Archiv für 4.2.2005

Outing

Mainz bleibt Mainz - Bühne

Okay, es ist Zeit etwas zu beichten. Es ist ein bisschen mehr als 28 Jahre her, dass ich in einer Stadt geboren wurde, wo die Menschen nicht so sind wie sonst die Menschen auf der Welt. Sie sind laut, sie reden komisch und sie rufen zu bestimmten Jahreszeiten „Helau!“

Ja, ich gebe es zu, ich bin in Mainz geboren. Und als wäre das nicht schon schlimm genug – gibt es noch ein Geheimnis. Ganz Deutschland fragt sich doch, wer „Mainz bleibt Mainz“ schaut. Heute kann ich es zur Feier des Tages ja sagen: Ich. :-)

Die Woche der Partnerschaften

„Die Woche der Partnerschaften“ nannte heute jemand das Phänomen, das die WAI-Szene derzeit so erlebt.

Wenn ich mir die kobinet-Statistik ansehe, dürfte es keinen Begünstigten (Organisations-Sprech für Menschen mit Behinderungen) mehr geben, der die Meldung der Woche nicht gelesen hat – naja fast jedenfalls. :-) Dafür ist es aber erstaunlich still im Land der Dichter und Denker. Oder war die Denial-of-Service-Attacke bei Heise ein verzweifelter Versuch, Heise davon zu überzeugen, bei diesen Themen investigativ tätig zu werden?

Vielleicht hat der Angriff aber auch einen ganz anderen behindertenpolitischen Charakter: Weil Heise nicht barrierefrei ist, sollten einfach alle mal ins Leere gucken – nicht nur die Screenreader-Nutzer. Zudem kann man eine Seite, die offline ist, nicht gewaltsam zertifizieren. :-)

Zertifizierung

Derzeit wird in der WAI-Szene jeden Tag eine andere Sau durch das virtuelle Dorf getrieben. Heute war es die Ankündigung des „Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI)“ zusammen mit DIN CERTCO bis Mitte 2005 ein Zertifizierungsprogramm und ein Prüfverfahren zur Zertifizierung von barrierefreien Websites zu entwickeln.

Wenigstens den Professoren-Titel hätten die Barrierepfadfinder vom Barrierekompass Prof. Christian Bühler lassen können. ;-)

Ich bin gespannt, welche der so aufgebrachten Unterstützer (so heißen bei AbI die Unternehmen, die ihren guten Namen AbI zur Verfügung stellen und dafür ein Bapperl für ihr eigenes Internetangebot bekommen, ansonsten aber nicht so viel zu sagen haben) jetzt wirklich den Hut nehmen.

Während die kleinst-, klein- und mittelständischen Agenturen die Zertifizierung fürchten wie der Teufel das Weihwasser – Hauptargument: die Kosten für die Zertifizierung – bin ich der Meinung, dass man Barrierefreiheit nicht zertifizieren kann, weil es ständiger Überprüfung bedarf. Dennoch regt mich die Zertifizierungs-Initiative vom AbI wenig auf (ich bin ja auch kein Unterstützer, der nicht gefragt wurde), weil sich schon das DIN CERTCO – Zertifikat „Barrierefreies Bauen“ nicht durchgesetzt hat – und ein Haus ist viel einfacher zu zertifizieren als ein Internetauftritt. Auch da steht wohl der Preis im Weg.