Cochlea Implantat hochgejubelt, heute lese ich, dass sich die Blinden auf ein Retina Implantat freuen dürfen. Nichts neues. Aber wahrscheinlich laufen die Forschungsprojekte gerade wieder aus. Da muss man eben Klappern für sein Handwerk. Nur die bösen behinderten Menschen wollen einfach die Technik nicht akzeptieren, die die Damen und Herren Forscher sich so für sie ausdenken.

Solch ein defizitorientierter Blickwinkel hat wenig mit Barrierefreiheit zu tun. Die beginnt nämlich im Kopf. Man kommt sich ziemlich „reparaturbedürftig“ vor, wenn man die Lobeshymnen auf die Forschergilde liest. Ständig werden neue Techniken präsentiert, die angeblich das Sehen, Hören, Gehen ermöglichen. Gut, nicht so richtig. Und auch erst in 10 Jahren. Aber immerhin. Die Behinderten dürfen sich freuen!

Aber wer mit Barrierefreiheit auf Dauer punkten (und Geld verdienen) will, muss das soziale Modell von Behinderung verstanden und verinnerlicht haben. Nicht die Behinderung ist das Problem. Die Umgebung. Die fehlende Barrierefreiheit. Die Barrieren in den Köpfen. Das medizinische Bild von Behinderung geht von einem Defizit aus, das entfernt werden muss. Waghalsige Heilsversprechen dank moderner Technik leisten dem Vorschub. Ich kann es einfach nicht mehr hören. Mit dieser Einstellung hält man behinderte Menschen wenig selbstbewusst und klein. Ihr müsst alle nur warten, bis ihr wieder sehen, hören, laufen könnt. Dann müssen wir uns auch nicht mehr um die Barrierefreiheit kümmern. Es ist völlig falsch zu glauben, Behinderung und Krankheit seien ausrottbar. Und längst nicht alle behinderten Menschen sitzen zu Hause und warten auf die „Heilung“. Hinzu kommt, dass die meisten Heilsversprechen bislang nicht eingelöst wurden . Sie erfüllen derzeit nur einen Zweck: Sie verkünden die Botschaft „Behindert sein ist schrecklich“.

Und weil ich mich über das Bild behinderter Menschen in den klassischen Medien schon genug ärgere, das ständig impliziert, mit mir und allen anderen behinderten Menschen wäre etwas nicht in Ordnung, verzichte ich jetzt wenigstens auf den Inhalt, den ich mir per RSS ins Haus hole und der mir allwissend mitteilt, dass ich bald gehen, mein Lebensgefährte bald sehen und mein Freund bald hören kann. Ich wäre schon froh, wenn einige Menschen mehr nachdenken würden. Aber das dauert vielleicht auch „fünf, zehn oder fünfzehn Jahre“.

Sozialministerin bloggt

Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist unter die Blogger gegangen. Bei Focus Online führt sie seit vergangener Woche ihr Blog «Menschlich gesehen».

Von der Leyen machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen, weil sie in Niedersachsen die Abschaffung des Blindengeldes vorantrieb.

Während im ganzen Land Unternehmen in Seminare strömen, um zu lernen wie sie mit den Bloggern umgehen oder Blogs für sich nutzen, interessieren sich die Blindenverbände für das Blog der Ministerin gar nicht. Auch ein Gegen-Bloggen ist nicht geplant. „Was sind Blogs? Was geht das uns an?“ „Ja, man kann die Einträge kommentieren.“ „Man könnte auch was zum Blindengeld schreiben. Oder einen Trackback schicken.“ Aber da stellen sich die Blindenverbände taub. Die Ministerin muss sich also vor nichts fürchten…

Qual der Wahl

Sieben Fragen zum Thema Wählen von cult7:

1. Wahlen in Deutschland 2005 sind …
nicht die schlechteste Idee.

2. Wahlen generell sind …
Basis der Demokratie.

3. Gehst Du wählen?
Ja, immer wieder gerne. Ich habe sogar an der Sozialwahl teilgenommen.

4. Der Mein Wunschkanzler 2005 ist …
Horst Seehofer in einer schwarz-grünen Regierung.

5. Die Wunschkanzlerin 2005 ist …
Alice Schwarzer.

6. … das alles und noch viel mehr, würd’ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär! Und was würdest Du tun?
Steuer(mit)finanziertes Sozialsystem schwedischer Art einführem, Barrierefreiheit für alle verpflichtend machen, für Assistenzsicherung sorgen, einkommensabhängige Bußgelder norwegischer Art einführen, ein Antidiskriminierungsgesetz schaffen, Sonderschulen und Heime schließen… Ich könnte jetzt endlos schreiben. :-)

7. Was ist wirklich wichtig?
Frieden.

Barrierefreies Bauen

Eine Stange ist vor dem Boden eines Fahrstuhls montiert

Das Foto ist aus einem Fahrstuhl am Flughafen Hamburg aufgenommen. Da hat man sich jetzt etwas ganz Innovatives einfallen lassen, um zu verhindern, dass die Passagiere mit den Gepäckwagen überall hinkommen. Die Stange erfüllt ihren Zweck: In den Fahrstuhl kommen sie jetzt jedenfalls nicht mehr. Dass aber auch Rollstuhlfahrer die Fahrstühle benutzen möchten – dieses kleine Detail kann man dann auch mal übersehen, wenn es um den Kampf gegen die Gepäckwagen geht.

„Mit Eröffnung des neuen Terminals gibt es jetzt viel mehr Gepäckwagen als vorher“, erklärte mir ein Flughafenmitarbeiter, der auch so nett war, die Fahrstuhltür für das Foto aufzuhalten. Der Flughafen wolle nicht, dass die Gepäckwagen mit nach unten genommen werden. Die Stange kann man bei Bedarf aus dem Boden nehmen. Dass das aber längst nicht jeder Rollstuhlfahrer kann und das auch nicht wirklich etwas mit barrierefreiem Bauen sondern mit Barrieren aufbauen zu tun hat, scheint den Flughafen nicht zu stören.

Sollte die Stange die Gepäckwagenfetischisten nicht abhalten, den Gepäckwagen immer und überall im Flughafen zu nutzen, habe man sogar vor, die Stange richtig festzuschrauben, sagte mir der Mitarbeiter. Dann müssen Rollstuhlfahrer, um fliegen zu können, Fliegen lernen – nach unten zum Gepäckband.

Seit rund 10 Jahren fliege ich regelmässig ab Hamburg und konnte vom Flugzeug barrierefrei zum Gepäckband rollen. Seit letzter Woche geht das nicht mehr. „Am neuen Terminal sind die Stangen noch nicht installiert“, sagte mir der Mitarbeiter. Mal sehen, ob ich das mit einem netten Brief an den Flughafen verhindern kann. So können sie ihr Gepäckwagenproblem, das sie selbst verursacht haben, jedenfalls nicht lösen.