Archiv für 13.3.2005

Fünf Fragen am 13. März

Gimme5

1. Wie bist du auf Gimme5 gekommen?
Über einen anderes Blog. Welches habe ich vergessen.

2. Magst du die Fragen?
Meistens.

3. Was würdest du anders machen?
Trackbacks möglich machen und RSS anbieten. Dann vergesse ich Gimme5 nicht manchmal.

4. Machst du die Gimme5 regelmässig?
Ja, wenn ich es nicht vergesse oder ich die Fragen nicht mag.

5. Ein Wort an die gimme5 betreiber…
Macht weiter so. Ich finde die Idee super.

Zurück von der CeBIT

Von der CeBIT habe ich die ersten Tage gar nichts mitbekommen. Ich bin im Pressezentrum von einer Pressekonferenz zur nächsten geflitzt. Dass um mich rum eine Messe tobt, war mir zwar bewusst, aber gemerkt habe ich es nicht. Deshalb bin ich auch gleich einen Tag länger geblieben. Denn mehr als zwei Hallen wollte ich schon gesehen haben.

Es war zwar ziemlich stressig, aber es hat großen Spaß gemacht, von so einem Event zu berichten (einige meiner Texte finden sich im Textlog). Natürlich habe ich auch jeden Tag ein bisschen die Welt verändert… :-) Ich finde jedesmal schön, wenn ich die Gesichter der Unternehmenssprecher und PR-Leuten sehe, die mich nur vom Telefon kennen, und dann, wenn ich mich vorstelle, wahrnehmen, dass ich Rollstuhlfahrerin bin. Einige lassen sich nicht aus dem Konzept bringen – professionell eben – und anderen entgleiten alle Gesichtszüge. Aber alle waren freundlich, respektierten mich und es ist mir immer gelungen, ihnen die Unsicherheit zu nehmen. Das kann ich eigentlich ganz gut. Andere entschuldigen sich für die Stufe zum Stand und versprechen für das kommende Jahr Besserung. Wenn nur einer davon, sein Versprechen hält, wäre schon viel gewonnen. :-)

Ich hatte eine Einladung zur Verleihung der Dance Music Awards. Zwar kam ich nicht auf die VIP-Tribühne.

Publikum bei den Viva Dance Music Awards

Aber es gab erhöhte Plätze für Rollstuhlfahrer. Wow! Ich habe die zwar nicht genutzt, weil ich lieber mit B. unten getanzt habe und über die Leinwände gut auf die Bühne sehen konnte. Aber ich fand es schon klasse, dass es das ganz selbstverständlich gab. Und auf der VIP-Party war ich nicht die einzige Rollstuhlfahrerin. Das hat mir nach dem Erlebnis der vergangenen Woche richtig gut getan. Da habe ich dann auch gerne der Kollegin die Frage beantwortet, wie ich es denn schaffe, von der CeBIT zu berichten. ;-)

Barriere- und diskriminierungsfrei Telefonieren

Aus einer Pressemitteilung: „Dank der Netzzusammenschaltung von … und … können Kunden beider Unternehmen kostenlos miteinander über das Internet telefonieren. Beide Parteien verstehen ihre Partnerschaft als wichtigen Schritt hin zu einem barriere- und diskriminierungsfreien Voice-over-IP-Markt (…).“

Nochmal zur Erinnerung, §4 Behindertengleichstellungsgesetz:
„Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“ Ob die beiden Telekommunikationsunternehmen das gemeint haben? :-)

Willkommen in Hannover

Wegweiser zu meinem Arbeitsplatz - EG dpa Wort

Es ist CeBIT-Zeit! Die Massen fallen zwar erst morgen ein, aber heute gab es bereits die ersten Pressekonferenzen. Es ist die erste CeBIT, die ich, zumindest heute morgen, im Schnee erlebe. Brrrr….

Lustigstes Erlebnis: Ich habe am Infoschalter im Pressezentrum gefragt, wo die nächste Rollstuhltoilette ist. Die Beantwortung dieser Frage war doch schwieriger als ich angenommen hatte. Nach 15 Minuten hatten sie es rausgefunden: Im Pressezentrum gibt es keine Rollstuhltoilette. Aber wenigstens im gleichen Gebäudekomplex gibt es eine. Ich muss also nicht jedesmal durch Schnee und Kälte…

Erfreulich: Es gibt Stände, auch von großen Unternehmen, die rundherum keine Stufe haben sondern „verrampt“ sind. Sieht zudem auch noch chic aus. Die meisten haben wenigstens eine Rampe irgendwo. Immerhin.

Neuer Look

Den neuen Kopf dieses Blogs verdanke ich Stephan Rothe, der seinen Sonntag geopfert hat, um mir einen neuen Header zu bauen. Viiiiielen Dank! Ich hoffe, ich habe die Kubrick-Hasser jetzt ein wenig besänftigt. :-)

Behinderung der Pressearbeit

Der Marktführer wollte sein neues Produkt präsentieren. Vor der CeBIT sollte es noch sein. Und selbst ausprobieren durften es die etwa zehn anwesenden Journalisten auch. Bereits auf der Mobilfunkmesse in Cannes hatte mich die Pressesprecherin eingeladen.

Die Location

Der genaue Ort der Veranstaltung stehe noch nicht fest, aber in Hamburg sollte es sein. Ich sagte zu. Schließlich hatte ich sowieso einen Artikel zu dem Thema in Planung. Einige Tage später kam die Einladung der beauftragten PR-Agentur. Wieder teilte man mir mit, der Ort der Veranstaltung stehe noch nicht fest. Umso besser, dachte ich. Und schrieb in meine Anmeldung per Mail, dass sie bei der Wahl des Veranstaltungsorts bitte darauf achten sollen, dass der Veranstaltungsort stufenlos zugänglich ist. Man schrieb mir – wenn auch etwas kryptisch – dass sie der Veranstaltungsagentur diese Aufgabe mit auf den Weg gegeben hätten.

Barrierefreies Hamburg

Keine schwierige Aufgabe, fand ich. Schließlich waren wir in Hamburg und es gibt wohl recht viele Hotels, die diese Kriterien erfüllen. Vor sechs Monaten hatte mich die Konkurrenz des Unternehmens nach Warschau eingeladen und organisierte, ohne mit der Wimper zu zucken, eine barrierefreie Reise. Was in Warschau möglich ist, kann doch wohl an meinem Heimatort nicht das Problem sein. Und auch x andere Unternehmen haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es kein Problem ist.

Es gebe Fahrstühle, antwortete man mir. Dennoch wolle man mir einen Guide zur Seite stellen. Ich schrieb zurück, dass ich einen guten Orientierungssinn habe und ging davon aus, dass ich in ein Hotel komme, in dem alle Räume über Fahrstühle stufenlos erreichbar sind, wenn auch unter Umständen über nicht ganz so offensichtliche Wege. Das war der Deal. Es sollte anders kommen.

Der Guide

Während ich in der Lobby mit jemandem die Sushi-Platte verputzte (man hatte mir einer der Platten von der Bar mit den Barhockern „nach unten“ gebracht), kam die Pressesprecherin zu mir. Sie stellte mir einen jungen Mann vor, der mein Guide sein sollte. Ich muss wohl sehr grimmig geschaut haben, sagt mir der Mann später. Und ich war auch wirklich nicht amused. Ich brauche keine Betreuung, wenn ich an Veranstaltungen teilnehme. Nun gut. Ich dachte mir, ich ignoriere ihn einfach. Wenn er nix zu tun hat, trollt er sich vielleicht.

Der Parcours

Der erste Teil der Veranstaltung bestand aus einem Parcours durch das Hotel. Es gab verschiedene Stationen, an denen das Produkt präsentiert wurde. An Station 1 fiel mir die erste Stufe auf. Wir lachten viel in unserer Gruppe – es war eine gute Stimmung. An Station 3 des Parcours sagte man, ich müsse über einen Umweg zu der nächsten Station. Umweg hieß in dem Fall aus dem Hotel raus, durch den Schnee und durch den Müllraum des Hotels wieder rein. Ich wunderte mich etwas. Und auch der nette junge Mann sagte, er fände den Weg eigenartig.

„Was ist denn sonst ihre Aufgabe in dem Hotel?“ fragte ich meinen Guide. „Ich arbeite nicht für das Hotel. Ich bin vom Deutschen Roten Kreuz,“ antwortete er mir. Mir blieb fast die Spucke weg. Da hatte das Unternehmen, ohne das mit mir abzusprechen, einen Zivi beim DRK angefordert, der mich während der Veranstaltung betreuen sollte. Sehr nett, denken jetzt wohl einige. Ich fand das aber gar nicht nett. Ich kann mich in einer barrierefreien Umgebung völlig selbstständig bewegen und bin nicht auf Hilfe angewiesen. Wenn ich Hilfe brauche, melde ich mich und bestimme vor allen Dingen selbst, wann ich Hilfe möchte und von wem. Zu Presseveranstaltungen, bei denen ich mich nicht selbstbestimmt bewegen kann, gehe ich eigentlich gar nicht.

Die Stufen

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, kam der nächste Hammer: Wir standen vor drei Stufen. Ich war so perplex, dass ich viel zu spät wahrnahm, dass mich der Zivi bereits die drei Stufen runterkutschierte. Nach dem dritten „Aufschlag“ war ich aber wieder hellwach. Es sollten nämlich wieder zwei Stufen nach oben gehen. Ich machte unmissverständlich klar, dass ich die zwei Stufen nicht mehr gewillt war zu überwinden. Und hörte von unten der Präsentation auf der Empore zu. Akustisch war nichts zu verstehen für mich. War mir unterdessen auch egal. Schließlich wollte mir das Unternehmen etwas präsentieren – sie hätten also ein Interesse daran haben müssen, dass ich etwas höre.

Der Zivi zog mich mühevoll die drei Stufen wieder hoch – die Räder waren total nass vom Schnee und auch der Teppichboden machte das Unterfangen nicht einfacher. Auf dem Rückweg fragte ich ihn geistesgegenwärtig, ob noch weitere Stufen bei den anderen Stationen kommen. „Ja, für die Pressekonferenz nachher müssen wir einmal um das Hotel herum und dann wieder über Stufen in den Raum.“ Ich war baff. Hatte ich nicht einen Schriftwechsel bezüglich Stufen geführt? War nicht von „stufenlos“ die Rede?

Tragen ist keine Option

Dass ich mich sehr ungern tragen lasse, hatte ich bereits früher erwähnt. Noch wichtiger ist aber, dass ich entscheiden will, wann und zu welchem Anlass ich mich tragen lasse. Es ist ein Unterschied, ob ich mich in einem Land aufhalte, wo es schwierig ist, einen barrierefreien Veranstaltungsort zu finden oder ob es eher schwierig ist, ein Hotel zu finden, dass dieses Kriterium nicht erfüllt. Und allen, die glauben, dass in Deutschland grundsätzlich barrierefrei gebaut und umgebaut wird, sei gesagt, das Hotel ist im Herbst 2004 eröffnet worden.

Die Pressekonferenz

„Ich gehe nicht zur Pressekonferenz“, erklärte ich meiner Gruppe. Auch die Gründe nannte ich. Und ich bat die Journalistenkollegen, das den Veranstaltern auszurichten. Stattdessen setzte ich mich mit dem Zivi in die Bar. Einfach nach Hause gehen wollte ich auch nicht. Schließlich sollte niemand auf die Idee kommen, dass ich noch einen anderen Termin hätte. „Sie haben wirklich Rückgrat“, meinte der Zivi und ich war ihm sehr dankbar für die moralische Unterstützung. Ich war fest entschlossen, die PK sausen zu lassen.

Diskussion

Irgendwann fiel dann wohl doch auf, dass ich fehlte. Eine Eventmanagerin machte sich auf die Suche nach mir. Ich erklärte ihr in knappen Worten, dass ich nicht bereit bin, unter den Umständen, an der PK teilzunehmen. Sie hätten vor der Hotel-Suche gewusst, dass ich an der Veranstaltung teilnehmen würde und man hatte mir zugesagt, dass ich alleine zurecht komme. Sie zog wieder von dannen.

Eventmanagerin Nummer 2 versuchte mich wenig später zu überreden. Als ich ihr in epischer Breite erklärt habe, was Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe ist und wer darüber entscheidet, was für mich zumutbar ist und was nicht – nämlich ganz allein ich – erzählte sie mir vom behinderten Kind ihrer Schwester, das sie immer tragen.

Da war es wieder das „Ich kenne jemanden, der behindert ist“-Phänomen. Wenn sich Leute gegenüber behinderten Menschen falsch verhalten und das kritisiert wird, kommen sie mit dem Freund der Cousine dessen Schwippschwagers Onkel, der auch eine Behinderung hat und für den das kein Problem ist. Ich merkte, dass ich gegen eine Wand redete. Jeder schob die Verantwortung ab. Das Unternehmen auf die Eventagentur, die Eventagentur auf das Hotel, das Hotel auf die Bauordnung und auf mich. Sie machten mir alle unmissverständlich klar, dass ich das Problem bin – nicht die Organisation und vergaßen darüber, dass sie ein Interesse daran hatten, mir etwas zu präsentieren. Sie sahen „die Behinderte“ nicht „die Journalistin“.

Das Restaurant

30 Minuten sollte die PK dauern. Die Eventmanagerin sagte mir, ich könne schon mal im Restaurant Platz nehmen. Das Restaurant befand sich im Keller. Der Zivi sagte mir, dass wir durch die Tiefgarage müssten. Und tatsächlich: Nur über die PKW-Zufahrt führte der Weg ins Restaurant. Und wieder war eine Stufe zu überwinden. Als ich dann im Restaurant war, wartete ich gespannt, wie sich die Pressesprecherin verhalten werde. Ich erwartete eine Entschuldigung oder zumindest ein paar Ausflüchte. Doch erst einmal passierte nichts.

Die PK zog sich offensichtlich. Die Kellner wurden nervös und hatten Angst um das Essen. Ich bediente mich schon mal an dem Knabberkram, der auf dem Tisch stand. Nach weiteren 30 Minuten kamen dann die ersten Journalisten. Ich bekam zwei nette Tischnachbarn und auch die Sprecherin setzte sich an meinen Tisch. Sie sagte nichts dazu, dass ich nicht bei der PK war, sondern bot mir an, dass eine der Vortragenden mir noch mal kurz ihren Vortrag zusammen fassen sollte. Das passierte dann auch.

Der Kaffee

Es kamen Suppe, Hauptspeise und das Dessert. Die Pressesprecherin schlug vor, den Kaffee oben zu trinken. Ich ging davon aus, dass sie den Raum meinte, wo wir vorher schon Sushi aßen. Wieder irrte ich mich. Ich sagte, ich komme nach, da ich ja wieder durch die Tiefgarage musste.

Tiefgarage des Hotels
Mein Weg zum Restaurant

Der Zivi schob mich die steile PKW-Rampe hoch. Als ich oben ankam, war niemand der anderen zu sehen. Dann wurde mir schlagartig klar, dass die Pressesprecherin wohl die Lounge im 1. OG gemeint haben musste. Wieder viele Stufen. Ich rang wirklich mit der Fassung, ging zur Garderobe, ließ mir meine Jacke geben und verließ zusammen mit dem Zivi das Hotel, ohne mich von jemandem zu verabschieden.

Von dem Unternehmen hat sich bislang niemand bei mir gemeldet. Nur die PR-Agentur schickte mir eine Mail:
„Ganz herzlichen Dank noch einmal für Ihr Kommen – uns hat insbesondere auch der Austausch untereinander sehr viel Spaß gemacht!“

Gadgets

Sieben Fragen zu technischen Spielzeugen und dem Internet von cult7:

1. Welches technische Spielzeug (Gadget) würdest Du Dir am liebsten sofort kaufen?

Einen iPod habe ich schon. Deshalb fände ich einen iBot ganz nett. :-) Der kann Treppen steigen und noch allerlei andere nette Dinge. Ich habe nur Angst, dass irgendwann mal die Meldung erscheint „Es ist ein unbekannter Fehler aufgetreten“ oder „Das System ist ausgelastet“, wenn ich gerade dabei bin, den Kölner Dom zu erklimmen.

2. Für welchen Gegenstand hast Du zuletzt viel Geld ausgegeben?
Für meinen iPod. So viel wars dann aber auch nicht.

3. Was ist der überflüssigste Gegenstand auf Deinem Schreibtisch?
Der kleine aufblasbare Sessel, der ein Handyhalter sein soll.

4. Glaubensfrage: Mac oder Windows?
Windows.

5. Mit welcher Arbeit beschäftigst Du Dich am Computer am liebsten?
RSS und Blogs durchstöbern, Mails lesen.

6. Welche Website hast Du als Startseite in Deinem Browser. Und warum?
Google. Weil ich diese Seite am meisten brauche.

7. Gibt es etwas, das im Internet fehlt? Was?
Struktur, Benutzerfreundlichkeit, Übersichtlichkeit.