Archiv für 16.8.2004

Lieber Mailer

„Lieber Mailer“ – so schreibt mich die ARD an, nachdem ich ihnen meine Kritik an der Berichterstattung zum Straßenradrennen geschrieben habe. :-(
Gut, ich sehe es ein, die Mail hätte ich mir sparen können

Von Movable Type zu WordPress

Dank Stephan Rothe habe ich dieses wunderbare Blogprogramm WordPress entdeckt und habe ratzfatz meinen Blog darauf umgestellt. Movable Type hat mich nicht wirklich überzeugt. Ganz im Gegensatz zu WordPress!

Mit Stinkefinger zur Medaille

Während der Zieleinfaht beim Straßen-Radrennenn zeigte Judith Arndt den Radsport-Funktionären den Stinkefinger. 200 Schweizer Franken kostet sie das jetzt. Sie demonstrierte damit gegen die Entscheidung, ihre Lebensgefährtin Petra Roßner nicht zu nominieren. Ob es etwas damit zu tun hat, dass die beiden Frauen lesbisch sind? Der Radsport-Verband jedenfalls trägt nur fadenscheinige Begründungen vor, beschwerte sich Petra Roßner im Interview mit der ARD.

A propos ARD: Die Kommentatoren des Radrennens waren eine Zumutung. Die Radfahrerinnen bezeichneten sie als „die Mädchen“ – nicht einmal, mehrfach. Und dann behelligten sie die Zuschauer noch mit Äußerungen über das Aussehen einiger Sportlerinnen. Unterste Schublade, liebe ARD! Wie wäre es, wenn das nächste Mal da einfach Frauen erzählen, was Sache ist. Die Männer können es scheinbar nicht.

Dominanzkultur

Zeitung
© Photocase

Die ZEIT hat die Gehörlosen entdeckt. Kaum entdeckt, werden sie auch schon wieder totgeschrieben! Gehörlose seien vom Aussterben bedroht, lesen wir da. Zu verdanken haben wir das dem Cochlea Implantat, das die dominanzkulturelle Gesellschaft endlich von dieser Minderheit befreit – so jedenfalls liest sich der Artikel.

Ich glaube, dass so ein Artikel der gleichberechtigten Teilhabe gehörloser Menschen schadet. Und zwar nicht, weil er verspricht, dass es bald keine Gehörlosen mehr gibt – eine offensichtliche Ente – sondern weil in dem gesamten Artikel der Eindruck erweckt wird, dass ein Leben nur hörend richtig lebenswert ist.

Ich halte den Artikel, gerade weil ich Journalistin bin, für einen pr-technischen Super-Gau für die Gehörlosengemeinschaft und einen großen Sieg für die Menschen, die gehörloses, gebärdensprachliches Leben als weniger wert empfinden. Nichts anderes wird in dem Artikel bestätigt. Schade. Ich dachte, die Menschen seien weiter…

Fünf Fragen am 12. August

Gimme5

1. Was ist Deine erste Kindheitserinnerung?
Irgendwo beim Arzt.

2. Was war Deine liebste Freizeitbeschäftigung?
Lesen.

3. Was für Streiche hast Du gemacht?
Klingelstreiche.

4. Was war die schlimmste Strafe, die du bekamst?
In der Schule war ich stolze Besitzerin eines blauen Briefs.

5. Welches war der Spruch der Deine Mutter immerwieder zu Dir gesagt hat?
Weiß ich nicht mehr.

Die Bahn ganz früh hellwach

Ich gebe zu, wenn mich normalerweise jemand fragen würde, welches Dienstleistungsunternehmen in Deutschland meine Nerven bislang am meisten strapaziert hat, hätte ich sofort die Deutsche Bahn genannt: Kein Hublift, unfreundliches Personal, kaputte oder gar keine Fahrstühle, falsche Auskünfte – alles habe ich mehrfach schon erlebt. Doch seit gestern bin ich ein wenig versöhnt, denn die Bahn war ganz früh hellwach.

Ich musste sehr früh nach Berlin und wollte um 6:08 Uhr den ICE ab Hamburg-Hauptbahnhof nehmen. Ich hatte mich am Tag zuvor bei der Mobilitätszentrale über das Internet angemeldet, da ich Rollstuhlfahrerin bin. Als ich am Bahnhof ankam und auf die Anzeigetafel in der Bahnhofshalle schaute, stand da schon, dass mein Zug auf Gleis 12 einfahren werde. Ich ging also zu Gleis 12 und wartete auf das Servicepersonal. Eine freundliche Stimme sagte auf deutsch und englisch, dass der ICE nach Berlin heute auf Gleis 12 statt auf Gleis 8 einfahren werde. Ich war froh, schon auf dem richtigen Gleis zu stehen.

Ein netter älterer Mitarbeiter begrüßte mich sehr freundlich und fragte mich, ob ich denn gleich gesehen hätte, dass der Zug heute auf einem anderen Gleis einfahre. «Hatte ich schon an der Anzeigetafel gesehen», sagte ich ihm. «Wissen Sie auch warum?», fragte er mich. Ich zuckte mit den Schultern. «Ja wegen Ihnen», sagte er. «Wegen mir?» schaute ich ihn ungläubig an. Er strahlte zurück: «Der Fahrstuhl an Gleis 8 ist defekt. Der hat die Hitze nicht vertragen. Und weil wir wussten, dass Sie kommen, hat der Nachtdienst den ICE auf ein anderes Gleis verlegt.» Er konnte seinen Stolz über soviel Kundenfreundlichkeit kaum verbergen. Ich war mehr als überrascht über soviel Weitsichtigkeit und bedankte mich herzlich bei ihm. Er versprach mir, dass ich auch nachmittags, wenn ich wieder aus Berlin zurück sei, keine Probleme haben werde.

Und tatsächlich: Als ich um 16:00 Uhr wieder aus Berlin zurückkam, war der Fahrstuhl an Gleis 8 repariert.

Schnecken

Ich hatte mir Nudeln mit Sahnesoße bestellt. Die etwas wortkarge Bedienung brachte mir nach etwa zehn Minuten mein Essen. Die Tortellini waren mit Rucola-Salat und Cocktail-Tomaten dekoriert. Als ich zwei oder drei Löffel voll gegessen hatte und gerade ein Salatblatt mit der Gabel zum Mund führen wollte, fand ich ein kleines Schneckenhaus in meinem Essen.

Ich rief die Bedienung. Diese hatte auch schnell eine Erklärung parat: Die Schnecke sei von oben herunter gefallen. Über mir befand sich nichts als Himmel. Die Schnecke hatte sich also aus dem Himmel gestürtzt und sich anschließend unter dem Salatblatt in der Sahnesosse versteckt. Ja, klar… Erst vor zwei Wochen fand ich im Fisch beim Mittagessen eine kleine Spinne eingebraten. Igitt!

Ich verlangte ein neues Essen. Die Bedienung brachte eine neue Portion Tortellini – was fehlte, war der Salat. Warum nur?

Barrierefreies Internet

Buchcover Barrierefreies Webdesign

Jan Eric Hellbusch, Tomas Caspers, Ralph Raule und Stefan Rothe haben eines gemeinsam: Sie setzen sich für ein barrierefreies Internet ein. Jetzt haben sie sich mit anderen zusammen getan und ein Buch zu barrierefreiem Webdesign geschrieben. Herausgeber ist Prof. Christian Bühler. Das Buch erscheint im September und kann bei Amazon schon bestellt werden.

Wie ich das Buch finde, wird irgendwann hier zu lesen sein. Ich hoffe, es ist so geschrieben, dass auch die Beamten in Ministerien und die Studienabbrecher in den Agenturen verstehen, worum es geht.

Oralismus

Kind mit offenem Mund
© Photocase

„The only place for oralism is the bedroom!“, meint Dr. Paddy Ladd. Das lese ich im Taubenschlag.

Also, genug diskutiert: Oralisten sollten ihre Neigungen zukünftig privat ausleben. :-)

Fünf Fragen

Gimme5

1. Was ist Dein Lieblingsmärchen?
Schneewittchen und die sieben Zwerge

2. Was ist Deine Lieblingsfigur aus einem Märchen?
Die Zwerge.

3. Hat Dir Dein Vater/Deine Mutter Märchen am Bett vorgelesen?
Ich glaube ja. Später fand ich allerdings TKKG- und ???-Hörspiele viel spannender.

4. Hattest Du vor einer Figur in einem Märchen angst?
Nein. Ich war schon immer furchtlos. :-)

5. Magst Du Harry Potter?
Habe ich nicht gelesen/gesehen.